{"id":61244,"date":"2026-03-23T12:58:20","date_gmt":"2026-03-23T12:58:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/61244\/"},"modified":"2026-03-23T12:58:20","modified_gmt":"2026-03-23T12:58:20","slug":"schwache-handkraft-als-warnsignal-fuer-psychische-erkrankungen-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/61244\/","title":{"rendered":"Schwache Handkraft als Warnsignal f\u00fcr psychische Erkrankungen"},"content":{"rendered":"<p>Aktuelle Studie zeigt: Auch nach \u00fcberstandener Depression bleibt die Handkraft vermindert\n<\/p>\n<p>Die Handgriffst\u00e4rke ist ein einfaches und verl\u00e4ssliches Verfahren zur Bewertung der Muskelkraft und somit ein etablierter Biomarker f\u00fcr die allgemeine Fitness. Dass die Handkraft bei Menschen mit Depression oder Schizophrenie messbar reduziert ist, war schon l\u00e4nger bekannt. Eine Studie zeigt nun jedoch, dass sich die Muskelkraft selbst nach \u00fcberstandener Depression nicht automatisch normalisiert. Die in JAMA Psychiatry ver\u00f6ffentlichten Ergebnisse werfen die Frage auf, ob Depressionen bleibende k\u00f6rperliche Spuren hinterlassen \u2013 mit m\u00f6glichen Folgen f\u00fcr Fitness, Therapie und Lebenserwartung.<\/p>\n<p>W\u00fcrzburg. Der H\u00e4ndedruck ist im sozialen Leben nicht nur eine H\u00f6flichkeitsgeste, sondern ein kompaktes Signalpaket. W\u00e4hrend es hierbei gar nicht so sehr auf die Kraft ankommt, z\u00e4hlt diese in der Medizin umso mehr. Die Messung der Handgriffst\u00e4rke ist ein einfaches und kosteng\u00fcnstiges Verfahren zur Bewertung der Muskelkraft. Inzwischen gilt die Handgriffst\u00e4rke sogar als verl\u00e4sslicher Biomarker f\u00fcr die allgemeine k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit und zunehmend auch f\u00fcr die psychische Gesundheit.<\/p>\n<p>Analyse der Handkraft bei Gesunden sowie bei Menschen mit Schizophrenie, mit Depression und nach \u00fcberstandener Depression<\/p>\n<p>\u201eDie Handkraft wurde sowohl bei Schizophrenie als auch bei Depressionen als vermindert beobachtet\u201c, sagt Prof. Dr. Sebastian Walther. Der Direktor der Klinik f\u00fcr Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Uniklinikum W\u00fcrzburg (UKW) wollte es genauer wissen. Gibt es Unterschiede? Und wie sieht die k\u00f6rperliche Fitness nach einem Schub aus? Schlie\u00dflich verlaufen psychische Erkrankungen meistens in Episoden. Nach den akuten Krankheitsphasen sollten die Betroffenen eigentlich wieder an ihre fr\u00fchere Leistungsf\u00e4higkeit ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen.<br \/>Sebastian Walther und ein internationales Team untersuchten in einer Studie mit insgesamt 533 Personen die Handkraft bei psychisch gesunden Erwachsenen, Menschen mit Schizophrenie, Menschen in depressiven Krankheitsphasen sowie Personen mit \u00fcberstandener Depression.<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlichung in JAMA Psychiatry \u2013 The Science of Mental Health and the Brain<\/p>\n<p>In die Analyse flossen Daten mehrerer Studien der Arbeitsgruppen von Sebastian Walther aus Bern und Chicago ein, die vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und dem National Institute of Health (NIH) gef\u00f6rderte waren. In allen Studien wurde die identische Methodik verwendet. Das hei\u00dft, die Handkraft wurde mit einem elektronischen Manometer in mehreren Versuchen von beiden H\u00e4nden gemessen. Analysiert wurden die Werte f\u00fcr die jeweils dominante Hand. Die Ergebnisse konnte das Team in der renommierten Fachzeitschrift JAMA Psychiatry ver\u00f6ffentlichen<\/p>\n<p>Niedrige Handkraft der aktuell Depressiven unterschied sich nicht von genesenen Depressiven<\/p>\n<p>Das erste Ergebnis \u00fcberraschte nicht: Alle Patientinnen und Patienten wiesen eine geringere Handkraft auf als die gesunden Kontrollgruppen. Es gab jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Erkrankungen. Diejenigen mit Schizophrenie hatten eine h\u00f6here Handkraft als diejenigen mit Depressionen. Dabei unterschieden sich die aktuell Depressiven nicht von den genesenen Depressiven. \u201eDas hat uns sehr \u00fcberrascht\u201c, sagt Sebastian Walther. \u201eWir hatten erwartet, dass Menschen mit einer \u00fcberstandenen Depression wieder eine normale Handkraft aufweisen.\u201c<br \/>Der Psychiater bewertet es als beunruhigend, dass sich die Handkraft bei Menschen nach einer Depression nicht erholt. Schlie\u00dflich galt die Handkraft in fr\u00fcheren Studien an der Allgemeinbev\u00f6lkerung als guter Marker f\u00fcr Fitness und Gesundheit.<\/p>\n<p>Echtes Fitnessdefizit und Fr\u00fchwarnsignal f\u00fcr ein erh\u00f6htes Sterberisiko oder nur eine motorische Steuerungsst\u00f6rung?<\/p>\n<p>\u201eWeitere Studien m\u00fcssen nun kl\u00e4ren, ob eine niedrige Handkraft trotz \u00fcberstandener Depression auf ein echtes Defizit in der Fitness oder lediglich auf fehlende motorische Kontrolle zur\u00fcckzuf\u00fchren ist\u201c, sagt Walther. Ein \u00e4hnliches Muster fand das Team von Sebastian Walther in einer Meta-Analyse aus dem Jahr 2022 (doi:10.1017\/S0033291722000903) zur Menge der Spontanbewegungen: Nach einer depressiven Episode bewegen sich Betroffene weiterhin deutlich weniger als gesunde Kontrollprobanden.<\/p>\n<p>In der aktuellen Studie gab es bei Patienten mit Schizophrenie beispielsweise einen deutlichen Zusammenhang zwischen Handkraft und fehlender Motivation. Die Kl\u00e4rung der Ursache sei laut Walther wichtig, da sie dar\u00fcber entscheidet, wie die Depression zus\u00e4tzlich behandelt werden muss. Ein neuromotorisches Steuerungsproblem ist beispielsweise kein direkter Marker f\u00fcr k\u00f6rperlichen Abbau, sondern eher ein Ausdruck einer ver\u00e4nderten Hirn-K\u00f6rper-Interaktion. In diesem Fall k\u00f6nnte die Behandlung st\u00e4rker auf Koordinationstraining oder physiotherapeutische Rehabilitation setzen. Ein Fitness-Defizit deutet hingegen auf physische Langzeitfolgen hin. Das hei\u00dft, die Depression hinterl\u00e4sst messbare k\u00f6rperliche Spuren. Das wiederum bedeutet, dass durch gezielte k\u00f6rperliche Interventionen m\u00f6glicherweise nicht nur die Fitness, sondern auch die Langzeitprognose und die \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit verbessert werden k\u00f6nnen. Immerhin verk\u00fcrzen psychische Erkrankungen wie Depressionen die Lebenserwartung um durchschnittlich zehn Jahre, Schizophrenien sogar um 20 Jahre.<\/p>\n<p>Informationen zur verk\u00fcrzten Lebenserwartung bei schweren psychischen Erkrankungen: Eine Metaanalyse, die in 2015 Jama Psychiatry ver\u00f6ffentlicht wurde und auf 203 Studien aus 29 L\u00e4ndern basiert, deutet darauf hin, dass psychische Erkrankungen nicht nur zu Leid und Funktionsverlust im Alltag f\u00fchren, sondern auch mit einer deutlich erh\u00f6hten Gesamtmortalit\u00e4t und einem deutlich reduzierten Lebensalter verbunden sind. Betroffene sterben im Durchschnitt rund zehn Jahre fr\u00fcher als Menschen ohne psychische Erkrankung. Menschen mit Psychosen wie Schizophrenie hatten ein um den Faktor 2,5 erh\u00f6htes Sterberisiko im Vergleich zu gesunden Personen. Bei Patientinnen und Patienten mit Depressionen war die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu sterben, um den Faktor 1,7 erh\u00f6ht. Faktoren wie k\u00f6rperliche Begleiterkrankungen, Lebensstil, Versorgungsl\u00fccken und Suizid tragen zu diesem erh\u00f6hten Mortalit\u00e4tsrisiko bei.<\/p>\n<p>Informationen zum H\u00e4ndedruck: Aus evolutionspsychologischer Sicht signalisiert der H\u00e4ndedruck Friedfertigkeit, f\u00f6rdert Vertrauen, leitet Kooperationen ein und zeigt die k\u00f6rperliche Verfassung. Dabei muss der H\u00e4ndedruck noch nicht einmal richtig stark sein. In der der angewandten Kommunikationsliteratur wird ein vollst\u00e4ndiger H\u00e4ndedruck dadurch beschrieben, dass die Hand ausreichend ge\u00f6ffnet ist und sich die Daumen-Zeigefinger-Partien ber\u00fchren.<\/p>\n<p>Quelle:\u00a0<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/en\/news867909\" title=\"Open external link in new window\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/idw-online.de\/en\/news867909<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aktuelle Studie zeigt: Auch nach \u00fcberstandener Depression bleibt die Handkraft vermindert Die Handgriffst\u00e4rke ist ein einfaches und verl\u00e4ssliches&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":61245,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[24820,46,42,24821,24822,124,123,16958,24823,24824,24825,44,24826,632,24827,3431,24693,24828,24829,8419,24830,24831],"class_list":{"0":"post-61244","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-arbeitspsychologie","9":"tag-at","10":"tag-austria","11":"tag-betriebspsychologie","12":"tag-forensik","13":"tag-gesundheit","14":"tag-health","15":"tag-lebenshilfe","16":"tag-medienpsychologie","17":"tag-medizinische-psychologie","18":"tag-organisationspsychologie","19":"tag-oesterreich","20":"tag-psychoanalyse","21":"tag-psychologie","22":"tag-psychosomatik","23":"tag-psychotherapie","24":"tag-rehabilitation","25":"tag-sozialpsychologie","26":"tag-sozialwissenschaften","27":"tag-sucht","28":"tag-verhaltenstherapie","29":"tag-wirtschaftspsychologie"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116278611308939849","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61244","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=61244"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/61244\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/61245"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=61244"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=61244"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=61244"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}