{"id":38868,"date":"2026-03-11T16:07:21","date_gmt":"2026-03-11T16:07:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/38868\/"},"modified":"2026-03-11T16:07:21","modified_gmt":"2026-03-11T16:07:21","slug":"studie-zu-schmerzaufloesung-bei-frauen-und-maennern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/38868\/","title":{"rendered":"Studie zu Schmerzaufl\u00f6sung bei Frauen und M\u00e4nnern"},"content":{"rendered":"<p>                <img decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"320\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/laura-pomer.jpeg\" alt=\"FITBOOK-Autorin Laura Pomer\" loading=\"lazy\"  fetchpriority=\"auto\" class=\"img-927197 size-m d-inline-block img-fluid w-100 bg-author-fallback rounded-circle h-100 object-fit-cover\"\/><\/p>\n<p class=\"font-secondary fw-light small\" data-type=\"timestamp\">10. M\u00e4rz 2026, 13:15 Uhr |<br \/>\n    Lesezeit: 6 Minuten\n<\/p>\n<p class=\"is-style-excerpt is-style-excerpt--1\">Beim Thema Schmerzen scheint es geschlechtsspezifische Unterschiede zu geben. Frauen leiden h\u00e4ufiger unter chronischen Schmerzen, w\u00e4hrend M\u00e4nner oft als weniger schmerzempfindlich gelten \u2013 sei es durch soziale Pr\u00e4gung oder aus biologischen Gr\u00fcnden. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass bestimmte Immunzellen bei M\u00e4nnern Schmerzen tats\u00e4chlich schneller abbauen als bei Frauen. FITBOOK geht n\u00e4her auf die Untersuchung ein, und hat auch eine unabh\u00e4ngige Schmerzexpertin um ihre Bewertung gebeten.<\/p>\n<p>Unterschiedliche Schmerz\u00e4u\u00dferungen bei Frauen und M\u00e4nnern<\/p>\n<p>Frauen berichten nach Verletzungen und Entz\u00fcndungen h\u00e4ufiger \u00fcber anhaltende Schmerzen als M\u00e4nner. Eine Annahme ist, dass Frauen und M\u00e4nner Schmerzen unterschiedlich \u00e4u\u00dfern, was wahrscheinlich auch soziokulturelle Gr\u00fcnde hat.<a href=\"#c139d927-0083-425a-9426-a1e6614e87c6\" id=\"c139d927-0083-425a-9426-a1e6614e87c6-link\">1<\/a> Immerhin werden in zahlreichen Kulturen Schmerz\u00e4u\u00dferungen als Zeichen von Schw\u00e4che gewertet.<\/p>\n<p>Doch auch biologische Unterschiede in der Schmerzwahrnehmung werden seit einigen Jahren intensiv untersucht. Fr\u00fchere Studien zeigten, dass Immunzellen und ihre Botenstoffe \u2013 sogenannte Zytokine \u2013 eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Schmerzen spielen.<a href=\"#65011d5c-e25d-41a8-88f0-5b59cbf1cad9\" id=\"65011d5c-e25d-41a8-88f0-5b59cbf1cad9-link\">2<\/a> Besonders das Zytokin Interleukin-10 (IL-10) wirkt dabei wie ein \u201eSchmerzhemmer\u201c. Es kann Entz\u00fcndungen d\u00e4mpfen und zugleich die Aktivit\u00e4t von Schmerzrezeptoren beeinflussen. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen untersuchte eine aktuelle Studie der Michigan State University, ob IL-10\u2013produzierende Monozyten bei M\u00e4nnern und Frauen unterschiedlich zur Aufl\u00f6sung von Schmerzen beitragen.<a href=\"#8fa01192-184c-4317-9558-a5948d7d7db9\" id=\"8fa01192-184c-4317-9558-a5948d7d7db9-link\">3<\/a><\/p>\n<p>Auch interessant: <a href=\"https:\/\/www.fitbook.de\/mind-body\/schmerzen-von-frauen-weniger-ernst-genommen\" type=\"post\" id=\"691600\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Laut Studie werden Schmerzen von Frauen weniger ernst genommen<\/a><\/p>\n<p>Details zur Untersuchung<\/p>\n<p>Ziel der Untersuchung war es, die zellul\u00e4ren und molekularen Mechanismen hinter der m\u00f6glicherweise schnelleren Schmerzaufl\u00f6sung bei M\u00e4nnern zu identifizieren. Dazu kombinierten die Forscher pr\u00e4klinische Modelle von Entz\u00fcndung und traumatischer Verletzung bei M\u00e4usen mit klinischen Daten von Menschen nach Unf\u00e4llen.<\/p>\n<p>Auch interessant: <a href=\"https:\/\/www.fitbook.de\/gesundheit\/arzt-ignoriert-beschwerden\" type=\"post\" id=\"956232\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fast jede dritte Frau hat negative Erfahrungen mit \u00c4rzten gemacht<\/a><\/p>\n<p>Teil 1: Versuche an M\u00e4usen<\/p>\n<p>In den Tiermodellen l\u00f6sten die Forscher bei M\u00e4usen Schmerzen aus, einerseits durch entz\u00fcndliche Reize und andererseits durch ein traumatisches Modell unter Stress. Die Schmerzreaktionen erfassten sie mithilfe standardisierter mechanischer Tests. Zus\u00e4tzlich nutzten sie genetisch ver\u00e4nderte M\u00e4use, um IL-10-produzierende Monozyten sichtbar zu machen und deren Aktivit\u00e4t gezielt zu untersuchen. Au\u00dferdem testeten sie, welchen Einfluss m\u00e4nnliche Sexualhormone \u2013 sogenannte Androgene \u2013 und deren Rezeptoren auf diese Zellen haben.<\/p>\n<p>Dabei zeigte sich, dass m\u00e4nnliche M\u00e4use Schmerzen nach entz\u00fcndlichen oder traumatischen Reizen deutlich schneller abbauten als weibliche. Die Forscher konnten nachweisen, dass IL-10\u2013produzierende Monozyten dabei eine Schl\u00fcsselrolle spielen: Je mehr dieser Zellen vorhanden waren, desto schneller klang der Schmerz ab. Die von den Monozyten freigesetzten IL-10-Signale wirken dabei direkt auf Rezeptoren von sensorischen Nervenzellen und tragen so zur D\u00e4mpfung der Schmerzsignale bei.<\/p>\n<p>Androgene f\u00f6rdern schmerzlindernde Immunzellen<\/p>\n<p>M\u00e4nnliche Sexualhormone erh\u00f6hten sowohl die Zahl als auch die Aktivit\u00e4t dieser Monozyten. Umgekehrt verz\u00f6gerten die Blockade von Androgenrezeptoren oder das Entfernen von IL-10 die Schmerzaufl\u00f6sung deutlich. Dar\u00fcber hinaus zeigte sich, dass der Botenstoff Resolvin D1 die IL-10-Produktion der Monozyten stimuliert und dadurch die Schmerzaufl\u00f6sung beschleunigt. Dieser Effekt trat bei M\u00e4usen beider Geschlechter auf.<\/p>\n<p>Teil 2: Humanstudie<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend werteten die Forscher Daten aus der AURORA-Studie aus, in der 245 Personen nach traumatischen Unf\u00e4llen \u2013 \u00fcberwiegend Verkehrsunf\u00e4llen \u2013 untersucht wurden.<a href=\"#e63cc03a-d3dd-44bd-b76c-55736f890bba\" id=\"e63cc03a-d3dd-44bd-b76c-55736f890bba-link\">4<\/a> Die Teilnehmer gaben ihre Schmerzintensit\u00e4t unmittelbar nach dem Unfall sowie in den folgenden Wochen auf einer Skala von 0 bis 10 an. Daneben analysierten die Forscher Blutproben und bestimmten darin sowohl die IL-10-Spiegel als auch die gesch\u00e4tzten Anteile verschiedener Immunzellen, darunter Monozyten. Die Ergebnisse spiegelten die Befunde aus den Tiermodellen wider. M\u00e4nner berichteten im Verlauf der Studie \u00fcber eine schnellere Abnahme ihrer Schmerzen als Frauen. Gleichzeitig wiesen sie h\u00f6here IL-10-Spiegel und gr\u00f6\u00dfere Anteile an Monozyten im Blut auf.<\/p>\n<p>IL-10 und Monozyten auch beim Menschen mit Schmerzaufl\u00f6sung verkn\u00fcpft<\/p>\n<p>Weitere Analysen zeigten, dass h\u00f6here IL-10-Werte mit einer st\u00e4rkeren Abnahme der Schmerzen verbunden waren. Statistische Modelle deuteten zudem darauf hin, dass IL-10 den Zusammenhang zwischen Monozyten und Schmerzaufl\u00f6sung vermittelt. Dies spricht daf\u00fcr, dass Immunzellen auch beim Menschen eine wichtige Rolle bei der Regulation von Schmerzen spielen.<\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" width=\"128\" height=\"72\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/ernaehrungsform-immunsystem_gettyimages-2080397462.jpg\" alt=\"Eine bestimmte Ern\u00e4hrungsform greift das Immunsystem an\" loading=\"lazy\"  fetchpriority=\"auto\" class=\"img-944532 size-s d-inline-block img-fluid w-100 bg-fallback \"\/><\/p>\n<p>        Laut M\u00e4usestudie<br \/>\n        <a href=\"https:\/\/www.fitbook.de\/gesundheit\/ernaehrungsform-immunsystem\" class=\"d-block my-1 text-break stretched-link text-teaser-title-color h5 text-dark-hover\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bestimmte Ern\u00e4hrungsform k\u00f6nnte das Immunsystem lahmlegen<\/a><\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" width=\"128\" height=\"72\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/gettyimages-1164186302.jpg\" alt=\"\u00dcbergewichtiger Mann\" loading=\"lazy\"  fetchpriority=\"auto\" class=\"img-814253 size-s d-inline-block img-fluid w-100 bg-fallback \"\/><\/p>\n<p>        Laut Studie<br \/>\n        <a href=\"https:\/\/www.fitbook.de\/gesundheit\/studie-uebergewicht-maenner-schaedlich\" class=\"d-block my-1 text-break stretched-link text-teaser-title-color h5 text-dark-hover\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Warum \u00dcbergewicht f\u00fcr M\u00e4nner sch\u00e4dlicher ist als f\u00fcr Frauen\u00a0<\/a><\/p>\n<p>M\u00f6gliche Bedeutung der Ergebnisse<\/p>\n<p>Die Studie zeigt erstmals, dass IL-10\u2013produzierende Monozyten eine wichtige Rolle bei der Aufl\u00f6sung von Schmerzen spielen. Dies k\u00f6nnte zumindest teilweise erkl\u00e4ren, warum Schmerzen bei M\u00e4nnern im Durchschnitt schneller abklingen als bei Frauen. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung liegt darin, dass m\u00e4nnliche Sexualhormone die Bildung und Aktivit\u00e4t dieser Monozyten f\u00f6rdern und damit auch die Produktion des entz\u00fcndungshemmenden Botenstoffs IL-10 steigern. Frauen k\u00f6nnten daher \u2013 zumindest unter bestimmten Bedingungen \u2013 anf\u00e4lliger f\u00fcr l\u00e4nger anhaltende Schmerzen sein.<\/p>\n<p>Zudem liefern die Ergebnisse neue Hinweise darauf, wie das <a class=\"wpg-linkify\" href=\"https:\/\/www.fitbook.de\/health\/was-ist-das-immunsystem-und-wieso-ist-es-fuer-uns-so-wichtig\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Immunsystem<\/a> direkt mit dem Nervensystem zusammenwirkt. Die Kommunikation zwischen Immunzellen und Nervenzellen \u00fcber das IL-10-Signal k\u00f6nnte daher ein m\u00f6glicher Ansatzpunkt f\u00fcr zuk\u00fcnftige Schmerztherapien sein. Denkbar w\u00e4re etwa, gezielt die Aktivit\u00e4t von IL-10-produzierenden Monozyten zu f\u00f6rdern \u2013 beispielsweise durch Wirkstoffe wie Resolvin D1.<\/p>\n<p>Einsch\u00e4tzung einer unabh\u00e4ngigen Expertin<\/p>\n<p>FITBOOK hat PD\u202fDr.\u202fB\u00e4umler, Leiterin der Arbeitsgruppe Forschung am Interdisziplin\u00e4ren Schmerzzentrum des LMU Klinikums, um ihre Einsch\u00e4tzung gebeten. Sie sieht erste Hinweise, dass die Beobachtungen aus den Tiermodellen auch beim Menschen relevant sein k\u00f6nnten: In der Humananalyse mit Unfallpatienten berichteten Frauen bis 84 Tage nach dem Ereignis \u00fcber weniger abnehmende Schmerzen als M\u00e4nner \u2013 gleichzeitig lagen ihre IL\u201110-Spiegel niedriger. H\u00f6here IL\u201110-Werte korrelierten mit st\u00e4rkerer Schmerzreduktion. \u201eDas deutet darauf hin, dass IL\u201110 eine Rolle bei der Schmerzaufl\u00f6sung beim Menschen spielen k\u00f6nnte\u201c, erkl\u00e4rt Dr. B\u00e4umler.<\/p>\n<p>Gleichzeitig betont sie, dass viele weitere Faktoren den Schmerzverlauf beeinflussen. Die Werte streuen stark, und neben biologischen Aspekten wie Trauma, Entz\u00fcndung oder genetischer Pr\u00e4disposition spielen auch psychologische Faktoren wie Angst oder katastrophisierende Erwartungen eine wichtige Rolle. \u201eSchmerzchronifizierung ist ein komplexer Prozess, bei dem biologische, psychologische und soziale Einfl\u00fcsse zusammenspielen\u201c, so die Expertin.<\/p>\n<p>Perspektiven f\u00fcr neue Therapien <\/p>\n<p id=\"h-\">Ob sich der IL\u201110-Signalweg gezielt therapeutisch nutzen l\u00e4sst, ist noch unklar. Bisher waren Versuche, einzelne Mediatoren der Schmerzchronifizierung medikament\u00f6s zu beeinflussen, nur begrenzt erfolgreich. Dr. B\u00e4umler empfiehlt, Schmerz weiterhin als biopsychosoziales Geschehen zu betrachten.<\/p>\n<p>IL\u201110 oder Monozyten als Marker? Nach aktuellem Stand eignen sich IL\u201110-Spiegel oder Monozytenzahlen noch nicht als verl\u00e4ssliche Marker f\u00fcr den Schmerzverlauf. Die gro\u00dfe Variabilit\u00e4t der Werte erlaubt keine belastbaren Vorhersagen. Zur Pr\u00fcfung w\u00e4ren gr\u00f6\u00dfere Validierungsstudien mit mehreren Hundert Patienten n\u00f6tig.\u00a0Zielf\u00fchrender\u00a0seien Prognosemodelle, die biologische, psychologische und soziale Faktoren gemeinsam ber\u00fccksichtigen.\u00a0<\/p>\n<p>Einschr\u00e4nkungen<\/p>\n<p>Die Studie weist auch einige Einschr\u00e4nkungen auf. So lassen sich Ergebnisse aus Mausmodellen nur begrenzt auf den Menschen \u00fcbertragen. W\u00e4hrend bei M\u00e4usen lokale Entz\u00fcndungsreaktionen in der Haut untersucht wurden, basieren die menschlichen Daten auf Selbstangaben zu Schmerzen sowie auf Blutanalysen.<\/p>\n<p>Zudem konnten bei den Teilnehmern der Humanstudie nur Zusammenh\u00e4nge zwischen IL-10-Spiegeln, Monozytenanteilen und Schmerzverlauf beobachtet werden. Ein direkter Nachweis, dass Monozyten beim Menschen tats\u00e4chlich die Hauptquelle des IL-10 sind, war in dieser Analyse nicht m\u00f6glich. Auch unterschieden sich Art und Ort der Verletzungen zwischen den Teilnehmern, was den Vergleich der Schmerzverl\u00e4ufe erschwert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"10. 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