{"id":56210,"date":"2026-03-20T16:01:06","date_gmt":"2026-03-20T16:01:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/56210\/"},"modified":"2026-03-20T16:01:06","modified_gmt":"2026-03-20T16:01:06","slug":"die-rechtlichen-lehren-aus-dem-derby-chaos-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/56210\/","title":{"rendered":"Die (rechtlichen) Lehren aus dem Derby-Chaos \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>\u201eSimmering gegen Kapfenberg, das nenn\u2019  i\u2019 Brutalit\u00e4t.\u201c Dieser Befund von <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/helmut-qualtinger\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" lehren=\"\" aus=\"\" dem=\"\" derby-chaos=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Helmut Qualtinger<\/a> gilt wohl auch f\u00fcr die K\u00e4mpfe zwischen dem <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/rapid\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" lehren=\"\" aus=\"\" dem=\"\" derby-chaos=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">SK Rapid<\/a> und dem FK Austria Wien; insbesondere dann, wenn sogenannte Fans im Anschluss an die Partie Ausschreitungen anzetteln und sogar das Spielfeld zur Kampfzone wird. Ein Strafgericht, das dieser Tage das Skandal-Derby vom 22. September 2024 aufarbeitet, hat nun eine Art Hooligan-Formel entwickelt: Strafen werden mit Stadionverboten gepaart.<\/p>\n<p>Insgesamt sind 22 M\u00e4nner im Alter zwischen 20 und 62 Jahren angeklagt worden. Diese \u2013 18 Austrianer und vier Rapidler \u2013 hatten sich damals an einem Platzsturm und zum Teil auch an gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen unter den Trib\u00fcnen des H\u00fctteldorfer Allianz Stadions, also der Heimst\u00e4tte von Rapid, beteiligt. Einige Polizisten trugen trotz Schutzausr\u00fcstung Verletzungen davon, etwa durch St\u00f6\u00dfe oder den Bewurf mit pyrotechnischen Gegenst\u00e4nden.<\/p>\n<p>Insofern sieht die Anklage die Delikte schwere gemeinschaftliche Gewalt und\/oder (versuchte schwere) K\u00f6rperverletzung verwirklicht. Ein Gutteil der Angeklagten \u2013 13 Personen \u2013 ist Anfang der Woche mit Diversionen davongekommen. Diese M\u00e4nner hatten, wie es hei\u00dft, \u201eVerantwortung\u201c f\u00fcr ihr Tun \u00fcbernommen. Und sich mit geringen, ja, symbolischen Kosten- bzw. Schadens\u00fcbernahmen einverstanden erkl\u00e4rt. Es handelt sich jeweils um eine Verfahrenskostenpauschale von 150 Euro, sowie jeweils um die Zahlung von 50 Euro an den SK Rapid und 50 Euro an einen verletzten Polizisten.<\/p>\n<p>Letzterer hatte sich dem Strafverfahren als Privatbeteiligter angeschlossen. Das Gericht (ein Sch\u00f6ffensenat des Straflandesgerichts Wien, Vorsitz: Richterin Katharina Adegbite-Lewy) hat somit Milde walten lassen. Denn: Jene M\u00e4nner, die sich \u00fcber eine Diversion, also einen vorl\u00e4ufigen R\u00fccktritt von der Strafverfolgung, freuen durften, sind unbescholten. Und zeigten Einsicht.<\/p>\n<p>Am Freitag wurde \u00fcber weitere f\u00fcnf Personen der 22-k\u00f6pfigen Gruppe entschieden. Diesmal erh\u00f6rte der Senat das Diversionsersuchen nicht. Und f\u00e4llte Schuldspr\u00fcche wegen gemeinschaftlicher Gewalt, teilweise auch wegen versuchter (schwerer) K\u00f6rperverletzung und Sachbesch\u00e4digung. Grund f\u00fcr diese strengere Linie: Die betreffenden Angeklagten haben nach Ansicht des Gerichts gr\u00f6bere Taten gesetzt. Dazu kommt, dass man innerhalb dieses Quintetts auch einschl\u00e4gig vorbestrafte M\u00e4nner findet.<\/p>\n<p>Alle f\u00fcnf Fu\u00dfballfanatiker erhielten Haftstrafen zwischen drei und 18 Monaten, welche bei vier M\u00e4nnern zur G\u00e4nze bedingt (auf Bew\u00e4hrung) ausgesprochen wurden. Lediglich jener Angeklagte, der die h\u00f6chste Strafe, eben 18 Monate, bekam, musste einen unbedingten Strafteil von drei Monaten hinnehmen. Bei diesem Mann handelt es sich um einen 30 Jahre alten Stra\u00dfenbauer aus Favoriten. Dessen Vorstrafenregister weist auch eine fr\u00fchere Verurteilung wegen versuchten schweren Raubes auf. Vier der f\u00fcnf Verurteilungen sind bereits rechtskr\u00e4ftig. Res\u00fcmierend l\u00e4sst sich feststellen: Auch dort, wo es Urteile gab, fielen diesen milde aus. \u00dcbrigens zur Einordnung: Die meisten Angeklagten sind unbescholten.<\/p>\n<p>F\u00fcr jene, die also bereits gerichtliche Entscheidungen in der Tasche haben, seien es Diversionen, seien es Verurteilungen, kommt allerdings (bis auf eine Ausnahme) noch etwas hinzu: Das Gericht hat den M\u00e4nnern eine ganz bestimmte Weisung erteilt: Sie m\u00fcssen sich an jene Stadionverbote halten, die bereits vom Strafgremium der \u00f6sterreichischen Bundesliga gem\u00e4\u00df dem Regelwerk des Fu\u00dfballbundes (\u00d6FB) verh\u00e4ngt wurden. Davon umfasst sind s\u00e4mtliche Bundesligaspiele, Cup-Spiele, aber auch Matches der Nationalmannschaft.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man meinen, es sei selbstverst\u00e4ndlich, sich an ein bereits geltendes Verbot zu halten. Das stimmt nat\u00fcrlich. Ist aber die Einhaltung (auch) Teil einer gerichtlichen Weisung, riskieren die Betroffenen bei einem Bruch des Verbots entweder die Fortsetzung des Strafverfahrens (das betrifft diejenigen, die eine Diversion bekamen) \u2013 oder den Widerruf der bedingten Strafnachsicht. Einfacher ausgedr\u00fcckt: Wer eine \u201eBedingte\u201c erhalten hat und die damit verbundene Auflage ignoriert, k\u00f6nnte im Gef\u00e4ngnis landen.<\/p>\n<p>Stadionverbote k\u00f6nnen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren gelten. In der Praxis haben es Krawallmacher oft mit einem dreij\u00e4hrigen Stadionverbot zu tun, welches bei Verst\u00f6\u00dfen verl\u00e4ngert werden kann. F\u00fcr jene M\u00e4nner, die eine Diversion erhielten, gilt die Stadionverbots-Auflage nun f\u00fcr eine Probezeit von zwei Jahren, f\u00fcr die Verurteilten f\u00fcr eine Probezeit von drei Jahren.<\/p>\n<p>Wie es mit den verbliebenen Angeklagten weitergeht, ist offen. Kommenden Mittwoch wird die Verhandlung fortgesetzt. Erst im April d\u00fcrfte alles erledigt sein. Im Gerichtssaal k\u00f6nnte es ein Wiedersehen mit dem fr\u00fcheren Rapid-Cheftrainer Robert Klau\u00df und dessen einstigem Co <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/stefan-kulovits\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" lehren=\"\" aus=\"\" dem=\"\" derby-chaos=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stefan Kulovits<\/a> geben. Die Verteidigung hat n\u00e4mlich die Zeugeneinvernahme der beiden beantragt. Aus rein sportlicher Sicht haben die Ex-Coaches das Derby vom 22. September 2024 wohl in guter Erinnerung. Rapid gewann 2:1.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eSimmering gegen Kapfenberg, das nenn\u2019 i\u2019 Brutalit\u00e4t.\u201c Dieser Befund von Helmut Qualtinger gilt wohl auch f\u00fcr die K\u00e4mpfe&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":56211,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[40,41,22946,39,38],"class_list":{"0":"post-56210","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-nachrichten","9":"tag-news","10":"tag-platzsturm","11":"tag-schlagzeilen","12":"tag-top-meldungen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116262343920498215","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56210","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=56210"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56210\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/56211"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=56210"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=56210"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=56210"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}