{"id":71556,"date":"2026-03-29T00:48:18","date_gmt":"2026-03-29T00:48:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/71556\/"},"modified":"2026-03-29T00:48:18","modified_gmt":"2026-03-29T00:48:18","slug":"pressegespraech-zur-eurofighter-nachbeschaffung-des-bundesheeres","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/71556\/","title":{"rendered":"Pressegespr\u00e4ch zur Eurofighter-Nachbeschaffung des Bundesheeres"},"content":{"rendered":"<p>Generalleutnant Harald Vodosek, Nationaler R\u00fcstungsdirektor und damit oberster Beschaffer \u00d6sterreichischen Bundesheeres<br \/>Zweck des Pressegespr\u00e4chs war es transparente Information der Medien \u00fcber die Notwendigkeit der Eurofighter-Nachfolge zu den Fragen Sinnhaftigkeit von Kampfflugzeugen, Finanzierung, ben\u00f6tigte St\u00fcckzahl. Die Grundlage des Handelns wird aus dem Risikobild und der globalen Bedrohungslage sowie dem klaren Regierungsauftrag, eine Nachfolgel\u00f6sung f\u00fcr den Eurofighter innerhalb der laufenden Legislaturperiode zu finden, abgeleitet.<\/p>\n<p>Generalmajor Gerfried Promberger, Kommandant der Luftstreitkr\u00e4fte &amp; Air Chief des \u00d6sterreichischen Bundesheeres<br \/>Ziel ist es die &#8222;Luftraum\u00fcberwachung&#8220; zu einer &#8222;Luftverteidigung&#8220; weiterentwickeln, da die aktuelle Bedrohungen \u00fcber reine \u00dcberwachung hinausgehen.<\/p>\n<p class=\"first-paragraph\">Aktuelle Luftverteidigungsf\u00e4higkeiten<br \/>Das Bundesheer verf\u00fcgt \u00fcber drei ortsfeste Radaranlagen (Goldhaube), die zuk\u00fcnftig vermehrt durch mobile, aktive sowie passive Radaranlagen erg\u00e4nzt werden. Bereits bestellt wurden mobile Kurzstrecken-Radarsysteme, ausgeschrieben sind mobile Mittelstrecken-Radarsysteme. Das Bundesheer verf\u00fcgt \u00fcber eine eigene, digital verschl\u00fcsselte Flugfunkkommunikation und F\u00fchrungszentralen sowie eigene Softwareentwicklung daf\u00fcr und arbeitet eng mit der zivilen Flugsicherung Austro Control zusammen.<\/p>\n<p>Die bodengebundene Flugabwehr wird modernisiert und ausgebaut. Beschafft und im Zulauf sind die j\u00fcngste Generation an Mistral-3 Kurzstrecken-Boden\/Luft-Raketen und neue Zielerfassungsysteme daf\u00fcr. Bestellt und in Auslieferung die Nutzungsdauerverl\u00e4ngerung der 35mm-Zwillings-Flugabwehr-Kanonen mit modernsten Multispektrum-Zielerfassungsystemen, Skynex-F\u00fchrungsystem und AHEAD-Munition.<\/p>\n<p>Das Mistral-Kurzstrecken-Boden\/Luft-Raketensystem wurde modernisiert.\u00a0Bestellt ausserdem der Pandur Evo-Skyranger als mobiles Flugabwehrsystem f\u00fcr jede Landbrigade des Bundesheeres.<\/p>\n<p>Dazu 15 Eurofighter, die mit der Iris-T Lenkwaffe mit 40 km Reichweite ausgestattet sind und bereits Luftverteidigung darstellen k\u00f6nnen. Die 2007-2009 gelieferten Eurofighter sind Tranche 1 Flugzeuge. Die vertragliche Versorgung ist bis 2037-2039 gesichert. Gro\u00dfbritannien stellt 2027 als erstes Betreiberland die letzten Tranche 1 ab. Ab 2030 wird \u00d6sterreich voraussichtlich der einzige Betreiber dieser Tranche sein was zu stark steigenden Kosten f\u00fcr Ersatzteile und Wartung f\u00fchren wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"img-responsive\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSC_0107_Eurofighter_Bundesheer_Foto_Huber_DRR.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/>Die 15 Eurofighter der Tranche 1 m\u00fcssen ersetzt werden &#8211; Foto: www.der-rasende-reporter.info <\/p>\n<p>Die ersten Komponenten des modernisierten 35mm Oerlikon-Flugabwehrsystems sind in Auslieferung. Ausstehend ist die Entscheidung zur bodengest\u00fctzten Mittelstrecken-Flugabwehr (MRAD) mit einer Reichweite von bis zu 50 km. Im Rahmen des Bundesheer Aufbauplan 2032+ werden somit bestehen F\u00e4higkeitsl\u00fccken geschlossen. Das Ziel ist eine 360-Grad-Abdeckung und eine integrierte Luft- und Flugk\u00f6rperabwehr (Integrated Air and Missile Defense \u2013 IAMD). Deren Zweck ist die Aufrechterhaltung der Souver\u00e4nit\u00e4t, Wahrung der Lufthoheit und Schutz der Bev\u00f6lkerung. Weitreichende Aufkl\u00e4rung und Abwehr verschaffen Reaktionszeit.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"img-responsive\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/20250618_TdoT_LaLe_IMG_9545_35mm_Luftabwehr_Bundesheer_Foto_Markus_Dobrozemsky_Austrian_Wings_Media_.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"\/>35mm-Flugabwehrkanone des Bundesheeres, Symbolbild &#8211; Foto: Markus Dobrozemsky \/ Austrian Wings Media Crew<\/p>\n<p class=\"first-paragraph\">Der Beschaffungsprozess<br \/>Der Prozess beginnt mit der Beschreibung des Bedarfs durch den Einsatzf\u00fchrer (Luftstreitkr\u00e4fte, Generalmajor Promberger), gefolgt von der Planung und der \u00dcbergabe an die Direktion R\u00fcstung (R\u00fcstungsdirektor, Generalmajor Vodosek).<\/p>\n<p>Die Nachfolge der mobilen Kurzstrecken-Radarsysteme zur Tiefflug\u00fcberwachung ist geregelt. Die F\u00e4higkeitsbeschreibung f\u00fcr den Eurofighter-Nachfolger soll bis sp\u00e4testens 2. Quartal 2026 fertigestellt sein. Darauf folgt eine Analysephase. Ab 2. Quartal 2026 bis 2. Quartal 2027 werden Markt-, Nationen-, Technologie-, Beschaffungsstrategie- und Verfahrensanalyse sowie Leistungsbeschreibung durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Beschaffungsprozess ist f\u00fcr das 2. Quartal 2027 bis 4. Quartal 2028 vorgesehen. Eine politische Entscheidung \u00fcber die Finanzierung ist bis Ende 2027\/Anfang 2028 (im Rahmen des Doppelbudgets 2027\/2028) erforderlich, bevor eine Ausschreibung mit rechtlicher Verbindlichkeit erfolgen kann. Danach folgen Einleitungsakt, Ausschreibung, Vergabe, Vertrag.<\/p>\n<p class=\"compact\">Eine nicht bis Ende 2027\/Anfang 2028 getroffene Finanzierungsentscheidung w\u00fcrde zu erheblichen Engp\u00e4ssen und einem hohen Druck f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"compact\">Das Bundesheer verf\u00fcgt derzeit \u00fcber 16 Eurofighter-Piloten. Derzeit wird eine Marktsichtung mit Fokus auf westliche Hochtechnologiel\u00f6sungen durchgef\u00fchrt. Auswahlkriterien sind Marktverf\u00fcgbarkeit, erprobte Einsatzf\u00e4higkeit (Initial\/Full Operational Capability), Zukunftspotenzial, Kooperationsm\u00f6glichkeiten, Versorgungssicherheit und beste Technologie f\u00fcr den Soldaten. Ertw\u00e4hnt wurden Optionen wie Eurofighter, Rafale, F-35, Gripen, F-15, F-16 Block 70, t\u00fcrkische (KAAN) und koreanische Muster (KF-21).<\/p>\n<p class=\"first-paragraph\">Anforderungen an das neue System und St\u00fcckzahl<br \/>Das neue System muss zur &#8222;Luftraumverteidigung&#8220; f\u00e4hig sein. Geschwindigkeiten von Mach 1,5 bis 2,4 erreichen, \u00fcber hohe Reichweite, ein leistungsf\u00e4higes Radar zur Lenkwaffenf\u00fchrung und Durchhaltef\u00e4higkeit verf\u00fcgt. Es muss in das bestehende integrierte Luft- und Flugk\u00f6rperabwehrsystem (IAMD) einbettbar und international interoperabel sein.<\/p>\n<p>Gesucht wird eine kooperative &#8222;Familienl\u00f6sung&#8220;, die auch auf zuk\u00fcnftige Generationen (Generation 6: bemanntes Flugzeug als F\u00fchrer eines Drohnenschwarms) ausgerichtet ist. Das System muss als Datentr\u00e4ger und Waffentr\u00e4ger f\u00fcr Langstrecken-Luft-Luft-Raketen (bis 150 km) dienen, um Gegner auf Distanz abwehren zu k\u00f6nnen. KI-Integration ist dabei wesentlich.<\/p>\n<p>Ebenso unerl\u00e4sslich ist Luft-Luft-Betankungsf\u00e4higkeit. Auch wird die Ausbildung wird zuk\u00fcnftig zu \u00fcber 50 % auf Simulatoren stattfinden, um Kosten und Emissionen zu reduzieren und taktische F\u00e4higkeiten zu optimieren.<\/p>\n<p class=\"compact\">Die erforderliche St\u00fcckzahl von 36 Maschinene leitet sich aus Wartungskonzepten und der Notwendigkeit einer hohen Klarstandrate (ca. 2\/3) ab, um Alarmrotten, Einsatzbereitschaft und Ausbildung zu gew\u00e4hrleisten. Milit\u00e4risch sinnvoll ist eine Dezentralisierung der Standorte (z.B. n\u00f6rdlich und s\u00fcdlich des Alpenhauptkamms). Historische Empfehlungen von 72 Flugzeugen sind aufgrund technologischer Fortschritte nicht mehr notwendig. F\u00fcr den Eurofighter-Nachfolger ben\u00f6tigt es weitere Standorte.<\/p>\n<p class=\"compact\">Finanzielle Aspekte<br \/>Der Systempreis f\u00fcr 15 Eurofighter betrug 1,6 Milliarden Euro. Der Nachfolger wird pro Flugzeug voraussichtlich ab 200 Millionen Euro aufw\u00e4rts kosten. Die Gesamtkosten f\u00fcr das System inklusive Ausbildung, Infrastruktur, Logistik etc. werden auf rund 10 Milliarden Euro gesch\u00e4tzt. Vergleich Schweiz: Obergrenze 7,6 Mrd. CHF ohne Steuern f\u00fcr geplant 36 Flugzeuge.<\/p>\n<p class=\"compact\">Die Nachfolgefinanzierung ist nicht im Ziel von 2 % des BIP f\u00fcr das Bundesheer enthalten, da dieses Budget f\u00fcr andere F\u00e4higkeitsl\u00fccken (Kommunikation, Drohnen, Artillerie, Infrastruktur, Munition) ben\u00f6tigt wird. Es wird ein &#8222;Sonderbudget&#8220; oder eine vergleichbare L\u00f6sung ben\u00f6tigt. Eine Reduzierung der St\u00fcckzahl oder ein Verzicht auf die Beschaffung w\u00fcrde direkt zu einer verminderten Leistungsf\u00e4higkeit und einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr die Republik \u00d6sterreich f\u00fchren. Das Bundesheer ber\u00e4t die Politik, welche Risiken sie eingehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p class=\"compact\">Anmerkung: Aktuell gilt im Rahmen des Landesverteidigungs-Finanzierungsgesetzes ( LV-FinG) ein Ziel von 1,5% BIP. Der Koalitionsvertrag enth\u00e4lt eine Anpassung des LV-FinG auf 2% BIP, welche noch nicht beschlossen ist. Das Bundesheer will massiv in Simulatortechnik und Ausbildungskoopertaion investieren.<\/p>\n<p>Industrielle Kooperation wird angestrebt<br \/>Das Verteidigungsressort ist f\u00fcr den Hauptvertrag und die Systemeinf\u00fchrung zust\u00e4ndig, w\u00e4hrend das Wirtschaftsministerium parallel Vertr\u00e4ge zur Industriekooperation abschlie\u00dft. Deren Ziel ist die maximale Einbindung \u00f6sterreichischer Unternehmen in Produktion, Service und Betrieb zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit und nicht prim\u00e4r Industrief\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Text: Martin Rosenkranz<br \/>\u00dcber den Autor<br \/>Luftfahrtexperte Martin Rosenkranz ist Gr\u00fcnder und Chefredakteur des <a href=\"http:\/\/www.airpower.at\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Milit\u00e4rluftfahrtmagazins &#8222;Airpower.at&#8220;<\/a> und hat sich in den vielen Jahren der Eurofighter-Ausschreibung, Beschaffung und den Nachwehen intensiv mit diesen Vorg\u00e4ngen besch\u00e4ftigt. Er war auch im Untersuchungsausschuss live dabei und gilt als einer der international am besten informierten Experten auf diesem Gebiet. Aktuell schreibt er unter anderem f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.militaeraktuell.at\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Milit\u00e4rmagazin &#8222;Milit\u00e4r aktuell&#8220;<\/a>. Er ist au\u00dferdem Autor des Buches <a href=\"https:\/\/www.austrianwings.info\/2024\/11\/neues-buch-von-martin-rosenkranz-fpv-drohnen-als-waffen\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">&#8222;FPV Drohnen als Waffen&#8220;<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Generalleutnant Harald Vodosek, Nationaler R\u00fcstungsdirektor und damit oberster Beschaffer \u00d6sterreichischen BundesheeresZweck des Pressegespr\u00e4chs war es transparente Information der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":71557,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[46,42,1631,1634,1636,1619,1621,1638,1622,1632,1633,1637,1626,1623,605,1635,44,1630,1629,1620,1625,43,45,1628,1627,1624],"class_list":{"0":"post-71556","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-oesterreich","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-fachjournalismus","11":"tag-fachmagazin-zum-thema-luftfahrt","12":"tag-fachmedium","13":"tag-fliegen","14":"tag-flugverkehr","15":"tag-flugzeitschrift","16":"tag-luftfahrt","17":"tag-luftfahrtjournalismus","18":"tag-luftfahrtmagazin","19":"tag-luftfahrtmedium","20":"tag-luftfahrtvideos","21":"tag-luftverkehr","22":"tag-magazin","23":"tag-medium","24":"tag-oesterreich","25":"tag-planespotter-journalismus","26":"tag-planespotting","27":"tag-reisen","28":"tag-reportagen","29":"tag-republic-of-austria","30":"tag-republik-oesterreich","31":"tag-spotten","32":"tag-spotter","33":"tag-tourismus"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116309714783957285","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71556"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71556\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/71557"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}