{"id":78336,"date":"2026-04-01T15:54:17","date_gmt":"2026-04-01T15:54:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/78336\/"},"modified":"2026-04-01T15:54:17","modified_gmt":"2026-04-01T15:54:17","slug":"national-portrait-gallery-london-das-komplexe-frauenbild-des-lucian-freud","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/78336\/","title":{"rendered":"National Portrait Gallery London: Das komplexe Frauenbild des Lucian Freud"},"content":{"rendered":"<p>In einer Londoner Ausstellung kann man viel dar\u00fcber lernen, wie Lucian Freud die Frauen in seinem Leben sah. Bei aller Gegenst\u00e4ndlichkeit schuf der Enkel Sigmund Freuds mit seinen Portr\u00e4ts n\u00e4mlich keine Abbilder, sondern etwas viel Subjektiveres.<\/p>\n<p data-external=\"Article.FirstParagraph\">\u201eAlle meine Arbeiten sind autobiografisch\u201c, hat der K\u00fcnstler Lucian Freud einmal gesagt, \u201esie befassen sich mit mir selbst und meiner Umgebung.\u201c F\u00fcr den Enkel des Erfinders der Psychoanalyse, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus248630250\/Psychoanalyse-nach-Holocaust-Der-Gutachter-der-KZ-Ueberlebenden-attestierte-sie-sei-nicht-normal.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus248630250\/Psychoanalyse-nach-Holocaust-Der-Gutachter-der-KZ-Ueberlebenden-attestierte-sie-sei-nicht-normal.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sigmund Freud<\/a>, scheint diese Selbsteinsch\u00e4tzung wenig \u00fcberraschend: Was sollte Kunst sein, wenn nicht autobiografisch, wenigstens zu einem Teil? Tats\u00e4chlich portr\u00e4tierte Lucian Freud seine engsten Freunde, all diejenigen, die zu seinen bohemistischen Londoner Kreisen zwischen den 1940er-Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 2011 geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Unter ihnen waren <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/article203525544\/Francis-Bacon-Museum-verkauft-millionenschweres-Gemaelde.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kunst\/article203525544\/Francis-Bacon-Museum-verkauft-millionenschweres-Gemaelde.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Francis Bacon<\/a>, Frank Auerbach und David Hockney (sp\u00e4t im Leben malte er auch K\u00f6nigin Elizabeth und Kate Moss). Eine eigene Rolle in Freuds Werk spielen die Menschen, mit denen er verwandt war, insbesondere seine Mutter, aber auch viele seiner Frauen und Kinder, von denen es zahlreiche gab: Freud war zweimal verheiratet und hatte Hunderte Beziehungen und Aff\u00e4ren, oft mit anderen K\u00fcnstlerinnen oder seinen Sch\u00fclerinnen; er hatte zw\u00f6lf Kinder von sechs Frauen, mindestens. <\/p>\n<p>Das Bild, das Lucian Freud von Frauen in seinem Leben hatte, d\u00fcrfte komplex gewesen sein. Davon erz\u00e4hlt das herausragende \u201eMemoir of My Father Lucian Freud\u201c von einer seiner T\u00f6chter, Rose Boyt (2024 bei Pan Macmillan erschienen). Sie schildert den Vater als arbeitsbesessenen, oft verschlossenen Mann, dem sie vor allem durch seine Kunst nahekommen konnte. \u201eEr war nie wirklich da, selbst wenn er im Raum war\u201c, hei\u00dft es an einer Stelle. Und: \u201eIch war mir nie sicher, ob ich seine Tochter war oder eines seiner Motive.\u201c Das Bild, das Freud sich als K\u00fcnstler von den Frauen machte, ist ein besonderes, das zeigt die Ausstellung \u201eDrawing Into Painting\u201c in der Londoner National Portrait Gallery.<\/p>\n<p>Zeichnen sei die schwierigste aller K\u00fcnste, meinte Freud, in jedem Fall sei Zeichnen schwieriger als Malen. Warum, darauf gibt die Ausstellung keine direkte Antwort (auch wenn ein englischer Kritiker die Welle der begeisterten Besprechungen durchbrach und urteilte, Freud sei ein gro\u00dfartiger Maler gewesen, aber ein geradezu peinlich schlechter Zeichner); sie erkundet das Zusammenspiel von Zeichnen und Malen im Werk Freuds.<\/p>\n<p>Lucian Freud gab das Zeichnen im Laufe der 1950er-Jahre nicht zugunsten der Malerei auf, wie manchmal angenommen wird, sondern f\u00fcllte seitenweise Skizzenb\u00fccher, die sich \u2013 voll mit Tipps f\u00fcr Wetten, Entw\u00fcrfen von Liebesbriefen, hingekritzelten Telefonnummern \u2013 wie grafische Tageb\u00fccher lesen lassen.<\/p>\n<p>Die Ausstellung beginnt mit fr\u00fchen Zeichnungen des K\u00fcnstlers als Kind und illustrierten Briefen in S\u00fctterlin \u2013 Freud wurde 1922 in Berlin geboren als einer der drei S\u00f6hne des \u00f6sterreichischen Architekten Ernst Freud. Die Familie emigrierte 1933, 1939 wurde Freud britischer Staatsb\u00fcrger. Der Fl\u00fcchtling aus Berlin schuf in den Londoner Kriegsjahren seltsam klare Bilder, die an die Neue Sachlichkeit erinnern, etwa das strenge, grafische \u201ePortrait of a Young Man\u201c (1944).<\/p>\n<p>Eine Sonderstellung in der Ausstellung und im Werk Freuds nehmen die Portr\u00e4ts von Caroline Blackwood ein. Blackwood, eine junge Frau aus dem Hochadel und Erbin des Guinness-Brauereiimperiums, lie\u00df sich von Freud verf\u00fchren, der mit ihr aus seiner ersten Ehe nach Paris floh, wo sie 1953 heirateten (1959 wurde die Ehe in Mexiko geschieden): Das Bild \u201eGirl in Bed\u201c zeigt sie im Bett im Pariser Hotel La Luisiane mit riesigen blauen Augen, die die realistisch-gegenst\u00e4ndliche Darstellung seiner sonstigen Zeichnungen zu \u00fcbersteigen scheinen.<\/p>\n<p>Seine Art der Nahaufnahme h\u00e4tte ihn manchmal zu einer Art unfreiwilligen Vergr\u00f6\u00dferung gebracht, sagte Freud dazu. Blackwood, die Autorin wurde, schrieb sp\u00e4ter \u00fcber das Portr\u00e4t: \u201eDas Ergebnis war ich nur zur H\u00e4lfte, es war Lucians Vision.\u201c<\/p>\n<p>Vielleicht sind viele der Frauen, die Lucian Freud kurz oder l\u00e4nger an seiner Seite hatte, erst in seiner Kunst zu dem geworden, was er in ihnen sah. Dass f\u00fcr Freud Zeichnungen bei aller Gegenst\u00e4ndlichkeit kein Abbild der Portr\u00e4tierten waren, sondern eher ein Erkenntnisprozess dar\u00fcber, was die Portr\u00e4tierten f\u00fcr ihn bedeuteten, auch das zeigt die Ausstellung.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter in ihrem wilden Leben heiratete Caroline Blackwood \u00fcbrigens in dritter Ehe den amerikanischen Dichter Robert Lowell. Bei dessen t\u00f6dlichen Herzinfarkt in einem New Yorker Taxi hielt er das Bild \u201eGirl in Bed\u201c im Arm.<\/p>\n<p>\u201eLucian Freud: Drawing into Painting\u201c, National Portrait Gallery London, bis 4. Mai. Vom 10. Juni bis 27. September ist die Ausstellung anschlie\u00dfend im Louisiana Museum f\u00fcr Moderne Kunst in Humlebaek in D\u00e4nemark zu sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In einer Londoner Ausstellung kann man viel dar\u00fcber lernen, wie Lucian Freud die Frauen in seinem Leben sah.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":78337,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[26],"tags":[158,157,46,42,159,147,30191,161,160,943,30192,44,30190,30194,210,148,30193],"class_list":["post-78336","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kunst-und-design","tag-art","tag-art-and-design","tag-at","tag-austria","tag-design","tag-entertainment","tag-freud","tag-kunst","tag-kunst-und-design","tag-london","tag-lucian-enkel-1922-2011","tag-oesterreich","tag-portraetmalerei-ks","tag-sigmund-1856-1939","tag-texttospeech","tag-unterhaltung","tag-zeichnungen-ks"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116330264376101555","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78336","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78336"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78336\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/78337"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78336"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78336"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78336"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}