{"id":48500,"date":"2026-03-16T17:44:09","date_gmt":"2026-03-16T17:44:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/48500\/"},"modified":"2026-03-16T17:44:09","modified_gmt":"2026-03-16T17:44:09","slug":"hinterhaeuser-schweigt-wie-geht-es-weiter-in-salzburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/48500\/","title":{"rendered":"Hinterh\u00e4user schweigt: Wie geht es weiter in Salzburg?"},"content":{"rendered":"<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background has-small-font-size\">English summary: Markus Hinterh\u00e4user ignored the board\u2019s ultimatum to extend his contract, making his future as Salzburg Festival director uncertain. The board will decide Friday on next steps, possibly suspending him. Interim leaders and legal disputes are likely while a new director is sought.<\/p>\n<p>Markus Hinterh\u00e4user hat das Ultimatum des Kuratoriums verstreichen lassen. Nun wird am kommenden Freitag \u00fcber seine Zukunft entschieden. BackstageClassical entwickelt ein Szenario der weiteren m\u00f6glichen Schritte.\u00a0<\/p>\n<p>Markus Hinterh\u00e4user hat das Ultimatum verstreichen lassen, das ihm das Festspiel-Kuratorium gesetzt hat. Bis heute Mittag reagierte er nicht auf das Angebot, seinen im Herbst auslaufenden Vertrag um ein Jahr zu verl\u00e4ngern. Das teilte die Kuratoriumsvorsitzende und Landeshauptfrau Karoline Edtstadler der \u00f6sterreichischen Nachrichtenagentur APA mit. Damit wird ein Verbleib des Intendanten immer unwahrscheinlicher. BackstageClassical skizziert, wie es nun weitergehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Entscheidung des Kuratoriums<\/p>\n<p>Das Kuratorium will in seiner n\u00e4chsten Sitzung am Freitag \u00fcber das weitere Vorgehen entscheiden. Man kann allerdings davon ausgehen, dass bereits jetzt hinter den Kulissen nach L\u00f6sungen gesucht wird. Hinterh\u00e4users derzeitiger Vertrag endet einen Monat nach den Festspielen 2026. Es besteht au\u00dferdem eine Vereinbarung \u00fcber eine dritte Amtszeit bis 2031, doch das Kuratorium ist nach Edtstadlers Angaben geschlossen der Ansicht, dass der Intendant gegen die daf\u00fcr vertraglich festgelegten Bedingungen (es geht um eine \u00bbWohlverhaltensklausel\u00ab) versto\u00dfen habe. Edtstadler sprach von Verst\u00f6\u00dfen gegen\u00fcber dem Kuratorium wie gegen\u00fcber Dritten.<\/p>\n<p>Wann geht Hinterh\u00e4user?<\/p>\n<p>Es ist nicht unm\u00f6glich, aber sehr unwahrscheinlich, dass das Kuratorium den Vertrag \u00fcber die dritte Amtszeit in Kraft treten l\u00e4sst. Das bedeutet: Hinterh\u00e4user m\u00fcsste die Intendanz sp\u00e4testens nach den Festspielen r\u00e4umen. M\u00f6glich ist aber auch, dass das Kuratorium den Intendanten bereits nach der kommenden Sitzung freistellt, da man keine Basis mehr f\u00fcr eine gemeinsame Zusammenarbeit sieht. In beiden F\u00e4llen w\u00fcrde es wohl zu einer juristischen Auseinandersetzung (oder zumindest zu Verhandlungen der Anw\u00e4lte) dar\u00fcber kommen, ob der bereits ausgehandelte Vertrag noch g\u00fcltig ist (und Hinterh\u00e4user abgefunden werden m\u00fcsste), oder, ob gen\u00fcgend Beweise vorliegen, dass der Intendant gegen Vertragsklauseln versto\u00dfen hat. So oder so br\u00e4uchten die Festspiele in diesem Szenario eine schnelle \u00dcbergangsl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Der \u00dcbergang<\/p>\n<p>Die Planung f\u00fcr den kommenden Festspielsommer ist lange abgeschlossen, und die aktuellen Gesch\u00e4fte k\u00f6nnten auch von einem \u00dcbergangsintendanten gef\u00fchrt werden. Die einzelnen Abteilungen der Festspiele sind gut aufgestellt, der Festspielalltag w\u00fcrde reibungslos weiterlaufen. Wenn Hinterh\u00e4user sich einer geordneten \u00dcbergabe verweigert, w\u00e4re es denkbar, dass jemand anderes seine Gesch\u00e4fte \u00fcbernimmt, bis eine neue Intendanz ausgeschrieben und besetzt ist. F\u00fcr diesen \u00dcbergangsjob w\u00e4re es gut, wenn sich die Kandidaten mit den lokalen Gegebenheiten auskennen und Erfahrung mit Salzburg und dem Personal der Festspiele haben w\u00fcrden. Beides trifft auf den derzeitigen Intendanten der Osterfestspiele, Nikolaus Bachler, zu, oder auf die Intendantin der Pfingstfestspiele, Cecilia Bartoli. Denkbar w\u00e4re aber auch ein Musikmanager von au\u00dferhalb, der den \u00dcbergang organisiert (Bernd Loebe von der Frankfurter Oper w\u00e4re einer dieser Leute, die auch schon den \u00dcbergang in Erl gemanaget haben). \u00a0<\/p>\n<p>Podcast: Einsch\u00e4tzung der Feuilletonchefin der Salzburger Nachrichten, Hedwig Kainberger<\/p>\n<p>Schauspielleitung<\/p>\n<p>Dringlich ist auch die Bestellung einer neuen Schauspiel-Intendanz. Nachdem die Festspiele sich von Marina Davydova getrennt haben und Hinterh\u00e4user das Schauspiel selber in die Hand genommen hat, ist es nicht unwahrscheinlich, dass nun ausgerechnet jene Direktorin den \u00dcbergang managen k\u00f6nnte, wegen der es zum offiziellen Eklat zwischen dem Intendant und dem Kuratorium gekommen war: Karin Bergmann hat sich immerhin schon als perfekte Organisatorin in schwierigen Zeiten des Wiener Burgtheaters bew\u00e4hrt, und ihre Loyalit\u00e4t zum Theater ist wohl gr\u00f6\u00dfer als jene zu Markus Hinterh\u00e4user. Und auch in diesem Fall w\u00e4re sie eine ideale Zwischenkandidatin, bis ein neues Intendanz-Team \u00fcbernehmen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ausschreibung der Intendanz<\/p>\n<p>Eine schnelle Interimsl\u00f6sung \u2013 so wie oben beschrieben \u2013 w\u00fcrde dem Kuratorium Zeit geben, die neue Festspiel-Intendanz in Ruhe auszuschreiben, etwa bis Ende des Jahres. Geeignete Kandidaten gibt es reichlich: Serge Dorny von der Bayerischen Staatsoper hat sich gerade mit seinen M\u00fcnchner Auslastungszahlen ins Gespr\u00e4ch gebracht (er w\u00e4re Hinterh\u00e4user in vielen Aspekten der Amtsf\u00fchrung allerdings sehr \u00e4hnlich), Stuttgarts Intendant und einstiger Mortier- und Bachler-Intimus, Viktor Schoner, gilt als Alternative f\u00fcr einen echten Aufbruch (er hat gerade in der FAZ einen klugen Essay \u00fcber die Zukunft des Theaters ver\u00f6ffentlicht). Ebenfalls im Gespr\u00e4ch ist der Intendant der Oper in Z\u00fcrich, Matthias Schulz. Die Intendantin der Staatsoper in Berlin, Elisabeth Sobotka, ist gerade erst in Berlin angekommen und zeigt in ihrer neuen Saison nur wenig kreativen Mut. Wichtig ist wohl auch, wie die Findungskommission besetzt wird: Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda w\u00e4re ein Mann, den man fragen k\u00f6nnte,Franz Welser-M\u00f6st f\u00fcr musikalische Visionen oder den Theater-Haudegen Bernd Loebe von der Oper Frankfurt. Sicher ist: Die Salzburger Festspiele werden auch mit neuer Intendanz eine sichere Zukunft haben.<\/p>\n<p>Die Narrative \u2013 und ihre Bedeutung<\/p>\n<p>In den kommenden Tagen wird es au\u00dferdem darum gehen, die eigenen Narrative \u00f6ffentlich durchzusetzen. Das Lager um Markus Hinterh\u00e4user hat bereits gezeigt, in welche Richtung es argumentiert: Salzburgs Politikerinnen und Politiker seien \u00bbprovinziell\u00ab und w\u00fcrden weder den finanziellen Erfolg der Festspiele noch ihr erfolgreiches Programm sch\u00e4tzen. Tats\u00e4chlich gab es seitens der Politik allerdings keinerlei programmatische Einmischung in die Festspiele (selbst wenn die letzten Jahre mit den oft gleichen Namen durchaus diskussionsw\u00fcrdig waren). Politisch wird man argumentieren, dass es kaum provinziell ist, gegen einen gro\u00dfen Teil der ver\u00f6ffentlichten Meinung in \u00d6sterreich zu agieren, und dass es die grundlegende Aufgabe der Tr\u00e4ger der Festspiele sei, den Mitarbeitenden ein sicheres und faires Arbeitsumfeld zu garantieren. Hinterh\u00e4user habe gegen den Verhaltenskodex versto\u00dfen und man werfe ihm \u2013\u00a0so wie nach der letzten Kuratoriumssitzung \u2013\u00a0Fehlverhalten gegen\u00fcber dem Kuratorium und Dritten vor. Landeshauptfrau Edtstadler ist ausgebildete Juristin und wird derartige Vorw\u00fcrfe kaum ohne haltbare Gr\u00fcnde anf\u00fchren. Auff\u00e4llig ist, dass das Kuratorium in der Benennung der Gr\u00fcnde bislang nicht \u00f6ffentlich geworden ist (will man Hinterh\u00e4user sch\u00fctzen und hebt man sich das f\u00fcr den \u00bbErnstfall\u00ab einer \u00bbSchlammschlacht\u00ab auf?). \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>Die Ausschreibung<\/p>\n<p>Eine weitere \u00dcberlegung k\u00f6nnte sein, dass derzeit auch eine vollkommene Neuordnung der Festspiele m\u00f6glich w\u00e4re. Denn es muss auch die Stelle der Festspiel-Pr\u00e4sidentin neu ausgeschrieben werden. Derzeit besetzt Kristina Hammer diese Position. Es ist durchaus m\u00f6glich, dass nach den Querelen der letzten Monate politisch ein vollkommener Neuanfang favorisiert wird (Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson w\u00e4re sicherlich nicht abgeneigt). Aber es ist ebenso m\u00f6glich, dass das Kuratorium auf Kontinuit\u00e4t \u2013\u00a0und damit auf Hammer \u2013 setzt. Gleiches scheint auch in Sachen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung zu gelten: Der kaufm\u00e4nnische Direktor Lukas Crepaz wird von derzeit niemandem in Frage gestellt, er wird als Schl\u00fcsselfigur f\u00fcr den anstehenden Umbau der Festspiele gebraucht werden. Gut m\u00f6glich, dass sein Job vorzeitig verl\u00e4ngert wird. \u00a0<\/p>\n<p>Der Umbau<\/p>\n<p>Am Freitag will das Kuratorium auch \u00fcber die Sanierung der Festspielgeb\u00e4ude und den Ausbau des Gro\u00dfen Festspielhauses beraten. Dabei soll entschieden werden, ob das Haus f\u00fcr ein oder zwei Jahre gesperrt bleibt und wo in dieser Zeit die Ersatzspielst\u00e4tte entstehen soll. F\u00fcr diese ist ein Kostendeckel von 34,8 Millionen Euro vorgesehen, f\u00fcr das Gesamtprojekt gelten 395 Millionen Euro als Obergrenze. Ob sich diese Zahlen in der aktuellen Situation einhalten lassen \u2013\u00a0da darf man durchaus skeptisch sein.<\/p>\n<p>Die Quintessenz<\/p>\n<p>Das Kuratorium scheint sich seiner Argumente sicher zu sein und will offensichtlich nicht l\u00e4nger nach Markus Hinterh\u00e4users Pfeife tanzen. Der scheint seine Gegenspieler untersch\u00e4tzt zu haben und sich in den letzten Wochen und Monaten vielleicht den einen oder anderen Streit zu viel geleistet zu haben (auch die letzte Kuratoriumssitzung soll nach Angaben der APA eskaliert sein). Trotz \u00f6ffentlicher Kritik h\u00e4lt Edtstadler gemeinsam mit dem Kuratorium an ihrem Weg fest \u2013 vielleicht auch, weil sie wei\u00df, dass das Thema Hinterh\u00e4user keines mehr ist, wenn erst einmal ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin bestimmt sind. Tats\u00e4chlich scheinen wir in dieser Woche die grundlegende Neuaufstellung der Festspiele zu beobachten. Zusammengefasst: Der aktuelle Machtkampf ist keine Katastrophe f\u00fcr die Festspiele, da es f\u00fcr jedes Szenario gen\u00fcgend Alternativen gibt, mit denen Salzburg in eine neue Zukunft gef\u00fchrt werden kann.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"English summary: Markus Hinterh\u00e4user ignored the board\u2019s ultimatum to extend his contract, making his future as Salzburg Festival&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":48501,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[46,42,1098,44,192,6950],"class_list":{"0":"post-48500","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-salzburg","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-markus-hinterhaeuser","11":"tag-oesterreich","12":"tag-salzburg","13":"tag-salzburger-festspiele"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116240099773850521","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48500","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=48500"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48500\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/48501"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=48500"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=48500"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=48500"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}