{"id":58851,"date":"2026-03-22T06:34:07","date_gmt":"2026-03-22T06:34:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/58851\/"},"modified":"2026-03-22T06:34:07","modified_gmt":"2026-03-22T06:34:07","slug":"all-dieser-geschmolzene-planet-spiegelt-die-grosse-vielfalt-der-welten-wider","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/58851\/","title":{"rendered":"All: \u201eDieser geschmolzene Planet spiegelt die gro\u00dfe Vielfalt der Welten wider\u201c"},"content":{"rendered":"<p>35 Lichtjahre entfernt brodelt L 98-59 d. Ein Planet mit einem tiefen Ozean aus Lava, der noch f\u00fcnf Milliarden Jahre nach seiner Entstehung gl\u00fcht \u2013 und den Blick auf die Welt au\u00dferhalb unseres Sonnensystems ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Um den 35 Lichtjahre entfernten Stern L 98-59 kreist eine bislang unbekannte Art von Planet: Knapp f\u00fcnf Milliarden Jahre nach seiner Entstehung ist er immer noch von einem viele Tausend Kilometer tiefen Ozean aus geschmolzenem Gestein bedeckt. Das <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41550-026-02815-8\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41550-026-02815-8&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">berichtet ein internationales Forschungsteam nach Beobachtungen und Computersimulationen<\/a> im Fachblatt \u201eNature Astronomy\u201c.<\/p>\n<p>L 98-59 ist ein roter Zwergstern mit etwa einem Drittel der Gr\u00f6\u00dfe unserer Sonne. Rote Zwergsterne sind f\u00fcr Astronomen besonders interessant, da sie oft von kleinen Gesteinsplaneten auf sehr engen Umlaufbahnen umgeben sind. So auch L 98-59: Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop TESS f\u00fchrten 2019 zur Entdeckung von drei Planeten \u2013 bezeichnet mit den Buchstaben b, c und d \u2013 mit Umlaufzeiten von 2,25, 3,69 und 7,45 Tagen. <\/p>\n<p>Einen weiteren Planeten, L 98-59 e, mit einer Umlaufzeit von 12,83 Tagen best\u00e4tigten 2021 Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) in Chile. Dieses lieferte 2025 zudem Hinweise auf einen f\u00fcnften Planeten in dem System.<\/p>\n<p>Der dritte Planet stellte die Himmelsforscher allerdings vor ein R\u00e4tsel: F\u00fcr seine Gr\u00f6\u00dfe \u2013 sein Durchmesser ist etwa anderthalbmal so gro\u00df wie der Erddurchmesser \u2013 ist seine Masse und damit auch seine mittlere Dichte f\u00fcr einen Gesteinsplaneten ungew\u00f6hnlich klein. Die mittlere Dichte der Erde ist etwa 2,6-mal so gro\u00df wie die von L 98-59 d.<\/p>\n<p>Bislang hatten Astronomen f\u00fcr solche Planeten zwei Erkl\u00e4rungen: Entweder es handelt sich um Gaszwerge \u2013 kleine Gesteinsplaneten mit einer aufgebl\u00e4hten Atmosph\u00e4re aus Wasserstoff und Helium. Oder um Wasserwelten, die \u00fcberwiegend aus fl\u00fcssigem und gefrorenem Wasser bestehen und deshalb eine geringe Dichte aufweisen.<\/p>\n<p>Wie die Beobachtungen von Harrison Nicholls von der University of Cambridge und seinem Team mit dem Weltraumteleskop James Webb zeigen, ist L 98-59 d jedoch von einer dichten Atmosph\u00e4re mit einem hohen Anteil an Schwefelverbindungen umgeben. Das l\u00e4sst sich mit keinem der beiden Modelle in Einklang bringen, da diese keine Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Ursprung des Schwefels liefern.<\/p>\n<p>Kategorien m\u00fcssen neu gedacht werden<\/p>\n<p>Das Team hat deshalb die Entstehung und Entwicklung des Planeten ausgehend von unterschiedlichen chemischen Zusammensetzungen im Computer simuliert. Eine \u00dcbereinstimmung mit allen Beobachtungsdaten \u2013 also der Gr\u00f6\u00dfe des Planeten, seiner geringen Dichte und dem Schwefel in seiner Atmosph\u00e4re \u2013 gelang dabei nur unter sehr speziellen Bedingungen: Der Planet muss bereits mit einem ungew\u00f6hnlich hohen Anteil an Wasser und Schwefel entstanden sein.<\/p>\n<p>Diese Zusammensetzung f\u00fchrt, wie die Simulationen zeigen, bis heute zu einer starken Wechselwirkung zwischen dem Inneren des Planeten und seiner Atmosph\u00e4re. \u00dcber einem kleinen Kern aus Eisen besitzt der Planet demnach einen tiefen Ozean aus fl\u00fcssigem Gestein. Dieser Magma-Ozean gibt st\u00e4ndig Wasserstoff und Schwefel ab und h\u00e4lt so eine dichte Atmosph\u00e4re um den Planeten aufrecht. Diese dichte Atmosph\u00e4re wiederum f\u00fchrt zu einem sehr starken Treibhauseffekt, der die Temperatur auf dem Planeten so weit erh\u00f6ht, dass der Magma-Ozean bis heute erhalten geblieben ist.<\/p>\n<p>Besitzt L 98-59 d also gar keine feste Oberfl\u00e4che? \u201eDas l\u00e4sst sich nicht genau sagen\u201c, erl\u00e4utert Nicholls. Eine dicke feste Kruste wie auf der Erde mit Kontinentalplatten und Plattentektonik gibt es dort allerdings nicht, ist der Forscher sicher. \u201eWir erwarten h\u00f6chstens eine d\u00fcnne Haut aus dunklem Gestein, \u00e4hnlich wie auf Seen aus Lava auf der Erde.\u201c Da der Planet wahrscheinlich eine gebundene Rotation aufweist, seinem Stern also immer die gleiche Seite zuwendet, k\u00f6nnte diese Gesteinshaut auf der Tagseite d\u00fcnner sein als auf der Nachtseite.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Entdeckung legt nahe, dass die Kategorien, die Astronomen bislang zur Beschreibung kleiner Planeten verwenden, zu einfach sind\u201c, betont Nicholls. \u201eDieser geschmolzene Planet spiegelt die gro\u00dfe Vielfalt der Welten wider, die au\u00dferhalb des Sonnensystems existieren.\u201c<\/p>\n<p>Rainer Kayser, dpa\/vem<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"35 Lichtjahre entfernt brodelt L 98-59 d. 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