{"id":55638,"date":"2026-03-20T10:01:15","date_gmt":"2026-03-20T10:01:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/55638\/"},"modified":"2026-03-20T10:01:15","modified_gmt":"2026-03-20T10:01:15","slug":"med-uni-graz-talk-ueber-frauen-mut-und-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/55638\/","title":{"rendered":"Med Uni Graz: Talk \u00fcber Frauen, Mut und Zukunft"},"content":{"rendered":"<p class=\"articleMain__altText\">\n                        Rektorin Dr. Andrea Kurz, Dr. Kathrin Eller (Nephrologie),<br \/>\nDr. Annkristin Heine (H\u00e4matologie),<br \/>\nDr. Christine Moissl-Eichinger (Hygiene, Mikrobiologie &amp; Umweltmedizin)<br \/>\nund Dr. Barbara Plecko (Allgemeine P\u00e4diatrie). \u00a9 Thomas Luef\n                    <\/p>\n<p>Med Uni Graz, f\u00fcnf Frauen, ein offenes Gespr\u00e4chs\u00adklima mit gemeinsamem Ziel: Medizin als Handwerk\u00a0\u2013 und die Frage, wie Karrieren gelingen, ohne dass junge Talente auf dem Weg dorthin verloren gehen. Es ging um Strukturen, ja. Vor allem aber ging es um Kultur\u00a0\u2013 jene feinen, oft unsichtbaren Mechanismen, die da\u00adr\u00fcber entscheiden, ob Talent aufbl\u00fcht oder versandet. Rektorin Andrea Kurz sowie Kathrin Eller (Nephrologie), Annkristin Heine (H\u00e4matologie), Christine Moissl-Eichinger (Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin) und Barbara Plecko (Allgemeine P\u00e4diatrie) \u2013 f\u00fcnf Biografien, f\u00fcnf Perspektiven und ein bemerkenswert \u00e4hnlicher Grundton: Begeisterung ist der Motor, aber es braucht auch die passenden Rahmenbedingungen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1000\" data-id=\"28014\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/2603_MedUniGraz5.jpg\" alt=\"Rektorin Andrea Kurz an der Med Uni Graz\" class=\"wp-image-28014\"  \/>Rektorin<br \/>\nAndrea Kurz. \u00a9 Thomas Luef<\/p>\n<p>Frau Rektorin, was ist f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich das Sch\u00f6nste an Ihrer Aufgabe?<br \/>Andrea Kurz: Am meisten gibt mir, junge Menschen zu sehen, die mit gro\u00dfem Enthusiasmus unterwegs sind \u2013 als \u00c4rztinnen und \u00c4rzte, als Forschende, als Lehrende. Und ich sch\u00e4tze die M\u00f6glichkeit, tats\u00e4chlich etwas zu ver\u00e4ndern: Werte, F\u00fchrungskultur, Zusammenarbeit. Es geht nat\u00fcrlich auch um Leistung\u00a0\u2013 aber es schwingen immer auch andere Dinge mit: Wie begegnen wir einander? Wie gehen wir mit Furcht und Unsicherheit um? Mir ist ein gelebter Kulturwandel wichtig.<\/p>\n<p>Kulturwandel \u2013 was hei\u00dft das konkret im Alltag einer \u00adUniversit\u00e4t?<br \/>Andrea Kurz: Vorleben. Gerade bei Kultur geht es nicht um sch\u00f6ne Worte, sondern darum, wie man selbst auftritt: offen, respektvoll, klar. Wir versuchen das im Rektorat zu leben. Es gibt an der Med Uni Graz viele Menschen, die diese Haltung ohnehin tragen. Das ist ein gutes Fundament.<\/p>\n<p>Frau Moissl-Eichinger, was treibt Sie in Ihrer Arbeit an \u00a0\u2013 worauf sind Sie besonders stolz?<br \/>Christine Moissl-Eichinger: Ich bin Vollblutforscherin. Ich liebe es, Dinge verstehen zu wollen, neugierig zu sein. Und ich freue mich, wenn diese Begeisterung \u00fcberspringt \u2013 auf Studierende, auf das Team. Wenn junge Leute mit eigenen Ergebnissen kommen, sieht man, wie aus gemeinsamer Neugier ein gemeinsames Ziel entsteht. Das ist f\u00fcr mich ein sehr besonderer Moment.<\/p>\n<p>Wie erleben Sie die Med Uni Graz als Arbeitsort?<br \/>Christine Moissl-Eichinger: Ich kam aus einem eher konservativen Umfeld, wo hierarchische Strukturen st\u00e4rker m\u00e4nnlich gepr\u00e4gt waren. In Graz habe ich das anders erlebt.<\/p>\n<p>Frau Eller, Sie verbinden Klinik und Forschung \u2013 was war auf Ihrem Weg besonders pr\u00e4gend?<br \/>Kathrin Eller: Ich bin seit 2011 hier und bin als junge Fach\u00e4rztin gekommen. Ich habe klinische F\u00fchrung Schritt f\u00fcr Schritt gelernt und versucht, die Translation hineinzuarbeiten \u2013 also Forschung und Klinik wirklich zu verbinden. Pr\u00e4gend war f\u00fcr mich auch die Familiengr\u00fcndung mit der Geburt meiner beiden Kinder. In dieser Phase ist es sehr stressig, die \u201ePS auf den Boden\u201c zu bringen \u2013 Lehre, Forschung und Klinik gleichzeitig.<\/p>\n<p>Wo muss man hier konkret ansetzen?<br \/>Kathrin Eller: Gerade in den ersten Jahren mit kleinen Kindern braucht es sehr viel Unterst\u00fctzung \u2013 nicht nur Kinderbetreuung, sondern auch im Labor, damit Forschung weiterlaufen kann. Wenn man in diesem Druckkochtopf aus Klinik, Forschung und Lehre wirklich dranbleiben soll, braucht es in dieser Phase noch einmal extra Unterst\u00fctzung. Sonst verlieren wir in dieser Phase zu viele Talente.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1000\" data-id=\"28012\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/2603_MedUniGraz3.jpg\" alt=\"Kathrin Eller, Klinische Abteilung f\u00fcr Nephrologie\" class=\"wp-image-28012\"  \/>Kathrin Eller, Klinische Abteilung f\u00fcr Nephrologie. \u00a9 Thomas Luef<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1000\" data-id=\"28011\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/2603_MedUniGraz2.jpg\" alt=\"Barbara Plecko, Klinische Abteilung f\u00fcr Allgemeine P\u00e4diatrie\" class=\"wp-image-28011\"  \/>Barbara Plecko, Klinische Abteilung f\u00fcr Allgemeine P\u00e4diatrie. \u00a9 Thomas Luef<\/p>\n<p>Frau Plecko, Sie sind nach Jahren internationaler T\u00e4tigkeit bewusst nach Graz zur\u00fcckgekommen. Warum?<br \/>Barbara Plecko: Ich sch\u00e4tze die Kombination hier sehr: Uniklinik mit Forschung und Spitzenmedizin und zugleich ein versorgendes Krankenhaus. F\u00fcr die Ausbildung ist das ein breites, sehr gutes Setting. Und ich erlebe ein gutes Miteinander, klinisch wie fachlich. In meinem Umfeld gibt es tragf\u00e4hige Netzwerke \u2013 man sch\u00e4tzt sich gegenseitig, und das ist in der Medizin nicht selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Welche neuen Chancen er\u00f6ffnen sich Frauen heute in der Medizin?<br \/>Barbara Plecko: Rund 60 Prozent der Studierenden an der Med Uni Graz sind weiblich. Das hei\u00dft: Frauen m\u00fcssen sich in allen F\u00e4chern entwickeln k\u00f6nnen, auch in operativen Bereichen und in forschungs\u00adintensiven Disziplinen. Der Weg ist nicht immer einfach, aber er ist offen\u00a0\u2013 und man kann ihn gehen.<\/p>\n<p>Sie sprechen oft \u00fcber Forschungskarrieren \u2013 was brauchen junge \u00c4rztinnen und \u00c4rzte, um in die Wissenschaft hineinzufinden?<br \/>Barbara Plecko: \u201eProtected Time\u201c. Gesch\u00fctzte Forschungszeit in Bl\u00f6cken, nicht nur stundenweise nebenbei. Wer nur kleinteilig mitarbeitet, entwickelt keine wissenschaftliche Identit\u00e4t. Man muss einmal mehrere Monate am St\u00fcck in die Forschung eintauchen k\u00f6nnen\u00a0\u2013 sonst bleibt es ein Randprogramm.<\/p>\n<p>Frau Heine, Sie sind erst seit Kurzem in Graz. Was hat Sie hergef\u00fchrt \u2013 und was begeistert Sie an Ihrem Fach?<br \/>Annkristin Heine: Die H\u00e4matologie hat mich immer fasziniert\u00a0\u2013 besonders die Schnittstelle zu Immunzellen. Mich begeistert, wie Zellen miteinander \u201ereden\u201c, wie sie interagieren. In Graz war es eine einmalige Chance: eine klinisch hervorragende Abteilung zu \u00fcbernehmen und gleichzeitig hochwertige Forschung, Lehre und Nachwuchsf\u00f6rderung zu gestalten. H\u00e4matologie ist ein Vorreiterfach\u00a0\u2013 neue Therapien entstehen in der Forschung und sind manchmal nur Monate sp\u00e4ter bereits in der klinischen Anwendung.<\/p>\n<p>Sie sind mit drei Kindern \u00fcbersiedelt. Was braucht es, damit solche Schritte gelingen?<br \/>Annkristin Heine: Es braucht realistische Rahmenbedingungen. Man l\u00e4sst famili\u00e4re Strukturen zur\u00fcck \u2013 Eltern, enge Freunde. Umso wichtiger sind gute Kinderbetreuung und funktionierende Unterst\u00fctzungssysteme vor Ort.<\/p>\n<p>Wie bereichern weibliche Perspektiven Forschung und Lehre\u00a0\u2013 jenseits von Klischees?<br \/>Annkristin Heine: Der wichtigste Punkt ist Diversit\u00e4t: andere Denkweisen, neue Ideen, Innovation. Diversit\u00e4t ist ein Treiber von Neuem \u2013 und davon profitiert Forschung genauso wie Klinik.<br \/>Christine Moissl-Eichinger: Ich glaube, die Generationen werden prinzipiell offener und flacher in den Hierarchien.<br \/>Andrea Kurz: Flachere Hierarchien sind essenziell, aber in \u00d6sterreich sind viele Strukturen noch sehr eingefahren. Sie aufzubrechen wird eine zentrale Aufgabe der n\u00e4chsten Jahre sein.<\/p>\n<p>Welchen Rat m\u00f6chten Sie jungen Frauen in der Wissenschaft mitgeben?<br \/>Annkristin Heine: Mutig und sichtbar sein. F\u00fcr die eigenen F\u00e4higkeiten einstehen \u2013 ohne \u00dcberheblichkeit. Und: eine Nische finden. Das macht einen \u201eunique\u201c und hilft, echte Expertise aufzubauen.<br \/>Barbara Plecko: W\u00fcnsche und Pl\u00e4ne ernst nehmen \u2013 und dann Chancen mutig ergreifen. Manchmal hei\u00dft das: ins Ausland gehen, etwas wagen. Und vor allem: Den Jungen sagen, dass R\u00fcckschl\u00e4ge normal sind.<br \/>Kathrin Eller: Der Faszination folgen. Was man wirklich gern macht, macht man gut \u2013 und man h\u00e4lt durch, auch wenn es schwer wird.<br \/>Christine Moissl-Eichinger: Tr\u00e4ume nicht zu schnell aufgeben und an Strukturen anpassen. Und: sich professionelle Hilfe holen\u00a0\u2013 Coaching, gute Netzwerke, Weiterbildung. Viele Frauen nutzen das zu wenig. Karriere entsteht nicht einfach, sie braucht aktive Planung.<br \/>Andrea Kurz: Hartn\u00e4ckig bleiben. Aufstehen, wenn es nicht geht. Und keine Angst vor Scheitern \u2013 das ist schwer zu lernen, aber essenziell.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1000\" data-id=\"28015\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/2603_MedUniGraz6.jpg\" alt=\"Annkristin Heine, Klinische Abteilung f\u00fcr H\u00e4matologie\" class=\"wp-image-28015\"  \/>Annkristin Heine, Klinische Abteilung f\u00fcr H\u00e4matologie. \u00a9 Thomas Luef<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1000\" data-id=\"28013\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/2603_MedUniGraz4.jpg\" alt=\"Christine Moissl-Eichinger, Diagnostik &amp; Forschungsinstitut f\u00fcr Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin\" class=\"wp-image-28013\"  \/>Christine Moissl-Eichinger, Diagnostik &amp; Forschungsinstitut f\u00fcr Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin. \u00a9 Thomas Luef<\/p>\n<p>Und zum Schluss \u2013 mit Blick nach vorne: Was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr die Zukunft?<br \/>Andrea Kurz: Dass wir \u00fcber Gleichstellung nicht mehr sprechen m\u00fcssen, weil sie selbstverst\u00e4ndlich geworden ist. Forschung hat kein Geschlecht. An der Med Uni w\u00fcnsche ich mir deutlich mehr Frauen in F\u00fchrungspositionen\u00a0\u2013 das Potenzial ist da.<br \/>Christine Moissl-Eichinger: Dass Frauen wieder mehr Zeit f\u00fcr Forschung haben. Solange es wenige Frauen in Leitungsfunktionen gibt, leisten dieselben Frauen oft \u00fcberproportional viel Gremienarbeit. Das kostet Zeit, die dann in Forschung und Lehre fehlt.<br \/>Barbara Plecko: Dass wir junge Talente fr\u00fcher f\u00fcr Forschung gewinnen \u2013 und ihnen Strukturen geben, damit sie dranbleiben k\u00f6nnen. Niemand wird als Forscherin geboren. Man muss es erm\u00f6glichen.<br \/>Kathrin Eller: Dass wir die Frauen, die in der Familienphase oft aus der Wissenschaft wegkippen, wirklich gut durch diese Jahre bringen \u2013 und damit nicht die Expertise aus Klinik und Forschung verlieren.<br \/>Annkristin Heine: Transparenz, Perspektiven und Wertsch\u00e4tzung. Gerade nach Auszeiten ist es doppelt hart. Wenn man Frauen halten will, muss man fairer in Strukturen denken \u2013 und klar zeigen, dass ihre Arbeit gesehen wird.<\/p>\n<p>Med Uni Graz<\/p>\n<p>Die Med Uni Graz bildet ein Zen\u00adtrum der innovativen Spitzenmedizin im S\u00fcden \u00d6sterreichs und ist gleichzeitig attraktiver Lebensraum bzw. Arbeitsplatz f\u00fcr Mitarbeiter:innen sowie Studierende und wesentlicher Teil der Betreuung von Patient:innen am Standort.<\/p>\n<p>Es forschen, lehren und lernen \u00fcber 2.500 Mitarbeiter:innen im wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Bereich sowie rund 5.800 Studierende gemeinsam mit Innovationsgeist f\u00fcr Gesundheit und Wohlbefinden der Patient:innen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.medunigraz.at\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">www.medunigraz.at<\/a><\/p>\n<p class=\"brlbs-cmpnt-cb-description\">Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfl\u00e4che unten. 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