{"id":65823,"date":"2026-03-25T20:52:09","date_gmt":"2026-03-25T20:52:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/65823\/"},"modified":"2026-03-25T20:52:09","modified_gmt":"2026-03-25T20:52:09","slug":"dna-enthuellt-die-geschichte-der-fruehesten-hunde-europas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/65823\/","title":{"rendered":"DNA enth\u00fcllt die Geschichte der fr\u00fchesten Hunde Europas"},"content":{"rendered":"\n<p>Hunde sind nicht nur die besten Freunde des Menschen, sondern auch die \u00e4ltesten. Neue Belege daf\u00fcr liefern zwei Studien, die die bislang fr\u00fchesten bekannten Genome von domestizierten Hunden in Europa analysiert haben. Das erste fossile Individuum, bei dem es sich demnach zweifelsfrei um einen Hund statt um einen Wolf handelt, lebte vor 15.800 Jahren in der T\u00fcrkei. Weitere Fossilien zeigen, dass unsere Vorfahren ihre Hunde mitbrachten, als sie von S\u00fcdwestasien nach Europa einwanderten. Die Ergebnisse unterstreichen, wie eng die Geschichte von Hund und Mensch miteinander verkn\u00fcpft ist.<\/p>\n<p>Hunde waren die ersten Tiere, die vom Menschen domestiziert wurden. Bereits vor dem Aufkommen der Landwirtschaft wurden J\u00e4ger- und Sammlergruppen von W\u00f6lfen begleitet, die sich nach und nach immer mehr an den Menschen anpassten und sich schlie\u00dflich genetisch so stark von ihren wilden Verwandten unterschieden, dass sie zu einer neuen Art wurden, den Hunden. Wann genau der \u00dcbergang vom Wolf zum Hund stattfand, l\u00e4sst sich allerdings nur schwer feststellen, da sich ihre Skelette morphologisch sehr \u00e4hneln. Die \u00e4ltesten direkten genetischen Nachweise f\u00fcr domestizierte Hunde reichten bislang 10.900 Jahre zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u00c4lteste Hunde genetisch identifiziert<\/p>\n<p>Nun liefern zwei Studien deutlich \u00e4ltere Belege. Ein Team um Anders Bergstr\u00f6m von der University of East Anglia in Norwich hat die DNA aus 216 Skelettresten von Caniden aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweden, Schottland und weiteren Fundst\u00e4tten in ganz Europa analysiert, darunter 181 Proben mit einem Alter von mehr als 10.000 Jahren. Das \u00e4lteste Tier, das Bergstr\u00f6m und seine Kollegen auf Basis der genetischen Daten eindeutig als Hund einordneten, lebte vor 14.200 Jahren und wurde in der Kesslerloch-H\u00f6hle in der Schweiz gefunden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/wp-content\/uploads\/2\/6\/26-03-25-hundeDNA2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-342521 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-342521\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/26-03-25-hundeDNA2-300x211.jpg\" alt=\"Szene vor 15.800 Jahren\" width=\"300\" height=\"211\"  \/><\/a>So k\u00f6nnten Menschen und Hunde vor 15.800 Jahren in P\u0131narba\u015f\u0131 zusammengelebt haben. \u00a9 Kathryn Killackey<\/p>\n<p>Noch \u00e4ltere Exemplare identifizierte ein zweites Forschungsteam um William Marsh vom Natural History Museum in London: einen 15.800 Jahre alten Hund aus P\u0131narba\u015f\u0131 in der T\u00fcrkei sowie ein 14.300 Jahre altes Individuum aus der Gough\u2019s Cave in England. Zusammen mit Belegen aus weiteren arch\u00e4ologischen St\u00e4tten zeigen diese Funde, dass domestizierte Hunde bereits vor mindestens 14.300 Jahren in West-Eurasien weit verbreitet waren und dass die wichtigsten genetischen Linien heutiger Hunde bereits gegen Ende der Altsteinzeit etabliert waren. \u201eDies wirft die M\u00f6glichkeit auf, dass die Domestizierung bereits w\u00e4hrend der letzten Eiszeit stattfand \u2013 mehr als 10.000 Jahre vor dem Erscheinen anderer domestizierter Pflanzen oder Tiere\u201c, sagt Co-Autor Lachie Scarsbrook von der Ludwig-Maximillians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Begleiter unserer Vorfahren<\/p>\n<p>Die Analysen geben auch Aufschluss \u00fcber die Abstammungsgeschichte der Hunde. Laut Bergstr\u00f6m und seinen Kollegen trugen alle untersuchten domestizierten Hunde in Europa Erbgut von asiatischen Vorfahren in sich. Europ\u00e4ische W\u00f6lfe scheinen hingegen keinen nachweisbaren Beitrag zur Entstehung der Hunde geleistet haben. Dennoch war bereits der Hund aus Kesslerloch europ\u00e4ischen Hunden genetisch \u00e4hnlicher als asiatischen. \u201eDa der 14.200 Jahre alte Hund aus Kesslerloch bereits mehr \u00c4hnlichkeit mit sp\u00e4teren Hunden in Europa als mit denen in Asien aufwies, m\u00fcssen Hunde schon lange vor diesem Zeitpunkt domestiziert worden sein, sodass Zeit blieb, dass sich diese genetischen Unterschiede herausbildeten\u201c, erkl\u00e4rt Bergstr\u00f6m.<\/p>\n<p>Als im Zuge der neolithischen Revolution die ersten jungsteinzeitlichen Bauern aus Kleinasien und dem Mittelmeerraum nach Europa einwanderten und die Landwirtschaft mitbrachten, kamen offenbar auch ihre Hunde mit. Die DNA-Analysen zeigen, dass sich die mit der Migrationsbewegung verkn\u00fcpften Ver\u00e4nderungen in der menschlichen Genetik auch im Genom von Hunden widerspiegeln \u2013 allerdings in deutlich geringerem Ma\u00dfe. Das deutet darauf hin, dass sich die Vierbeiner mit Hunden lokaler J\u00e4ger und Sammler kreuzten, die bereits in Europa lebten. Vergleiche mit heutigen europ\u00e4ischen Hunden zeigen, dass dieses Erbe bis heute fortlebt.<\/p>\n<p>\u201eHunde waren das einzige domestizierte Tier, das bereits vor der Landwirtschaft existierte. Daher kann ihre Evolution uns helfen zu verstehen, wie ein gro\u00dfer Wandel im Lebensstil unsere eigene Geschichte gepr\u00e4gt hat\u201c, sagt Co-Autor Pontus Skoglund vom Francis Crick Institute in London. \u201eEs ist faszinierend, dass Hunde, die vor der \u00c4ra der Landwirtschaft lebten, wesentlich zur Genetik der europ\u00e4ischen Hunde von der Jungsteinzeit bis heute beigetragen haben. Hunde waren f\u00fcr unsere Vorfahren offensichtlich wichtig, da die ersten Bauern offenbar die Hunde fr\u00fcherer J\u00e4ger und Sammler in ihre Gruppen aufgenommen haben, als sie nach Europa zogen.\u201c<\/p>\n<p>Quellen:<br \/>Anders Bergstr\u00f6m (University of East Anglia, Norwich, UK) et al., Nature, <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-026-10112-7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1038\/s41586-026-10112-7<\/a>; W illiam Marsh (Natural History Museum, London, UK) et al., Nature, <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-026-10170-x\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1038\/s41586-026-10170-x<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Elena Bernard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hunde sind nicht nur die besten Freunde des Menschen, sondern auch die \u00e4ltesten. 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