{"id":51635,"date":"2026-03-18T08:33:07","date_gmt":"2026-03-18T08:33:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/51635\/"},"modified":"2026-03-18T08:33:07","modified_gmt":"2026-03-18T08:33:07","slug":"hirtenberg-wien-tote-haeftlinge-in-ja-brisante-justizinterne-untersuchungsberichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/51635\/","title":{"rendered":"Hirtenberg\/Wien &#8211; Tote H\u00e4ftlinge in JA: Brisante justizinterne Untersuchungsberichte"},"content":{"rendered":"<p>In Bezug auf einen psychisch kranken H\u00e4ftling, der sich im Mai 2025 in der JA Josefstadt suizidierte, kommt ein Bericht der Fachgruppe Suizidpr\u00e4vention im Strafvollzug zum Schluss, dass der Mann ein \u201eHochrisikofall f\u00fcr Suizid\u201c und \u201enicht ausreichend\u201c untergebracht war.<\/p>\n<p>Als der 23-J\u00e4hrige nach T\u00e4tlichkeiten gegen seine Mutter und wegen Randalierens in einem Einkaufszentrum festgenommen und in weiterer Folge in U-Haft genommen wurde, war \u201edie erh\u00f6hte Suizidgefahr aufgrund einer schweren psychischen St\u00f6rung bekannt\u201c, h\u00e4lt Patrick Frottier, Psychiater und Berater f\u00fcr Suizidpr\u00e4vention in Haftanstalten, in dem Bericht fest, der der APA vorliegt. Die Eltern und eine \u00c4rztin des jungen Mannes h\u00e4tten darauf hingewiesen. Dessen ungeachtet habe es in der JA \u201ekeinen dokumentierten Kontakt zum psychologischen Dienst\u201c gegeben, was Frottier \u201enicht nachvollziehbar\u201c nennt.<\/p>\n<p>\u201ePsychologische Gespr\u00e4che in Verbindung mit einer Verlegung auf die Krankenabteilung der JA Josefstadt oder einer Video\u00fcberwachung des Haftraums w\u00e4ren zumindest eine g\u00fcnstige Alternative zu einer akuten Verlegung an eine psychiatrische Abteilung gewesen\u201c, bemerkt Frottier. Der blo\u00dfe Verbleib des Mannes in einem Mehrpersonen-Haftraum als einzige Pr\u00e4ventivma\u00dfnahme war f\u00fcr den Experten jedenfalls zu wenig.<\/p>\n<p>Versorgung schwer psychisch Kranker in JA Josefstadt \u201enicht ausreichend\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie situative Bedingung der Unterbringung (&#8230;) war seiner psychischen St\u00f6rung nicht entsprechend. Die Tatsache der Vollendung des Suizids trotz des Wissens um die psychische St\u00f6rung macht deutlich, dass die Versorgung schwer psychisch kranker Menschen in der JA Wien-Josefstadt nicht ausreichend ist\u201c, bilanziert Frottier. Er empfiehlt in seinem Bericht, in \u00e4hnlich gelagerten F\u00e4llen zuk\u00fcnftig \u201eInformationen von externen Fachleuten bzw. Familienangeh\u00f6rigen unbedingt zu ber\u00fccksichtigen und im Zweifelsfall diesen Informationen so viel Gewicht zu geben, dass nachvollziehbare und entsprechende Reaktionen seitens der Justiz gemacht werden.\u201c Dar\u00fcber hinaus regt Frottier an, bei H\u00e4ftlingen, bei denen bereits ein psychiatrischer Sachverst\u00e4ndiger zur Kl\u00e4rung einer m\u00f6glichen Zurechnungsunf\u00e4higkeit bestellt ist, den \u201eVerbleib auf einer gew\u00f6hnlichen Abteilung ohne psychologische und psychiatrische Intensivbetreuung zu hinterfragen\u201c und \u201earbeits- und ablaufprozessuale \u00c4nderungen vorzunehmen\u201c. Nach seinem Daf\u00fcrhalten sollte das Suizidpr\u00e4ventionssystem VISCI (Viennese Instrument for Suicidality in Correctional Institutions, Anm.) bei allen Insassinnen und Insassen einer JA unmittelbar nach der Einlieferung angewendet werden.<\/p>\n<p>Volksanwaltschaft sieht sich best\u00e4tigt<\/p>\n<p>\u201eDer kolportierte interne Bericht des Justizministeriums best\u00e4tigt, was wir als Volksanwaltschaft schon lange sagen: Insassinnen und Insassen mit akuten schweren psychischen Erkrankungen geh\u00f6ren nicht ins Gef\u00e4ngnis, sondern in psychiatrische Betreuung in ein Spital\u201c, meinte dazu die f\u00fcr den Strafvollzug zust\u00e4ndige Volksanw\u00e4ltin Gabriela Schwarz (\u00d6VP). Seit Jahren appelliere sie, die Betten in den Spit\u00e4lern zur akutpsychiatrischen Versorgung auszubauen: \u201eDoch es gibt nach wie vor zu wenige Pl\u00e4tze, w\u00e4hrend die Zahl jener H\u00e4ftlinge steigt.\u201c Das m\u00fcsse sich im Sinne aller rasch \u00e4ndern, sagte Schwarz gegen\u00fcber der APA: \u201eEnde M\u00e4rz stelle ich unseren Schwerpunktbericht zur Situation psychisch erkrankter H\u00e4ftlinge vor. Unser Befund ist ern\u00fcchternd. Es gibt zu wenig psychiatrisches Fachpersonal in den Gef\u00e4ngnissen, um Betroffene ad\u00e4quat zu versorgen.\u201c<\/p>\n<p>Indes berichtet der \u201eFalter\u201c in seiner aktuellen Ausgabe \u00fcber einen internen Bericht der Generaldirektion f\u00fcr den Strafvollzug und freiheitsentziehende Ma\u00dfnahmen zu einem psychisch kranken H\u00e4ftling, der am 3. Dezember 2025 an den Folgen einer Amtshandlung der Justizwache und der ihm beigebrachten Verletzungen starb. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt ermittelt dazu mittlerweile gegen zw\u00f6lf Justizwachebeamte wegen des Verdachts der K\u00f6rperverletzung mit t\u00f6dlichem Ausgang unter Ausn\u00fctzung einer Amtsstellung.<\/p>\n<p>\u201eFalter\u201c mit verst\u00f6rendem Bericht zu Hirtenberg<\/p>\n<p>Laut \u201eFalter\u201c gab es bei der Amtshandlung \u201ekeinen strukturierten Einsatzmodus\u201c und \u201ekeine \u00fcbergeordnete Steuerung\u201c. \u201eVerst\u00e4rkungen\u201c w\u00e4ren hektisch \u201eauf Zuruf\u201c aus anderen Abteilungen beigezogen worden. Die Erkrankung des Insassen sei nicht ordentlich dokumentiert, \u201efalsche Weichenstellungen\u201c vorgenommen worden, zitiert der \u201eFalter\u201c aus dem Bericht.<\/p>\n<p>Auch die Zellen in der JA Hirtenberg und insbesondere der Haftraum, in dem der verstorbene H\u00e4ftling untergebracht war, werden im \u201eFalter\u201c mit entsprechendem Bildmaterial scharf kritisiert. So verf\u00fcgte die Zelle \u00fcber ein Betonbett, gegen das der H\u00e4ftling im Zug der Amtshandlung mit dem Kopf prallte. Dazu merkt die Volksanwaltschaft an, man habe seit 2020 &#8211; somit w\u00e4hrend der Amtszeit der Gr\u00fcnen Justizministerin Alma Zadi\u0107 &#8211; wiederholt in Berichten an den National- und Bundesrat auf M\u00e4ngel in besonders gesicherten Haftr\u00e4umen hingewiesen und die Ausstattung mit einem Sitz- und Liegequader aus Hartschaumstoff gefordert.<\/p>\n<p>Volksanwaltschaft hatte Zadi\u0107 wiederholt gewarnt<\/p>\n<p>Im Bericht 2021 wurden die Warnungen anl\u00e4sslich weiter vorhandener Gefahrenpotenziale in besonders gesicherten Haftr\u00e4umen der JA Schwarzau und JA Josefstadt wiederholt. 2022 war die Volksanwaltschaft in eine Arbeitsgruppe \u201eSicherheits- und Betreuungssettings in krisenhaften Situationen von Insassinnen und Insassen in Haft\u201c im Justizministerium eingebunden. In dem Abschlussbericht an die damalige Justizministerin Zadi\u0107 findet sich die nochmalige Forderung, Sonderhaftr\u00e4ume mit einem Hartschaumstoffliegequader auszustatten.<\/p>\n<p>Im Mai 2023 warnte Volksanw\u00e4ltin Schwarz Zadi\u0107 in einem Brief sogar explizit vor dem Betonbett in jener Zelle der Justizanstalt Hirtenberg, an dem sich der betroffene H\u00e4ftling schwer verletzte. Auch auf weitere M\u00e4ngel wurde hingewiesen. So war ein so genanntes italienisches WC nicht ganz in den Boden eingelassen und stellte eine Verletzungsgefahr dar. Insassen hatten keinen selbstst\u00e4ndigen Zugang zu Trinkwasser. Zuletzt regte die Volksanwaltschaft im Bericht \u201ePr\u00e4ventive Menschenrechtskontrolle 2023\u201c einheitliche Mindeststandards f\u00fcr die Ausstattung von besonders gesicherten Zellen an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Bezug auf einen psychisch kranken H\u00e4ftling, der sich im Mai 2025 in der JA Josefstadt suizidierte, kommt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":51636,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[46,42,646,17831,2219,622,44,43,45,207,182],"class_list":{"0":"post-51635","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-oesterreich","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-free","11":"tag-haftstrafe","12":"tag-kriminalitaet-und-justiz","13":"tag-niederoesterreich","14":"tag-oesterreich","15":"tag-republic-of-austria","16":"tag-republik-oesterreich","17":"tag-tod","18":"tag-wien"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116249257821584879","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=51635"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51635\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/51636"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=51635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=51635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=51635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}