{"id":440109,"date":"2026-10-07T00:46:14","date_gmt":"2026-10-07T00:46:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/440109\/"},"modified":"2026-10-07T00:46:14","modified_gmt":"2026-10-07T00:46:14","slug":"screen-lights-sammelsurium-suedkoreanisch-hope-von-na-hong-jin-the-gap","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/440109\/","title":{"rendered":"Screen Lights: Sammelsurium, s\u00fcdkoreanisch \u2013 \u00bbHope\u00ab\u00a0von Na\u00a0Hong-jin \u2013 The Gap"},"content":{"rendered":"<p>Christoph Prenner bewegen bewegte Bilder. Diesmal besch\u00e4ftigt ihn Na Hong-jins fulminanter neuer Film\u00a0\u00bbHope\u00ab, ein schwindel\u00aderregendes Sammel\u00adsurium aus Action, Science-Fiction und Klein\u00adstadt\u00adkom\u00f6die, aus\u00a0bra\u00adchialem Tempo, derben\u00a0Witzen und tiefen\u00a0Gedanken.<\/p>\n<p>            <img width=\"750\" height=\"500\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Hope-c-Polyfilm-Verleih-still_04-1024x683.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-post-image\" alt=\"\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>\n                        \u00a9 Polyfilm Verleih \u2014 Polizist Ko Bum-seok\u00a0(Hwang Jung-min) l\u00e4sst sich auf der Monsterjagd nicht so einfach absch\u00fctteln.\n                    <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sakra, wer\u00a0soll denn bitte in dieser Zettel\u00adwirtschaft je was\u00a0finden? \u00bbZettel\u00adwirtschaft\u00ab \u2013 auch\u00a0schon wieder so eine Vokabel, die\u00a0mir garantiert ewig nicht mehr durch den Kopf ga\u00adlop\u00adpiert\u00a0ist. W\u00e4re\u00a0es da nicht auch gleich angebracht, sie\u00a0wieder in den aktiven Wortschatz zu integrieren? Man\u00a0merkt es\u00a0schon: Dem\u00a0Ko\u00adlum\u00adnisten erscheint Stunden vor Abgabe dieses Textes wieder einmal alles dringlicher, als\u00a0ziel\u00adgerichtet in die Tasten zu\u00a0hauen. Und\u00a0so w\u00fchlt er sich grad lieber durch eine Vielzahl von\u00a0Boxen, auf\u00a0der Suche nach einem speziellen Schriftst\u00fcck, das\u00a0sich jedoch beharrlich dem Ersp\u00e4ht\u00adwerden entzieht, inmitten von kiloweise Papier aus Dezennien pers\u00f6nlicher Menschheits\u00adgeschichte und allerlei Krimskrams, dessen\u00a0ur\u00adspr\u00fcngliche Bestimmung sich nicht mehr ohne Weiteres erschlie\u00dft.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu gegebener Zeit kehrt das verschollene Dokument schlie\u00dflich doch ans Tages\u00adlicht\u00a0zur\u00fcck \u2013 jedoch\u00a0erst nach einigen ver\u00adbl\u00fcffenden Funden, die\u00a0man durchaus als Relikte aus einer bygone era be\u00adzeich\u00adnen\u00a0kann, etwa\u00a0di\u00adverse Liefer\u00adscheine asiatischer Medienshops. Tja, so\u00a0schlug man sich im Unter\u00adhaltungs\u00adland vor unserer Zeit eben\u00a0durch: Video\u00adstreaming, zumal\u00a0in der Flatrate, war\u00a0noch eine reinste Zukunftsvision, hei\u00df\u00a0er\u00adsehnte Filmware, insbesondere jene aus dem Fernen\u00a0Osten, wurde\u00a0daher auf silbernen Scheiben geordert, die\u00a0dann aus einem Lager am anderen Ende der Welt verschifft wurden. Proto-Temu, blo\u00df\u00a0mit Cinegold statt Plastikm\u00fcll.<\/p>\n<p>Pop-Ex- und -Import<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zerknitterten Zettelchen weckten sogleich Erinnerungen an georderte Sch\u00e4tze produziert in Hongkong und\u00a0Japan, vor\u00a0allem aber an eine besonders goldene \u00c4ra des kore\u00adanischen Kinos: Kassenkn\u00fcller \u00e0\u00a0la \u00bbThe\u00a0Host\u00ab und Kultklassiker wie \u00bbOldboy\u00ab bew\u00e4ltigten damals in DVD-Form die gro\u00dfe\u00a0Reise, aber\u00a0auch (sp\u00e4ter von Hollywood recycelte) Meisterwerke wie \u00bbSave\u00a0the Green Planet!\u00ab und beinahe in Vergessenheit geratene Gro\u00dftaten wie \u00bbThe\u00a0Man from Nowhere\u00ab.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was f\u00fcr ein ungeahnt anregender walk\u00a0down memory lane sich da auftut: Er\u00a0f\u00fchrt in eine Periode, in\u00a0der das Kino jenes Landes innovations\u00adfreudig und publikums\u00adwirksam einen Meilenstein nach dem anderen\u00a0setzte; in\u00a0der Regie\u00advision\u00e4re wie Bong Joon-ho, Park Chan-wook und Kim Jee-woon S\u00fcdkorea lange vor dem K-Pop-Boom ein inter\u00adnationales Pop\u00adkultur\u00adwunder bescherten \u2013 wobei\u00a0der aller\u00adgr\u00f6\u00dfte Aufmerk\u00adsamkeits\u00adausschlag, der\u00a0Oscar-Hit \u00bbParasite\u00ab, erst\u00a0viel sp\u00e4ter erfolgen sollte, n\u00e4mlich 2019. Mit\u00a0einem \u0152uvre von betr\u00e4chtlicher kinetischer Wucht hat sich der Filmemacher <a href=\"https:\/\/www.imdb.com\/de\/name\/nm2947553\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Na Hong-jin<\/a> (\u00bbThe\u00a0Chaser\u00ab) in\u00a0ihrem Wind\u00adschatten an jene gro\u00dfen Namen herangepirscht \u2013 nun\u00a0setzt er mit seinem fulminanten vierten Langfilm <a href=\"https:\/\/www.polyfilm.at\/film\/hope\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">\u00bbHope\u00ab<\/a> (Kinostart: 8.\u00a0Oktober), im\u00a0wahrsten Sinne des Wortes, zum \u00dcber\u00adhol\u00adman\u00f6ver\u00a0an.<\/p>\n<p>Rastlose Verw\u00fcstung<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem man im titel\u00adgebenden K\u00fcsten\u00adst\u00e4dtchen zun\u00e4chst noch halb im Scherz davon ausgeht, dass\u00a0ein \u00fcbel zugerichteter Stier Opfer eines \u00fcber\u00adgelaufenen Tigers aus Nordkorea geworden sein\u00a0k\u00f6nnte, wird\u00a0dem \u00f6rtlichen Polizei\u00adchef indes rasch\u00a0klar, dass\u00a0man es hier mit etwas weit Gef\u00e4hr\u00adlicherem zu tun\u00a0hat. Ein\u00a0mys\u00adte\u00adri\u00f6ses, so\u00a0agiles wie ange\u00adspeistes Gesch\u00f6pf zieht eine Spur der Ver\u00adw\u00fcstung durch die Stra\u00dfen und ist dem Cop dabei stets lautstark einen Schritt\u00a0voraus. Rastlos stolpert der Schie\u00df- und Schimpf\u00adw\u00fctige nun durch eine schier endlose Schneise der Zerst\u00f6rung \u2013 und\u00a0auch vor der Lein\u00adwand schnappt man in B\u00e4lde nach\u00a0Luft: Derart\u00a0schwei\u00df\u00adtreibend hat in dieser Spielzeit noch kein anderer Actionfilm gerockt. Die\u00a0teuerste kore\u00adanische Produktion aller Zeiten setzt also quasi dort\u00a0an, wo\u00a0andere Filme aufh\u00f6ren: mit\u00a0einem elektri\u00adsierenden, einst\u00fcndigen (!) Showdown, der\u00a0hier jedoch erst die Ouvert\u00fcre f\u00fcr die kommenden, nicht\u00a0minder turbulenten hundert Minuten sein\u00a0soll.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie sein Vorreiter Bong Joon-ho brilliert auch Na Hong-jin als f\u00e4higer und furcht\u00adloser Jongleur diver\u00adgierender Tempi und Tonalit\u00e4ten. Mit\u00a0einer Affinit\u00e4t f\u00fcr gehaltvolle, aber\u00a0auch absurde Umwege sowie den durchaus brachialen Humor, f\u00fcr\u00a0den das koreanische Kino be\u00adr\u00fcch\u00adtigt\u00a0ist \u2013 einen\u00a0f\u00fcnf\u00admin\u00fctigen Monolog \u00fcber einen Erst\u00adkontakt unter denkbar widrigen k\u00f6rper\u00adlichen Umst\u00e4nden wird man nicht mehr vergessen \u2013, l\u00e4sst\u00a0er der Nonstop-Hetzjagd Schritt f\u00fcr Schritt einen thematischen \u00dcberbau angedeihen, den\u00a0man nur als irrwitzig ambitioniert be\u00adzeichnen\u00a0kann.<\/p>\n<p>What the Fuck?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erfordert nach dem initialen Kick durchaus Geduld, erweist sich im st\u00fcrmischen Finale aber als\u00a0Gewinn: Erneut serviert der Karacho-Zeremonien\u00admeister ein ausgedehntes Action-Furioso, das\u00a0nun aber einen ganz anderen, nachgerade existenz\u00adphilosophischen Impact entfaltet. Ein\u00a0letzter \u00bbWTF!\u00ab-Moment entl\u00e4sst einen mit offenem Mund in den Abspann \u2013 man\u00a0ahnt, dass\u00a0dies nicht das letzte Kapitel gewesen sein\u00a0wird.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So lustvoll hat man lange keinen Film mehr vors\u00e4tzlich alles aufs Spiel setzen\u00a0sehen \u2013 schon\u00a0gar nicht in dieser Preisklasse. Das\u00a0Bild der Schachtel, in\u00a0der man neben dem urspr\u00fcnglich Gesuchten auch auf allerlei \u00dcber\u00adraschendes\u00a0st\u00f6\u00dft, passt\u00a0hervor\u00adragend zu diesem schwindel\u00aderregenden Sammel\u00adsurium aus Action, Science-Fiction und Klein\u00adstadt\u00adkom\u00f6die, aus\u00a0bra\u00adchialem Tempo, derben\u00a0Witzen und tiefen Gedanken, in\u00a0dem sich immer wieder Staunens\u00adwertes ent\u00addecken\u00a0l\u00e4sst. Nur\u00a0folge\u00adrichtig, dass\u00a0just ein\u00a0Film, der\u00a0\u00bbHope\u00ab hei\u00dft, daran erinnert, dass\u00a0all das, was\u00a0man sich vom modernen Block\u00adbuster\u00adkino immer erhofft, zuletzt\u00a0aber leider nur selten be\u00adkommen\u00a0hat, immer\u00a0noch m\u00f6glich\u00a0ist.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christoph Prenner plaudert mit Lillian\u00a0Moschen im\u00a0<a href=\"https:\/\/anchor.fm\/screenlights\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Podcast \u00bbScreen Lights\u00ab<\/a>\u00a0zweimal monatlich \u00fcber das aktuelle Film- und Serien\u00adgeschehen. Unser Kolumnist ist per E-Mail unter <a href=\"https:\/\/thegap.at\/screen-lights-sammelsurium-suedkoreanisch-hope-von-na-hong-jin\/mailto:prenner@thegap.at\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">prenner@thegap.at<\/a>\u00a0zu erreichen. Ein\u00a0Archiv seiner Kolumne und der bis\u00adherigen Podcast-Episoden findet sich auch unter <a href=\"https:\/\/www.screenlights.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">www.screenlights.at<\/a>.<\/p>\n<p>\n            Newsletter abonnieren\n        <\/p>\n<p>\n            Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ank\u00fcndigungen, Gewinnspiele und vieles mehr &#8230;\n        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Christoph Prenner bewegen bewegte Bilder. 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