{"id":38964,"date":"2026-03-11T17:08:09","date_gmt":"2026-03-11T17:08:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/38964\/"},"modified":"2026-03-11T17:08:09","modified_gmt":"2026-03-11T17:08:09","slug":"arthur-mensch-4-thesen-zur-zukunft-der-ki-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/38964\/","title":{"rendered":"Arthur Mensch &#8211; 4 Thesen zur Zukunft der KI in Europa"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Illustration: Eine lebendige Illustration, die eine Roboterhand zeigt, die ein menschliches Gehirn h\u00e4lt und die Synergie zwischen Technologie und menschlicher Intelligenz symbolisiert. \" alt=\"Illustration: Eine lebendige Illustration, die eine Roboterhand zeigt, die ein menschliches Gehirn h\u00e4lt und die Synergie zwischen Technologie und menschlicher Intelligenz symbolisiert. \" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/578173253-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Kritische Systeme m\u00fcsse man selbst kontrollieren, sagt Mistral-Mitbegr\u00fcnder Arthur Mensch zum Thema KI-Ausbau in Europa (picture alliance \/ imageBROKER \/ Addictive Stock)<\/p>\n<p>\u00a0<br \/>Der KI-Markt wird derzeit von US-Konzernen dominiert, China holt technologisch auf. In Europa w\u00e4chst deshalb der Druck, eigene Kompetenzen auszubauen. Bundeskanzler Merz forderte, Europa d\u00fcrfe China und den USA nicht die F\u00fchrungsrolle \u00fcberlassen, Frankreichs Pr\u00e4sident Macron sprach sich daf\u00fcr aus, europ\u00e4ischen Unternehmen bei \u00f6ffentlichen Digitalprojekten den Vorzug zu geben.\u00a0<\/p>\n<p>Parallel investiert Europa\u00a0auch\u00a0in\u00a0die\u00a0Infrastruktur:\u00a0Die Europ\u00e4ische Union plant den Bau sechs weiterer gro\u00dfer Rechenzentren f\u00fcr K\u00fcnstliche Intelligenz.\u00a0Die sogenannten KI-Fabriken sollen laut EU-Kommission in Tschechien, Litauen, Polen, Rum\u00e4nien, Spanien und den Niederlanden entstehen.\u00a0<\/p>\n<p>In diesem Spannungsfeld aus Abh\u00e4ngigkeit, Regulierung und Aufbruch positioniert sich auch Mistral AI. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Mitgr\u00fcnder\u00a0ist\u00a0Arthur Mensch, ein\u00a0promovierter KI-Forscher.\u00a0Mistral gilt als einziges europ\u00e4isches Unternehmen, dessen Sprachmodell nach Ansicht von Experten mit ChatGPT und anderen US-Systemen mithalten kann\u00a0&#8211;\u00a0und damit als wichtiger Baustein f\u00fcr Europas Anspruch auf technologische Eigenst\u00e4ndigkeit.\u00a0<\/p>\n<p>In einem ausf\u00fchrlichen Interview im Deutschlandfunk \u00e4u\u00dfert sich Arthur Mensch zur Zukunft der K\u00fcnstlichen Intelligenz in Europa.<\/p>\n<p>                        Vier Thesen von Arthur Mensch zu KI in Europa:<\/p>\n<p>Arthur Mensch, Mitbegr\u00fcnder von Mistral, betont, Europa m\u00fcsse sich im globalen KI-Wettbewerb klar behaupten.\u00a0Europa\u00a0sei \u201eabsolut Teil des Wettbewerbs\u201c,\u00a0und\u00a0er\u00a0halte k\u00fcnstliche Intelligenz f\u00fcr einen zentralen Faktor k\u00fcnftiger Wirtschaftsleistung. Die europ\u00e4ische Industrie d\u00fcrfe nicht dauerhaft auf amerikanischer KI basieren, weil das eine \u201egef\u00e4hrliche Abh\u00e4ngigkeit\u201c schaffen w\u00fcrde.\u00a0<\/p>\n<p>Um souver\u00e4n zu sein, m\u00fcsse Europa eigene Modelle entwickeln, Rechenzentren betreiben und die Wertsch\u00f6pfung im eigenen Wirtschaftsraum halten. Es gehe darum, die gesamte technologische Kette abzudecken\u00a0&#8211;\u00a0vom Betrieb der Chips bis zur Anwendung. Ziel sei es, modernste KI-Technologie bereitzustellen, die vollst\u00e4ndig unabh\u00e4ngig von US-Anbietern funktioniere. Das werde k\u00fcnftig entscheidend sein.\u00a0<\/p>\n<p>Arthur Mensch beschreibt Souver\u00e4nit\u00e4t bei KI als Dreiklang: wirtschaftlich, demokratisch und strategisch. KI-Souver\u00e4nit\u00e4t bedeute zun\u00e4chst wirtschaftliche Souver\u00e4nit\u00e4t\u00a0&#8211;\u00a0Unternehmen m\u00fcssten Alternativen zu den g\u00e4ngigen Anbietern haben, um nicht einseitig abh\u00e4ngig zu sein. <\/p>\n<p>Zugleich gehe es um demokratische Souver\u00e4nit\u00e4t, also um Einfluss auf Informationen und deren Kontrolle. Und schlie\u00dflich sei auch strategische Souver\u00e4nit\u00e4t wichtig: In einer Welt, in der Gegner KI-Systeme als Waffen einsetzten, m\u00fcsse Europa in der Lage sein, entsprechende Abwehrsysteme zu entwickeln\u00a0&#8211;\u00a0von Cyberabwehr bis hin zu Schutz vor KI-gest\u00fctzten Drohnenangriffen. Abschreckung sei dabei ein zentraler Bestandteil.\u00a0<\/p>\n<p>Gleichzeitig betont\u00a0er, dass der Aufbau europ\u00e4ischer Alternativen keine Abkehr von internationalen Partnerschaften bedeute. Souver\u00e4nit\u00e4t hei\u00dfe nicht Isolation. \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t hei\u00dft f\u00fcr uns nicht, dass man alles allein machen muss\u201c,\u00a0so Mensch. Entscheidend sei vielmehr, Alternativen zu haben und nicht von einem einzigen Anbieter abh\u00e4ngig zu sein. Kritische Systeme m\u00fcsse man selbst kontrollieren k\u00f6nnen,\u00a0ohne jedoch bestehende Kontakte abzubrechen.\u00a0Die Vorstellung, Souver\u00e4nit\u00e4t bedeute vollst\u00e4ndige Autarkie, greife zu kurz. Die Volkswirtschaften seien eng verflochten, und das werde sich nicht grundlegend \u00e4ndern.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Arthur Mensch betont, der wichtigste Hebel f\u00fcr Europa sei die \u00f6ffentliche Nachfrage. Wenn Staaten, Verwaltungen oder der Verteidigungsbereich in KI investierten &#8211; was angesichts von Effizienzanforderungen und demografischer Krise notwendig sei -, dann solle dieses Geld in europ\u00e4ische Technologie flie\u00dfen und nicht in die USA abwandern.<\/p>\n<p>Europa brauche mehr KI, um Verwaltung effizienter zu machen und die Verteidigungsf\u00e4higkeit zu st\u00e4rken. Gerade wenn etwa in Deutschland investiert werde, sollte das Geld europ\u00e4ischen Anbietern zugutekommen. Es gehe dabei nicht nur um sein eigenes Unternehmen, sondern um ein ganzes \u00d6kosystem europ\u00e4ischer Firmen. Dieser Hebel sei \u201eder erste und der gr\u00f6\u00dfte\u201c.\u00a0<\/p>\n<p>Der Staat k\u00f6nne Unternehmen zudem ermutigen, st\u00e4rker auf europ\u00e4ische Technologie zu setzen, oder zumindest deutlich machen, dass es diese Alternative gibt und man damit langfristig ein eigenes \u00d6kosystem st\u00e4rke. Neben der \u00f6ffentlichen Nachfrage nennt Mensch weitere Aufgaben wie Regulierung, Vereinfachung, Arbeitsmarktfragen und die Vereinheitlichung des europ\u00e4ischen Markts. Am wichtigsten bleibe jedoch die Nachfrage \u2013 und das Narrativ.<\/p>\n<p>Aus den USA werde stark die Erz\u00e4hlung verbreitet, Europa sei technologisch zu weit zur\u00fcck und werde wegen seiner Regulierung nicht erfolgreich sein. Diese Sichtweise habe man sich in Europa \u201eleider viel zu sehr selbst zu eigen gemacht\u201c. Um das zu \u00e4ndern, brauche es Unternehmen, die zeigten, dass es anders gehe \u2013 und Staaten, die klar machten: \u201eWir k\u00f6nnen das gemeinsam.\u201c Nichts hindere Europa daran, gro\u00dfartige Technologie zu entwickeln; es gebe Talente, Kapital und einen riesigen Markt, sogar gr\u00f6\u00dfer als den der USA.\u00a0<\/p>\n<p>Entscheidend sei ein Mentalit\u00e4tswandel. \u201eWir brauchen wieder mehr Optimismus\u201c, sagt Mensch, denn nur mit Optimismus investiere man in Forschung, bleibe innovativ und gewinne Marktanteile zur\u00fcck. Diese Ver\u00e4nderung k\u00f6nnten Unternehmen nicht allein leisten \u2013 sie m\u00fcsse von den Staaten mitgetragen werden.\u00a0<\/p>\n<p>Arthur Mensch kritisiert, dass europ\u00e4ische Regulierung aus seiner Sicht h\u00e4ufig eher europ\u00e4ische Unternehmen als US-Konzerne belaste. Problematisch sei vor allem zus\u00e4tzliche B\u00fcrokratie &#8211; und genau das sei beim AI-Act zum Teil der Fall. <\/p>\n<p>Das zentrale Problem liege weniger in der Umsetzung als im Signal der Regulierung. Ein Startup k\u00f6nne sich fragen, ob ein Teil des Teams k\u00fcnftig f\u00fcr Regulierung statt f\u00fcr Entwicklung zust\u00e4ndig sein m\u00fcsse\u00a0&#8211;\u00a0und sich dann wom\u00f6glich f\u00fcr eine Gr\u00fcndung in den USA entscheiden. \u201eDas Problem der Regulierung ist also eher das Signal als die eigentliche Umsetzung\u201c, sagt Mensch.\u00a0<\/p>\n<p>Den AI-Act in Bezug auf Basistechnologie und Modellregulierung h\u00e4lt er f\u00fcr \u201eweitgehend nutzlos\u201c. Regulierungsbedarf sehe er bei Anwendungen, nicht bei der Technologie selbst. Mit den Regeln k\u00f6nne seine Firma arbeiten, auch US-Anbieter w\u00fcrden das tun. F\u00fcr kleinere Firmen sei die Belastung jedoch erheblich.\u00a0<\/p>\n<p>Deshalb habe man im Rahmen\u00a0des digitalen Omnibus\u00a0(Anmerkung der Redaktion: ein 2025 vorgestelltes EU-Gesetzespaket, das b\u00fcrokratische H\u00fcrden im Digitalrecht abbauen und vereinfachen soll) Vereinfachungen f\u00fcr junge Unternehmen gefordert. Ziel sei es, neuen Startups den Weg in Europa zu erleichtern\u00a0&#8211;\u00a0damit Gr\u00fcnderinnen und Gr\u00fcnder nicht wegen regulatorischer H\u00fcrden in die USA abwandern.<\/p>\n<p>Online-Text: Diana Hodali<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kritische Systeme m\u00fcsse man selbst kontrollieren, sagt Mistral-Mitbegr\u00fcnder Arthur Mensch zum Thema KI-Ausbau in Europa (picture alliance \/&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":38965,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[17360,17361,17362,17363,76,75,74,505,507,508,1945],"class_list":{"0":"post-38964","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-ai","9":"tag-ai-act","10":"tag-arthur-mensch","11":"tag-chat-gpt","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-google","16":"tag-ki","17":"tag-kuenstliche-intelligenz","18":"tag-mistral"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116211646783319308","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38964","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38964"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38964\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/38965"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38964"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38964"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38964"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}