{"id":66466,"date":"2026-03-26T06:18:06","date_gmt":"2026-03-26T06:18:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/66466\/"},"modified":"2026-03-26T06:18:06","modified_gmt":"2026-03-26T06:18:06","slug":"asien-statt-europa-fluessiggas-stroemt-dorthin-wo-mehr-gezahlt-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/66466\/","title":{"rendered":"Asien statt Europa: Fl\u00fcssiggas str\u00f6mt dorthin, wo mehr gezahlt wird"},"content":{"rendered":"<p>Europa verliert im globalen Markt f\u00fcr verfl\u00fcssigtes Erdgas (LNG) an Boden. Asiatische Abnehmer \u00fcberbieten die Konkurrenz bei den knappen Lieferungen. Schiffsdaten zeigen, dass mehrere Tanker mitten auf See den Kurs \u00e4ndern, fast ein Dutzend Atlantik-Ladungen wurde umgeleitet.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Der Wettlauf um LNG spitzt sich zu. Die <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/03\/17\/strasse-hormus-oel-duenger\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stra\u00dfe von Hormus<\/a>, ein zentraler Energie-Knotenpunkt, \u00fcber den rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Angebots laufen, bleibt weiter in der Hand der iranischen Beh\u00f6rden. Sie halten die Meerenge als Vergeltung f\u00fcr Raketenangriffe der USA und Israels vor knapp einem Monat faktisch in Geiselhaft.<\/p>\n<p>Die Lieferprobleme haben sich versch\u00e4rft, seit <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/03\/19\/angriffe-auf-energiezentren-am-golf-gefahrden-monatelang-weltweite-lng-versorgung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Angriffe auf die qatarische Anlage Ras Laffan<\/a>, den gr\u00f6\u00dften LNG-Standort der Welt, den Energieproduzenten zwangen, am Dienstag f\u00fcr Vertr\u00e4ge mit Belgien, Italien und Polen h\u00f6here Gewalt zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Europa bezieht nur einen kleinen Teil seines Gases \u00fcber diese Engstelle und k\u00e4mpft vor allem mit <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/03\/02\/europaische-gaspreise-springen-nach-qatar-lng-stopp-um-bis-zu-45-prozent\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Preisspr\u00fcngen<\/a> und punktuellen Ausf\u00e4llen. In Asien h\u00e4ngt dagegen rund 80 % der Energieversorgung von Hormus ab. Taiwan, ein wichtiger Chiphersteller, meldete am Dienstag Gasvorr\u00e4te f\u00fcr weitere elf Tage.<\/p>\n<p>Seit Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten am 28. Februar steigt die Zahl der umgeleiteten LNG-Tanker stetig. Nach Daten des Analysehauses Kpler sollen die letzten qatarischen Ladungen bis zum 27. M\u00e4rz das Vereinigte K\u00f6nigreich und Italien erreichen.<\/p>\n<p>&#8222;Wir haben elf LNG-Ladungen, die nachweislich von Europa nach Asien umgeleitet wurden, dazu zwei von Europa nach \u00c4gypten und eine von Europa in die T\u00fcrkei&#8220;, sagte Laura Page, Insight Manager LNG &amp; Natural Gas bei Kpler, gegen\u00fcber Euronews.<\/p>\n<p>Die Eskalation treibt die globalen LNG-Preise nach oben. Marktteilnehmer f\u00fcrchten ein knapperes Angebot bei allen Atlantik-Transporten. F\u00fcr Europa ist das heikel: Die F\u00fcllsaison der Gasspeicher beginnt gerade.<\/p>\n<p>&#8222;Zum Gl\u00fcck endet jetzt die Heizperiode, der Gasverbrauch geht also zur\u00fcck. Die Krise birgt aber gro\u00dfe Risiken f\u00fcr Europa in der anstehenden Auff\u00fcllphase. Und sie k\u00f6nnte den Kontinent im kommenden Winter vor Probleme stellen, falls die Speicher nicht auf ein ausreichendes Niveau kommen&#8220;, sagte Page.<\/p>\n<p>Der niederl\u00e4ndische TTF-Index, die wichtigste Gro\u00dfhandelsreferenz f\u00fcr Erdgas in Europa, lag am Dienstag bei rund 53 bis 54 Euro pro Megawattstunde (MWh), nachdem er im Tagesverlauf kurz \u00fcber 60 Euro gestiegen war. Die Notierungen liegen damit zwar etwas unter den Zwischenhochs der Woche, aber noch immer deutlich \u00fcber dem Niveau vor Beginn des Konflikts.<\/p>\n<p>Abnehmer in Asien zahlen derzeit etwa ein bis drei US-Dollar je MMBtu mehr f\u00fcr kurzfristige LNG-Lieferungen als Kunden in Europa. Der Aufpreis ist relativ gering, reicht aber aus, um Handelsstr\u00f6me zu verschieben.<\/p>\n<p>Die h\u00f6heren Erl\u00f6se veranlassen H\u00e4ndler, flexible Ladungen verst\u00e4rkt nach Osten zu schicken, wo die Transportkosten g\u00fcnstiger sind. Europa ringt unterdessen weiter um das knappe LNG-Angebot.<\/p>\n<p>Italien, Belgien, Polen suchen Ersatzlieferungen<\/p>\n<p>Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni reist am Mittwoch nach Algerien. Rom sucht dort Ersatz f\u00fcr die von Katar unterbrochenen Gaslieferungen, die bisher rund 30 % des j\u00e4hrlichen Bedarfs deckten.<\/p>\n<p>Eine am Dienstag ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/eccoclimate.org\/italy-could-replace-qatari-lng-in-one-year-with-renewables-and-energy-efficiency\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Studie<\/a> des Umwelt-Thinktanks ECCO kommt zu dem Schluss, dass Italien das katarische LNG binnen eines Jahres durch erneuerbare Energien und mehr Effizienz ersetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Installation von zehn Gigawatt neuer \u00d6kostrom-Kapazit\u00e4t pro Jahr w\u00fcrde den Gasverbrauch um 2,5 Milliarden Kubikmeter senken, argumentiert ECCO. Das entspr\u00e4che etwa 40 Prozent der Importe aus Katar.<\/p>\n<p>Weitere Hebel sind mehr Effizienz in Haushalten, Dienstleistungen und Industrie sowie die Elektrifizierung. Zur \u00dcberbr\u00fcckung der L\u00fccke bleibt Erdgas aus Algerien jedoch wichtig.<\/p>\n<p>&#8222;Den verbleibenden Anteil von f\u00fcnfzehn Prozent \u2013 etwa eine Milliarde Kubikmeter pro Jahr von insgesamt 6,4 Milliarden \u2013 k\u00f6nnte die Regierung laut Studie \u00fcber die bestehende Gasinfrastruktur abdecken, insbesondere \u00fcber die Pipelines zwischen Italien und Algerien.&#8220;<\/p>\n<p>In Belgien fallen die Ausf\u00e4lle durch Katar etwas geringer aus. Betroffen sind rund 8 Prozent der LNG-Mengen, die am Terminal in Zeebrugge anlanden.<\/p>\n<p>Der Netzbetreiber Fluxys erkl\u00e4rte, man suche aktiv nach alternativen Quellen, um die L\u00fccke zu schlie\u00dfen; erwartet werden LNG-Lieferungen aus den Vereinigten Staaten, aus Nigeria und aus Russland. Allerdings sollen Importe aus Russland bis 2027 vollst\u00e4ndig auslaufen, was die langfristigen Optionen begrenzt.<\/p>\n<p>Der polnische \u00d6l- und Gaskonzern Orlen teilte mit, die von QatarEnergy gestoppte LNG-Produktion \u2013 sie deckte 2025 weniger als zehn Prozent des eigenen Bedarfs \u2013 gef\u00e4hrde die Versorgungssicherheit des Landes nicht.<\/p>\n<p>Orlen verweist auf ein breit gestreutes Lieferportfolio und flexible Handelsinstrumente. Damit lasse sich LNG mit anderen Bezugsquellen kombinieren und m\u00f6gliche Ausf\u00e4lle ausgleichen.<\/p>\n<p>USA drohen EU mit schlechterem LNG-Zugang<\/p>\n<p>Inzwischen setzen die Vereinigten Staaten der Europ\u00e4ischen Union erneut ein Ultimatum und nutzen deren Verwundbarkeit angesichts stark gestiegener Energiepreise und drohender Engp\u00e4sse aus.<\/p>\n<p>Falls die EU-Abgeordneten das <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/03\/19\/eu-abgeordnete-abstimmung-eu-us-handelsabkommen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU-US-Handelsabkommen<\/a>, \u00fcber das am Donnerstag abgestimmt wird, nicht annehmen, k\u00f6nnte der Block nach den Worten des US-Botschafters in Europa, Andrew Puzder, seinen \u201ebevorzugten Zugang\u201c zu LNG von der anderen Seite des Atlantiks verlieren.<\/p>\n<p>&#8222;Ich wei\u00df nicht, was im Energiebereich passiert, falls das Abkommen nicht zustande kommt&#8220;, sagte Puzder am Montag der Financial Times.<\/p>\n<p>&#8222;Ich denke, die Vereinigten Staaten werden weiter mit Europa Gesch\u00e4fte machen wollen, aber die Bedingungen k\u00f6nnten weniger g\u00fcnstig sein. Das Umfeld wird ganz sicher weniger g\u00fcnstig sein. Und es gibt noch andere Abnehmer&#8220;, f\u00fcgte er hinzu.<\/p>\n<p>Im Rahmen des geplanten EU-US-Handelsabkommens sollen die 27 EU-Staaten bis 2028 j\u00e4hrlich \u00d6l, Gas und Nuklearenergie im Wert von rund 250 Milliarden US-Dollar (etwa 212 Milliarden Euro) in den USA einkaufen. Insgesamt ergibt das ein Volumen von etwa 750 Milliarden US-Dollar (rund 700 Milliarden Euro).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Europa verliert im globalen Markt f\u00fcr verfl\u00fcssigtes Erdgas (LNG) an Boden. 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