{"id":54453,"date":"2026-03-19T17:56:10","date_gmt":"2026-03-19T17:56:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/54453\/"},"modified":"2026-03-19T17:56:10","modified_gmt":"2026-03-19T17:56:10","slug":"magellansche-wolken-truemmerfeld-vor-der-galaktischen-haustuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/54453\/","title":{"rendered":"Magellansche Wolken: Tr\u00fcmmerfeld vor der galaktischen Haust\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p>Magellansche Wolken: Tr\u00fcmmerfeld vor der galaktischen Haust\u00fcr &#8211; Spektrum der Wissenschaft<a id=\"top\" class=\"jump-to-content\" href=\"#main\" title=\"Direkt zum Inhalt\">Direkt zum Inhalt<\/a>Magellansche Wolken: Ein Tr\u00fcmmerfeld im galaktischen Hinterhof<\/p>\n<p>Chaotische Sternbewegungen und die ausgedehnte Form der Kleinen Magellanschen Wolke deuten auf einen gewaltigen und folgenreichen Zusammensto\u00df mit ihrer gr\u00f6\u00dferen Nachbarin hin\u00a0\u2013 ein seltenes Beispiel daf\u00fcr, wie sich die Transformation einer Galaxie nahezu in Echtzeit beobachten l\u00e4sst.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Ein farbenfrohes astronomisches Bild zeigt eine dichte Ansammlung von Gas- und Staubwolken im Weltraum. Die Wolken leuchten in verschiedenen Farben, darunter Rot, Blau und Gr\u00fcn, und bilden komplexe Muster vor einem dunklen Hintergrund. Diese Darstellung k\u00f6nnte eine Sternentstehungsregion oder eine Galaxie zeigen, die durch Infrarot- oder andere spezielle Teleskope aufgenommen wurde. Die Farben heben unterschiedliche chemische Zusammensetzungen oder Temperaturen hervor.\" class=\"full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/PIA25164.jpg\" title=\"Ein farbenfrohes astronomisches Bild zeigt eine dichte Ansammlung von Gas- und Staubwolken im Weltraum. Die Wolken leuchten in verschiedenen Farben, darunter Rot, Blau und Gr\u00fcn, und bilden komplexe Muster vor einem dunklen Hintergrund. Diese Darstellung k\u00f6nnte eine Sternentstehungsregion oder eine Galaxie zeigen, die durch Infrarot- oder andere spezielle Teleskope aufgenommen wurde. Die Farben heben unterschiedliche chemische Zusammensetzungen oder Temperaturen hervor.\"\/><\/p>\n<p> Eine Galaxie im Wandel | Die Kleine Magellansche Wolke enth\u00e4lt mehr Masse in Form von Gas und Staub als in Form von Sternen. Beide treten in der Aufnahme, einer Kombination aus Daten der Infrarot-Weltraumteleskope Herschel, Planck, IRAS und COBE, besonders gut hervor und offenbaren Spuren einer gewaltigen Kollision. <\/p>\n<p>Aufgrund ihrer relativen N\u00e4he zu uns z\u00e4hlen die <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/astronomie\/lokale-gruppe\/273\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Magellanschen Wolken<\/a> zu den am besten untersuchten Galaxien am Himmel. Dennoch stellen sie Astronomen bis heute vor ein R\u00e4tsel\u00a0\u2013 insbesondere die Kleine Magellansche Wolke (englisch: Small Magellanic Cloud, SMC). Ihre Sterne bewegen sich seltsam ungeordnet und folgen keiner stabilen Rotation, wie sie f\u00fcr gasreiche Zwerggalaxien typisch w\u00e4re. Ein Team um Himansh Rathore von der University of Arizona berichtet nun in der Fachzeitschrift\u00ab<a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/1538-4357\/ae4507\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">The Astrophysical Journal<\/a>\u00ab, dass eine Kollision mit der Gro\u00dfen Magellanschen Wolke (Large Magellanic Cloud, LMC) daf\u00fcr verantwortlich gewesen sein k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Als massereichste Begleiter der Milchstra\u00dfe stehen beide Systeme seit Langem in gravitativer Wechselwirkung miteinander. Vor etwa 100\u00a0bis 200\u00a0Millionen Jahren, so das Team, kam es dann zu einem direkten Zusammensto\u00df, bei dem sich die SMC frontal durch die Scheibe der LMC bewegte. Die urspr\u00fcnglich in einer Scheibe rotierenden Sterne wurden durch die Gezeitenkr\u00e4fte der LMC aus ihren Bahnen gerissen. Heute dominiert eine weitgehend ungeordnete Bewegung, die Sterne bewegen sich \u00fcberwiegend radial nach au\u00dfen; nur im inneren Kern der SMC ist noch eine schwache Restrotation erkennbar.<\/p>\n<p>Das scheint im Widerspruch zur jahrzehntelang beobachteten Rotation des Gases innerhalb der SMC zu stehen\u00a0\u2013 Sterne bilden sich aus diesem und sollten dessen Bewegung beibehalten. Wie die Gruppe nun zeigen konnte, handelt es sich bei dieser Diskrepanz jedoch um eine optische T\u00e4uschung aufgrund des Blickwinkels: Durch die Kollision wurde die SMC enorm in die L\u00e4nge gezogen. Obwohl sie am Himmel nur rund 13\u00a0000\u00a0Lichtjahre breit erscheint, besitzt sie entlang unserer Sichtlinie eine Tiefe von mehr als 65\u00a0000\u00a0Lichtjahren. Gas, das sich auf uns zu und von uns wegbewegt, ruft den Eindruck einer Rotation hervor. Simulationen der Gruppe deuten zudem auf einen ausgepr\u00e4gten Gezeitenschweif hin, der nahezu direkt auf die Erde weist.<\/p>\n<p> Folgenreicher Crash | Simulationen zeigen, dass die Sterne und das Gas der Kleinen Magellanschen Wolke (SMC) vor dem Zusammensto\u00df (links) ein geordnetes Rotationsprofil mit einer rotierenden Sternen- und Gasscheibe besa\u00dfen. Erst die Kollision mit ihrer Nachbarin (Mitte), der Gro\u00dfen Magellanschen Wolke, zerst\u00f6rte die Ordnung. Gezeitenkr\u00e4fte und ver\u00e4nderte Druckverh\u00e4ltnisse f\u00fchrten zum Erliegen der Rotationsbewegung und der Ausbildung einer gestreckten Form (rechts). <\/p>\n<p>Innerhalb der SMC zeigt sich zudem ein deutlicher Versatz der Zentren der Gasansammlungen und der Sterne um mehrere Tausend Lichtjahre. Die Gruppe erkl\u00e4rt dies mithilfe des zus\u00e4tzlichen Widerstands, den das Gas der LMC beim Zusammensto\u00df auf das der SMC aus\u00fcbte. Dieser sogenannte Staudruck (ram\u00a0pressure) wirkt kaum auf Sterne und zerst\u00f6rte die urspr\u00fcngliche Rotation des Gases vollst\u00e4ndig. Die Verschiebung der Zentren ist somit eine direkte Folge der Kollision und ein Nachweis daf\u00fcr, dass sich die SMC in einem dynamischen Ungleichgewicht befindet.<\/p>\n<p>Das hat weitreichende Folgen: Herk\u00f6mmlichen Messmethoden zur Massenbestimmung beispielsweise wird damit die Grundlage entzogen; diese setzen ein stabiles System voraus\u00a0\u2013 Sch\u00e4tzungen zur Masse der SMC gehen daher weit auseinander. Doch es \u00f6ffnen sich auch neue T\u00fcren, so die Gruppe: <a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/1538-4357\/ade0ae\/meta\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Infolge der Kollision kippte die zentrale Balkenstruktur der LMC<\/a> um wenige Grad. Damit lassen sich direkt R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Gesamtmasse der SMC und den Anteil Dunkler Materie ziehen.<\/p>\n<p>Die Kleine Magellansche Wolke galt lange als eine Art Referenzsystem f\u00fcr die Entwicklung kleiner, gasreicher und metallarmer Galaxien im fr\u00fchen Universum\u00a0\u2013 dieses Bild scheint nun Risse zu bekommen. Denn die SMC wandelt sich von einer rotierenden Zwerggalaxie in eine kugelf\u00f6rmige und v\u00f6llig ungeordnete Form und muss daher eher als das Tr\u00fcmmerfeld einer Kollision betrachtet werden.<\/p>\n<p>Diesen Artikel empfehlen:<\/p>\n<p> ist Astrophysiker und Redakteur f\u00fcr Astronomie. <\/p>\n<p>Digitalausgaben Printausgaben Topseller Bundles<\/p>\n<p>Rathore, H. et al., The Astrophysical Journal 10.3847\/1538\u20134357\/ae4507, 2026 <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"1\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/3e0baccfd8bc482eb060e04e1e433413.gif\" width=\"1\"\/><\/p>\n<p>Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalit\u00e4t von Spektrum.de zu erhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Magellansche Wolken: Tr\u00fcmmerfeld vor der galaktischen Haust\u00fcr &#8211; Spektrum der WissenschaftDirekt zum InhaltMagellansche Wolken: Ein Tr\u00fcmmerfeld im galaktischen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":54454,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[699,46,42,1511,22370,124,123,22367,22369,7667,44,22366,20684,22368],"class_list":{"0":"post-54453","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-astronomie","9":"tag-at","10":"tag-austria","11":"tag-dunkle-materie","12":"tag-galaxis","13":"tag-gesundheit","14":"tag-health","15":"tag-kleine-magellansche-wolke","16":"tag-magellansche-wolken","17":"tag-milchstrasse","18":"tag-oesterreich","19":"tag-smc","20":"tag-zusammenstoss","21":"tag-zwerggalaxie"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116257133914459822","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54453","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54453"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54453\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/54454"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54453"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54453"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54453"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}