{"id":66970,"date":"2026-03-26T12:09:09","date_gmt":"2026-03-26T12:09:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/66970\/"},"modified":"2026-03-26T12:09:09","modified_gmt":"2026-03-26T12:09:09","slug":"soziale-medien-machen-suechtig-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/66970\/","title":{"rendered":"Soziale Medien machen s\u00fcchtig \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Das Urteil wurde mit Spannung erwartet. Immerhin ging es um die Frage, ob die Tech-Konzerne erstmals f\u00fcr die Auswirkungen ihrer Produkte auf die psychische Gesundheit verantwortlich gemacht werden. Mehr als sieben Wochen wurde am Obersten Gerichtshof von Los Angeles verhandelt. Neun Tage lang besch\u00e4ftigte sich davon die Jury intensiv mit der Frage, ob Meta (Facebook) und Alphabet (Youtube) ihre Social-Media-Apps wissentlich und bewusst suchterzeugend gestaltet haben. Und die Geschworenen kamen zu einem klaren Ergebnis und verurteilten die beiden Tech-Konzerne mit einer Gesamtstrafe von sechs Millionen US-Dollar, wobei 70 Prozent auf Meta fallen und 30 Prozent auf Youtube. Fest steht: Die Summe ist weit entfernt von den h\u00f6chsten Strafen, die je gegen diese beiden Unternehmen verh\u00e4ngt wurden. Vielmehr geht es darum, was noch auf die Social-Media-Konzerne zukommen k\u00f6nnte. Insgesamt stehen mehr als 1600 \u00e4hnlich gelagerte Klagen im Raum. Die B\u00f6rsen reagieren auf das Urteil verhalten. <\/p>\n<p>Die Entscheidung, die am Mittwoch in einer ersten Klage ihrer Art getroffen wurde, k\u00f6nnte den Ausgang von Tausenden \u00e4hnlicher F\u00e4lle beeinflussen, in denen Social-Media-Unternehmen beschuldigt werden, Kindern vors\u00e4tzlich Schaden zuzuf\u00fcgen. <\/p>\n<p>Worum geht es in dem Prozess? Die Kl\u00e4gerin, identifiziert durch ihre Initialen KGM, sagte aus, dass sie als Kind s\u00fcchtig nach sozialen Medien wurde und dass diese Sucht ihre psychischen Gesundheitsprobleme verschlimmerte. Sie schilderte davon, wie sie bereits im Alter von zehn Jahren mit Depressionen zu k\u00e4mpfen hatte und wie sich infolgedessen auch die Beziehung zu ihren Eltern verschlechterte. Bereits im Alter von 13 Jahren wurde sie wegen einer K\u00f6rperdysmorphie behandelt. Dabei handelt es sich um eine St\u00f6rung der Selbst- und Au\u00dfenwahrnehmung, bezogen auf den eigenen K\u00f6rper. Untermauert wurden diese Schilderungen durch Therapeuten. Aber auch durch interne Studien von Facebook selbst. Publik wurden diese durch die Whistleblowerin und ehemalige Facebook-Angestellte Frances Haugen bereits 2021, die Tausende Akten und Studien des Unternehmens dem US-Kongress vorlegte. Darin stellten interne Untersuchungen einen direkten Zusammenhang fest, den Instagram auf die psychische Gesundheit von jungen Menschen, vornehmlich M\u00e4dchen, aus\u00fcbt. <\/p>\n<p>\u201eDas heutige Urteil ist ein historischer Moment \u2013 f\u00fcr KGM und f\u00fcr die Tausenden Kinder und Familien, die auf diesen Tag gewartet haben\u201c, sagten die Anw\u00e4lte von KGM am Mittwoch in einer schriftlichen Erkl\u00e4rung. Und was sagen die beiden verurteilten Unternehmen? Sie k\u00fcndigen an, gegen das Urteil zu berufen und weisen jede Verantwortung von sich. Meta sagte: \u201eDie psychische Gesundheit von Teenagern ist zutiefst komplex und kann nicht mit einer einzigen App verkn\u00fcpft werden. Weiters hei\u00dft es:  \u201ewir werden uns weiterhin energisch verteidigen, da jeder Fall anders ist, und wir bleiben zuversichtlich in unsere Erfolgsbilanz beim Schutz von Teenagern im Internet.\u201c Ein Sprecher von Google sagte: \u201eDieser Fall missversteht YouTube, das eine verantwortungsbewusst aufgebaute Streaming-Plattform ist, keine Social-Media-Webseite.\u201c Beide Unternehmen bestreiten somit weiter jegliches Fehlverhalten. <\/p>\n<p>Dabei geht aus eben diesen Unterlagen hervor, dass man sich dieser Problematik sehr wohl bewusst ist. In einer der Pr\u00e4sentationen gibt es einen Vermerk, wonach festgehalten wird von den Verantwortlichen \u201ealles schlimmer zu machen\u201c. Denn der Algorithmus ist nicht neutral und nicht darauf ausgelegt, binnen weniger Minuten auf dem neuesten Stand zu sein. Sondern die Plattformen wollen, dass man so lange wie m\u00f6glich online ist. Experten nennen es ein \u201emanipulatives Design\u201c. In vielen F\u00e4llen werden diese Mechanismen, die in unseren Gehirnen eine massive Dopaminaussch\u00fcttung anregen, mit den Gefahren des Gl\u00fccksspiels verglichen. <\/p>\n<p>Das Urteil in Los Angeles kam einen Tag, nachdem eine Jury in New Mexico\u00a0Meta f\u00fcr die Art und Weise verantwortlich gemacht hatte, wie seine Plattformen Kinder gef\u00e4hrdeten\u00a0und sie sexuell explizitem Material ausgesetzt hatten, wodurch infolge sie auch ins Visier von P\u00e4dophilen gerieten. <\/p>\n<p>Mike Proulx von der Beratungsfirma Forrester sieht in den beiden Urteilen einen Wendepunkt. \u201eDie negative Stimmung gegen\u00fcber Sozialen Medien hat sich seit Jahren aufgebaut, und jetzt ist sie endlich \u00fcberkocht\u201c, sagte Proulx. Dabei sei nicht mehr die Frage, ob sich in Bezug auf diese Plattformen etwas \u00e4ndern wird, denn \u2013 davon geht Proulx aus \u2013 es wird sich etwas \u00e4ndern m\u00fcssen. <\/p>\n<p>In Australien gilt seit Jahresbeginn eine Altersbeschr\u00e4nkung zur Nutzung von Social-Media-Plattformen. In Europa und vielen weiteren L\u00e4ndern wird \u00e4hnliches diskutiert. <\/p>\n<p>In der Psychologie sind die problematischen Zusammenh\u00e4nge von Sozialen Netzwerken l\u00e4ngst angekommen. Besonders Instagram, das das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild in Form von Fotos und Videos in den Vordergrund stellt. Hierf\u00fcr werden spezielle Filter angeboten, um einen h\u00fcbscher aussehen zu lassen. Der \u201eInstagram-Effekt\u201c in der Psychologie beschreibt die vielf\u00e4ltigen, oft negativen Auswirkungen der Nutzung der Plattform Instagram auf das mentale Wohlbefinden, das Selbstbild und das Verhalten von Nutzern. Er ist gepr\u00e4gt von st\u00e4ndiger sozialer Vergleichbarkeit, der Darstellung idealisierter Realit\u00e4ten und dem Streben nach Best\u00e4tigung durch Likes und Kommentare.<\/p>\n<p>Die Aktien von Meta und Alphabet reagierten nur verhalten auf das Urteil. Seit Jahresbeginn liegen beide Werte allerdings im Minus: Alphabet hat acht, Meta zehn Prozent verloren. Das hat jedoch mit der allgemeinen Skepsis gegen\u00fcber hochbewerteten Technologieriesen im Zusammenhang mit k\u00fcnstlicher Intelligenz zu tun. Alle Magnificent-Seven-Werte haben nachgegeben, am st\u00e4rksten Microsoft mit 23 Prozent. <\/p>\n<p>Ein weiterer Fall gegen Meta und andere Social-Media-Plattformen wegen ihres Einfluss auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen soll im Juni vor dem kalifornischen Bundesgericht beginnen. <\/p>\n<p>        Die h\u00f6chsten Strafen gegen Meta und Alphabet <\/p>\n<p>2017 Alphabet (Google) Strafe: 2,42 Milliarden Euro Grund: Wettbewerb \u2013 Google Shopping<br \/>2019 Meta Strafe: 5 Milliarden Dollar Grund: Cambridge Analytica <br \/>2021 Meta (WhatsApp) Strafe: 225 Millionen Euro  Grund: Versto\u00df gegen die DSGVO \u2013 Transparenz\u00a0<br \/>2022 Meta (Instagram) Strafe: 405 Millionen Euro Grund: DSGVO, Sammlung von Kinderdaten <br \/>2022 Alphabet (Google) Strafe: 90 Millionen Euro Grund: Tracking durch Cookies <br \/>2023 Meta Strafe 1,2 Milliarden Euro Grund: Datentransfer in die USA <br \/>2023 Meta Strafe 1,4 Milliarden Dollar Grund: Einsatz von Gesichtserkennung <\/p>\n<p>Innerhalb von neun Jahren wurden gegen Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp) weltweit Strafen in H\u00f6he von knapp 8 Milliarden Dollar verh\u00e4ngt. Bei Alphabet (Google, Youtube) waren es insgesamt mehr als 18 Milliarden Euro (inklusive allen EU-Kartellstrafen). <br \/>Bytedance, das hinter TikTok steht, kam bislang glimpflich davon und h\u00e4lt derzeit bei einer Summe von knapp 875 Millionen Euro. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Urteil wurde mit Spannung erwartet. 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