{"id":66464,"date":"2026-03-26T06:17:09","date_gmt":"2026-03-26T06:17:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/66464\/"},"modified":"2026-03-26T06:17:09","modified_gmt":"2026-03-26T06:17:09","slug":"was-wir-jetzt-in-der-autoindustrie-erleben-ist-die-neue-normalitaet-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/66464\/","title":{"rendered":"\u201eWas wir jetzt in der Autoindustrie erleben, ist die neue Normalit\u00e4t\u201c \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Dieselskandal, Absatzr\u00fcckg\u00e4nge, Technikprobleme: Audi hat keine leichte Zeit hinter sich. Im Interview erkl\u00e4rt Vertriebschef Marco Schubert, wie man wieder ganz vorne mitspielen will, warum der China-Audi ein echter Audi ist und warum man trotz Spardruck in die Formel 1 einsteigt. <\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/A251524_medium.jpg\" alt=\"Der Audi Concept C, wie er sehr \u00e4hnlich 2027 auf den Markt kommen soll \" width=\"600\" height=\"360\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>Der Audi Concept C, wie er sehr \u00e4hnlich 2027 auf den Markt kommen soll \u2003Werk<\/p>\n<p> Die Presse: Audi hat in den vergangenen Jahren den Premium-Wettkampf gegen BMW und Mercedes stets souver\u00e4n verloren. Im vergangenen Jahr gab es erneut ein Absatz-Minus. Ihr Chef, Gernot D\u00f6llner, meinte vergangenes Jahr in Mailand in einer bemerkenswerten Rede, Audi habe seinen Weg verloren. Wie lange wird es dauern, bis Audi diesen Weg wiederfindet? <\/p>\n<p> Marco Schubert: Ich glaube, wir sind grunds\u00e4tzlich auf einem guten Weg, besonders bei dem, was produktseitig gerade passiert. Wir hatten eine Zeit mit wenig neuen Produktangeboten im Portfolio. Das\u00a0haben wir \u00fcber die letzten beiden Jahre sukzessive ge\u00e4ndert, was uns in der Markenpositionierung hilft. In Mailand haben wir mit dem Concept C gezeigt, wohin die Reise beim Exterieur- und Interieurdesign geht. Das Serienfahrzeug wird schon 2027 in einer ganz \u00e4hnlichen Form am Markt erscheinen. Wir sind jetzt \u00fcber alle Antriebsarten und Regionen hinweg gut gewappnet, um produktseitig mithalten zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Wie viel Zeit geben Sie sich, bis wieder ein echter Dreikampf der Premium-Marken stattfindet? <\/p>\n<p> Ich w\u00fcrde nicht sagen, dass heute kein Dreikampf stattfindet. <\/p>\n<p> Den Audi aber in den vergangenen Jahren immer verloren hat. <\/p>\n<p> Wenn wir nach China schauen, ist Audi aktuell die Nummer eins unter den drei deutschen Premium-Herstellern. <\/p>\n<p> Aber mit Autos, die mit einem traditionellen Audi aus Deutschland wenig zu tun haben, weil sie in China entwickelt und gebaut werden. <\/p>\n<p> Doch, das sind Audis, genauso wie im Rest der Welt. Diese Fahrzeuge werden gemeinsam mit Joint-Venture-Partnern lokal gebaut. Wenn das Volumen das Kriterium ist, sind wir dort die Nummer eins vor BMW und Mercedes. Auch in M\u00e4rkten wie \u00d6sterreich sind wir sehr positiv ins Jahr gestartet und haben einen sehr guten Marktanteil. Es gab Zeiten, da war Audi die Nummer eins in Europa. Momentan sind wir auf Position zwei im Kernwettbewerb und werden mit dem neuen Produktangebot sukzessive weiter aufschlie\u00dfen. <\/p>\n<p> Es gab bei Audi in den vergangenen Jahren Probleme mit der Software und der Plattform. Wie viel \u00dcberzeugungsarbeit muss man leisten, um dem Slogan \u201eVorsprung durch Technik\u201c wieder gerecht zu werden? <\/p>\n<p> Unser Marken-Claim bleibt \u201eVorsprung durch Technik&#8220;. Das ist eine Positionierung, die uns motiviert. Wir haben Themen, die wir bearbeiten m\u00fcssen, um das nachhaltig zu besetzen. Die neue Design- und Formsprache des Concept C zeigt, wie dieser Vorsprung in Zukunft aussehen wird. Wir besch\u00e4ftigen uns aktuell intensiv mit globalen Rahmenbedingungen, die wir uns in dieser Form nicht gew\u00fcnscht h\u00e4tten, aber wir arbeiten an L\u00f6sungen. <\/p>\n<p> Werden die Audis ohne die vier Ringe, die in China entwickelt werden, jemals nach Europa kommen? <\/p>\n<p> Nein. Das ist nicht angedacht. Die mit SAIC in Shanghai entwickelte Plattform ist rein f\u00fcr den chinesischen Markt konzipiert. <\/p>\n<p> Und was passiert mit den Audis mit vier Ringen, die bisher in Europa f\u00fcr China gefertigt wurden? Dieser Markt bricht ja weg, auch in den USA gibt es wegen der hohen Z\u00f6lle Absatzprobleme. Wo sollen diese St\u00fcckzahlen hin? <\/p>\n<p> Produkte wie den Audi Q7 oder den neuen Q9 werden wir weiterhin global anbieten. Die neue Modellgeneration des Audi A8 kommt erst gegen Ende des Jahrzehnts (der aktuelle Audi A8 l\u00e4uft aus, Anm.). Die USA bleiben f\u00fcr uns ein Schl\u00fcsselmarkt mit Wachstumspotenzial. Unsere Marke wird dort sehr positiv wahrgenommen. Schwierig sind die Rahmenbedingungen, das stimmt: Wir haben aktuell 15 Prozent Z\u00f6lle auf Importe aus Europa. Unser Q5 wird in Mexiko gebaut, dort liegen die Z\u00f6lle bei 27,5 Prozent. Das erschwert die Preisstellung, hat aber nichts mit dem Produkt an sich zu tun. <\/p>\n<p> W\u00fcrde sich ein eigenes Werk in den USA lohnen? <\/p>\n<p> Wir pr\u00fcfen das und ben\u00f6tigen vor allem stabile, verl\u00e4ssliche Rahmenbedingungen. Man muss das auch im geopolitischen Kontext sehen, der sich aktuell st\u00e4ndig \u00e4ndert. Fest steht: Wir wollen st\u00e4rker lokalisieren, um auch langfristig in den USA zu wachsen. Eine eigene Produktion w\u00e4re aus Vertriebssicht definitiv ein Vorteil. <\/p>\n<p> Zur\u00fcck zu China: Hat Audi zu lange gebraucht, um zu verstehen, dass man in China f\u00fcr China entwickeln muss? <\/p>\n<p> Nein, wir waren sogar die Ersten vor Ort. Mit unserem neuen Projekt stellen wir uns dem Wettbewerb mit den neuen chinesischen Marken. Da sind wir aktuell vorne mit dabei. <\/p>\n<p> Was kann man von dem Projekt in China f\u00fcr den Rest der Welt lernen? <\/p>\n<p> Vor allem die Umsetzungsgeschwindigkeit. In Europa brauchen wir f\u00fcr die Fahrzeugentwicklung deutlich l\u00e4nger, was auch an Faktoren wie Sicherheitsstandards und Homologationskriterien liegt. Aber die Geschwindigkeit und das Thema Digitalisierung sind entscheidend. Die junge Generation erwartet, dass ein Auto wie ein Handy funktioniert \u2013 da lernen wir extrem viel von China, auch was die Vertriebssysteme angeht. <\/p>\n<p> Der europ\u00e4ischen Autoindustrie geht es derzeit insgesamt nicht sonderlich gut, die Margen waren im vergangenen Jahr bei allen Herstellern schlecht. Kommen die goldenen Zeiten von vor der Pandemie jemals zur\u00fcck oder sind diese Zeiten endg\u00fcltig vorbei? <\/p>\n<p> Was wir jetzt in der Autoindustrie erleben, ist die neue Normalit\u00e4t, damit m\u00fcssen wir uns auseinandersetzen. Auf der Kostenseite m\u00fcssen wir deutlich besser werden. Wir m\u00fcssen intensiv an den Material- und Produktionskosten arbeiten, um nachhaltig profitabel zu sein. Die Zeit der Halbleiterkrise in der Pandemie, in der die Margen durch Verknappung hoch waren, war eine Ausnahmesituation. Diese Zeiten sind vorbei. <\/p>\n<p> Audi hat eine Produktoffensive f\u00fcr die kommenden Jahre angek\u00fcndigt. Was kommt konkret heuer neu auf den Markt? <\/p>\n<p> Dieses Jahr kommt der Audi RS5 \u2013 ein hochemotionales Produkt als Sechs-Zylinder-Hybrid. Dann folgen die SUVs Q7 und Q9. Mitte des Jahres bekommt der Audi Q4 e-tron ein Facelift. Ende des Jahres folgt der A2 e-tron als vollelektrisches Einstiegsfahrzeug f\u00fcr die auslaufenden Modelle A1 und Q2. <\/p>\n<p> Kann man sich eigentlich den Industriestandort Europa bei den hohen Personal- und Energiekosten dauerhaft leisten? <\/p>\n<p> Bis 2029 planen wir Investitionen in H\u00f6he von rund acht Milliarden Euro in die deutschen Standorte. Wir glauben an den Standort, sonst w\u00fcrden wir das nicht tun. Wir haben Vorteile, die andere Regionen nicht haben. Aber wir m\u00fcssen die Kosten senken. F\u00fcr die deutschen Standorte haben wir zum Beispiel einen Stellenabbau vereinbart (7500 Jobs bis 2033, Anm.), was aber eben auch Effizienz erfordert. <\/p>\n<p> Audi ist heuer neu in die Formel 1 eingestiegen. Wie erkl\u00e4ren Sie den Mitarbeitern, dass man hunderte Millionen Euro in die F1 steckt, w\u00e4hrend gleichzeitig \u00fcberall gespart werden muss? <\/p>\n<p> Der Business-Case ist deutlich positiver, als man das von au\u00dfen vielleicht glaubt. Dazu tr\u00e4gt unter anderem die neue Kostendeckelung bei. Wir machen das zudem nicht allein, sondern mit starken Sponsoren und Partnern. Die Reichweite der Formel 1 ist riesig, besonders bei jungen Menschen, und es gibt auch einen \u00fcberraschend hohen Anteil an Frauen, die sich daf\u00fcr interessieren. Das Interesse zieht sich durch alle Generationen. F\u00fcr die Mannschaft ist das eine enorme Motivation. Audi hat eine starke Motorsport-Historie \u2013 denken Sie beispielsweise an die Rallye Dakar. Die Formel 1 hilft uns, das Motto \u201eVorsprung durch Technik\u201c f\u00fcr die Marke authentisch aufzuladen und mit technischen Innovationen auch die Serienmodelle zu inspirieren. Gesamtheitlich betrachtet ist das Projekt f\u00fcr uns absolut positiv. <\/p>\n<p>                    Zur Person                               <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/A244063_large.jpg\" alt=\"&lt;strong&gt;Marco Schubert&lt;\/strong&gt; ist seit September 2024 als Mitglied des Vorstands von Audi f\u00fcr Vertrieb und Marketing und als Mitglied der Erweiterten Konzernleitung des Volkswagen-Konzerns f\u00fcr dessen Vertrieb verantwortlich. Schubert ist seit mehr als 30 Jahren in der Autoindustrie t\u00e4tig, davon allein 20 Jahre bei Audi. Mehr als die H\u00e4lfte seiner beruflichen Laufbahn verbrachte er an internationalen Standorten, unter anderem in Schweden und China.\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/>                                     <\/p>\n<p>Marco Schubert ist seit September 2024 als Mitglied des Vorstands von Audi f\u00fcr Vertrieb und Marketing und als Mitglied der Erweiterten Konzernleitung des Volkswagen-Konzerns f\u00fcr dessen Vertrieb verantwortlich. Schubert ist seit mehr als 30 Jahren in der Autoindustrie t\u00e4tig, davon allein 20 Jahre bei Audi. Mehr als die H\u00e4lfte seiner beruflichen Laufbahn verbrachte er an internationalen Standorten, unter anderem in Schweden und China.\u2003Werk<\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dieselskandal, Absatzr\u00fcckg\u00e4nge, Technikprobleme: Audi hat keine leichte Zeit hinter sich. 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