{"id":66875,"date":"2026-03-26T11:11:10","date_gmt":"2026-03-26T11:11:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/66875\/"},"modified":"2026-03-26T11:11:10","modified_gmt":"2026-03-26T11:11:10","slug":"nicht-jeder-genossenschaftsbau-braucht-ein-schwimmbad-am-dach-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/66875\/","title":{"rendered":"\u201eNicht jeder Genossenschaftsbau braucht ein Schwimmbad am Dach\u201c \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Elke Hanel-Torsch ist seit Mittwoch Wohnbau- und Frauenstadtr\u00e4tin. Sie \u00fcbernimmt das Ressort in einer schwierigen Zeit \u2013 mit zahlreichen offenen Baustellen.<\/p>\n<p>Der Job als Wohnbaustadtrat ist \u00fcberraschend oft ein Sprungbrett f\u00fcr eine steile politische Karriere. <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/werner-faymann\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" jeder=\"\" genossenschaftsbau=\"\" braucht=\"\" ein=\"\" schwimmbad=\"\" am=\"\" dach=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Werner Faymann<\/a> wurde Minister und sp\u00e4ter Bundeskanzler. <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/michael-ludwig\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" jeder=\"\" genossenschaftsbau=\"\" braucht=\"\" ein=\"\" schwimmbad=\"\" am=\"\" dach=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Michael Ludwig<\/a> stieg vom Wohnbaustadtrat zum B\u00fcrgermeister auf. Daher wurde am Mittwoch mit Interesse beobachtet, wie die bisherige rote Nationalratsabgeordnete Elke Hanel-Torsch als Wiener Wohnbau- und Frauenstadtr\u00e4tin angelobt wurde. Der Job wurde vakant, nachdem die bisherige Wohnbaustadtr\u00e4tin <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/kathrin-gaal\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" jeder=\"\" genossenschaftsbau=\"\" braucht=\"\" ein=\"\" schwimmbad=\"\" am=\"\" dach=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kathrin Ga\u00e1l<\/a> die Politik verl\u00e4sst und in den Vorstand der Sozialbau wechselt \u2013 einem gemeinn\u00fctzigen Wohnbaukonzern, an dem die SP\u00d6 beteiligt ist.<\/p>\n<p>Die Macht einer Wohnbaustadtr\u00e4tin liegt in mehreren Bereichen. Im Vergleich zu anderen Stadtrat-Ressorts gibt es sehr gute finanzielle M\u00f6glichkeiten, um sich werbem\u00e4\u00dfig zu positionieren. Dazu ist das Thema Wohnen ein rotes Kernthema: Mit rund 220.000 Gemeindewohnungen ist die Stadt der gr\u00f6\u00dfte kommunale Vermieter in Europa. Kaum ein anderer Bereich symbolisiert das Rote Wien so sehr wie die Wiener Gemeindebauten, in denen bei Wahlen traditionell ein rot-blauer Kampf um die Vorherrschaft tobt \u2013 auch weil das Thema Integration dort brennender ist als in anderen Teilen der Stadt. Nun \u00fcbernimmt Hanel-Torsch, die bisherige Vorsitzende der Mietervereinigung. Und sie \u00fcbernimmt unangenehme Baustellen.<\/p>\n<p>Zuerst das Positive: \u201eElke Hanel-Torsch ist eine ausgewiesene Expertin\u201c, erkl\u00e4rt Wolfgang Amann vom Institut f\u00fcr Immobilien, Bauen und Wohnen, der \u201ePresse\u201c. Das sei eine sehr gute Voraussetzung f\u00fcr das Wohnbauressort \u2013 nachdem diese Position nicht rein parteipolitisch mit jemandem ohne entsprechende Kompetenz besetzt worden sei. Allerdings gebe es \u201eumfangreiche Herausforderungen in den n\u00e4chsten Jahren\u201c, erkl\u00e4rt Amann. Anders formuliert: Die neue Wohnbaustadtr\u00e4tin steht ab sofort unter enormen Druck \u2013 eine politische Schonfrist wird es nicht geben.<\/p>\n<p>Knackpunkt sind massiv gestiegene Mieten (vor allem im privaten Sektor) \u2013 nicht nur wegen der in \u00d6sterreich hohen Inflation \u00fcber l\u00e4ngere Zeit, sondern auch wegen der Wirtschaftskrise, die zu einem massiven R\u00fcckgang der Baut\u00e4tigkeit gef\u00fchrt hat. \u201eEnde der 2010er-Jahren hatten wir den H\u00f6hepunkt mit mehr als 20.000 baubewilligten Wohnungen (pro Jahr, Anm.)\u201c, erkl\u00e4rt Amann: \u201e2025 waren es nur mehr knapp \u00fcber 8000.\u201c Wien w\u00fcrde aber rund 12.000 bis 13.000 neue Wohnungen pro Jahr brauchen. Versch\u00e4rft wird die Situation am Wohnungsmarkt dadurch, dass Wien bev\u00f6lkerungsm\u00e4\u00dfig weiterhin stark w\u00e4chst. Das treibt die Mieten im privaten Bereich nochmals stark an.<\/p>\n<p>F\u00fcr Hanel-Torsch wird das unangenehm \u2013 nachdem ihr Spielraum beschr\u00e4nkt ist. Die Entwicklung im gef\u00f6rderten Wohnbau ist laut Amann \u201eeinigerma\u00dfen konstant\u201c. Allerdings ist der gewerbliche Wohnbau eingebrochen. Einerseits wegen der Wirtschaftskrise, weshalb Projekte verschoben wurden. Andererseits durch das (zu hohe) Zinsniveau f\u00fcr private Wohnbautr\u00e4ger. Die Folge: Es gibt zu wenig frei finanzierte Eigentumswohnungen und zu wenig frei finanzierte Mietwohnungen, die meist von internationalen Fonds errichtet w\u00fcrden, so Amann: \u201eDie haben sich zur\u00fcckgezogen und kommen erst wieder wenn die (Kredit-)Zinsen entsprechend sind.\u201c Dasselbe gelte f\u00fcr den Bau von Vorsorgewohnungen.<\/p>\n<p>Das bedeutet: Der Wohnbau am freien Markt ist massiv eingebrochen, der st\u00e4dtische und gef\u00f6rderte Wohnbau ist konstant, kann das aber nicht ansatzweise kompensieren \u2013 im Gegenteil. Wien leidet unter Rekordschulden und einem Rekord-Defizit, derzeit wird ein radikaler Sparkurs gefahren. Das bedeutet, dass auch im sozialen Wohnbau gespart werden muss. Dazu kommt: Durch den Mietpreisdeckel, den Vizekanzler <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/andreas-babler\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" jeder=\"\" genossenschaftsbau=\"\" braucht=\"\" ein=\"\" schwimmbad=\"\" am=\"\" dach=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Andreas Babler<\/a> durchgesetzt hat, fehlt den gemeinn\u00fctzigen Wohnbautr\u00e4gern Geld f\u00fcr den Bau von zus\u00e4tzlichen Wohnungen. <\/p>\n<p>Welche Option bleibt der neuen Wohnbaustadtr\u00e4tin? \u201eMan muss sich auf das Wesentliche fokussieren\u201c, erkl\u00e4rt Amann: \u201eNicht jeder Genossenschaftsbau braucht ein Schwimmbad am Dach.\u201c Was Amann meint: Viele Genossenschaftsbauten wurden in besseren Zeiten mit angenehmen Optionen ausgestattet, die heute nicht mehr leistbar sind. Deshalb pl\u00e4diert der Wohnbauexperte f\u00fcr eine R\u00fcckkehr zu den Wurzeln des sozialen Wohnbaus mit dem Fokus auf leistbaren Wohnungen, selbst, wenn es auf Kosten des Komforts gehen sollte und Gemeinschaftsr\u00e4ume, Fitnessr\u00e4ume etc. eingespart werden m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Die zweite Baustelle der Wohnbaustadtr\u00e4tin sind die Wiener Gemeindebauten. Derzeit werden rund 100 saniert, 300 weitere sollen folgen, hier gibt es massive Verz\u00f6gerungen bei den Sanierungen, die auch die Kosten treiben, wie der Stadtrechnungshof in der Vergangenheit festgestellt hat. Dazu muss die Wohnbaustadtr\u00e4tin entscheiden, ob Wien eine Leerstandsabgabe f\u00fcr ungenutzte Wohnungen einf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Als Frauenstadtr\u00e4tin hat Kathrin Ga\u00e1l ihrer Nachfolgerin ein geordnetes Haus \u00fcbergeben. 2022 hatte sie die gr\u00f6\u00dfte Frauenbefragung in der Geschichte Wiens gestartet und das f\u00fcnfte Frauenhaus er\u00f6ffnet. Zumindest in diesem Bereich hat Hanel-Torsch relativ wenig Baustellen.<\/p>\n<p>                         Zur Person<\/p>\n<p>Elke Hanel-Torsch wurde 1981 in St. Veit an der Glan geboren, studierte in Wien Rechtswissenschaften und begann 2006 als Juristin in der Mietervereinigung Wien, wo sie bis zur Landesvorsitzenden aufstieg. Seit Mittwoch ist sie neue Wohnbau- und Frauenstadtr\u00e4tin. <\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Elke Hanel-Torsch ist seit Mittwoch Wohnbau- und Frauenstadtr\u00e4tin. 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