{"id":48475,"date":"2026-03-16T17:29:13","date_gmt":"2026-03-16T17:29:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/48475\/"},"modified":"2026-03-16T17:29:13","modified_gmt":"2026-03-16T17:29:13","slug":"marty-supreme-auch-mein-oscar-wie-timo-boll-die-duelle-mit-chalamet-in-szene-setzte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/48475\/","title":{"rendered":"Marty Supreme: \u201eAuch mein Oscar &#8230;\u201c Wie Timo Boll die Duelle mit Chalamet in Szene setzte"},"content":{"rendered":"<p>Timoth\u00e9e Chalamet verk\u00f6rpert einen Tischtennisspieler mit Aufstiegshunger, dem alles recht ist, um sein Ziel zu erreichen. Einer seiner Gegner ist Timo Boll. Die deutsche Tischtennis-Ikone musste ihr Spiel f\u00fcr den Film neu erfinden.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Bei der Oscar-Verleihung hat Timo Boll fr\u00fcher allenfalls mal reingeschaut, wenn er nachts zuf\u00e4llig aufgewacht war. Dieses Mal war es anders. Boll fieberte bei der Show im Dolby Theatre mit. Aus gutem Grund. \u201eIch muss ja Daumen dr\u00fccken\u201c, erz\u00e4hlte er im Vorfeld. Doch sein Herzensfilm \u201eMarty Supreme\u201c, das <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/oscar\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/oscar\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mit neun Oscar-Nominierungen ins Rennen gegangen<\/a> war, blieb am Ende ohne Auszeichnung. Die deutsche Tischtennis-Legende bekleidete an der Seite <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article69987d2cee35d0f0647c2245\/marty-supreme-timothee-chalamet-verteidigt-seinen-titel-als-koenig-der-unsympathen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article69987d2cee35d0f0647c2245\/marty-supreme-timothee-chalamet-verteidigt-seinen-titel-als-koenig-der-unsympathen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">der Hauptdarsteller Timoth\u00e9e Chalamet <\/a>und Gwyneth Paltrow eine Nebenrolle.<\/p>\n<p>Chalamet verk\u00f6rpert <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/tischtennis\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/tischtennis\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">einen Tischtennisspieler mit Aufstiegshunger, <\/a>dem alles recht ist, um sein Ziel zu erreichen. Der Film ist weniger Sportlerbiografie als Charakterstudie. \u201eMarty Supreme\u201c erz\u00e4hlt vom Preis des Ehrgeizes und einer wahnhaften Suche nach Erfolg. Im Fokus steht ein junger Mann namens Marty, der im Manhattan der fr\u00fchen 1950er Jahre aufw\u00e4chst und eigentlich im kleinen Schuhgesch\u00e4ft seines Onkels arbeiten soll.<\/p>\n<p>Marty aber hat andere Ziele und will Tischtennis-Champion werden. Um sich Reisen zu verschiedenen Turnieren etwa in Japan finanzieren zu k\u00f6nnen, bel\u00fcgt er seine Familie, beklaut sein Umfeld <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/fitness\/article6964c107d57b0276d945a53f\/tischtennis-hollywood-blockbuster-marty-supreme-entfacht-neuen-boom.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/iconist\/fitness\/article6964c107d57b0276d945a53f\/tischtennis-hollywood-blockbuster-marty-supreme-entfacht-neuen-boom.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">und strotzt dabei vor Selbstvertrauen. <\/a>W\u00e4hrend er um die Welt reist, wartet in New York seine schwangere Aff\u00e4re \u2013 die aber eigentlich mit jemand anderem verheiratet ist. Es ist eine vom Leben des amerikanischen Tischtennisspielers Marty Reisman inspirierte, \u00fcberdrehte Tragikkom\u00f6die. <\/p>\n<p>Marty Reisman kontrollierte die Netzh\u00f6he beim Tischtennis mit 100-Dollar-Scheinen<\/p>\n<p>Reisman war im New York der 1950er und 1960er Jahre eine kleine Ber\u00fchmtheit. Man kannte ihn unter anderem f\u00fcr den Trick mit der Zigarette: Reisman konnte sie mit einer harten und pr\u00e4zisen Vorhand zerteilen. Sp\u00e4ter trat er damit in der TV-Show von David Letterman auf.<\/p>\n<p>Und Boll? Spielt in \u201eMarty Supreme\u201c den Tschechoslowaken Vladimir Sebek, der sich bei den British Open Anfang der 1950er-Jahre dem Protagonisten geschlagen geben muss. In einem Interview mit dem <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.spiegel.de\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">\u201eSpiegel\u201c<\/a> hat Boll Einblicke gegeben, mit welcher Akribie allein seine Szenen vorbereitet wurden. Der 45-J\u00e4hrige war einer der Wunschakteure des Regisseurs Josh Safdie, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Der Amerikaner ist gro\u00dfer Tischtennis-Fan, er kannte Boll, spielt privat mit demselben Schl\u00e4ger, den auch Boll nutzt. <\/p>\n<p>Zun\u00e4chst hatte das Filmstudio mit dem erfolgreichsten deutschen Tischtennis-Profi der Geschichte Kontakt aufgenommen, sp\u00e4ter dann Safdie selbst. Er machte Boll sofort deutlich, wie wichtig es ihm ist, dass die Tischtennis-Szenen professionell wirken. Chalamet selbst hatte bereits 2018, nach ersten Gespr\u00e4chen mit dem Regisseur, mit dem Training begonnen.<\/p>\n<p>Boll berichtete, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article69ad4058161cd9d527cd84bd\/respekt-vor-der-oper-timothee-chalamet-kann-von-richard-gere-noch-etwas-lernen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article69ad4058161cd9d527cd84bd\/respekt-vor-der-oper-timothee-chalamet-kann-von-richard-gere-noch-etwas-lernen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dass ihn der 30 Jahre alte New Yorker<\/a> \u201eschon beeindruckt\u201c habe: \u201eSeine Koordination war super. Man hat gemerkt, dass er sich intensiv vorbereitet hatte. Er hat die Technik von damals sehr gut imitiert und es toll aussehen lassen. Die einstudierten Punkte musste ich verlieren. Wenn ich mich nach einem Ballwechsel zu sehr ge\u00e4rgert habe, bekam ich sofort einen R\u00fcffel, es nicht zu \u00fcbertreiben: Don\u2019t overact!\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Szene mit Chalamet und Boll wurde eine Woche lang trainiert<\/p>\n<p>Die Dreharbeiten fanden schon vor eineinhalb Jahren statt. Boll steckte da gerade mitten in seiner Abschiedssaison, die mit Terminen vollgepackt war. Zuf\u00e4lligerweise passte es aber. Mit einem Arbeitsvisum reiste er im Herbst 2024 f\u00fcr zwei Wochen nach New York.<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Szene mit Chalamet wurde eine Woche lang trainiert. Jeder Ballwechsel war gescriptet, jede Platzierung, jeder Schlag. Es gab daf\u00fcr extra einen Choreografen. Boll sollte in seiner Rolle Tischtennis spielen wie in den 50er Jahren. Damals wurde mit weniger Spin gespielt, man hat nicht so viel ausgeholt und stand aufrechter an der Platte. Die Spieler hatten im Vergleich zu heute weniger K\u00f6rperspannung, weniger Kompaktheit in ihren Bewegungen. Daf\u00fcr wirkte alles lockerer und eleganter.<\/p>\n<p>Insgesamt wurden f\u00fcnf Ballwechsel einstudiert, von denen es am Ende einer in den Film geschafft hat. Drei Stunden lang h\u00e4tten sie allein daf\u00fcr gedreht, erz\u00e4hlte Boll, manchmal sogar um zwei Uhr nachts. Am n\u00e4chsten Tag habe er \u201eeinen wahnsinnigen Muskelkater\u201c gehabt. <\/p>\n<p>Es ist nicht ganz klar, ob er das ernst meinte. Fakt ist nur, dass er daraufhin dem Filmteam empfahl, unbedingt einen Physiotherapeuten ans Set zu holen, weil Chalamet das kaum durchhalten k\u00f6nne. \u201eEs war schon sehr anspruchsvoll, sowohl k\u00f6rperlich als auch mental\u201c, sagte Boll.<\/p>\n<p>Chalamet habe viel mit Profisportlern gemein<\/p>\n<p>Chalamet habe sich au\u00dferdem viel f\u00fcr die eigene Rolle zeigen lassen. \u201eAuch am Set wollte er h\u00e4ufig die Szenen noch mal ein\u00fcben, sobald er Zeit hatte. Nat\u00fcrlich hat er sich auch vieles erkl\u00e4ren lassen, und man sp\u00fcrte, dass er viel Respekt hat vor uns Sportlern\u201c, sagte Boll.<\/p>\n<p>Hinter den Szenen steckte eine aufwendige Recherche. Boll bekam viele Videos von fr\u00fcher gezeigt, teilweise waren die Ballwechsel exakt nachempfunden. Gespielt wurde mit alten Hardbats, also Schl\u00e4gern mit einer d\u00fcnnen Schicht Sandpapier. \u201eGleichzeitig wurden aber auch moderne Elemente eingebaut, zum Beispiel die beidh\u00e4ndige R\u00fcckhand des Brasilianers Hugo Calderano oder mein Handwechsel\u201c, sagte Boll. Er habe bei Chalamet viele \u00c4hnlichkeiten zu einem Profisportler erkannt: wie er sich fokussiert und auch in einer Art Tunnel sei. <\/p>\n<p>In \u201eMarty Supreme\u201c erreicht Chalamet, da ist sich die Kritik einig, tats\u00e4chlich Gro\u00dfes. Er verk\u00f6rpert seinen Antihelden mit beeindruckender k\u00f6rperlicher Pr\u00e4senz. Jede nerv\u00f6se Schulterbewegung, jeder Blick erz\u00e4hlt vom inneren Druck, der Marty antreibt.<\/p>\n<p>Schauspieler? Boll winkt ab<\/p>\n<p>Es gibt im Film zudem einige eigenwillige Ideen, die gut funktionieren. Gleich am Anfang etwa hat Marty mit seiner Jugendfreundin Rachel (Odessa A&#8217;zion) in einem Lagerraum Sex. Was daraus resultiert, ist in einer Art Retro-Animation zu sehen: Spermien befruchten eine Eizelle, die sich schlie\u00dflich in einen Tischtennis-Ball verwandelt.<\/p>\n<p>Ob Hollywood gut zahle, wurde Boll im Nachgang im Interview der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.sueddeutsche.de\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">\u201eSZ\u201c<\/a> gefragt. Wegen des Geldes habe er es nicht gemacht, antwortete Boll, \u201ewar aber okay\u201c. Er habe Chalamet zum Schluss einen Schl\u00e4ger geschenkt, wor\u00fcber der sich sehr gefreut habe. Im Gegenzug bekam Boll auf das Cover vom Drehbuch ein paar nette Worte geschrieben. <\/p>\n<p>Und er bekam Post. Die amerikanische Schauspielergewerkschaft schrieb ihn an. Er habe genug Bildschirmzeit, um bei ihnen aufgenommen zu werden. \u201eAber ich glaube\u201c, sagte Boll, \u201ein dieser Hinsicht ist der Zug f\u00fcr mich abgefahren. Das ist wie im Sport: Wenn du da nicht fr\u00fch genug dabei und ohnehin nicht so sehr talentiert bist, wird es schwer.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Timoth\u00e9e Chalamet verk\u00f6rpert einen Tischtennisspieler mit Aufstiegshunger, dem alles recht ist, um sein Ziel zu erreichen. 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