{"id":59652,"date":"2026-03-22T15:52:09","date_gmt":"2026-03-22T15:52:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/59652\/"},"modified":"2026-03-22T15:52:09","modified_gmt":"2026-03-22T15:52:09","slug":"wie-china-die-aufholjagd-gelingt-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/59652\/","title":{"rendered":"Wie China die Aufholjagd gelingt \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Der Aufstieg des chinesischen Biotech-Sektors \u00e4u\u00dfert sich auf ungew\u00f6hnliche Art. Die Preise f\u00fcr Laboraffen, die f\u00fcr pr\u00e4klinische Studien \u00fcber die Vertr\u00e4glichkeit von Medikamenten eingesetzt werden, sind drastisch gestiegen. Ein Tier kostet rund 140.000 Yuan (mehr als 17.000\u2009Euro). Das ist eine Verdoppelung in f\u00fcnf Jahren und mehr als das Durchschnittsjahreseinkommen eines Chinesen. Die teuren Laboraffen sind aber nur einer von vielen Indikatoren daf\u00fcr, dass China bei der Forschung, Entwicklung und Produktion von Medikamenten unverzichtbar geworden ist.<\/p>\n<p>Seit Mitte der 2000er-Jahre pumpt Peking betr\u00e4chtliche Ressourcen in Forschungskapazit\u00e4ten f\u00fcr Biotechnologie. Sie gilt als eine der \u201eneuen Produktivkr\u00e4fte\u201c, jener technologischen Innovationen, die <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/xi-jinping\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" wie=\"\" china=\"\" die=\"\" aufholjagd=\"\" gelingt=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Xi Jinping<\/a> als zentral f\u00fcr k\u00fcnftiges Wachstum und Unabh\u00e4ngigkeit vom Ausland erachtet. \u201eChina spielt im globalen Biotech-\u00d6kosystem mittlerweile eine so gro\u00dfe Rolle, dass es ausl\u00e4ndisches Kapital anzieht\u201c, sagt Alexander Brown vom Berliner Merics-Institut.<\/p>\n<p>2021 \u00fcberholte China die <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" wie=\"\" china=\"\" die=\"\" aufholjagd=\"\" gelingt=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a> bei \u00adPatentanmeldungen. Die USA f\u00fchren weiter mit gro\u00dfem Abstand. Im selben Jahr schlossen chinesische Firmen acht Prozent der weltweiten Lizenzvertr\u00e4ge im Biotech-Bereich. Nun ist es ein Drittel. Allein an der Anzahl der Lizenzvertr\u00e4ge bei innovativen Krebstherapien, bei Zell- und Gentherapie, seien Chinas Fortschritte sichtbar, so Brown.<\/p>\n<p>Gerade in der biopharmazeutischen Industrie, die bei Weitem das gr\u00f6\u00dfte Segment innerhalb des chinesischen Biotech-Sektors bildet, ist chinesisches Know-how gefragt. Lizenzvertr\u00e4ge erteilen Unternehmen die Rechte, pharmazeutische Produkte oder Technologien anderer Firmen zu entwickeln, herzustellen oder zu vermarkten. J\u00fcngstes Beispiel ist der Deal zwischen Astra\u00adZeneca und der chinesischen Pharmagruppe CSPC: Der britische Konzern zahlte den Chinesen 18,5 Mrd. US-Dollar f\u00fcr dessen Abnehmpillen.<\/p>\n<p>                               <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/03.22-s19-Biotech-Patente-Forschung-EU-China-PRSO-GK 002.png\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/>                                             <\/p>\n<p>In 30 Jahren kletterte China die Lieferkette stetig nach oben: Beheimatete es fr\u00fcher Hersteller, die Generika erzeugten, und stellte sp\u00e4ter pharmazeutische Wirkstoffe her, entwickelte es sich zuletzt zum Innovationsstandort. Diese Evolution will die KP-F\u00fchrung ausnutzen: Inmitten geopolitischer Spannungen und Autarkiestreben fokussiert Peking auf die Kontrolle der gesamten Lieferkette \u2013 von Forschung und Entwicklung bis zum Endprodukt, sagt Brown. Dazu will es Maschinen und Ausr\u00fcstung selbst produzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"fm-quote__text\">         \u00bbChina spielt im globalen Biotech-\u00d6kosystem mittlerweile eine so gro\u00dfe Rolle, dass es ausl\u00e4ndisches Kapital anzieht.\u00ab     <\/p>\n<p>                   Alexander Brown                  <\/p>\n<p class=\"fm-quote__attrib\">         Merics-Institut Berlin     <\/p>\n<p>Der Experte f\u00fchrt Chinas Biotech-Fortschritt auf Investitionen der KP-F\u00fchrung in Forschung und Entwicklung \u2013 in \u00f6ffentliche Laboratorien und Universit\u00e4ten sowie in die Ausbildung von Talenten \u2013 zur\u00fcck. Hinzu kommen Kooperationen mit dem Ausland, g\u00fcnstige rechtliche Rahmenbedingungen und die wachsende Rolle bei der Durchf\u00fchrung klinischer Studien, sagt Brown.<\/p>\n<p class=\"fm-quote__text\">         \u00bbDie Aggressivit\u00e4t und Umf\u00e4nglichkeit, mit denen China in den internationalen Markt dr\u00e4ngt, ist signifikant.\u00ab     <\/p>\n<p>                  Marc Philipp                  <\/p>\n<p class=\"fm-quote__attrib\">         Kearney     <\/p>\n<p>\u201eDie Aggressivit\u00e4t und die Umf\u00e4nglichkeit, mit denen China in den internationalen Markt dr\u00e4ngt, ist signifikant\u201c, sagt Marc Philipp, Leiter des Bereichs Pharma und Healthcare beim Unternehmensberater Kearney. Ein Beispiel: \u201eChinesische Firmen scannen in einer extremen Detailtiefe Venturecapital-Investitionen in Nordamerika.\u201c So wollen sie verstehen, welche Biotech-Firmen wie viel Startkapital f\u00fcr welche Technologie erhalten. Sp\u00e4ter versuchen sie, diese Innovationen zu replizieren und zu lizensieren.<\/p>\n<p class=\"fm-quote__text\">         \u00bbEuropa kann Chinas Wettbewerbsvorteile nicht replizieren.\u00ab     <\/p>\n<p>                  Marc Philipp                  <\/p>\n<p class=\"fm-quote__attrib\">         Leiter des Bereichs Pharma und Healthcare beim Unternehmensberater Kearney     <\/p>\n<p>China habe aufgrund der Skaleneffekte einen gro\u00dfen Wettbewerbsvorteil, sagt Philipp: Es verf\u00fcge \u00fcber eine deutlich gr\u00f6\u00dfere Patientenpopulation. Patienten k\u00f6nnen einfacher und schneller rekrutiert und g\u00fcnstiger in klinische Forschung einbezogen werden. Zudem seien KI-L\u00f6sungen f\u00fcr die Medikamentenentwicklung in China preiswerter. Auch Forschungspersonal kostet weniger. \u201eEuropa kann diese Wettbewerbsvorteile nicht replizieren.\u201c<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Pharmabranche droht den Anschluss zu verlieren. Dabei zieht China nicht nur an Europa vorbei, sondern macht auch den USA in gewissen Bereichen Konkurrenz. In China wurden 2024 7100 klinische Studien durchgef\u00fchrt, mehr als in den USA. Auf China f\u00e4llt ein Drittel der klinischen Studien f\u00fcr neue Medikamente weltweit, so der Verband der forschenden Pharmaunternehmen in Amerika (Phrma).<\/p>\n<p>Die EU aber verliert Marktanteil: Die Fragmentierung des Binnenmarkts und das komplexe Regelwerk machen die Union als Standort f\u00fcr die Arzneimittelentwicklung, von der Forschung bis zum fertigen Medikament, weniger attraktiv. In der EU dauert die Genehmigung multinationaler Studien mit 113\u2009Tagen fast doppelt so lang wie im globalen Durchschnitt, zeigen Daten der <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu-kommission\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" wie=\"\" china=\"\" die=\"\" aufholjagd=\"\" gelingt=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU-Kommission<\/a>. Phase-1-Studien, also erste Untersuchungen einer neuen Substanz, sind in China um 50 Prozent schneller und um 40 Prozent g\u00fcnstiger als in den USA, so Phrma.<\/p>\n<p>Europa punkte noch mit klinischer Exzellenz, sagt Philipp. In der Grundlagenforschung, im tiefen Verst\u00e4ndnis der sogenannten Disease Biology, sei Europa f\u00fchrend. Doch auch hier schwinde der Wettbewerbsvorteil zusehends: \u00dcber das Nachverfolgen von Patentanmeldungen und Investitionen sind Innovationen heute transparent nachzuvollziehen und damit leichter zu kopieren. Eine Chance f\u00fcr die europ\u00e4ische Pharmaindustrie sieht Philipp in komplexen Forschungsverfahren und Produkten. Etwa in der Gen- oder Zelltherapie oder wenn Firmen in der Lage sind, Diagnostik und Therapie zu verbinden.<\/p>\n<p>Europas Firmen und Forscher profitieren von der Kooperation mit China, sagt Brown: Die schnellere Entwicklung neuer, g\u00fcnstiger Medikamente sei positiv f\u00fcr Patienten. Gleichzeitig birgt Chinas Aufstieg zur Biotech-Macht Risiken f\u00fcr Europa. Zus\u00e4tzlich zu Lieferkettenabh\u00e4ngigkeiten drohe eine Abwanderung von Kapital, so Brown. Schon jetzt herrscht ein chronischer Mangel an Venturecapital. Im vergangenen Jahrzehnt lukrierten US-Start-ups Sp\u00e4tphasenfinanzierung \u00fcber 219 Mrd. Euro, Jungunternehmen in der EU 25\u2009Mrd., berichtet die EU-Kommission. Europ\u00e4ische Biotech-Firmen gehen lieber au\u00dferhalb der EU an die B\u00f6rse.<\/p>\n<p>Wenn europ\u00e4ische Konzerne f\u00fcr die Entwicklung von Medikamenten in chinesische Firmen investieren oder aus Kostengr\u00fcnden Forschungs- und Entwicklungszentren in China aufbauen, bleiben weniger Investitionen f\u00fcr europ\u00e4ische Start-ups und Kleinunternehmen. \u201eDas f\u00fchrt zu einem Teufelskreis, durch den Europas Innovationsf\u00e4higkeit langsam ausgeh\u00f6hlt wird\u201c, so Brown. EU-Gesetzgeber m\u00fcssten nachdenken, wie Firmen von Chinas Fortschritten und Kostenvorteilen profitieren k\u00f6nnen. \u201eEs w\u00e4re nicht angemessen, Unternehmen an einer Auslagerung der Forschungs- und Entwicklungsprozesse zu hindern. Aber wir d\u00fcrfen das nicht komplett zulassen.\u201c<\/p>\n<p>Wer in China mitspielen will, braucht Geld und Gewicht. \u00d6sterreichische Biotech- und Biopharma-Firmen sind dort kaum aktiv. Denn es gibt zu wenige mittlere und gr\u00f6\u00dfere Unternehmen, die \u00fcber ausreichend Finanzmittel verf\u00fcgen, um den chinesischen Markt erschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. \u201eAufgrund der hohen Kosten und Eintrittsbarrieren ist der Markteintritt f\u00fcr derartige Unternehmen aus \u00d6sterreich besonders schwierig\u201c, schreibt Christian Fuchssteiner, \u00f6sterreichischer Wirtschaftsdelegierter in Shanghai, in einer Stellungnahme.  \u201eF\u00fcr die erforderlichen klinischen Tests und Validierungen muss man mit mehreren Millionen Euro rechnen, was sich f\u00fcr \u00f6sterreichische KMU oder Start-ups kaum rechnet.\u201c<\/p>\n<p>Die EU hat aber auch einen gro\u00dfen Vorteil: ihren Markt. Dieser fehlt Chinas Pharmakonzernen im Inland. Da staatliche Versicherungen fortschrittliche Medikamente nicht decken und sich viele Chinesen teure Therapien nicht leisten k\u00f6nnen oder wollen, k\u00f6nnen chinesische Firmen Innovationen nur bedingt im eigenen Land absetzen. Die Unternehmen sind oft abh\u00e4ngig von Vertr\u00e4gen mit dem Ausland. Diese erm\u00f6glichen ihnen die Finanzierung f\u00fcr die volle Entwicklung von Medikamenten und den Zugang zu ausl\u00e4ndischen Vertriebsnetzen und M\u00e4rkten.<\/p>\n<p>                               <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/INDIA-HEALTHELI LILLY.webp\" alt=\"Eli Lilly mit Sitz in den USA ist der nach B\u00f6rsenwert gr\u00f6\u00dfte Pharmakonzern der Welt. \" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/>                                     <\/p>\n<p>Eli Lilly mit Sitz in den USA ist der nach B\u00f6rsenwert gr\u00f6\u00dfte Pharmakonzern der Welt. \u2003Reuters \/ Sriparna Roy<\/p>\n<p>Die USA sind mit mehr als 40 Prozent Anteil mit Abstand der wichtigste Markt weltweit, dahinter folgt die EU. Die Regierung unter Donald Trump will den US-Markt mit neuen Gesetzen noch attraktiver machen. Das k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass Innovationen verst\u00e4rkt in den USA herausgebracht werden, in Europa erst verz\u00f6gert oder gar nicht mehr, warnt Philipp \u2013 mit Folgen f\u00fcr Patienten. Die EU k\u00f6nnte diese Situation auch vor dem Hintergrund der US-Handelsbarrieren ausnutzen, sagt der Branchenexperte. F\u00fcr Chinesen sei es aufgrund des komplexen Regelwerks schwierig, Biotech-Innovationen in der EU zu verkaufen. \u201eDurch Kooperation mit chinesischen Unternehmen besteht die Chance, sicherzustellen, dass der Return on Investment eher in Europa als in den USA stattfindet\u201c, sagt Marc.<\/p>\n<p>Die EU-Kommission identifiziert die Biotech-Branche in einem Gesetzesentwurf als wichtigen Wachstumsmotor. Der Sektor wachse zwei Mal so schnell wie die Gesamtwirtschaft und z\u00e4hle zu den produktivsten Industrien. Gleichzeitig spricht sie die M\u00e4ngel an: \u201eDie EU hinkt anderen Weltregionen hinterher, wenn es darum geht, Weltklasse-Forschung und -Innovation in wirtschaftlich rentable Produkte zu \u00fcbersetzen und sie in gro\u00dfem Umfang zu produzieren\u201c, hei\u00dft es im Entwurf zum Biotech-Act.<\/p>\n<p class=\"fm-quote__text\">         \u00bbBiotechnologie ist eine der letzten gro\u00dfen Chancen Europas, mithalten zu k\u00f6nnen.\u00ab     <\/p>\n<p>                  Thomas Streimelweger                  <\/p>\n<p class=\"fm-quote__attrib\">         Investor und Unternehmer     <\/p>\n<p>Auch Thomas Streimelweger, Gr\u00fcnder der Hightech-Investmentfirma red-stars, hebt die Bedeutung der Biotechnologie f\u00fcr Europa hervor. \u201eWir haben weltweite Pharmakonzerne. Hier besteht das Ungleichgewicht zu den USA und demn\u00e4chst China noch nicht so wie in den Bereichen IT, Software und Hardware\u201c, sagt Streimelweger. Er ist Mehrheitseigent\u00fcmer der Firma a:head bio, die aus Stammzellen Gehirn-Organoide z\u00fcchtet, mit denen Neuroforschung ohne Tierversuche m\u00f6glich wird. \u201eDie Biotechnologie ist eine der letzten gro\u00dfen Chancen Europas, mithalten zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>               Fakten<\/p>\n<p>Konzerne. Firmen wie BGI (Genomforschung), BeOne Medicines (Krebsforschung) oder WuXi Apptec (Dienstleister f\u00fcr Produktion von Medikamenten) sind zu globalen Gr\u00f6\u00dfen aufgestiegen.<\/p>\n<p>Kosten. China sticht Konkurrenz durch Skaleneffekte aus. Gem\u00e4\u00df McKinsey k\u00f6nnen Patienten doppelt so schnell und um die H\u00e4lfte g\u00fcnstiger als in den USA und Europa in Studien eingeschlossen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Aufstieg des chinesischen Biotech-Sektors \u00e4u\u00dfert sich auf ungew\u00f6hnliche Art. 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