{"id":54355,"date":"2026-03-19T16:45:07","date_gmt":"2026-03-19T16:45:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/54355\/"},"modified":"2026-03-19T16:45:07","modified_gmt":"2026-03-19T16:45:07","slug":"global-hormus-blockade-folgen-fuer-das-globale-ernaehrungssystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/54355\/","title":{"rendered":"Global: Hormus-Blockade: Folgen f\u00fcr das globale Ern\u00e4hrungssystem"},"content":{"rendered":"<p>Seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran haben nur noch <a href=\"https:\/\/www.cbsnews.com\/news\/strait-of-hormuz-iran-war-oil-gas-prices-persian-gulf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">wenige<\/a> der einst t\u00e4glich rund 100 Schiffe, die die Stra\u00dfe von Hormus passierten, diese durchquert. Nun, da der Iran laut Berichten <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2026\/03\/10\/politics\/iran-begins-laying-mines-in-strait-of-hormuz\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Seeminen<\/a> in der engen Wasserstra\u00dfe verlegt hat, ist eine tagelange, wenn nicht gar monatelange Sperrung nicht mehr nur hypothetisch.<\/p>\n<p>Die Schockwellen breiten sich bereits auf den globalen Energiem\u00e4rkten aus. Doch die unmittelbarsten und gef\u00e4hrlichsten Folgen einer l\u00e4ngeren Sperrung der Stra\u00dfe von Hormus k\u00f6nnten sich eher am Esstisch als an der Tankstelle bemerkbar machen. Die Stra\u00dfe von Hormus ist schlie\u00dflich nicht nur eine Schifffahrtsroute f\u00fcr \u00d6ltanker, sondern auch eine <a href=\"https:\/\/www.ifpri.org\/blog\/the-iran-war-potential-food-security-impacts\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">wichtige Lebensader<\/a> des globalen Nahrungsmittelsystems. Auf ihrem Weg in die Golfstaaten werden wichtige Grundnahrungsmittel \u2013 darunter Weizen, Mais, Reis, Sojabohnen, Zucker und Tierfutter \u2013 durch die Meerenge transportiert. Zudem sind Landwirte auf der ganzen Welt von den dort transportierten D\u00fcngemitteln und Treibstoffen abh\u00e4ngig. Besonders gef\u00e4hrdet sind die Golfstaaten, die stark vom Import ihrer Lebensmittel abh\u00e4ngig sind. Um sich mit Getreide, Reis, Tierfutter und Speise\u00f6l zu versorgen, sind sie auf offene Seewege und einen kontinuierlichen Warenfluss aus dem Ausland angewiesen.<\/p>\n<p>Wie die COVID-19-Pandemie gezeigt hat, ist die Fragilit\u00e4t von Lieferketten nicht nur in Kriegszeiten ein Problem. In den letzten Jahren haben viele Golfstaaten Ma\u00dfnahmen ergriffen, um ihre Ern\u00e4hrungssysteme zu st\u00e4rken. Sie stockten ihre strategischen Reserven auf und investierten in die heimische Produktion. Au\u00dferdem erschlossen sie alternative Seewege, sodass ein Teil der Fracht auf dem Landweg oder \u00fcber H\u00e4fen transportiert wird, die die Stra\u00dfe von Hormus umgehen. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist der Jeddah Islamic Port am Roten Meer in Saudi-Arabien.<\/p>\n<p>Diese Ma\u00dfnahmen haben die Widerstandsf\u00e4higkeit zwar verbessert, k\u00f6nnen jedoch eine anhaltende Blockade des Persischen Golfs nicht vollst\u00e4ndig ausgleichen. Etwa <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/gulf-food-strategy-tested-iran-war-snarls-shipping-routes-2026-03-05\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">70 Prozent<\/a>\u00a0der in Bahrain, Kuwait, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und dem Irak konsumierten Lebensmittel werden \u00fcber die Stra\u00dfe von Hormus transportiert. Bei einer Gesamtbev\u00f6lkerung von rund 100 Millionen Menschen m\u00fcssten laut Daten von <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/faostat\/en\/#home\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">FAOSTAT<\/a> t\u00e4glich etwa 191 Millionen Pfund Lebensmittel in die Region gebracht werden, um die unterbrochenen Importe in diesen L\u00e4ndern zu ersetzen. Die Versorgung des Golfs unter den Bedingungen einer Blockade w\u00fcrde daher eine beispiellose humanit\u00e4re Operation erfordern, die m\u00f6glicherweise durch umk\u00e4mpften Luftraum f\u00fchren w\u00fcrde. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 lieferte das Weltern\u00e4hrungsprogramm der Vereinten Nationen durchschnittlich <a href=\"https:\/\/www.wfp.org\/stories\/12-things-you-may-not-know-about-world-food-programme\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">nur 15 Millionen Pfund<\/a> Lebensmittel pro Tag an 81 Millionen Menschen in 71 L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Eine vollst\u00e4ndige Blockade w\u00fcrde dem Iran ebenso schwer zusetzen wie seinen arabischen Nachbarn.<\/p>\n<p>Eine vollst\u00e4ndige Blockade w\u00fcrde dem Iran ebenso schwer zusetzen wie seinen arabischen Nachbarn. St\u00f6rungen des Seehandels w\u00fcrden das Land von beiden Seiten unter Druck setzen: Einerseits w\u00fcrden die Energieexporte eingeschr\u00e4nkt, andererseits w\u00fcrden die Kosten f\u00fcr importierte Grundnahrungsmittel wie Weizen, Reis, Tierfutter und Pflanzen\u00f6l in die H\u00f6he getrieben. F\u00fcr die iranische Bev\u00f6lkerung sind lebensnotwendige G\u00fcter wie Brot oder die Miete bereits unerschwinglich geworden, was die Massenproteste angeheizt hat, die das Land Anfang dieses Jahres ersch\u00fctterten.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit waren sprunghafte Anstiege der Lebensmittelpreise und Versorgungsengp\u00e4sse oft Ausl\u00f6ser f\u00fcr <a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC12003598\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">politische Instabilit\u00e4t<\/a>. So f\u00fchrten im Jahr 2008 steigende Energie- und D\u00fcngemittelkosten in Verbindung mit extremen Wetterbedingungen und anhaltendem politischem Versagen fast zu einer <a href=\"https:\/\/www.un.org\/esa\/socdev\/rwss\/docs\/2011\/chapter4.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Verdoppelung<\/a> der Preise f\u00fcr Grundnahrungsmittel. Dies f\u00fchrte in Dutzenden von L\u00e4ndern zu Unruhen aufgrund von Lebensmittelknappheit. Einige Jahre sp\u00e4ter, in den Jahren 2010 und 2011, f\u00fchrten eine historische D\u00fcrre und eine Hitzewelle in Russland zu erheblichen Einbu\u00dfen bei den Getreideernten. Dies trieb die weltweiten Lebensmittelpreise auf Rekordh\u00f6hen und <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S2211912420300547\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">bereitete den Boden<\/a> f\u00fcr den Arabischen Fr\u00fchling.<\/p>\n<p>Die Invasion Russlands in der Ukraine im Jahr 2022 trieb in j\u00fcngerer Zeit die weltweiten Preise f\u00fcr Getreide, D\u00fcngemittel und Treibstoff in die H\u00f6he und trug zu einem starken Anstieg der Ern\u00e4hrungsunsicherheit bei. Angesichts der zunehmenden Belastung des globalen Ern\u00e4hrungssystems durch Klimaschocks sowie der anhaltenden Auswirkungen der Pandemie ist es kaum verwunderlich, dass die Welt vor der <a href=\"https:\/\/www.prio.org\/news\/3616\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">gr\u00f6\u00dften Zunahme gewaltsamer Konflikte<\/a> seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs steht.<\/p>\n<p>Landwirte auf der ganzen Welt sind auf eine stabile Versorgung mit D\u00fcngemitteln und Treibstoff angewiesen.<\/p>\n<p>Weitere St\u00f6rungen in der Stra\u00dfe von Hormus h\u00e4tten Auswirkungen, die weit \u00fcber den Golf hinausreichen w\u00fcrden. Landwirte auf der ganzen Welt \u2013 von S\u00fcdasien bis Subsahara-Afrika, aber auch in Europa und den USA \u2013 sind auf eine stabile Versorgung mit D\u00fcngemitteln und Treibstoff angewiesen. Erdgas ist ein wichtiger Bestandteil von Stickstoffd\u00fcnger, der einen Eckpfeiler der modernen Landwirtschaft darstellt und ma\u00dfgeblich dazu beigetragen hat, dass die Ernteertr\u00e4ge historische H\u00f6chstst\u00e4nde erreicht haben. Sch\u00e4tzungsweise <a href=\"https:\/\/media.rabobank.com\/m\/4f5a7ffe7e6061e8\/original\/Global-fertilizer-markets-feel-impact-of-conflict-in-the-Middle-East.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">30 bis 40\u00a0Prozent des weltweit gehandelten Stickstoffd\u00fcngers<\/a> werden \u00fcber die Meerenge transportiert.<\/p>\n<p>Werden D\u00fcnger und Treibstoff teurer, reagieren Landwirte darauf, indem sie entweder weniger D\u00fcnger ausbringen oder eine geringere Anbaufl\u00e4che bewirtschaften. Infolgedessen sinken die Ertr\u00e4ge und die Auswirkungen breiten sich im gesamten Lebensmittelsystem aus. Die h\u00f6heren Kosten werden von Landwirten und Lkw-Fahrern \u00fcber Lebensmittelverarbeiter hinweg bis hin zu den Endverbrauchern entlang der Lieferkette weitergegeben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend St\u00f6rungen bei der Lieferung von Lebensmitteln, Treibstoff und D\u00fcngemitteln erst nach Wochen oder Monaten zu Preisanstiegen f\u00fchren k\u00f6nnten, k\u00f6nnte eine andere Ressource bereits nach wenigen Tagen gef\u00e4hrdet sein: Wasser. Sollte der Konflikt die Gew\u00e4sser des Golfs verschmutzen oder Entsalzungsanlagen au\u00dfer Betrieb setzen, h\u00e4tte dies katastrophale Folgen. Die Gefahr ist bereits akut. Letzte Woche <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2026\/03\/08\/world\/middleeast\/desalination-plants-iran-bahrain.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">meldeten<\/a> sowohl Bahrain als auch der Iran, der selbst unter schwerwiegender Wasserknappheit leidet, dass Entsalzungsanlagen angegriffen worden seien. Sollten diese Angriffe vors\u00e4tzlich erfolgen, w\u00fcrden sie nach internationalem Recht als Kriegsverbrechen gelten, da die Zerst\u00f6rung oder Verschmutzung solcher Anlagen unmittelbar die Lebensgrundlage von Millionen Menschen gef\u00e4hrden w\u00fcrde. W\u00e4hrend die Ukraine gezeigt hat, dass kritische Infrastruktur unter Beschuss repariert werden kann, sind Entsalzungssysteme hochkomplex und es gibt kaum schnelle Alternativen.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten konzentrieren sich die internationalen Sicherheitsbem\u00fchungen im Nahen Osten darauf, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Die Sperrung der Stra\u00dfe von Hormus \u2013 sei es durch <a href=\"https:\/\/www.navylookout.com\/no-ships-in-the-strait-of-hormuz-brace-for-global-economic-shock\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Seeminen<\/a> oder einen anhaltenden milit\u00e4rischen Konflikt \u2013 k\u00f6nnte der Zivilbev\u00f6lkerung jedoch in \u00e4hnlichem Ausma\u00df schaden, indem sie die globalen Nahrungsmittel- und Energiesysteme lahmlegt und zudem eine regionale Wasserkrise ausl\u00f6st. Sowohl die Konfliktparteien als auch die internationale Gemeinschaft insgesamt m\u00fcssen daher alles in ihrer Macht Stehende tun, um ein solches Szenario zu verhindern. Gleichzeitig sollte diese Episode als Warnung dienen. Das globale Nahrungsmittelsystem ist \u00e4u\u00dferst anf\u00e4llig. Die politischen Entscheidungstr\u00e4ger m\u00fcssen handeln, um es zu stabilisieren, bevor der n\u00e4chste Schock Millionen weitere Menschen an den Rand einer humanit\u00e4ren Katastrophe bringt.<\/p>\n<p>\u00a9 Project Syndicate<\/p>\n<p>Aus dem Englischen von Andreas Hubig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran haben nur noch wenige der einst t\u00e4glich rund 100 Schiffe,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":54356,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[22332,9344,22334,4741,22335,19471,22337,22336,1010,750,3138,40,1156,41,18492,39,22333,439,7135,66,65,64],"class_list":{"0":"post-54355","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-blockade","9":"tag-duengemittel","10":"tag-ernaehrungssystem","11":"tag-getreide","12":"tag-golfstaaten","13":"tag-hormus","14":"tag-humanitaere-katastrophe","15":"tag-hunger","16":"tag-iran","17":"tag-israel","18":"tag-krieg","19":"tag-nachrichten","20":"tag-nahrungsmittel","21":"tag-news","22":"tag-oel","23":"tag-schlagzeilen","24":"tag-seehandel","25":"tag-usa","26":"tag-wasser","27":"tag-welt","28":"tag-world","29":"tag-world-news"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116256854735615742","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54355","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54355"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54355\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/54356"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54355"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54355"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54355"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}