{"id":60364,"date":"2026-03-23T01:28:12","date_gmt":"2026-03-23T01:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/60364\/"},"modified":"2026-03-23T01:28:12","modified_gmt":"2026-03-23T01:28:12","slug":"taylor-swift-und-beyonce-popgeschichte-zum-nachlesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/60364\/","title":{"rendered":"Taylor Swift und Beyonc\u00e9: Popgeschichte zum Nachlesen"},"content":{"rendered":"<p>Stephanie Burt ist Anglistik-Professorin in Harvard und bekennende Swiftie. Aus einem Uni-Seminar \u00fcber Taylor Swift ist nun ein Buch geworden: <a href=\"https:\/\/www.chbeck.de\/burt-taylors-version\/product\/39931266\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Taylor\u2019s Version. Das poetische und musikalische Genie von Taylor Swift&#8220;<\/a> (externer Link). 360 Seiten in seidigem Dunkelblau. Burt macht keinen Hehl daraus, dass sie hier als Fan schreibt, der mit dem Buch das Genie seines Idols unterstreichen will. Album f\u00fcr Album tastet sie sich chronologisch voran, von Taylor\u2018s Anf\u00e4ngen in der Country-Musik und ihrem Debut &#8222;Taylor Swift&#8220; bis zu &#8222;The Tortured Poets Department&#8220;. <\/p>\n<p>Burt bleibt dabei immer dicht an der Person Taylor Swifts dran: Es gibt viele Hintergrundinformationen zu ihrem Privatleben, ihrer Familie, ihren Beziehungen. Tats\u00e4chlich dreht sich das Buch haupts\u00e4chlich um das Gef\u00fchlsleben von Taylor Swift \u2013 so wie Burt es sich vorstellt: Teenagergef\u00fchle, Krisen, W\u00fcnsche, Entt\u00e4uschungen, Ziele. Kurz gesagt: Sie stochert im Gef\u00fchlsleben der S\u00e4ngerin herum, wohlwissend, dass die <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/kultur\/taylor-swift-verkuendet-verlobung-und-das-internet-explodiert,Uv3RXxC\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Aussagen Taylor Swifts \u00fcber ihr Privatleben <\/a>streng kuratiert sind, also mitnichten zwingend der Wahrheit entsprechen. Als w\u00e4re das nicht schon unwissenschaftlich genug, bringt sie dabei oft auch ihre eigenen Gef\u00fchle ins Spiel.<\/p>\n<p>Taylor Swift als Uni-Stoff in Harvard<\/p>\n<p>Als Anglistik-Professorin legt Burt den Schwerpunkt auf die Texte und ihr Zusammenspiel mit Rhythmus und Melodie der Songs. Immer wieder zieht sie Parallelen zur Literaturgeschichte, zu Gedichten von Horaz, Schiller, Alexander Pope, William Butler Yeats, Robert Frost oder Willa Cather. Das ist originell, der Erkenntnisgewinn ist allerdings mau. Insgesamt ist &#8222;Taylor\u2019s Version&#8220; von Stephanie Burt eine Entt\u00e4uschung: strukturell fast peinlich und sprachlich so ausschweifend und redundant, dass die Lekt\u00fcre schwer verdaulich wird.<\/p>\n<p>Ganz anders das Buch von J\u00f6rn Glasenapp, ebenfalls Anglist und Professor f\u00fcr Literatur und Medien an der Universit\u00e4t Bamberg: auf knackigen 100 Seiten behandelt er gleich zwei Megastars: <a href=\"https:\/\/www.wallstein-verlag.de\/9783835359642-beyonce-und-taylor-swift.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Beyonc\u00e9 und Taylor Swift. Run the World&#8220;<\/a> (externer Link) hei\u00dft sein schmaler Band aus der Reihe &#8222;Popgeschichte&#8220; im Wallstein-Verlag. F\u00fcr Glasenapp sind Swift und Beyonc\u00e9 die &#8222;popmusikalischen Taktgeberinnen unserer Zeit&#8220;: Eine wei\u00dfe und eine schwarze K\u00fcnstlerin, die musikalisch h\u00f6chst unterschiedliche Wege gehen und doch beide als &#8222;Thronfolgerinnen&#8220; Madonnas gelten k\u00f6nnen, jener Frau, die am Anfang der &#8222;\u00c4ra weiblicher k\u00fcnstlerischer Souver\u00e4nit\u00e4t&#8220; im Pop steht.<\/p>\n<p>Die popmusikalischen Taktgeberinnen unserer Zeit<\/p>\n<p>Glasenapp behandelt die Themen, die wirklich wichtig sind: Wof\u00fcr stehen die S\u00e4ngerinnen jeweils: F\u00fcr ihren Gesang? Ihre Performance? Das Songwriting? Warum sind gerade diese beiden so erfolgreich? Und vor allem: Was verbindet, was unterscheidet sie? Beide sorgen mit <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/kultur\/beyonce-country-album-wechsel-zum-country-naheliegender-als-man-denkt,U8EOR7V\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">krassen Genrewechseln<\/a> immer wieder f\u00fcr Abwechslung, gro\u00dfe Unterschiede gibt es bei der Nahbarkeit: <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/kultur\/beyonce-grosse-gewinnerin-bei-grammy-awards-2025,Ubie9tI\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wo Beyonc\u00e9 als hart arbeitende, unantastbare Diva thront,<\/a> gibt Megastar Taylor Swift alles, um weiter als M\u00e4dchen von nebenan durchzugehen.<\/p>\n<p>Glasenapps Doppelportr\u00e4t entpuppt sich als clevere Erz\u00e4hlstrategie: Gespiegelt an der jeweils anderen wird das au\u00dfergew\u00f6hnliche der S\u00e4ngerinnen besonders deutlich. Dass Tayler Swift ihre Texte selbst\u00e4ndig und oft v\u00f6llig allein schreibt, wird erst besonders, wenn man wei\u00df, dass Beyonc\u00e9 \u2013 und mit ihr fast die gesamte Popwelt \u2013 auf extremes Teamwork setzt: Beats, Akkorde, Instrumentierung, Melodien, Lyrics&#8230; mitunter schrieben schon 21 Menschen an einem ihrer Songs.<\/p>\n<p>Popgeschichte als Kulturgeschichte<\/p>\n<p>Auch J\u00f6rn Glasenapp ist Fan beider S\u00e4ngerinnen, aber anders als Stephanie Burt bleibt sein Blick klar und seine Perspektive wissenschaftlich. Sein Horizont ist weit, er begreift Popgeschichte als eine nach vielen Seiten hin offenen Kulturgeschichte. Vor allem aber ordnet er ein, beispielhaft erz\u00e4hlt er vom noch immer grassierenden Rassismus im Musikbusiness und von Black-Empowerment, die in Deutschland schwer nachvollziehbare Bedeutung der Country-Musik in den USA belegt er mit Zahlen. Sein Exkurs \u00fcber den Feminismus in der Popgeschichte sollte Pflichtlekt\u00fcre im Schulunterricht werden. <\/p>\n<p>&#8222;Beyonc\u00e9 und Taylor Swift. Run The World&#8220; ist eine wahre Freude: Dramaturgisch gut durchdacht, sprachlich auf den Punkt, liefert es Popgeschichte wie man sie sich w\u00fcnscht, n\u00e4mlich auch mit der ein oder anderen vielsagenden Anekdote \u00fcber lautes Singen auf dem Laufband oder \u00fcberhitzte Studios bei Videodreh von &#8222;Single Ladies&#8220;. <\/p>\n<p>Stephanie Burt: &#8222;Taylor&#8217;s Version. Das poetische und musikalische Genie von Taylor Swift, aus dem Englischen von Anja Kau\u00df, C.H. Beck.<\/p>\n<p>J\u00f6rn Glasenapp: &#8222;Beyonc\u00e9 und Taylor Swift. Run the World&#8220;, Reihe Popgeschichte, Wallstein Verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stephanie Burt ist Anglistik-Professorin in Harvard und bekennende Swiftie. 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