{"id":70883,"date":"2026-03-28T14:49:10","date_gmt":"2026-03-28T14:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/70883\/"},"modified":"2026-03-28T14:49:10","modified_gmt":"2026-03-28T14:49:10","slug":"junge-unternehmen-haben-wieder-lust-auf-risiko-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/70883\/","title":{"rendered":"Junge Unternehmen haben wieder Lust auf Risiko \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Quantencomputer aus Frankreich, Halbleiter aus den Niederlanden und Raketen f\u00fcr das Weltall aus Deutschland: Europas Start-up-Szene muss sich l\u00e4ngst nicht mehr hinter dem US-amerikanischen Pendant verstecken. Zwar dominieren amerikanische Unternehmen weiterhin viele M\u00e4rkte, doch in einigen Schl\u00fcsseltechnologien z\u00e4hlen europ\u00e4ische Jungunternehmen inzwischen zu den wichtigsten Akteuren weltweit. Aufstrebende Unternehmen wie das Quanten-Start-up Planqc oder das Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace wollen in Zukunftsm\u00e4rkten eine f\u00fchrende Rolle \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Dass diese Ambitionen nicht unrealistisch sind, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/mckinsey\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" unternehmen=\"\" haben=\"\" wieder=\"\" lust=\"\" auf=\"\" risiko=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">McKinsey<\/a>. Laut dieser holt Europa bei Zukunftstechnologien deutlich auf, insbesondere im Bereich Deep Tech. Die Investitionen in diesen Sektor wachsen anteilig sogar schneller als in den USA. McKinsey sch\u00e4tzt, dass entsprechende Innovationen bis 2030 zus\u00e4tzliche Wertsch\u00f6pfung von bis zu einer Billion US-Dollar sowie Hunderttausende bis rund eine Million neue Arbeitspl\u00e4tze in Europa schaffen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Zum Bereich Deep Tech geh\u00f6ren unter anderem die Sektoren K\u00fcnstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Biotechnologie, Robotik, Halbleiter, Raumfahrt sowie Energie- und Klimatechnologien. McKinsey betont in der Studie au\u00dferdem, dass Europa \u00fcber eine au\u00dfergew\u00f6hnlich starke wissenschaftliche Basis verf\u00fcgt. Viele Spitzenuniversit\u00e4ten und Forschungsinstitute befinden sich in Europa, und ein gro\u00dfer Anteil globaler wissenschaftlicher Publikationen und Patente stammt von europ\u00e4ischen Einrichtungen. Einzig die Umsetzung von der Forschung in die Praxis stockt noch. <\/p>\n<p>Eine Stadt in Deutschland macht vor, wie es funktionieren kann: M\u00fcnchen gilt als europ\u00e4isches Erfolgsmodell f\u00fcr ein starkes Start-up-\u00d6kosystem. Kaum irgendwo sonst gelingt es so gut, Unternehmen, Universit\u00e4ten und junge Firmen zu vernetzen. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Fast die H\u00e4lfte des 2025 in deutsche Start-ups investierten Kapitals floss nach Bayern. Viele dieser Unternehmen sind im Deep-Tech-Bereich t\u00e4tig, also genau dort, wo laut McKinsey das gr\u00f6\u00dfte Zukunftspotenzial liegt. Um nur einige wenige zu nennen: Celonis, Weltmarktf\u00fchrer im Process Mining, das Raketen-Start-up Isar Aerospace oder das Defense-Tech-Unternehmen Helsing. <\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Rolle spielt dabei die industrielle Umgebung. Mit Konzernen wie Allianz, <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/infineon\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" unternehmen=\"\" haben=\"\" wieder=\"\" lust=\"\" auf=\"\" risiko=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Infineon<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/siemens\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" unternehmen=\"\" haben=\"\" wieder=\"\" lust=\"\" auf=\"\" risiko=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Siemens<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/bmw\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" unternehmen=\"\" haben=\"\" wieder=\"\" lust=\"\" auf=\"\" risiko=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">BMW<\/a> sowie einem starken Mittelstand bietet M\u00fcnchen eine gute Vernetzungsplattform. Hinzu kommt eine hohe Forschungsdichte durch die <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/tu-muenchen\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" unternehmen=\"\" haben=\"\" wieder=\"\" lust=\"\" auf=\"\" risiko=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen<\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/ludwig-maximilians-universitaet-muenchen\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" unternehmen=\"\" haben=\"\" wieder=\"\" lust=\"\" auf=\"\" risiko=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ludwig-Maximilian-Universit\u00e4t<\/a> und Forschungsinstitute wie Fraunhofer. Wichtig ist dabei auch das Gr\u00fcndungszentrum UnternehmerTUM. Gegr\u00fcndet wurde es von BMW-Erbin Susanne Klatten, die das Projekt von Beginn an ma\u00dfgeblich finanziell unterst\u00fctzt hat. UnternehmerTUM begleitet Gr\u00fcnder entlang des gesamten Weges \u2013 von der ersten Idee \u00fcber die Entwicklung eines Gesch\u00e4ftsmodells bis hin zur internationalen Skalierung. Die \u201eFinancial Times\u201c k\u00fcrt den Hub nun schon seit mehreren Jahren regelm\u00e4\u00dfig zum wichtigsten Gr\u00fcndungszentrum Europas. Neu auf dieser Liste ist heuer auch ein Start-up-Hub aus \u00d6sterreich. Das Innovation Incubation Center der <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/tu-wien\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" unternehmen=\"\" haben=\"\" wieder=\"\" lust=\"\" auf=\"\" risiko=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">TU Wien<\/a> landete auf Platz 21 und f\u00fchrt damit auch das \u00f6sterreichische Ranking mit einem deutlichen Abstand an. <\/p>\n<p>Das Innovationszentrum der TU Wien wurde erst 2012 gegr\u00fcndet. Birgit Hofreiter leitet das Zentrum und erz\u00e4hlt im Gespr\u00e4ch mit der \u201ePresse am Sonntag\u201c: \u201eDamals begann sich das Start-up-\u00d6kosystem in Wien und \u00d6sterreich \u00fcberhaupt erst zu entwickeln. An Hochschulen war es noch un\u00fcblich, Forschungsergebnisse \u00fcber Ausgr\u00fcndungen zu verwerten. Eine strukturierte Unterst\u00fctzung f\u00fcr Start-ups aus der Wissenschaft fehlte weitgehend.\u201c Zu Beginn ging es deshalb vor allem darum, Bewusstsein daf\u00fcr zu schaffen und Forschende weiterzubilden. Daf\u00fcr wurden Programme f\u00fcr Studenten aufgebaut: Sie k\u00f6nnen ihr Studium um ein zus\u00e4tzliches Jahr verl\u00e4ngern und werden in dieser Zeit gezielt f\u00fcr Entrepreneurship ausgebildet. <\/p>\n<p>Das Zentrum begleitet damit den gesamten Weg von der Forschungsidee bis zum Scale-up. \u201eEin solch durchg\u00e4ngiges Modell war damals ungew\u00f6hnlich, vor allem an einer technischen Universit\u00e4t. Funktioniert hat das nur gemeinsam mit einem gro\u00dfen Netzwerk aus Experten, Gr\u00fcndern und Partnern aus Wirtschaft und Finanzierung\u201c, sagt Hofreiter. In den vergangenen Jahren beobachtete sie, dass immer mehr junge Studenten tats\u00e4chlich gr\u00fcnden wollen. \u201eHeute trauen sich deutlich mehr Studierende, unternehmerische Risiken einzugehen. Viele wollen auch nicht nur einmal gr\u00fcnden, sondern mehrfach\u201c, sagt Hofreiter. Ein wichtiger Punkt sei au\u00dferdem die Zeit: Man d\u00fcrfe nicht davon ausgehen, dass aus Forschung innerhalb weniger Monate ein marktf\u00e4higes Produkt wird. Besonders Hardware-Projekte, in denen Europa gro\u00dfes Know-how hat, dauern deutlich l\u00e4nger. Das sagen auch die beiden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Gr\u00fcndungszentrums Wexelerate, Clemens B\u00f6hmer und Awi Lifshitz, im Gespr\u00e4ch mit der \u201ePresse am Sonntag\u201c. Gerade zu Beginn h\u00e4tten Unternehmen manchmal nicht ganz verstanden, was es bedeute, mit Start-ups zusammenzuarbeiten, sagt Lifshitz. Wexelerate versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Start-ups und Hochschulen zueinander zu bringen. Eigenen Angaben zufolge arbeiten aktuell rund 20 bis 30 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen dauerhaft mit Wexelerate zusammen. Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen: die unterschiedlichen Denk- und Arbeitsweisen zu verbinden. \u201eGro\u00dfe Unternehmen sind risikoavers, stark in internen Prozessen gefangen und oft skeptisch gegen\u00fcber kleinen, jungen Firmen, deren Bestand unsicher ist. Start-ups hingegen wollen schnell wachsen, ihre Idee vorantreiben und haben wenig Geduld f\u00fcr lange Entscheidungswege\u201c, sagt B\u00f6hmer. <\/p>\n<p>\u00d6sterreich steht im internationalen Vergleich bei der Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen noch weit hinten. W\u00e4hrend gro\u00dfe US-Technologiekonzerne gleichzeitig mit Hunderten Start-ups kooperieren, sind solche Kollaborationen hierzulande selten. \u201eEs gibt daf\u00fcr mehrere Gr\u00fcnde, aber das ist auch stark kulturell gepr\u00e4gt: \u00d6sterreich ist risikoavers, sch\u00fctzt eher das Bestehende und hat eine geringe Fehlertoleranz. Insbesondere in Konzernen\u201c, sagt Lifshitz. <\/p>\n<p>Um Start-ups hierzulande zu f\u00f6rdern, soll es bald die Gesellschaftsform <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" unternehmen=\"\" haben=\"\" wieder=\"\" lust=\"\" auf=\"\" risiko=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a>-Inc geben. Die Idee wurde von vier Gr\u00fcndern \u2013 darunter der \u00f6sterreichische Investor und Unternehmer Andreas Klinger \u2013 entwickelt und von mehr als 16.000 Personen unterst\u00fctzt. Damit soll eine neue Rechtsform f\u00fcr Unternehmen innerhalb der EU geschaffen werden, die die Gr\u00fcndung und Skalierung vereinfacht und die Start-ups damit in Europa h\u00e4lt. Bisher gibt es in den 27 EU-Staaten nach Kommissionsangaben mehr als 60 verschiedene Unternehmensformen. Die Kommission plant eine Website, \u00fcber die Unternehmer innerhalb von zwei Tagen und f\u00fcr maximal 100 Euro ein Unternehmen gr\u00fcnden k\u00f6nnen. Nach der Registrierung sollen die Daten automatisch an die Unternehmensregister aller 27 EU-Mitgliedstaaten \u00fcbermittelt werden. Die neue Firma erh\u00e4lt anschlie\u00dfend ohne weitere Antr\u00e4ge eine Steuer- und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. <\/p>\n<p>Ist Initiator Andreas Klinger damit zufrieden? \u201eEs ist grunds\u00e4tzlich eine Verbesserung gegen\u00fcber dem Status quo\u201c, sagt Klinger. \u201eAber Ziel der Initiative war es, mehr als nur Gr\u00fcndungen zu vereinfachen. Wer einmal irgendwo in Europa investiert, sollte problemlos auch in allen anderen L\u00e4ndern investieren k\u00f6nnen.\u201c Dieser Ansatz fehle nun v\u00f6llig. Zwar k\u00f6nnen Investoren grunds\u00e4tzlich in jedem EU-Land investieren, doch in der Praxis ist das oft kompliziert und teuer. Jedes Land hat eigene Gesellschaftsformen und Steuerregeln. Investoren m\u00fcssen sich also st\u00e4ndig mit unterschiedlichen rechtlichen Systemen auseinandersetzen. \u201eGrunds\u00e4tzlich entstehen erfolgreiche Start-ups in Europa eher trotz staatlicher Rahmenbedingungen als wegen ihnen\u201c, sagt Klinger. Das gro\u00dfe Problem \u2013 n\u00e4mlich dass Europa zu wenige gro\u00dfe neue Unternehmen hervorbringt \u2013 werde durch die neue Gesellschaftsform allein nicht gel\u00f6st. Die M\u00e4rkte sind viel zu fragmentiert, es fehlt vor allem Geld. Dabei wolle gerade die junge Generation bewusst in Europa gr\u00fcnden und etwas aufbauen. <\/p>\n<p>\u201eDie junge Gr\u00fcnderszene ist stark proeurop\u00e4isch, aber die Politik hat diese Entwicklung noch nicht erkannt\u201c, sagt Klinger. Start-ups w\u00fcrden noch immer h\u00e4ufig als kleine, nette Firmen gesehen statt als potenzielle k\u00fcnftige Gro\u00dfunternehmen. In Europa werde unternehmerischer Erfolg traditionell eher mit jahrzehntealten Firmen verbunden. Ein weiterer kultureller Unterschied sei der Umgang mit Scheitern und Kritik. In Europa werde schnell erkl\u00e4rt, warum etwas nicht funktionieren k\u00f6nne. \u201eMir wurde bei der EU-Inc-Initiative oft gesagt, dass es nicht funktionieren wird\u201c, sagt Klinger zur \u201ePresse am Sonntag\u201c. Aufhalten will ihn das nicht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Quantencomputer aus Frankreich, Halbleiter aus den Niederlanden und Raketen f\u00fcr das Weltall aus Deutschland: Europas Start-up-Szene muss sich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":70884,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[76,75,74,15196],"class_list":{"0":"post-70883","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-eu","9":"tag-europa","10":"tag-europe","11":"tag-gruender"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116307359335846497","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70883","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70883"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70883\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/70884"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70883"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70883"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70883"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}