{"id":57738,"date":"2026-03-21T13:58:08","date_gmt":"2026-03-21T13:58:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/57738\/"},"modified":"2026-03-21T13:58:08","modified_gmt":"2026-03-21T13:58:08","slug":"historischer-einbruch-europas-geburtenrate-faellt-auf-rekordtief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/57738\/","title":{"rendered":"Historischer Einbruch: Europas Geburtenrate f\u00e4llt auf Rekordtief"},"content":{"rendered":"<p>Die Fruchtbarkeitsrate in der Europ\u00e4ischen Union, also die Zahl der Lebendgeburten pro Frau, ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Jahrzehnten gesunken. Seit den 60er Jahren, in denen die Babyboomer geboren wurden, hat sich diese Zahl fast halbiert: von 2,62 Babys pro Frau im Jahr 1964 auf 1,34 im Jahr 2024.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Die Gesamtfruchtbarkeitsrate variiert 2024 in Europa stark. Innerhalb der EU reicht sie von 1,01 in Malta bis 1,72 in Bulgarien.<\/p>\n<p>Welche L\u00e4nder verzeichnen derzeit die h\u00f6chste und niedrigste Gesamtfruchtbarkeitsrate (Total fertility rate, TFR) in Europa? Wo sind die R\u00fcckg\u00e4nge am st\u00e4rksten? Und von welchen Faktoren ist diese Entwicklung abh\u00e4ngig?<\/p>\n<p>Nach Angaben der Weltbank liegt die TFR in der EU seit Mitte der 70er Jahre unter der Bestandserhaltungsgrenze von 2,1 Lebendgeburten pro Frau.<\/p>\n<p>Nicht nur die EU: Weltweiter R\u00fcckgang der Geburtenraten<\/p>\n<p>\u201eWas wir in der EU an sinkender TFR beobachten, entspricht im Wesentlichen dem, was die Theorie des demografischen Wandels erwarten l\u00e4sst. Zugang zu Bildung, Verh\u00fctung und weiteren Einflussfaktoren ver\u00e4ndern langfristig Fruchtbarkeitstrends und Bev\u00f6lkerungsstruktur\u201c, erkl\u00e4rt ein Sprecher von WHO Europa im Gespr\u00e4ch mit Euronews Health.<\/p>\n<p>Der Sprecher betonte, die EU sei kein Sonderfall.<\/p>\n<p>Die Zahl der L\u00e4nder mit einer TFR unterhalb der Bestandserhaltungsgrenze von 2,1 soll weltweit Prognosen zufolge von rund der H\u00e4lfte im Jahr 2018 (103 von 204) auf 155 im Jahr 2050 steigen und bis 2100 auf 198. Damit l\u00e4ge der Anteil bei \u00fcber 97 Prozent.<\/p>\n<p>Unter den rund 40 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern auf der Liste liegt derzeit keines mehr \u00fcber dieser Grenze. <\/p>\n<p>Montenegro weist mit 1,75 die h\u00f6chste Geburtenziffer auf, gefolgt von Bulgarien (1,72), Georgien (1,69) sowie Albanien und Serbien (jeweils 1,64).<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Volkswirtschaften: Frankreich mit den meisten Babys<\/p>\n<p>Frankreich hat unter Europas gro\u00dfen Volkswirtschaften die h\u00f6chste Gesamtfruchtbarkeitsrate: 1,61 Kinder pro Frau. Allerdings gab es &#8211; von Emmanuel Macron beklagt &#8211; 2025 erstmals <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/02\/13\/babyflaute-frankreich-demografie-geburtenrate\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">weniger Geburten als Todesf\u00e4lle<\/a>. <\/p>\n<p>Im Vereinigten K\u00f6nigreich liegt der Wert mit 1,56 \u00e4hnlich hoch. Die aktuellsten verf\u00fcgbaren Daten stammen jedoch aus dem Jahr 2023; f\u00fcr 2024 k\u00f6nnte der Wert niedriger ausfallen. F\u00fcr England und Wales weist das Statistikamt ONS sogar nur 1,41 aus.<\/p>\n<p>Deutschland liegt mit 1,36 knapp \u00fcber dem EU-Schnitt. <\/p>\n<p>Spanien hat mit 1,10 die niedrigste Geburtenrate nicht nur unter den gro\u00dfen Volkswirtschaften, sondern auch die zweittiefste insgesamt, dicht gefolgt von Italien mit 1,18.<\/p>\n<p>In der T\u00fcrkei, dem bev\u00f6lkerungsreichsten Land unter den EU-Mitgliedern und Beitrittskandidaten, liegt die Geburtenziffer nach einem deutlichen R\u00fcckgang im vergangenen Jahrzehnt bei 1,48.<\/p>\n<p>In Nordeuropa steht Island mit 1,56 an der Spitze, dahinter folgen D\u00e4nemark (1,47), Norwegen (1,45) und Schweden (1,43). Finnland liegt mit 1,25 inzwischen unter dem EU-Durchschnitt.<\/p>\n<p>In Irland bringt eine Frau im Schnitt 1,47 Kinder zur Welt, in Belgien 1,44, in Ungarn 1,41, in \u00d6sterreich 1,31, in Griechenland 1,24 und in Polen 1,14.<\/p>\n<p>Warum unterscheiden sich die Geburtenraten in Europa?<\/p>\n<p>\u201eDie Erkl\u00e4rung l\u00e4nder\u00fcbergreifender Unterschiede in der Fruchtbarkeit ist nach wie vor schwierig. Viele Faktoren, die fr\u00fcher die Unterschiede zwischen Staaten erkl\u00e4rten, haben in den vergangenen Jahren offenbar an Gewicht verloren\u201c, sagt Dr. Julia Hellstrand von der Universit\u00e4t Helsinki.<\/p>\n<p>\u201eSo haben auch die nordischen L\u00e4nder mit ihren vergleichsweise gro\u00dfz\u00fcgigen Familienpolitiken sehr starke R\u00fcckg\u00e4nge erlebt. Das deutet darauf hin, dass politische Unterst\u00fctzung allein die aktuellen Trends nicht erkl\u00e4ren kann.\u201c<\/p>\n<p>Familienpolitik: Hilft sie, die Geburtenrate stabil zu halten?<\/p>\n<p>Der WHO-Europa-Sprecher verweist neben Bildung und Zugang zu Verh\u00fctung auf weitere Faktoren. Bezahlbarer Wohnraum, Wohnungsgr\u00f6\u00dfe, Hypotheken, die Kosten von Geburt und Kindererziehung oder die M\u00f6glichkeit, Arbeit und Kinderwunsch zu vereinbaren \u2013 all das beeinflusst demnach die Entscheidung, ob und wann Menschen Kinder bekommen.<\/p>\n<p>Viele Regierungen haben deshalb breit angelegte Ma\u00dfnahmen aufgelegt, um Menschen ihre Wunschkinderzahl zu erm\u00f6glichen. Dazu geh\u00f6ren Direktzahlungen bei Geburt eines Kindes, steuerliche Vorteile, subventionierte fr\u00fchkindliche Betreuung und Elternzeit.<\/p>\n<p>\u201eWie stark und wie verl\u00e4sslich sich solche Instrumente insgesamt auf die TFR in Europa auswirken, ist allerdings unklar\u201c, so der Sprecher.<\/p>\n<p>Erstes Kind: Gro\u00dfe Altersunterschiede in Europa<\/p>\n<p>Hellstrand weist zudem darauf hin, dass der R\u00fcckgang unter das Bestandserhaltungsniveau und die sp\u00e4tere Familiengr\u00fcndung in Nord- und Westeuropa fr\u00fcher einsetzten, schon in den 60er Jahren. In diesen L\u00e4ndern sind M\u00fctter beim ersten Kind heute im Durchschnitt vergleichsweise alt.<\/p>\n<p>In vielen osteurop\u00e4ischen Staaten kamen diese Ver\u00e4nderungen sp\u00e4ter. Dort liegt das Durchschnittsalter beim ersten Kind noch etwas niedriger.<\/p>\n<p>Geburtenraten im Vergleich: Entwicklung der vergangenen zehn Jahre<\/p>\n<p>Ein Blick auf die Entwicklung von 2014 bis 2024 zeigt: Nur wenige L\u00e4nder verzeichneten Anstiege, viele dagegen deutliche R\u00fcckg\u00e4nge. In der EU sank die Geburtenziffer von 1,54 auf 1,34 \u2013 ein R\u00fcckgang um 0,20 Punkte.<\/p>\n<p>Besonders stark ist der Einbruch in der T\u00fcrkei. Dort fiel die Geburtenrate von 2,17 auf 1,48, also um 0,69 Punkte oder 32 Prozent. Ein aktueller Euronews-Health-Beitrag, \u201e<a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/03\/04\/familienkrise-starker-geburtenruckgang-turkei\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Warum verzeichnet die T\u00fcrkei in Europa den st\u00e4rksten R\u00fcckgang der Geburtenrate im vergangenen Jahrzehnt?<\/a>\u201c, beleuchtet diese Entwicklung genauer.<\/p>\n<p>Auch in mehreren anderen Staaten ging die Geburtenrate um mehr als 0,35 Punkte zur\u00fcck, darunter in Finnland und Litauen (jeweils 0,46), Schweden (0,45), Irland (0,42), Lettland (0,41), Frankreich (0,39), Island und Malta (jeweils 0,37) sowie Estland (0,36).<\/p>\n<p>\u201eIn Finnland geh\u00f6rt der R\u00fcckgang zu den st\u00e4rksten in Europa \u2013 ein Befund, der viele \u00fcberrascht, weil das Land ein relativ starkes familienpolitisches System hat\u201c, sagt Hellstrand.<\/p>\n<p>\u201eKinderfrei\u201c als Ideal verbreitet sich<\/p>\n<p>Zwischen 2010 und 2024 gehe der R\u00fcckgang der Geburten in erster Linie auf weniger Erstgeburten zur\u00fcck, erkl\u00e4rt sie. Diese machten rund 82 Prozent des gesamten Minus aus.<\/p>\n<p>\u201eGleichzeitig haben sich kinderfreie Lebensentw\u00fcrfe verbreitet. Umfragen zeigen aber, dass viele Menschen am Ende oft weniger Kinder bekommen, als sie sich eigentlich w\u00fcnschen\u201c, f\u00fcgt sie hinzu.<\/p>\n<p>Der absolute R\u00fcckgang betrug im Vereinigten K\u00f6nigreich 0,27, in Spanien 0,22, in Italien 0,20 und in Deutschland 0,15 Punkte.<\/p>\n<p>\u201eIn manchen L\u00e4ndern, etwa in S\u00fcdeuropa, sind die Geburtenraten bereits so niedrig, dass sie kaum noch weiter fallen k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Eva Beaujouan von der Universit\u00e4t Wien im Gespr\u00e4ch mit Euronews Health.<\/p>\n<p>Im selben Zeitraum verzeichneten Bosnien und Herzegowina mit plus 0,21 den st\u00e4rksten Anstieg, gefolgt von Serbien (plus 0,18), Portugal (plus 0,17) und Bulgarien (plus 0,10).<\/p>\n<p>Beaujouan erinnert daran, dass die Geburtenraten in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern seit dem 20. Jahrhundert immer wieder phasenweise sehr niedrig waren. \u201eAuff\u00e4llig ist jedoch die Geschwindigkeit des aktuellen Einbruchs in vormals \u201ahohen\u2018 Fruchtbarkeitsl\u00e4ndern wie den nordischen Staaten oder Frankreich\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Elternschaft: Anspr\u00fcche steigen<\/p>\n<p>Sie sieht daf\u00fcr mehrere Gr\u00fcnde. Erstens haben sich Menschen daran gew\u00f6hnt, ihren Kindern gute Lebensbedingungen und eine solide Ausbildung zu bieten. Die Anspr\u00fcche an Elternschaft sind gestiegen \u2013 emotional und finanziell.<\/p>\n<p>\u201eWenn die Unsicherheit \u00fcber die Zukunft w\u00e4chst \u2013 etwa durch Kriege und Inflation \u2013 und die eigene finanzielle Lage wackelt, haben werdende Eltern oft das Gef\u00fchl, mehr als einem Kind nicht die besten Chancen geben zu k\u00f6nnen. Viele entscheiden sich dann zu warten\u201c, sagt Beaujouan.<\/p>\n<p>Zweitens bleibt es in vielen Gesellschaften schwierig, eine anspruchsvolle Berufst\u00e4tigkeit mit der Betreuung von Kindern zu vereinbaren. Drittens bekommen Menschen ihre Kinder immer sp\u00e4ter. Diese Verz\u00f6gerung dr\u00fcckt die Geburtenraten zumindest vor\u00fcbergehend nach unten.<\/p>\n<p>Der Sprecher von WHO Europa warnt jedoch davor, Trends der Gesamtfruchtbarkeitsrate nur \u00fcber kurze Zeitr\u00e4ume wie zehn Jahre zu betrachten. Vor\u00fcbergehende Schocks \u2013 etwa die COVID-19-Pandemie und die damit verbundene wirtschaftliche Unsicherheit \u2013 k\u00f6nnen die zeitliche Verteilung von Geburten stark beeinflussen, ohne die letztendliche Kinderzahl pro Frau wesentlich zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Fruchtbarkeitsrate in der Europ\u00e4ischen Union, also die Zahl der Lebendgeburten pro Frau, ist auf den niedrigsten Stand&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":57739,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[76,75,2386,74,1251,4684,270,1250,8422],"class_list":{"0":"post-57738","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-eu","9":"tag-europa","10":"tag-europaeische-union","11":"tag-europe","12":"tag-familie","13":"tag-geburt","14":"tag-gesellschaft","15":"tag-kinder","16":"tag-who"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116267522803693705","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57738","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57738"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57738\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/57739"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=57738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=57738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}