{"id":70151,"date":"2026-03-28T04:33:12","date_gmt":"2026-03-28T04:33:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/70151\/"},"modified":"2026-03-28T04:33:12","modified_gmt":"2026-03-28T04:33:12","slug":"osterfestspiel-rheingold-noch-ein-machtkampf-in-salzburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/70151\/","title":{"rendered":"Osterfestspiel-&#8222;Rheingold&#8220;: Noch ein Machtkampf in Salzburg"},"content":{"rendered":"<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">In Salzburg geht es derzeit archaisch zu. Nicht nur hinter der B\u00fchne, sondern nun auch wieder auf derselben. Schlie\u00dflich wird an der Salzach &#8211; man h\u00e4tte es im personellen Tumult der vergangenen Wochen beinahe vergessen &#8211; auch noch Musiktheater gespielt. Mit dem &#8222;Rheingold&#8220; haben am Freitagabend die Osterfestspiele ihre heurige Opernpremiere vom Stapel gelassen &#8211; und was f\u00fcr eine.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Der derzeit gehypte Kirill Serebrennikov pr\u00e4sentiert eine in sich sehr stringent gedachte und besetzte Inszenierung des Wagner-Werks. Keineswegs einschmeichelnd, keineswegs lieblich, sondern mit Ecken und Kanten wird der Auftakt der gewaltigen &#8222;Ring&#8220;-Tetralogie hier begangen, die in den kommenden Festspielzeiten vollendet werden soll.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Es ist eben ein archaisches Setting, in das der 56-j\u00e4hrige Serebrennikov diesen archaischen Stoff stellt. Irgendwo angesiedelt zwischen isl\u00e4ndischen Vulkanfeldern und Mad Max sind die Nibelungen, also die Zwerge, erdverschmierte Barbaren mit Goldschmuck, der Heinrich Schliemann froh gemacht h\u00e4tte. Die G\u00f6tter sind im Kontrast hierzu wei\u00dfgewandete B\u00fcrger, die Riesen fellbewehrte Urviecher. Es ist eine Dystopie aus der Vergangenheit, eine uralte Erz\u00e4hlung.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Den Humus dieser Welt bilden gestockte Lavastr\u00f6me, von denen sich die G\u00f6tter auf Planken abheben. Zugleich finden sich diese erkalteten Glutfl\u00fcsse nicht nur auf der B\u00fchne selbst. \u00dcber der Spielfl\u00e4che schweben gleichsam tanzende Leinw\u00e4nde, die das Geschehen erweitern, an manchen Stellen aber auch einen gezielten Farbakzent im prim\u00e4r grau gehaltenen Ambiente setzen. Dennoch liefert Serebrennikov mit diesem &#8222;Rheingold&#8220; kein Technikspektakel, sondern eine Arbeit, die vornehmlich auf Klarheit und in ihrer Rohheit beinahe auf Eleganz setzt.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Und eben diese Komponenten sind es auch, die das S\u00e4ngerensemble bestimmen, das sich als sehr stringente, homogene Besetzung pr\u00e4sentiert. Ein wenig ambivalent f\u00e4llt dabei das Rollendeb\u00fct des Liedmeisters Christian Gerhaher in der f\u00fcr ihn ungewohnt tiefen Partie des Wotan aus. Der an der Textverst\u00e4ndlichkeit des Kunstlieds geschulte S\u00e4nger wei\u00df seine Partie mit ungewohnter Klarheit und Verst\u00e4ndlichkeit zu interpretieren, gibt dem an sich m\u00e4chtigen G\u00f6ttervater jedoch eine ebenso ungewohnte Sch\u00e4rfe mit und hadert bisweilen mit den Tiefen der Rolle.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Brenton Ryan ist ein grandios diabolisch-flamboyanter Loge, Leigh Melrose ein agiler, fast jugendlicher Alberich im Kampf um die Macht. Und der Volksopern-Star Jasmin White ist eine glasklare Erda ohne Schn\u00f6rkel und somnambule Verschattung. Alle eint mit wenigen Ausnahmen der absolute Fokus auf den Text, die zur\u00fcckhaltende Intonation und das Bekenntnis zum Musiktheater anstelle der Bravourinterpretation.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Dass dieser Ansatz m\u00f6glich ist, verdankt der Abend aber vor allem den eigentlichen Stars &#8211; den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko, die nach Jahren in Baden-Baden nun wieder nach Salzburg zur\u00fcckgekehrt sind. Der frenetische Applaus am Ende ist dabei nicht nur auf die Dankbarkeit des Publikums \u00fcber die R\u00fcckkehr des Spitzenklangk\u00f6rpers an die Salzach zur\u00fcckzuf\u00fchren, sondern galt auch einer herausragenden Leistung des zweiten Kirills dieses Abends.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">So spielen die Berliner \u00fcber weite Strecken ganz zart, transparent, liefern eine beinahe kammermusikalische Interpretation der gewaltigen Partitur in der nicht minder enormen Felsenreitschule. Bisweilen f\u00fchlt man sich an eine der Originalklanginterpretationen erinnert. Die Tempi sind oft gediegen, was nicht hei\u00dft, dass hie und da kein gewaltiger Ausbruch erfolgen kann und etwa beim Auftritt der Riesen der gesamte Orchestergraben vibriert.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Dies f\u00e4llt jedoch ausschlie\u00dflich in die konzertanten Passagen, denn Kirill Petrenkos Dirigat steht unter einem gro\u00dfen Primat: Die Textverst\u00e4ndlichkeit des S\u00e4ngerensembles. Wer h\u00e4tte gedacht, dass die Berliner derartige Meister im Understatement sind und sich vollends zur\u00fccknehmen k\u00f6nnen im Dienste des Gesangs?<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">An diesem Abend ist bei den Osterfestspielen wieder zusammengewachsen, was zusammengeh\u00f6rt. Das macht neugierig auf &#8222;Die Walk\u00fcre&#8220; des Jahres 2027. In der Zwischenzeit k\u00f6nnen Kulturfreundinnen und -freunde die Wartezeit mit einem anderen archaischen Kampf um die Macht \u00fcberbr\u00fccken. So wird wohl alsbald die Frage beantwortet, ob Intendant Nikolaus Bachler demn\u00e4chst mehr als nur die \u00fcberschaubaren Osterfestspiele an der Salzach verantworten wird. Es bleibt also spannend in Salzburg &#8211; auf und abseits der B\u00fchne.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">(Von Martin Fichter-W\u00f6\u00df\/APA)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Salzburg geht es derzeit archaisch zu. Nicht nur hinter der B\u00fchne, sondern nun auch wieder auf derselben.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":70152,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[31],"tags":[46,42,75,786,154,4311,1434,805,44,192],"class_list":{"0":"post-70151","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-salzburg","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-europa","11":"tag-konzert","12":"tag-musik","13":"tag-musiktheater","14":"tag-newsticker","15":"tag-oper","16":"tag-oesterreich","17":"tag-salzburg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116304937115849454","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70151","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70151"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70151\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/70152"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70151"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70151"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70151"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}