{"id":55103,"date":"2026-03-20T03:09:10","date_gmt":"2026-03-20T03:09:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/55103\/"},"modified":"2026-03-20T03:09:10","modified_gmt":"2026-03-20T03:09:10","slug":"duengemittel-wenn-der-irankrieg-auf-dem-deutschen-acker-ankommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/55103\/","title":{"rendered":"D\u00fcngemittel: Wenn der Irankrieg auf dem deutschen Acker ankommt"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Wie sehr gerade Angst die M\u00e4rkte treibt,<br \/>\nmerken sie genau bei SKWP in Piesteritz, nahe Dessau, in Sachsen-Anhalt. Hier<br \/>\nhat Deutschlands gr\u00f6\u00dfter Gasverbraucher seinen Firmensitz, einer der letzten<br \/>\nverbliebenen Produzenten von Harnstoff und Ammoniak. Beides sind wichtige Grundstoffe<br \/>\nf\u00fcr die Industrie und Landwirtschaft; sie landen am Ende in Lkw-Dieseltanks als AdBlue oder in der<br \/>\nD\u00fcngemittelproduktion. Der j\u00e4hrliche Bedarf von SKWP ist gr\u00f6\u00dfer<br \/>\nals der des Chemiekonzerns <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/basf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">BASF<\/a>, er macht rund zwei Prozent des deutschen Gasverbrauchs aus \u2013 das entspricht etwa den Mengen des Saarlands und Bremen zusammen. <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">SKWP ist besonders von den steigenden Preisen betroffen, weil sich das Unternehmen gr\u00f6\u00dftenteils am Spotmarkt eindeckt. &#8222;Bei<br \/>\nuns ist Gas nicht nur der Energielieferer, sondern vor allem ein zentraler<br \/>\nRohstoff&#8220;, sagt Markus Bosch, Abteilungsleiter Strategie Energie bei SKWP.\u00a0Aktuell hat das Unternehmen mit den knapp 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Preise von mehr als 50 Euro f\u00fcr die Megawattstude zu verkraften. Vor Beginn des Irankriegs lag der Preis bei rund 30 Euro.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Nach den j\u00fcngsten Angriffen auf Gasfelder im <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/iran\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Iran<\/a> sind die Gro\u00dfhandelspreise am Donnerstag noch einmal in die H\u00f6he geschnellt. &#8222;Wir haben bereits schlechte Jahre hinter uns&#8220;, sagt Bosch. &#8222;Auf Dauer ist diese Situation nicht durchhaltbar; das ist f\u00fcr das Unternehmen bedrohlich.&#8220; Schon<br \/>\nim vergangenen Jahr musste SKWP zwischenzeitlich eine von zwei Ammoniakanlagen herunterfahren, weil<br \/>\ndie Produktion zu teuer wurde. Inzwischen sind alle Anlagen wieder am Start, wenn auch nicht vollst\u00e4ndig ausgelastet.\n<\/p>\n<p>        Vom Exporteur zum Importeur        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Sperrung der Stra\u00dfe von Hormus kommt so am<br \/>\nEnde auch in der deutschen Wirtschaft an.  Schon der Preisanstieg durch den Ukrainekrieg 2022 hatte f\u00fcr SKWP gravierende Folgen. Damals schossen die <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2026-03\/gas-preise-iran-katar-energieversorgung\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Preise f\u00fcr Erdgas zwischenzeitlich<br \/>\nauf mehr als 300 Euro je Megawattstunde<\/a>, ein Einschnitt f\u00fcr die gesamte<br \/>\nD\u00fcngemittel-Branche. Bis dahin konnte sich Deutschland bei D\u00fcngern gut selbst<br \/>\nversorgen und sogar Stickstoff exportieren. Doch seit den hohen Gaspreisen<br \/>\nmuss importiert werden, weil Firmen Produktionsanlagen stilllegen mussten.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Folge: Deutschland bezieht<br \/>\nsogar aus Russland rund zehn Prozent seines Stickstoffd\u00fcngers,<br \/>\nden Gro\u00dfteil importiert es aus den Niederlanden. F\u00fcr die gesamte EU sieht das Bild anders aus: Da war Russland 2024 mit insgesamt 30 Prozent der gr\u00f6\u00dfte Lieferant. Aus Sorge um Lieferengp\u00e4sse und<br \/>\nPreissteigerungen hat die EU bislang auf einen vollst\u00e4ndigen Importstopp aus<br \/>\nRussland verzichtet. Seit Mitte 2025 erhebt die EU<br \/>\nallerdings Zusatzz\u00f6lle auf russische D\u00fcngemittel.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0ZEIT ONLINE<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        ZEIT Geldkurs<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Tsch\u00fcss, Finanzchaos: In acht Wochen erkl\u00e4ren wir Schritt f\u00fcr Schritt, wie Sie bessere Geldroutinen aufbauen und das mit den ETFs endlich angehen. 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Die Produktion hierzulande sei zwar teurer, aber wichtig: &#8222;Wenn sie wegbricht, w\u00e4ren wir<br \/>\nv\u00f6llig von Importen abh\u00e4ngig \u2013 das widerspricht dem Aufbau einer resilienten Lieferkette.&#8220;\n<\/p>\n<p>                        Sorge vor Billigkonkurrenz        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Auch der Industrieverband Agrar, unter dessen Dach sich unter anderem die<br \/>\nD\u00fcngemittelproduzenten sammeln, lobbyiert f\u00fcr eine bessere einheimische<br \/>\nVersorgung und sinkende Gaspreise. &#8222;Eine starke heimische Produktion ist die<br \/>\neinzige verl\u00e4ssliche S\u00e4ule f\u00fcr Versorgungssicherheit, Preisstabilit\u00e4t und<br \/>\nKlimaschutz&#8220;, teilt der Verband mit. Er fordert zwar<br \/>\nkeine Gaspreisbremse, f\u00fcrchtet aber, dass die EU den Import von D\u00fcnger<br \/>\nerleichtert, indem sie etwa Z\u00f6lle aussetzt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Und die Landwirte? Noch bekommen sie die<br \/>\nGaspreiskrise nicht direkt zu sp\u00fcren. Auch, weil derzeit kaum D\u00fcnger gekauft<br \/>\nwird. &#8222;Sehr viele Landwirte haben sich bereits im Herbst eingedeckt mit D\u00fcnger,<br \/>\ndeswegen ist die aktuelle Preissteigerung in der Regel kein Problem&#8220;, sagt<br \/>\nMeierh\u00f6fer vom Bauernverband. Sollten die Steigerungen allerdings anhalten, k\u00f6nne es schwierig werden. &#8222;Landwirte k\u00f6nnen zwar den Einkauf von D\u00fcnger f\u00fcr die<br \/>\nSaison 26\/27 etwas verschieben, aber irgendwann muss gekauft werden.&#8220; Unter der aktuellen Preissteigerung litten eher<br \/>\nkleinere Betriebe, die nicht auf Vorrat einkaufen k\u00f6nnen, weil Geld oder<br \/>\nLagerfl\u00e4che fehlen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wer kann, hat vorgesorgt, wie etwa die<br \/>\nZiltendorfer Niederung. &#8222;Wir haben einen<br \/>\nguten Teil des D\u00fcngers schon gekauft&#8220;, best\u00e4tigt deren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Stefan<br \/>\nRothe. Die Brandenburger Bauerngesellschaft ist einer der gro\u00dfen ostdeutschen<br \/>\nBetriebe, mit 4.200 Hektar Acker- und Gr\u00fcnland. Rothe beobachtet seit Ausbruch<br \/>\ndes Irankriegs bereits um 20 Prozent erh\u00f6hte Preise beim D\u00fcnger. Jetzt zu kaufen<br \/>\nf\u00fcr die n\u00e4chste Saison h\u00e4lt er f\u00fcr einen Fehler \u2013 aber l\u00e4nger abwarten sei auch<br \/>\nschwierig. &#8222;Wir m\u00fcssen irgendwann entscheiden: Kaufen wir jetzt auf Vorrat? Und<br \/>\ndann ist der Krieg in zwei Wochen vorbei, und die Preise sinken?&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">F\u00fcr die<br \/>\nLandwirte sind ohnehin nicht nur die Preise f\u00fcr D\u00fcnger wichtig, sondern auch<br \/>\ndie Weltpreise f\u00fcr Produkte: H\u00f6here Kosten lassen sich eher verschmerzen, wenn<br \/>\nder Verkauf sich sp\u00e4ter lohnt. Danach sieht es aber nicht aus. Die weltweiten<br \/>\nLager mit Getreide sind gut gef\u00fcllt.\n<\/p>\n<p>        Gibt es g\u00fcnstige Alternativen?        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Warum aber ersetzen die Landwirte nicht einfach den mineralischen D\u00fcnger? Tats\u00e4chlich ist das nicht so einfach. Zwar beobachten Forscher des Th\u00fcnen-Instituts, dass zunehmend Landwirte Leguminosen wie Acker- und Sojabohnen pflanzen, die Stickstoff binden. Und es gibt organischen D\u00fcnger wie G\u00fclle und Mist. Darauf umzustellen, sei auch teilweise machbar, sagt Th\u00fcnen-Fachmann Maximilian Zinnbauer. &#8222;Aber die Stickstoffversorgung aus organischem D\u00fcnger ist schlechter kontrollierbar als bei mineralischem D\u00fcnger.&#8220; Das kann Folgen haben: Gerste w\u00e4chst dann etwa rasant, die Halme kippen um \u2013 und das erschwert die Ernte. Zumal Ackerbaubetriebe nicht immer im Umkreis einen Betrieb mit Tierhaltung haben, um an G\u00fclle und Mist zu kommen.\n<\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p>            Hormusblockade        <\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2026-03\/hormus-blockade-oelmarkt-handel-iran-usa\" data-ct-label=\"Hormusblockade: &quot;Der \u00d6lpreis k\u00f6nnte bald ein neues Allzeithoch erreichen&quot;\" data-uuid=\"6c07abde-8289-487c-82a4-d08e7453d084\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Hormusblockade:<br \/>\n                        &#8222;Der \u00d6lpreis k\u00f6nnte bald ein neues Allzeithoch erreichen&#8220;<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/2026-03\/konjunktur-trump-iran-oelpreis-energie-5vor8\" data-ct-label=\"Deutsche Wirtschaft: Deutschland droht schon wieder ein verlorenes Jahr\" data-uuid=\"d5be061a-c56e-48e0-957d-d74d3f8aaba6\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                        Deutsche Wirtschaft:<br \/>\n                        Deutschland droht schon wieder ein verlorenes Jahr<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2026-03\/militaerische-eskalation-naher-osten-wirtschaftliche-folgen-veronika-grimm-bmwe-gxe\" data-ct-label=\"Irankrieg und Europa: Wirtschaftsberater sehen EU-Haushalte durch Strompreise belastet\" data-uuid=\"6bfc8cf6-6dae-472e-85d3-b52e98a478e0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                        Irankrieg und Europa:<br \/>\n                        Wirtschaftsberater sehen EU-Haushalte durch Strompreise belastet<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ob sich die Preissteigerung beim D\u00fcnger sp\u00e4ter auch<br \/>\nin den Supermarktregalen abzeichnet, ist noch offen. Wenn, dann d\u00fcrfte sich das erst<br \/>\nim Herbst zeigen, wenn die teurer ged\u00fcngte Ware als Brot und Mehl in den Handel<br \/>\nkommt. Das h\u00e4ngt auch davon ab, wie die<br \/>\nGetreideernte weltweit ausf\u00e4llt \u2013 weniger Ernte l\u00e4sst Preise steigen, gute<br \/>\nErnten eher nicht.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Korrektur (19.3.): Piesteritz liegt in Sachsen-Anhalt, nicht in Brandenburg. Danke f\u00fcr die Hinweise, liebe Leserinnen und Leser.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie sehr gerade Angst die M\u00e4rkte treibt, merken sie genau bei SKWP in Piesteritz, nahe Dessau, in Sachsen-Anhalt.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":55104,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[9346,9344,15596,11724,1010,4718,40,41,39,10200,66,255,65,64],"class_list":{"0":"post-55103","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-basf","9":"tag-duengemittel","10":"tag-energiekrise","11":"tag-gaspreis","12":"tag-iran","13":"tag-landwirtschaft","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-strasse-von-hormus","18":"tag-welt","19":"tag-wirtschaft","20":"tag-world","21":"tag-world-news"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116259308342163570","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55103","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=55103"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55103\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/55104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=55103"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=55103"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=55103"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}