{"id":6862,"date":"2026-02-22T15:59:08","date_gmt":"2026-02-22T15:59:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/6862\/"},"modified":"2026-02-22T15:59:08","modified_gmt":"2026-02-22T15:59:08","slug":"die-letzten-zwei-jahre-im-leben-des-prince-rolling-stone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/6862\/","title":{"rendered":"Die letzten zwei Jahre im Leben des Prince \u2014 Rolling Stone"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/285e4edf81414df2a61f74bdbc78bf03.gif\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Kurz vor Weihnachten, am 12. Dezember 2015, schenkte <a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/prince-sign-o-the-times-rolling-stone-titelgeschichte-2039807\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Prince<\/a> der Welt eine \u00dcberraschung. Er ver\u00f6ffentlichte das Album \u201eHit and Run Phase Two\u201c. Wer es auflegte, h\u00f6rte, ohne es zu ahnen, nach rund 55 Minuten die letzten Worte, die Prince zu Lebzeiten ver\u00f6ffentlichte: \u201eThe Big City so pretty \/ Oh yeah \/ Taking back the lane give it to the next man, plane \/ Foxy and you what you wanna do?\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.musik-magazine.de\/rolling-stone-03-26-02\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&gt;&gt;&gt; Hier bestellen: Die exklusive Vinyl-Single in ROLLING STONE 02\/26!<\/a><\/p>\n<p>Die \u00dcbersetzung ins Deutsche ergibt wenig Sinn, zumal Prince seine Lyrics oft im Bewusstseinsstrom formulierte; spielerisch aneinandergereihte W\u00f6rter im Funk-Groove, hier in einer Erz\u00e4hlung \u00fcber junge Menschen mit gro\u00dfen Tr\u00e4umen in gro\u00dfen St\u00e4dten.<\/p>\n<p>So ganz vorbei war der Song aber noch nicht. \u201eBig City\u201c endet mit diesen zwei Worten: \u201eThat\u2019s it\u201c. Und es folgt ein weiteres Ende. Eine 45-sek\u00fcndige Stille als programmierter Abschluss des Lieds. Eine beabsichtigte lange, inszenierte Stille, damit H\u00f6rer dem Album auch dann noch zugewandt bleiben, wenn die Musik l\u00e4ngst verstummt ist.<\/p>\n<p>131 Tage sp\u00e4ter<\/p>\n<p>Und dann ist \u201eHit and Run Phase Two\u201c wirklich vorbei. That\u2019s it.<\/p>\n<p>131 Tage sp\u00e4ter ist Prince tot. Mitarbeiter finden ihn leblos in einem Fahrstuhl im Paisley Park, seinem Studio- und Wohnkomplex in Minneapolis. \u201eHit and Run Phase Two\u201c, der Nachfolger des gerade mal im September 2015 erschienenen Albums \u201eHit and Run Phase One\u201c, wurde zu seinem Verm\u00e4chtnis. Ein ungeplantes Verm\u00e4chtnis, denn anders als die finalen Platten der todkranken Freddie Mercury (\u201eInnunendo\u201c) oder David Bowie (\u201eBlackstar\u201c) waren die \u201eHit and Run\u201c-Alben keine geplanten Abschiedswerke. Prince\u2018 Tod am 21. April 2016 war ein Unfall, er starb durch eine versehentliche \u00dcberdosis Fentanyl.<\/p>\n<p>23 Songs, alles Prince<\/p>\n<p>\u201ePhase One\u201c und \u201eTwo\u201c enthielten keine Abschiedsbotschaften, aber sie enthielten in 23 Songs alles, was Prince seit Karrierebeginn 1978 ausgezeichnet hatte. Soul, Romanze, Petting, Eifersucht, Sex, Party, aber auch Signale an eine Welt, die ihm Sorge bereitete. \u201ePhase One\u201c beginnt sogar wie eine Best-of von Prince, arrangiert allein im Er\u00f6ffnungslied \u201eMillion $ Show\u201c: Auf ein Multi-Stimmen-Sample aus seinem Deb\u00fctalbumst\u00fcck \u201eFor You\u201c folgt ein Sample der ber\u00fchmten \u201e1999\u201c-Intro-Ank\u00fcndigung \u201eDon\u2019t worry, I won\u2019t hurt you\u201c, und schlie\u00dflich die noch ber\u00fchmtere, feierliche Kirchenorgel-Einleitung aus \u201eLet\u2019s Go Crazy\u201c.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p>Wie eine letzte Werkschau vor dem Ableben also. Die Pointe besteht darin, dass Prince in der Nabelschau von \u201eMillion $ Show\u201c als S\u00e4nger seine Gesangspartnerin Judith Hill nur flankiert, er selbst ist kaum zu vernehmen. Auch Rita Ora (\u201eAin\u2019t About To Stop\u201c), Curly Fryz (\u201eLike a Mack\u201c) und Lianne La Havas (\u201eMr. Nelson\u201c) singen mit. Und Prince stellt die Drei nicht einfach aus, denn im Laufe der Jahre \u00e4hnelten seine Duette immer mehr Freestyles, in denen er staunt und beobachtet.<\/p>\n<p>Das swingende \u201eMr. Nelson\u201c (sein Geburtsname ist Prince Rogers Nelson) besteht allein aus der wiederholten, verzerrt vokalisierten Anrede \u201eMr. Nelson\u201c sowie der Zeile: \u201eWe don\u2019t need no clouds, no \/ Where you are now \/ Is a place that does not require time.\u201c In Anbetracht seines baldigen Ablebens eine traurige, aber auch friedvolle Beschreibung.<\/p>\n<p>Die Vorabsingle \u201eFallinlove2nite\u201c ist Classic Prince: Vollmondnacht, zwei Menschen tanzen und verlieben sich, dazu der Wunsch, nebeneinander aufzuwachen und dann zu sehen, was der Tag bringt. Typisch Prince ist auch, dass er die Sache bis zum Ende denkt \u2013 er beschreibt die Ver\u00e4nderung k\u00f6rperlicher Zust\u00e4nde (\u201e\u2018bout to go hard\u201c) ebenso wie den Anspruch, allein deshalb auch alle anderen Menschen begl\u00fccken zu k\u00f6nnen, also auch die, die gar nicht mit ihm in die Kiste wollen \u2013 \u201ey\u2019all ready for me!\u201c.<\/p>\n<p>Seven-Inch in ROLLING STONE 01\/2026<\/p>\n<p>\u201eFallinlove2nite\u201c ist der ROLLING-STONE-Ausgabe 01\/2026 als weltexklusive Seven-Inch-Single beigelegt, mit dem durch schwere Wah-Wah-Effekte getragenen Albumst\u00fcck \u201eHardrocklover\u201c als B-Seite.<\/p>\n<p>F\u00fcr \u201eHit and Run Phase Two\u201c arbeitete Prince eng mit Chris James zusammen. Der in Memphis geborene Musiker nahm f\u00fcr diese Platte, als auch die Prince-Werke \u201ePlectrumelectrum\u201c und \u201eArt Offical Age\u201c, eine Rolle ein, die nach Prince-Ma\u00dfst\u00e4ben einer Art Kronprinzenstatus entsprach: James fungierte als sein Toningenieur.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.musik-magazine.de\/rolling-stone-03-26-02\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&gt;&gt;&gt; Hier bestellen: Die exklusive Vinyl-Single in ROLLING STONE 02\/26!<\/a><\/p>\n<p>Toningenieure haben immer lustige Geschichten \u00fcber Prince zu erz\u00e4hlen. Sie mussten st\u00e4ndig erreichbar sein, weil der Meister zu jeder Tages- und Nachtzeit aufnehmen wollte; Life-Work-Balance als gigantische Herausforderung. Der Garmisch-Partenkirchener Hans-Martin Buff etwa, der unter anderem das \u201eEmancipation\u201c-Album von 1996 betreute, erz\u00e4hlte von den wortkargen Instruktionen des Prince, der seine magischen Ideen nie erkl\u00e4ren wollte: \u201eEinfach diesen Knopf am Mischpult um drei Level nach rechts drehen.\u201c<\/p>\n<p>Susan Rogers, die f\u00fcr das Meisterwerk \u201eSign O\u2018 The Times\u201c an den Reglern sa\u00df, schwieg besch\u00e4mt zur Aufnahme von \u201eThe Ballad of Dorothy Parker\u201c, dessen dumpfer Sound von ihr verursacht wurde, weil sie das Lied bei einer \u00dcberspielung falsch entzerrte. Aber Prince war begeistert, hielt dies f\u00fcr einen bewussten Lo-Fi-Effekt und nahm die Ballade mit diesem Klangbild aufs Album.<\/p>\n<p>Chris James \u00fcber st\u00e4ndige Bereitschaft<\/p>\n<p>\u201eEs gab viele Herausforderungen bei der Arbeit mit Prince\u201c, sagt auch Chris James. \u201eDie gr\u00f6\u00dfte Herausforderung war auch hier, sich an die zuf\u00e4lligen Anforderungen von jemandem anzupassen, der sich nicht an normale Arbeitszeiten halten konnte. Wenn die Inspiration kam, und sie kam st\u00e4ndig, rief er mich zu allen Tages- und Nachtzeiten aus dem Country Inn zu sich.\u201c<\/p>\n<p>James habe nie gewusst, welche Instrumentierung oder welche Vibes involviert sein k\u00f6nnten. \u201eAkustische Drums oder Drumcomputer aufzunehmen, Klaviere oder Synthesizer, Gitarren oder Bass \u2013 ohne eine andere Person au\u00dfer mir selbst? Das erforderte ein Ma\u00df an st\u00e4ndiger Bereitschaft, das nicht so notwendig war, als ich mit Frank Ocean, Ashanti oder Paramore arbeitete.\u201c<\/p>\n<p>Diese Konzentration auf den Moment der Aufnahme stand im Kontrast zu den Rahmenbedingungen, unter denen Prince Mitte der 2010er-Jahre arbeitete. W\u00e4hrend im Studio maximale Kontrolle herrschte, geriet das Gesch\u00e4ftsmodell, auf dem seine Karriere jahrzehntelang aufgebaut hatte, zunehmend unter Druck. Unter sinkenden Plattenverk\u00e4ufen hatten seit dem Siegeszug digitaler Musikdistribution ab Mitte der Nullerjahre und der Er\u00f6ffnung des iTunes-Stores alle gro\u00dfen K\u00fcnstler zu leiden.<\/p>\n<p>Kontrolle im Studio, Druck im Gesch\u00e4ft<\/p>\n<p>Im Jahr 2004 war Prince \u2013 nach Jahren mittelm\u00e4\u00dfiger Alben, Streit mit dem Label und dem Versuch einer Neuerfindung als \u201eThe Artist formerly known as Prince\u201c (TAFKAP) \u2013 mit \u201eMusicology\u201c zwar ein Comeback gelungen. Aber zum Legacy-K\u00fcnstler wurde er durch klug ausgesuchte Auftritte in ungewohnten Umgebungen.<\/p>\n<p>Bei der posthumen Einf\u00fchrung George Harrisons in die Rock and Roll Hall of Fame stand Prince f\u00fcr eine Live-Darbietung von \u201eWhile My Guitar Gently Weeps\u201c neben Tom Petty, Steve Winwood, Jeff Lynne und Dhani Harrison auf der B\u00fchne, spielte ein ungeplant langes Gitarrensolo und lie\u00df sich auch nicht durch dezente Signale Pettys (sein einsetzender Backgroundgesang) unterbrechen.<\/p>\n<p>Aus der Hommage an ein Beatles-Lied wurde eine selbstvergessene Prince-Fanfare, was \u00fcberangestrengte Kritiker auch als emanzipatorischen Akt gegen\u00fcber dem wei\u00dfen Mann, der die Musikindustrie lange genug beherrscht hatte, verstanden wissen wollten. Am Ende schmiss Prince seine Gitarre \u00fcber seinen Kopf und verschwand wortlos von der B\u00fchne. Petty, Winwood, Lynne und George Harrisons Sohn konnten zusehen, wie sie allein ihren Abgang gestalten.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p>Chris James erkannte in dem Auftritt in der Ruhmeshalle des Rock eher eine \u201esubtile Ironie\u201c: \u201ePrince lie\u00df die Leute das Original vergessen. Ich durfte solche Auftritte im Studio und bei Proben die ganze Zeit h\u00f6ren \u2013 einige davon wurden bis heute von keiner anderen lebenden Person geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>Es folgten nicht minder gefeierte Auftritte wie mit Beyonc\u00e9 bei den Grammys 2004, ein Headliner-Gig des f\u00fcr Festivalstippvisiten nicht bekannten Prince in Coachella 2008 und Roskilde 2010 sowie seine Performance in der Halbzeitshow des Super Bowls 2013, in vielen Kritikerlisten als beste Halbzeitshow-Performance aller Zeiten bezeichnet. Er spielte \u201ePurple Rain\u201c im str\u00f6menden Regen Miamis und wandelte auf seinen Stilettos wie ein Geist \u00fcber die glitschigen Laufstege, wohl wissend, dass er niemals ausrutschen w\u00fcrde, weil jemand da oben \u00fcber ihn wacht.<\/p>\n<p>Diese Reisen machten Prince nicht nur einer neuen Generation von Fans bekannt, sondern erinnerten an das, was viele, irritiert durch die Jahre seiner eigenen Selbstfindung, vergessen hatten: dass Prince ein B\u00fchnenk\u00fcnstler ist, der jeden elektrisiert, ob im Saal einer Preisverleihung oder einem Footballstadion.<\/p>\n<p>Triumphz\u00fcge der 2000er und 2010er<\/p>\n<p>Die Zehnerjahre wiederum verliefen turbulent f\u00fcr Prince. Mit \u201e20Ten\u201c gelang ihm ein Coup, weil er das Album weltweit diversen Zeitungen oder Zeitschriften beilegen lie\u00df (in Deutschland dem ROLLING STONE), was nicht nur die Zeitungsauflagen massiv erh\u00f6hte, sondern nat\u00fcrlich auch seine Musik in etliche Haushalte mehr bef\u00f6rderte. Dann geschah etwas, von dem man sich vorstellen muss, dass Prince schwer darunter litt, auch wenn er sich dazu nur vage ge\u00e4u\u00dfert hat: Vier Jahre lang kein Studioalbum.<\/p>\n<p>Was hat Prince in dieser Zeit blo\u00df getrieben? Entt\u00e4uscht sei er von der Musikindustrie, gab er zu Protokoll. Er glaube nicht mehr an das Album als entscheidenden Verkaufstr\u00e4ger, um seine Lieder optimal vertreiben zu k\u00f6nnen. Eine Alternative aber fiel ihm auch nicht ein. Was soll man sagen: Prince behauptete auch mal, \u201eThe Internet ist Dead\u201c, und stellte anschlie\u00dfend mehrere Batzen Songs ins Netz. Prince war entgegen vielen Behauptungen kein Perfektionist \u2013 er haute am liebsten sofort alles raus, was er aufnahm, mitsamt Fehler, was im Webzeitalter noch leichter ging. Nur ein Album, das lie\u00df auf sich warten.<\/p>\n<p>2014: Zwei Alben, neue Band, neuer Afro<\/p>\n<p>Prince ver\u00f6ffentlichte 2014 dann gleich zwei Platten, \u201ePlectrumelectrum\u201c und \u201eArt Official Age\u201c und stellte mit 3rdEyeGirl ein neues, nie zuvor pr\u00e4sentiertes Live-Band-Arrangement vor: zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, er als alleiniger Mann unter drei Frauen, Donna Grantis, Ida Nielsen, Hannah Welton. Zudem traf Prince eine politische Entscheidung, die er rein \u00fcber sein \u00c4u\u00dferes kommunizierte. Prince trug einen Afro, wie zuletzt 1978. Natural Hair als Hinweis auf Identit\u00e4t, Widerstand und kulturelle Selbstbestimmung. Den Afro trug er gar bis zu seinem Tod, also noch zwei weitere Jahre. F\u00fcr Prince, der normalerweise zu jedem neuen Album einen neuen Look pr\u00e4sentiert, ein au\u00dfergew\u00f6hnlich langes Commitment.<\/p>\n<p>Das Jahr 2015 begann f\u00fcr ihn mit einer kurzen, aber viel zitierten Rede bei den Grammys. Prince war Pr\u00e4sentator des \u201eAlbum des Jahres\u201c und sagte mit fester, wenn auch ungewohnt vorsichtiger Stimme: \u201eAlbums \u2026 remember those? Albums still matter. Albums, like books and black lives, still matter.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.musik-magazine.de\/rolling-stone-03-26-02\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&gt;&gt;&gt; Hier bestellen: Die exklusive Vinyl-Single in ROLLING STONE 02\/26!<\/a><\/p>\n<p>Es enthielt alles, wof\u00fcr Prince in jener \u00c4ra stand. Zweifel und Widerspruch \u2013 taugt das Albumformat also doch noch etwas? Viel wichtiger aber sein Wunsch nach Gerechtigkeit \u2013 es darf nicht sein, dass Wei\u00dfe Menschen Schwarze Menschen t\u00f6ten, allein weil sie leicht damit durchkommen. Prince hielt ein friedvolles Zusammenleben f\u00fcr m\u00f6glich. Er selbst hatte viele Jahre zuvor eine scheinbar undurchl\u00e4ssige Grenze \u00fcberwinden k\u00f6nnen, indem er der erste Schwarze Rockstar wurde, der das wei\u00dfe MTV-Publikum f\u00fcr sich einnahm (und dabei auch noch Strapse und High Heels trug).<\/p>\n<p>\u201eBlack Lives Matter\u201c als Echo im Saal<\/p>\n<p>Der Saal im Staples Center von Los Angeles bebte. Als Beck wenige Sekunden sp\u00e4ter auf die B\u00fchne kann um den Preis f\u00fcr \u201eMorning Phase\u201c als Album des Jahres von ihm entgegenzunehmen, strahlte er, denn er ist ein Fanboy von Prince. Aber \u201eBlack Lives Matter\u201c waren die Worte, die h\u00e4ngen blieben.<\/p>\n<p>Die \u201eBlack Lives Matter\u201c-Protestbewegung wurde 2013 als Reaktion auf den strukturellen Rassismus innerhalb amerikanischer Polizeibeh\u00f6rden gegr\u00fcndet. Innerhalb weniger Monate starben die Afroamerikaner Freddie Gray, Eric Carner und Michael Brown durch Polizeigewalt. Prince war schockiert. Besonders der Tod von Freddie Gray setzte ihm zu. Gray, 25, wurde wegen Waffenbesitzes in Baltimore festgenommen und auf die Wache gebracht. Er starb dort an einer schweren R\u00fcckenmarksverletzung, die er w\u00e4hrend seiner Fahrt im Polizeitransporter erlitt.<\/p>\n<p>Wenige Wochen nach seinem Tod organisierte Prince im Paisley Park das Spendenkonzert \u201eDance Rally 4 Peace\u201c und in Baltimore den \u201eRally 4 Peace\u201c-Auftritt, f\u00fcr den er die oberste Staatsanw\u00e4ltin der Stadt Marilyn Mosby f\u00fcr eine Rede gewinnen konnte. Er selbst spielte ein Solo-Set am Keyboard; vielleicht hat das seine Lust an der \u201ePiano and a Microphone\u201c-Tournee geweckt, zu der er im Februar 2016 aufbrechen w\u00fcrde. Der letzten Konzertreise seines Lebens.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p>Als Prince im Mai 2015 den Song \u201eBaltimore\u201c ver\u00f6ffentlichte, stand das Gerichtsurteil gegen die sechs Beamten, die Gray misshandelt haben sollen, noch nicht fest: dreimal Freispruch, zweimal Anklage fallen gelassen, einmal Ende des Gerichtsverfahrens wegen Uneinigkeit in der Jury. Wut und Fassungslosigkeit im ganzen Land, vor allem unter Afroamerikanern. Sie gingen auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Prince und Politik: selten, aber treffsicher<\/p>\n<p>Prince ist nicht f\u00fcr seine politischen Songs ber\u00fchmt. \u201ePurple Rain\u201c, \u201eRaspberry Beret\u201c, \u201eCream\u201c, \u201eBatdance\u201c und \u201eWhen Doves Cry\u201c skizzieren nicht die Weltlage. \u201eKiss\u201c von 1986 war \u2013 unfreiwillig \u2013 politisch, weil er darin Frauen exakte Vorschriften erteilte, wie sie zu sein haben, um ihm zu gefallen; der \u201ePurple Rain\u201c-Kinofilm zwei Jahre zuvor zeigte, wie eine quengelnde Frau in einen M\u00fcllcontainer gestopft wurde.<\/p>\n<p>Bei Themen, die \u00fcber ihn selbst hinausgingen, traf Prince jedoch immer den richtigen Ton. Der Angst vor einem Atomkrieg setzte er irre Party-Hymnen entgegen (\u201e1999\u201c), die Crack-Pandemie der Reagan-Jahre illustrierte er mit technoiden Beats (\u201eSign O\u2018 The Times\u201c), den Niedergang der Motorcity Detroit mit Rhythmen, die wie absaufende Autos klangen (\u201eDance On\u201c).<\/p>\n<p>\u201eBaltimore\u201c ist eine vers\u00f6hnliche, geradezu freundliche Polit-Ballade \u2013 warum sollte Prince sich auch anma\u00dfen, im Namen Freddie Grays Zorn oder Rache zu \u00e4u\u00dfern? \u201eDoes anybody hear us pray \/ For Michael Brown or Freddie Gray? Peace is more than the absence of war \u201c. Harte Worte fand dagegen Ex-Pavement-Kopf Stephen Malkmus in seiner w\u00fctenden Psychedelia-Hymne \u201eBike Lane\u201c, drei Jahre nach Prince: \u201eThe cops that killed Freddie \/ Sweet young Freddie Gray \/ Got behind him with the trenchant \/ And choked the life right out of him \/ His life expectancy was max 25.\u201c<\/p>\n<p>Prince Ode an Freddie Gray ist ein eher hippieskes Friedenslied ohne Feindzuschreibung, ein Lied mit Ich-Botschaften statt Forderungen. Weniger als ein Jahr vor seinem Tod hat Prince es tats\u00e4chlich geschafft, eines der bedeutendsten St\u00fccke seiner Karriere aufzunehmen.<\/p>\n<p>Seven-Inch in \u201eMusikexpress\u201c 02\/2026<\/p>\n<p>\u201eBaltimore\u201c liegt dem \u201eMusikexpress\u201c, der wie ROLLING STONE im Mediahouse Berlin erscheint, in der Ausgabe 02\/2026 als weltexklusive Seven-Inch-Single bei, mit dem \u201eHit and Run Phase Two\u201c-Albumsong \u201eStare\u201c als B-Seite.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzen sich beide Alben zu einem gro\u00dfen Ganzen? Zeigen sie \u201edie zwei Seiten des Prince\u201c? Eher nicht. Nat\u00fcrlich ist \u201ePhase One\u201c etwas mehr sexy, w\u00e4hrend \u201ePhase Two\u201c in eben jenem \u201eBaltimore\u201c oder in \u201eBlack Muse\u201c Fragen nach Identit\u00e4t und Selbstbestimmung stellt.<\/p>\n<p>Aber die Zwillingsalben erinnern an \u201eUse Your Illusion I\u201c und \u201eII\u201c, erschienen 24 Jahre zuvor. Guns N\u2018 Roses haben 30 zum Teil spektakul\u00e4re Lieder \u00fcber zwei Alben ausgegossen und zugesehen, dass die Hits gleichm\u00e4\u00dfig verteilt sind (mit \u201eHuman Touch\u201c und \u201eLucky Town\u201c hatte Bruce Springsteen kurz darauf dasselbe mit 30 leider zum gro\u00dfen Teil unspektakul\u00e4ren Liedern versucht). Prince stand nicht f\u00fcr Polarit\u00e4ten, nicht f\u00fcr Sex vs. Liebe, Gottglaube vs. Rationalit\u00e4t, \u201eschwarze Musik\u201c vs. \u201ewei\u00dfe Musik\u201c. Sondern f\u00fcr Fluidit\u00e4t, einer Vereinbarkeit von Zust\u00e4nden. Kennzeichen seiner Gemeinde war, dass er niemanden ausschloss. Und er bot seiner Gemeinde alles \u00fcberall auf einmal.<\/p>\n<p>Kassetten, \u201eGod\u201c und \u201eWe Can Fuck\u201c<\/p>\n<p>In Prince\u2018 Probe- und Studior\u00e4umen t\u00fcrmten sich Massen von \u00fcbereinandergestapelten Tonb\u00e4ndern und Kassetten. Nicht nur die Regale waren voll, auch auf dem Boden lagen Datentr\u00e4ger. Deren Beschriftungen lasen sich wie Tagebuchausschnitte, Stimmungs- und Reflexionsbarometer. Unter einer mit \u201eGod\u201c beschrifteten Kassette lag eine, die \u201eWe Can Fuck\u201c betitelt war \u2013 das Miteinander von Religion und Sexualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Diese \u00e4sthetische Offenheit bedeutete im Studio jedoch keineswegs Beliebigkeit. Chris James erz\u00e4hlt von der milit\u00e4rischen Strenge, die Prince von seinen Mitstreitern erforderte: \u201eEr erwartete hohe Funktionalit\u00e4t und konnte unh\u00f6flich und ungeduldig sein, wenn Dinge, die f\u00fcr ihn offensichtlich waren, nicht sofort f\u00fcr einen selbst offensichtlich waren. Manchmal war es wie R\u00e4tsel in Echtzeit zu l\u00f6sen \u2013 an manchen Tagen war deine L\u00f6sung punktgenau, an anderen Tagen weniger\u201c. James lacht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.musik-magazine.de\/rolling-stone-03-26-02\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&gt;&gt;&gt; Hier bestellen: Die exklusive Vinyl-Single in ROLLING STONE 02\/26!<\/a><\/p>\n<p>\u201eGedankenlesen war manchmal stressig f\u00fcr mich \u2013 vielleicht unterhaltsam f\u00fcr ihn. Prince erforschte wohl die Grenzen meines Hintergrunds als Produzent &amp; Multi-Instrumentalist in R&amp;B, Gospel, Funk, HipHop und Rock.\u201c Der \u201eStress\u201c wurde auch institutionell anerkannt: F\u00fcr \u201eHit and Run Phase Two\u201c w\u00fcrde Chris James eine Grammy-Nominierung f\u00fcr die beste Leistung eines Toningenieurs im Nicht-klassischen Bereich erhalten, genau wie Jahre sp\u00e4ter f\u00fcr seine Mitwirkung am Reissue des Prince-Albums \u201eDiamonds and Pearls\u201c. Seine j\u00fcngste Prince-Arbeit war die Wiederver\u00f6ffentlichung von \u201eAround the World in a Day\u201c im November vergangenen Jahres, f\u00fcr die er einen Dolby- Atmos-Mix anfertigte.<\/p>\n<p>\u201eBei Prince war es essenziell, bereit zu bleiben \u2013 und aus dem Weg zu bleiben. Wenn ich zu viele Fragen stellte, drehte er sich um und sagte: \u201aWas glaubst du, ist das hier, ein Rolling-Stone-Interview?\u2018\u201c F\u00fcr einen Auftritt in der Show von Jimmy Kimmel stand Chris James mit Prince sogar auf einer B\u00fchne. Wie so oft testete sein Boss m\u00f6gliche Mistreiter vorab in einem Tischtennismatch \u2013 schon Michael Jackson soll er, 1986 war das, wenig freundschaftlich am Tisch ausgeschmettert haben.<\/p>\n<p>Tischtennis und Tempo<\/p>\n<p>James wusste, dass das kein gem\u00fctliches Ping-Pong-Spiel wird. \u201eIn einer Pause forderte er mich zu einer Partie heraus. W\u00e4hrend seines ersten Aufschlags fragte er mich, was ich bei \u201aJimmy Kimmel Live\u2018 tragen w\u00fcrde \u2013 dann schlug er aggressiv auf, bevor ich antworten konnte. \u201aIch wei\u00df nicht, etwas Cooles\u2018, antwortete ich mit dem breitesten Grinsen im Gesicht.\u201c<\/p>\n<p>Nicht lange danach fand James sich dabei wieder, in seiner Band im Fernsehen zu spielen. \u201eDiese Erfahrung fasste Prince perfekt zusammen. Wenn er deinen Instinkten und deiner Musikalit\u00e4t vertraute, konnten die Dinge sehr schnell gehen.\u201c<\/p>\n<p>Manche von Chris James\u2018 atemlosen Erz\u00e4hlungen geben eine leise Ahnung vom schier \u00fcberm\u00e4chtigen Anspruch, den Prince an ihn stellte \u2013 denn James war auch als sein Live-Mixer unterwegs: \u201eNach einem langen Tag mit Reisen, Aufbau, Soundcheck, zwei Shows und dann Abbau bekam ich einen 3-Uhr-morgens-Anruf mit Bedenken \u00fcber die Anzahl der Regenerationen auf seinem Vocal-Echo, w\u00e4hrend er sich die Show zur\u00fcck anh\u00f6rte \u2013 weil ihm jeder einzelne Aspekt wichtig war. Es war ersch\u00f6pfend, intensiv und gelegentlich absurd \u2013 zu lernen, wie man in letzter Sekunde Samples in ein Yamaha Motif XF Keyboard auf einer dunklen B\u00fchne mit einer Nebenh\u00f6hlenentz\u00fcndung von den Nebelmaschinen l\u00e4dt. Es gab sehr wenig Spielraum f\u00fcr Fehler. Aber das war der Preis f\u00fcr Exzellenz in seiner Welt.\u201c<\/p>\n<p>Der Perfektionismus, der sich auf der B\u00fchne in n\u00e4chtlichen Anrufen und Extremsituationen entlud, endete nicht mit dem letzten Applaus. Im sagenumwobenen Vault h\u00e4ufte Prince Material in einem kaum \u00fcberschaubaren Ausma\u00df an. Werden wir all diese Aufnahmen, Tausende unver\u00f6ffentlichte Songs, irgendwann h\u00f6ren?<\/p>\n<p>Der Vault und das Unglaubliche<\/p>\n<p>Chris James w\u00fcrde es sich wohl w\u00fcnschen. \u201eEs war herausfordernd, meinen Unglauben zu z\u00fcgeln angesichts der erstaunlichen Lieder, die er einfach in den Vault warf. Viele davon halte ich f\u00fcr zehnmal besser als das, was ver\u00f6ffentlicht wurde. Sie waren zutiefst reflektierend, fast meditativ \u00fcber das Leben selbst.\u201c<\/p>\n<p>Schon wenige Monate sp\u00e4ter w\u00fcrde Prince tot sein. Und doch scheint es so, als stand Prince noch zu sehr im Leben, als dass er diese Meditationen mit der Welt teilen wollte.<\/p>\n<p>Das Jahr 2015 beschloss Prince mit einem Auftritt, den er low-key halten wollte, wohl auch, weil er sich gut bezahlen lie\u00df und mit dem Gastgeber nicht befreundet war. Silvester gab er am Gouverneur Beach auf der Karibik-Insel Saint Barth\u00e9lemy (St. Barts) ein Privatkonzert f\u00fcr Roman Abramowitsch, jenen russischen Oligarchen, der sich auf Veranstaltungen gern mit gro\u00dfen Namen schm\u00fcckt, wie Kings of Leon oder Red Hot Chili Peppers.<\/p>\n<p>Im Februar 2016 brach Prince zu seiner letzten Tournee auf: \u201ePiano and a Microphone\u201c. Die erstmalige Gelegenheit, Prince f\u00fcr die Dauer eines ganzen Konzerts allein am Klavier zu h\u00f6ren. Videoaufnahmen waren nicht erlaubt, es gab ein Handyverbot.<\/p>\n<p>Die letzte Woche<\/p>\n<p>Prince, der selbst ernannte \u201eskinny motherfucker with the high voice\u201c, war so schmal wie nie. Allein sein Gesicht sah aus, als h\u00e4tte man es zart in den Afro hineingewebt.<\/p>\n<p>Die Woche vor seinem Tod am 21. April verlief dramatisch. Eine Notladung mit dem Flugzeug. Eine Wiederbelebung. Ein gutes halbes Jahr vor Carrie Fisher \u2013 auch die \u201eStar Wars\u201c-Prinzessin musste notlanden, nach einer \u00dcberdosis, aber f\u00fcr sie kam schon im Flugzeug jede Hilfe zu sp\u00e4t. Fisher verstarb am 27. Dezember 2016, zwei Tage nach George Michael.<\/p>\n<p>Auch nach der Notladung lebte Prince seinen Rhythmus weiter. Vor seinem Tod sagte er, bei einer Party im Paisley Park: \u201eWartet noch ein paar Tage ab, verschwendet nicht eure Gebete.\u201c Er sch\u00e4tzte seinen Zustand gut ein.<\/p>\n<p>Da blieben Prince noch vier Tage. Als h\u00e4tte er den Zeitpunkt seines Todes kontrollieren k\u00f6nnen. Wer sich die Szene von Prince\u2018 Zusammenbruch im Fahrstuhl auszumalen traut, wird sich eine Suizidabsicht aber kaum vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.musik-magazine.de\/rolling-stone-03-26-02\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&gt;&gt;&gt; Hier bestellen: Die exklusive Vinyl-Single in ROLLING STONE 02\/26!<\/a><\/p>\n<p>Chris James kann sich an den 21. April noch sehr gut erinnern. \u201eDas Datum erklingt f\u00fcr mich mit \u00e4hnlichem Schock und erf\u00fcllt mich mit Trauer wie der 11. September 2001. An dem Tag, der ein weiterer gew\u00f6hnlicher Donnerstag h\u00e4tte sein sollen, war ich in meinem ehemaligen Studio in Encino.\u201c<\/p>\n<p>Dann trudelten die Textnachrichten ein.<\/p>\n<p>\u201eEs hie\u00df, Jemand wurde im Paisley Park aufgefunden. Ich konnte es nicht glauben. Dann \u00fcberkam mich \u00fcberw\u00e4ltigende Trauer. Nie in einer Million Jahren h\u00e4tte ich mir vorstellen k\u00f6nnen, dass dies passieren w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Keine langfristigen Pl\u00e4ne<\/p>\n<p>Gab es vorher Pl\u00e4ne, weiter mit Prince zusammenzuarbeiten? \u201eIch hatte nie langfristige Pl\u00e4ne mit Prince \u2013 so arbeitete er einfach nicht\u201c, sagt James. \u201eMan wurde gerufen, wenn man gebraucht wurde, und man wusste nie, ob man f\u00fcr eine Session oder 17 verschiedene Sessions da sein w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Er erz\u00e4hlt aber von Ideen, mit denen beide jonglierten, noch zur Zeit der \u201ePiano and a Microphone\u201c-Tournee. Eine Jazz-Fusion-EP etwa. Oder Prince\u2018 Idee, mit Shania Twain ein Album im Stile des Fleetwood-Mac-Klassikers \u201eRumours\u201c aufzunehmen.<\/p>\n<p>James erinnert sich noch an jedes einzelne Detail. \u201eDas letzte Mal, als ich mit ihm im Geb\u00e4ude war, nahm ich auf, wie er ein Gitarrensolo f\u00fcr sein Jazz-Fusion-Projekt auf seiner wei\u00dfen Vox HDC77 in seinen Mesa-Heartbreaker-Combo-Verst\u00e4rker mit lila Tolex spielte. Danach legte ich den Standby-Schalter am Verst\u00e4rker um. Ich h\u00e4tte nicht ahnen k\u00f6nnen, das dies unser letzter gemeinsamer Moment sein w\u00fcrde. Momente wie dieser \u2013 fl\u00fcchtig, ungeplant und au\u00dfergew\u00f6hnlich \u2013 waren typisch f\u00fcr die Arbeit mit Prince.\u201c<\/p>\n<p>Gerade solche intimen Erinnerungen stehen im Gegensatz zu der Art und Weise, wie Prince nach seinem Tod \u00f6ffentlich verhandelt wurde. Prince wird selbstverst\u00e4ndlich nicht gewollt haben, dass man ihn so in Erinnerung beh\u00e4lt, wie Klatschseiten es forciert haben, indem sie Bilder der Leiche ins Netz stellten.<\/p>\n<p>Aber es h\u00e4tte Prince gefreut, dass kurz nach seinem Tod ein unbekanntes Video aufgetaucht ist, das ihn im Alter von elf Jahren zeigt.<\/p>\n<p>Ein Fundst\u00fcck von Prince, das erste Video von ihm als Kind. Und das nicht als Performer, nicht als Kinderstar, das war er ja auch nie. Die Eindeutigkeit jener rund 20-sek\u00fcndigen Aufnahme musste zuvor jedoch von \u201eExperten\u201c (also der Schwarmintelligenz des Internets) best\u00e4tigt werden; der Vintage-Clip zeigt ihn als namenlosen Jungen.<\/p>\n<p>Das Kind im CBS-Clip<\/p>\n<p>K\u00f6nnte dieser Junge mit der Winterm\u00fctze und dem gro\u00dfen Mund wirklich Prince gewesen sein? Im Jahr 1970 befragte CBS auf den Stra\u00dfen von Minneapolis verschiedene Sch\u00fcler, ob sie mit dem Streik ihrer Lehrer einverstanden sind. Der Reporter beugt sich mit seinem Mikro nach unten. \u201eFindest Du den Streik gut?\u201c Zustimmung. \u201eYo\u201c, \u201eYoap\u201c oder einfach ein ganz neues Wort, so richtig herauszuh\u00f6ren ist das nicht. Und der Junge f\u00fchrt aus: \u201eLehrer haben mehr Geld verdient. Sie machen f\u00fcr uns Extrastunden.\u201c<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sagen, Prince w\u00fcrde sp\u00e4ter sehr, sehr viele \u201eExtrastunden\u201c in die Anfertigung von Musik legen, das beweist allein seine Diskographie aus rund 70 Studioalben, die unter seinem Namen oder dem seiner Proteg\u00e9s erschienen. Und er w\u00fcrde seine Majorlabels zu Recht kritisieren, wenn sie seine Arbeit unterbinden, sei es durch Knebelvertr\u00e4ge oder mangelnde finanzielle Aussch\u00fcttungen. Aus Protest legte er f\u00fcr viele Jahre seinen Vornamen Prince als K\u00fcnstlernamen ab.<\/p>\n<p>So sch\u00fcchtern wie bei seinen sp\u00e4teren TV-Auftritten als Musiker (der erste w\u00fcrde schon neun Jahre sp\u00e4ter folgen) war Prince als interviewtes Kind jedoch nicht. Sein Umgang mit Menschen, die ihn nach seiner Meinung fragten, ebenso wie sein Gesp\u00fcr f\u00fcr Situationen, die anderen noch verborgen blieben, war bereits mit elf Jahren ausgepr\u00e4gt. Prince hatte fr\u00fch eine klare Haltung, ein instinktives Gef\u00fchl f\u00fcr Gleichheit und Fairness.<\/p>\n<p>That\u2019s it.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kurz vor Weihnachten, am 12. Dezember 2015, schenkte Prince der Welt eine \u00dcberraschung. 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