{"id":73709,"date":"2026-03-30T08:16:21","date_gmt":"2026-03-30T08:16:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/73709\/"},"modified":"2026-03-30T08:16:21","modified_gmt":"2026-03-30T08:16:21","slug":"fall-ulmen-fernandes-der-generalverdacht-telepolis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/73709\/","title":{"rendered":"Fall Ulmen-Fernandes: Der Generalverdacht | Telepolis"},"content":{"rendered":"<p>\n        29. M\u00e4rz 2026<\/p>\n<p>              Philipp Fess<\/p>\n<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Master_Ulmen-Fernandes-7e0e7869bb4482f2.jpeg\"  width=\"1280\" height=\"720\"  alt=\"Portr\u00e4t Ulmen und Fernandes, Deutscher Fernsehpreis 2012\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Bild aus gl\u00fccklicheren Tagen: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christian_Ulmen\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Christian Ulmen<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Collien_Ulmen-Fernandes\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Collien Ulmen-Fernandes<\/a> beim <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_Fernsehpreis_2012\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Deutschen Fernsehpreis 2012.\u202f<\/a><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Deutscher_Fernsehpreis_2012_-_Christian_Ulmen_-_Collien_Ulmen-Fernandes.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Foto<\/a>: \u00a9 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/User:%27%27JCS%27%27\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">JCS<\/a> \/ Lizenz: <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">CC-BY-SA-3.0<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/en:Wikipedia:Text_of_the_GNU_Free_Documentation_License\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">GFDL<\/a><\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Zwischen Deepfake-Debatte und Identit\u00e4tsdiebstahl w\u00e4chst der Ruf nach Klarnamen \u2013 doch der Verdacht droht, vom Einzelfall auf alle \u00fcberzugreifen. Zur Debatte. <\/p>\n<p>Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, die potenziell verleumdende Verballhornung &#8222;Collien Erfandes&#8220; in die Sph\u00e4ren des Internets zu entlassen, unter seinem Klarnamen h\u00e4tte er diesen substanzlosen Verdacht \u2013 denn um mehr kann es sich aufgrund der bisherigen Faktenlage nicht handeln \u2013 wohl nicht \u00f6ffentlich ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Das wiederum ist wohl Wasser auf die M\u00fchlen der verleumdeten Schauspielerin Collien Fernandes, die zuletzt durch die Behauptung von einer &#8222;virtuellen Vergewaltigung&#8220; durch ihren Ex-Mann Christian Ulmen ihrer Forderung nach einer &#8222;Identifikationspflicht im Netz&#8220; Nachdruck <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/54399\/\">verleihen konnte<\/a>.<\/p>\n<p>Dabei geht es um eine Forderung, die bereits lange vor dem Erscheinen des j\u00fcngsten <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/collien-fernandes-erstattet-anzeige-gegen-ex-mann-christian-ulmen-a-6abfb991-1665-4469-9c8e-3cc5a2cb4f29\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Spiegel-Scoops<\/a> im politischen Deutschland aufgestellt wurde. Egal, ob es dabei um Pornografie und Jugendschutz oder die mittlerweile allgegenw\u00e4rtige Forderung nach einem Social-Media-Verbot ging.<\/p>\n<p>Aus der Union werden Stimmen lauter, die nicht nur Fernandes\u2019 Identifikationspflicht fordern, bei der sich Nutzer gegen\u00fcber einem Plattformbetreiber ausweisen m\u00fcssten (Anonymisierungsverbot), sondern auch unter ihrem Klarnamen dort aufzutreten h\u00e4tten (Pseudonymisierungsverbot).<\/p>\n<p>In diesen Chor, dem die lautstarken Klagelieder des schleswig-holsteinischen Ministerpr\u00e4sidenten <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/mobbing-und-hassreden-vorstoss-der-nord-cdu-fuer-klarnamenpflicht-in-sozialen-medien-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-250617-930-678854\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Daniel G\u00fcnther<\/a> (CDU) voraus klangen, hat inzwischen neben Bundeskanzler <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/landespolitik\/klarnamenpflicht-social-media-merz-100.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Friedrich Merz<\/a> (CDU) auch Innenminister <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus69c00d66af187d606b80f11f\/klarnamenpflicht-im-internet-jetzt-beginnt-das-tauziehen.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Alexander Dobrindt<\/a> (CSU) eingestimmt.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p> Die amtierende Bundesjustizministerin Stephanie Hubig (SPD) erteilte dieser weitgreifenden Forderung nach einem Anonymisierungsverbot allerdings zuletzt eine <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2026-03\/stefanie-hubig-collien-fernandes-klarnamenpflicht-internet-gesetzentwurf-gxe\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">klare Absage<\/a>. Die wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages gaben im \u00dcbrigen 2020 die Einsch\u00e4tzung ab, dass die Klarnamenpflicht wahrscheinlich ohnehin <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/691400\/10dd5fe59e4dc35885d4752f25126350\/WD-10-003-20-pdf-data.pdf\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">verfassungswidrig<\/a> ist.    <\/p>\n<p> Wie viel Verdacht in der Deepfake-Debatte steckt <\/p>\n<p>Nun kreist die \u00f6ffentliche Debatte in der Causa Ulmen-Fernandes aber insbesondere um &#8222;bildbasierte sexuelle Gewalt&#8220;. Zahlreiche Medienberichte stellen dabei das Ph\u00e4nomen der Deepfakes in den Vordergrund, also Bild-und Tonsequenzen, die mittels K\u00fcnstlicher Intelligenz anhand von Aufnahmen echter Personen erstellt wurden.<\/p>\n<p>Dass Ulmen sich solcher Mittel bedient haben soll, um \u00fcber gef\u00e4lschte Social-Media-Profile Dritten im Namen seiner damaligen Ehefrau sexuelle Avancen zu machen, gilt deutschen Leitmedien wie der Tagesschau bereits als <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gesellschaft\/deepfakes-ki-strafrecht-collien-fernandes-christian-ulmen-100.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ausgemacht<\/a>.<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich zun\u00e4chst einmal nur um einen Verdacht. Wenn \u00fcberhaupt. <\/p>\n<p>Denn im Spiegel-Artikel vom 19. M\u00e4rz ist nicht die Rede davon, dass Ulmen jemals KI genutzt hat, um Deepfakes von Collien Fernandes zu erstellen. Stattdessen beschreibt das Magazin eine E-Mail Ulmens an einen nicht genannten &#8222;Berliner Strafverteidiger&#8220; mit den folgenden Worten:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;Er habe den Gespr\u00e4chspartnern Videos geschickt, die auf frei zug\u00e4nglichen Pornoseiten erh\u00e4ltlich gewesen seien und deren Protagonistinnen seiner Frau \u00e4hnlich gesehen h\u00e4tten. Man muss das wohl so verstehen, dass er solche Videos aber nicht selbst erstellt habe.&#8220; <\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/collien-fernandes-erstattet-anzeige-gegen-ex-mann-christian-ulmen-a-6abfb991-1665-4469-9c8e-3cc5a2cb4f29\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Strafanzeige gegen Christian Ulmen: &#8222;Du hast mich virtuell vergewaltigt&#8220;, Spiegel<\/a><\/p>\n<p>Der letzte Satz ist dabei entscheidend. Denn er l\u00e4sst die Schlussfolgerung zu, dass Ulmen m\u00f6glicherweise keine Deepfakes genutzt hat, um einen &#8222;sexuellen Fetisch&#8220; zu befriedigen, wie ihn der Spiegel aus der Mail zitiert haben will.<\/p>\n<p>Auch Fernandes\u2019 Behauptung, Ulmen habe KI-generiertes Audiomaterial auf Grundlage ihrer Stimme f\u00fcr Telefonsex mit Dritten <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/unterhaltung\/stars\/id_101178190\/collien-fernandes-schockierte-reaktionen-auf-vorwuerfe-gegen-ulmen.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">genutzt<\/a>, geht aus dem Spiegel-Artikel nicht eindeutig hervor. Dagegen spricht sogar, dass einer der betroffenen Dritten Folgendes berichtet: <\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Es habe ein Internettelefonat zwischen beiden gegeben, bei dem er sich dar\u00fcber gewundert habe, dass die Stimme von Fernandes heller klang als jene, die er aus dem Fernsehen kennt.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/collien-fernandes-erstattet-anzeige-gegen-ex-mann-christian-ulmen-a-6abfb991-1665-4469-9c8e-3cc5a2cb4f29\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Strafanzeige gegen Christian Ulmen: <\/a><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/collien-fernandes-erstattet-anzeige-gegen-ex-mann-christian-ulmen-a-6abfb991-1665-4469-9c8e-3cc5a2cb4f29\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">&#8222;<\/a><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/collien-fernandes-erstattet-anzeige-gegen-ex-mann-christian-ulmen-a-6abfb991-1665-4469-9c8e-3cc5a2cb4f29\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Du hast mich virtuell vergewaltigt<\/a><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/collien-fernandes-erstattet-anzeige-gegen-ex-mann-christian-ulmen-a-6abfb991-1665-4469-9c8e-3cc5a2cb4f29\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">&#8222;<\/a><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/collien-fernandes-erstattet-anzeige-gegen-ex-mann-christian-ulmen-a-6abfb991-1665-4469-9c8e-3cc5a2cb4f29\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\"> &#8211; Spiegel,\u202f<\/a><\/p>\n<p>Ein &#8222;Voice Cloning&#8220;, also die Deep-Fake-Variante f\u00fcr Tonaufnahmen, k\u00f6nnte hier also ausscheiden. Das wiederum muss nicht hei\u00dfen, dass sich Ulmen keiner technischen Hilfsmittel bedient hat. Selbst wenn fraglich sein k\u00f6nnte, wie ein technischer Laie vor dem Durchbruch der Echtzeit-Stimm-Manipulation rund um das Jahr 2022 so etwas bewerkstelligen konnte.<\/p>\n<p>Und daran \u00e4ndert auch der zuletzt von den Zeitungen des Springer-Verlags vorgebrachte Sachverhalt nichts, Ulmen habe zu Jugendzeiten Geld damit verdient, mit verstellter Stimme M\u00e4nner in Telefonsex-Gespr\u00e4che <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/prominente\/article69bd1b31ea8bf301e4ae2056\/christian-ulmen-das-pikante-gestaendnis-in-einem-acht-jahre-alten-podcast.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">zu verwickeln<\/a>.<\/p>\n<p>All das ist eben letztlich nur: Verdachtsberichterstattung.<\/p>\n<p>&#8222;Doppelagent&#8220; Schertz<\/p>\n<p>Jemand, der genau wissen d\u00fcrfte, was dieser Begriff beschreibt, ist Christian Schertz, der seinen Namensvetter Ulmen im Fall Fernandes gegen den Spiegel vertritt, um die &#8222;Pers\u00f6nlichkeitsrechte&#8220; des Schauspielers zu wahren \u2013 wie ironisch das auch immer klingen mag.<\/p>\n<p>In einem <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/62754\/6239500\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Schreiben<\/a> an mehrere Redaktionen warnt die Berliner Kanzlei Schertz Bergmann davor, der &#8222;einseitigen Schilderung&#8220; in der &#8222;rechtswidrigen&#8220; und &#8222;unzul\u00e4ssigen Verdachtsberichterstattung&#8220; des Spiegel zu folgen, da sie &#8222;unwahre Tatsachen&#8220; beinhalteten. Welche das sein sollen, l\u00e4sst das Schreiben offen.  <\/p>\n<p>Am vergangenen Freitag hat Ulmens Kanzlei in einer weiteren Einlassung klare Verh\u00e4ltnisse dazu geschaffen, um welche Tatsachen es sich dabei (mindestens) handelt: Ulmen, hei\u00dft es darin, habe nie Deepfakes erstellt oder <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/leute\/Christian-Ulmens-Anwalt-meldet-sich-zu-Deepfake-Vorwuerfen-id30521490.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">verbreitet<\/a>. Eine entsprechende Korrekturmeldung etwa der Tagesschau ist dem Autor nicht bekannt.  <\/p>\n<p>Noch ironischer mutet an, dass es derselbe Christian Schertz war, der in der 2024 erschienenen ZDF-Doku &#8222;Deepfake-Pornos: Jagd nach den T\u00e4tern&#8220; die Erfahrung Betroffener als &#8222;mediale Vergewaltigung&#8220; bezeichnete. Schertzens damalige Folgerung bzw. Forderung: &#8222;Wir m\u00fcssen das Recht \u00e4ndern, um den Schutz der Betroffenen zu verst\u00e4rken.&#8220;<\/p>\n<p>Dieselbe Collien Fernandes, gegen deren Schilderungen Schertz jetzt anscheinend vorgeht, war am Beitrag als Betroffene sowie auch Berichtende beteiligt. <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/unterhaltung\/stars\/id_101178614\/fernandes-gegen-ulmen-der-tsunami-der-empoerung-sein-doppelagent-schertz.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">T-Online<\/a> schrieb zun\u00e4chst von Schertz als einem &#8222;Doppelagenten&#8220;. Das klang dann wohl aber doch allzu sehr nach \u2026 Verdachtsberichterstattung.  <\/p>\n<p>Schnellschuss ohne Not?<\/p>\n<p>Justizministerin Stephanie Hubig (SPD) hat derweil das Heft schon in die Hand genommen. Der geplante <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/gesetz-digitale-gewalt-hubig-gesetz-deepfakes-kritik-dav\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Gesetzentwurf<\/a> gegen digitale Gewalt trifft mit der Causa Fernandes jetzt m\u00f6glicherweise genau auf die \u00f6ffentliche Resonanz, die er braucht, um in die Tat umgesetzt zu werden.<\/p>\n<p>Alles eine Kampagne der SPD also? Auch dieser Verdacht wurde ge\u00e4u\u00dfert. Doch auch er scheint eher auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen zu stehen.   <\/p>\n<p>Zum einen macht die CDU, deren Bundeskanzler bekanntlich noch vor Kurzem \u00e4u\u00dferte, &#8222;Klarnamen im Internet lesen&#8220; zu wollen, <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/union-setzt-justizministerin-in-debatte-um-deepfakes-unter-druck-die-zeit-blosser-ankundigungen-muss-endlich-vorbei-sein-15381760.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">schon Druck<\/a>. Zum anderen stammt der deutsche Gesetzesentwurf nicht von der SPD, sondern vom Bundesrat. Dieser hatte ihn kurz vor Ende der vergangenen Wahlperiode, im August 2024, in den Deutschen Bundestag eingebracht (Das \u00fcbrigens auch nicht von ungef\u00e4hr, wie Sie weiter unten lesen werden).  <\/p>\n<p>Wie das Juristenportal <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/digitale-gewalt-deepfakes-bmjv-hubig-kuendigt-gesetzentwurf-an\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Legal Tribune Online<\/a> am 20. M\u00e4rz schrieb, stand die Einf\u00fchrung einer neuen Strafnorm in Form eines \u00a7 201b Strafgesetzbuch (StGB) damals allerdings eher unter einem schlechten Stern:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">&#8222;In der vergangenen Wahlperiode hatte das damals vom FDP-Mann Marco Buschmann gef\u00fchrte Ministerium allerdings erhebliche Zweifel, ob das deutsche Strafrecht im Zusammenhang mit KI-basierten Deepfakes und entsprechenden Pers\u00f6nlichkeitsverletzungen \u00fcberhaupt Schutzl\u00fccken aufweist.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">So w\u00fcrden die Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Inhalte mittels KI-Bildern die \u00a7\u00a7\u00a0184b, 184c StGB abdecken, auch eine Strafbarkeit nach \u00a7 184b, 184c StGB (Verbreitung pornografischer Inhalte) oder nach \u00a7\u00a0187 StGB (Verleumdung) k\u00e4me in Betracht.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">Weiterhin erfasse \u00a7 33 Kunsturhebergesetz (KunstUrhG) bereits die Strafbarkeit f\u00fcr die Verbreitung von Bildnissen ohne Einwilligung. Und auch das Urheberrecht finde in \u00a7\u00a7\u00a0106, 108 eine Regelung f\u00fcr urheberrechtlich gesch\u00fctzte Inhalte als Ausgangsmaterial. Ebenso k\u00f6nne die Strafvorschrift des \u00a7 42 Abs. 2 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) erf\u00fcllt sein.<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\"><a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/digitale-gewalt-deepfakes-bmjv-hubig-kuendigt-gesetzentwurf-an\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Legal Tribune Online<\/a>, 20. M\u00e4rz   <\/p>\n<p>Aus demselben Grund \u2013 dem Zweifel an den behaupteten Strafbarkeitsl\u00fccken \u2013 hatten sowohl die Bundesrechtsanwaltskammer als auch der Deutsche Anwaltverein die \u00c4nderung der Strafvorschriften damals rundweg abgelehnt.<\/p>\n<p>Konsequenterweise liest sich die juristische Einsch\u00e4tzung an dem nun vorgelegten Gesetz nicht viel gn\u00e4diger. Ein Schnellschuss ohne Not, so k\u00f6nnte man sie paraphrasieren.  <\/p>\n<p>Von &#8222;Zensurinstrument&#8220; und Generalverdacht <\/p>\n<p>Unter deutschen Politikern erinnert man sich auch vielleicht eher ungern daran, dass der amtierende US-Pr\u00e4sident am 19. Mai 2025 ein \u00e4hnliches Gesetzesvorhaben <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/releases\/2025\/05\/icymi-president-trump-signs-take-it-down-act-into-law\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">durchsetzte<\/a>.<\/p>\n<p>Den &#8222;Take-It-Down-Act&#8220;, der sich gegen die Verbreitung von DeepFakes richtete, hatte das Blog <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2025\/take-it-down-act-wie-ein-us-gesetz-gegen-sexualisierte-deepfakes-zum-zensurinstrument-werden-koennte\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">netzpolitik.org<\/a> damals als potenzielles &#8222;Zensurinstrument&#8220; bezeichnet:<\/p>\n<p>&#8222;Unter dem Deckmantel von Gewaltschutz w\u00fcrden einflussreiche Menschen hier die rechtlichen Voraussetzungen bekommen, um jede missliebige Darstellung in Zukunft leichter l\u00f6schen zu lassen&#8220; hie\u00df es damals.<\/p>\n<p>Auch das mag nur ein Verdacht gewesen sein.<\/p>\n<p>Die EU-Kommission jedenfalls war dem nicht allzu wohlgesinnten US-Pr\u00e4sidenten allerdings damals schon vorausgeeilt: In ihrer Richtlinie zur Bek\u00e4mpfung von Gewalt gegen Frauen und h\u00e4uslicher Gewalt (<a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE-EN\/TXT\/?from=SL&amp;uri=CELEX:32024L1385#:~:text=Such%20production%2C%20manipulation%20or%20altering%20should%20include,je%20taka%20nekriminalizacija%20potrebna%20zaradi%20varstva%20temeljnih\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">(EU) 2024\/1385<\/a>) vom 14. Mai 2024 hat die Kommission einen Passus eingef\u00fcgt, der das Verbreiten von Deepfakes unter Strafe stellt, sofern diese \u00f6ffentlich geteilt werden oder dazu geeignet sind, der betreffenden Person erheblichen Schaden zuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Die Richtlinie fordert von den Mitgliedsstaaten, diese Vorschriften bis Mitte Juni 2027 in nationales Recht umzusetzen. <\/p>\n<p> Am vergangenen Freitag ist das EU-Parlament noch einen Schritt weiter gegangen und hat mit einer gro\u00dfen Mehrheit f\u00fcr ein Verbot bestimmter KI-Systeme <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/agenturmeldungen\/dpa\/eu-parlament-will-ki-fuer-nacktbilder-verbieten-200674285.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">gestimmt<\/a>, die k\u00fcnstliche Nacktbilder generieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Den eigentlichen Sachverhalt des Identit\u00e4tsdiebstahls mittels Sozialer Medien, der sich allem Anschein nach hinter der Causa Fernandes verbirgt, hat die EU damit nicht adressiert.<\/p>\n<p>Aber der k\u00f6nnte sich mit dem Social-Media-Verbot f\u00fcr Minderj\u00e4hrige, das eine Identifikationspflicht f\u00fcr Nutzer aller Altersklassen zur Folge haben k\u00f6nnte, bereits ohnehin erledigt haben.<\/p>\n<p>Vielleicht &#8222;wechselt die Scham dann die Seiten&#8220;, wie verschiedene Medien Gis\u00e8le Pelicot zitieren, das Opfer eines besonders schwerwiegenden Missbrauchs \u2013 ganz sicher aber wechselt dann auch der substanzlose Verdacht: weg vom Einzelnen, hin zu einem Generalverdacht gegen alle.<\/p>\n<p>Die Unschuldsvermutung gilt nicht nur f\u00fcr Christian Ulmen und Collien Fernandes.                  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"29. 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