{"id":385181,"date":"2026-09-09T16:41:13","date_gmt":"2026-09-09T16:41:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/385181\/"},"modified":"2026-09-09T16:41:13","modified_gmt":"2026-09-09T16:41:13","slug":"feminismus-mit-dem-gewehr-niki-de-saint-phalle-schoss-gegen-maennermacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/385181\/","title":{"rendered":"Feminismus mit dem Gewehr: Niki de Saint Phalle schoss gegen M\u00e4nnermacht"},"content":{"rendered":"<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Durchdringend schaut \u201eLe T\u00e9moin\u201c alle Besucher und Besucherinnen an, die an ihr vorbeilaufen. Eine Iris ist hellgr\u00fcn, die andere blau, und beide sind so gro\u00df wie Untertassen. Tiefschwarze Wimpern recken sich wie Spinnenbeine in die H\u00f6he und ber\u00fchren fast das feuerrote Haar der Skulptur aus Polyester. Geschaffen hat den Kopf die franz\u00f6sische K\u00fcnstlerin Niki de Saint Phalle als Symbol f\u00fcr unabh\u00e4ngiges Denken. Au\u00dferdem steht er f\u00fcr den Kampf der K\u00fcnstlerin um Anerkennung der Frau als selbstbestimmtes Subjekt.<\/p>\n<p>Vitamin D &#8211; Dein Newsletter f\u00fcr D\u00fcsseldorf<\/p>\n<p>Jede Woche Deine Dosis D\u00fcsseldorf: Spannende Geschichten, besondere Menschen und ausgesuchte Gastro-Tipps.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/1788972071_81_newsletter-envelope.png\" alt=\"Newsletter Illustration\" class=\"h-full w-full max-w-full object-cover md:max-w-[226px] lg:max-w-[234px]\" loading=\"lazy\"\/>Vitamin D &#8211; Dein Newsletter f\u00fcr D\u00fcsseldorf<\/p>\n<p>Jede Woche Deine Dosis D\u00fcsseldorf: Spannende Geschichten, besondere Menschen und ausgesuchte Gastro-Tipps.<\/p>\n<p>Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der <a href=\"https:\/\/www.nrz.de\/service\/newsletter-adconsent\" class=\"text-copy-accent underline decoration-solid underline-offset-1 hover:text-primary-700\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Werbevereinbarung<\/a> zu.<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Es ist ein Kampf um Selbstbehauptung, den Niki de Saint Phalle ihr Leben lang gef\u00fchrt hat und der tief in all ihren Arbeiten verwurzelt ist. Gerade also \u201eLe T\u00e9moin\u201c an den Eingang der neuen Sonderausstellung \u201eDream Machine\u201c (10.9.2026 bis 7.2.2027) zu stellen, ist ein gelungener Schachzug vom Kunstpalast und Kuratorin Heike van den Valentyn. In zw\u00f6lf Themenr\u00e4umen mit rund 100 Werken begleiten Besucherinnen und Besucher Niki de Saint Phalle auf ihrem Weg zur weiblichen Freiheit.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/413098944_1788876215_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[4\/3]\" alt=\"Lesen neben vielen anderen Autoren und Prominenten bei der Lit.Ruhr: Bosse, Carolin Emcke, Martina Gedeck, Harald Welzer, Vera Zischke und Robert Habeck (v.l.)\" title=\"Lesen neben vielen anderen Autoren und Prominenten bei der Lit.Ruhr: Bosse, Carolin Emcke, Martina Gedeck, Harald Welzer, Vera Zischke und Robert Habeck (v.l.)\" loading=\"lazy\"\/>Niki de Saint Phalle: Missbrauch und Wut<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">\u201eNiki de Saint Phalle ist eine feministische K\u00fcnstlerin mit gro\u00dfen Tr\u00e4umen\u201c, findet Kuratorin Heike van den Valentyn. Um sich als K\u00fcnstlerin und Frau im m\u00e4nnlichen Klima der 60er-Jahre durchzusetzen, w\u00e4hlte sie zu Beginn einen radikal-anmutenden Weg. Fr\u00fche Assemblagen sprechen eine deutliche Sprache: In ihnen sind Messer, Revolver und andere d\u00fcstere Dinge eingearbeitet. Auch die sogenannten \u201eTirs\u201c, die Schie\u00dfbilder, rechnen mit dem Patriarchat ab. \u201eSie entstanden in einer gro\u00dfen Wut \u00fcber die festen Rollenbilder\u201c, so van den Valentyn.<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Mit \u201eAhriman et Lucifer attaquent\u201c h\u00e4ngt ein dreifl\u00fcgeliges Schie\u00dfbild im Kunstpalast, auf dem zwei monstr\u00f6se Gestalten mit riesigen Z\u00e4hnen und Klauen eine hilflose Puppe in der Bildmitte angreifen. Hier verarbeitet Saint Phalle nicht nur Geschlechterrollen, sondern auch traumatische Erlebnisse aus der Kindheit wie den Missbrauch durch ihren eigenen Vater. Besonders bedrohlich wirkt das Bild auch durch die schwarzen Farbspritzer, die sich \u00fcber die wei\u00dfe Gipsschicht verteilen.<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Wie diese Effekte entstanden sind? Genau hier kommen die Schusswaffen ins Spiel. Mit denen maltr\u00e4tierte Niki de Saint Phalle die Bilder und lie\u00df die Farbeinschl\u00fcsse unter der Gipsschicht explodieren. Sekunden sp\u00e4ter ergoss sich die Farbe dann von selbst \u00fcber den Gips. Allein schoss die K\u00fcnstlerin selten. Manchmal griffen Kollegen und Kolleginnen zur Waffe, ein anderes Mal war es das Publikum. \u201eSie hat Kunst immer auch als etwas Interaktives gesehen, um mit den Menschen in einen Dialog zu kommen\u201c, erkl\u00e4rt die Kuratorin.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/413110253_1788969026_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"D\u00fcsseldorf - Niki de Saint Phalle im Museum Kunstpalast\" title=\"\u201eLe T\u00e9moin\u201c begr\u00fc\u00dft die Besucherinnen und Besucher direkt zu Beginn der neuen Ausstellung \u201eDream Machine\u201c.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\u201eLe T\u00e9moin\u201c begr\u00fc\u00dft die Besucherinnen und Besucher direkt zu Beginn der neuen Ausstellung \u201eDream Machine\u201c.\u00a9 FUNKE Foto Services | Lars Heidrich<\/p>\n<p> Yayoi Kusama als Leidensgenossin im Kunstpalast<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Viele Arbeiten der 2002 verstorbenen K\u00fcnstlerin sind auch in Kollaboration mit Kolleginnen und Kollegen entstanden. \u201eWir wollten sie als Teil eines Netzwerkes zeigen. Ob nun mit den Kollaborationen oder indem wir Arbeiten anderer K\u00fcnstlerinnen in Dialog mit den Werken von Niki de Saint Phalle stellen\u201c, erkl\u00e4rt Felix Kr\u00e4mer, Generaldirektor und k\u00fcnstlerischer Leiter der Stiftung Museum Kunstpalast in D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Und dieses Zusammenspiel funktioniert hervorragend. Manchmal, wie im Fall von Yayoi Kusama, ist es Trauma, das verbindet. Die k\u00fcrzlich verstorbene japanische K\u00fcnstlerin ist mit phallus-\u00e4hnlichen Skulpturen in D\u00fcsseldorf vertreten. Sie litt, ebenso wie Niki de Saint Phalle, unter einer schwierigen Beziehung zur eigenen Mutter. In \u201eDevouring Mothers\u201c (Verschlingende M\u00fctter) verarbeitet Saint Phalle die strenge Erziehung in der eigenen Kindheit. Vor den biederen Damen mit grauen Haaren liegt bei der Kaffeetafel n\u00e4mlich kein St\u00fcck Kuchen auf dem Teller, sondern eine baby\u00e4hnliche Puppe.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/411443627_1773331554_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[4\/3]\" alt=\"Der \u201eInfinity Mirrored Room - The Hope of the Polka Dots Buried in Infinity Will Eternally Cover the Universe\u201c (2025) von Yayoi Kusama ist ein begehbares Kunstwerk und eines von 300 Werken, die im Museum Ludwig in K\u00f6ln ausgestellt werden.\" title=\"Der \u201eInfinity Mirrored Room - The Hope of the Polka Dots Buried in Infinity Will Eternally Cover the Universe\u201c (2025) von Yayoi Kusama ist ein begehbares Kunstwerk und eines von 300 Werken, die im Museum Ludwig in K\u00f6ln ausgestellt werden.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Im Fall von Luise Kimme ist es die Kunst und die Vorliebe f\u00fcr Polyester als Werkstoff, die die beiden verbindet. Das Werk \u201eBaum\u201c von Luise Kimme scheint f\u00f6rmlich mit farbenfrohen Werken von Niki de Saint Phalle im Raum zu verschmelzen. Die Skulptur aus gl\u00e4nzendem Polyester hat eine \u00e4hnliche raumgreifende Pr\u00e4senz, wie die so ber\u00fchmten Nanas der Franz\u00f6sin. Es waren ihre ersten autonomen Skulpturen. Mit den kurvigen, knallbunten Polyester-Damen huldigte sie der Weiblichkeit in einer Form, die in den 60er-Jahren noch als radikal galt.<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">In D\u00fcsseldorf stehen geb\u00e4rende Nanas, schlittschuhlaufende Nanas, Nanas in aufreizender Lingerie und tanzende Nanas. Andere h\u00e4ngen wie kleine kurvige Quellwollen von der Decke und eine wurde sogar gekreuzigt. Sie alle zeigen verschiedene Facetten von Weiblichkeit und sie alle brauchen Platz. Manch eine Nana in D\u00fcsseldorf ist gut zwei Meter gro\u00df. Mit den so freundlich wirkenden Nanas hat sich Niki de Saint Phalle auch ihren gr\u00f6\u00dften Traum erf\u00fcllt: \u201eDie Nanas sind freie Frauen\u201c, sagte sie Ende der 70er in einer Filmdokumentation.<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Niki de Saint Phalle &#8211; Dream Machine, 10.9.26 bis 7.2.27, Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, D\u00fcsseldorf. Di-So 11-18 Uhr, Do 11-21 Uhr, Mo geschlossen. Eintritt 16 Euro (Kinder unter 18 Jahren frei).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Durchdringend schaut \u201eLe T\u00e9moin\u201c alle Besucher und Besucherinnen an, die an ihr vorbeilaufen. 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