{"id":79060,"date":"2026-04-02T00:38:14","date_gmt":"2026-04-02T00:38:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/79060\/"},"modified":"2026-04-02T00:38:14","modified_gmt":"2026-04-02T00:38:14","slug":"sternstunde-der-moerder-in-der-ard-drei-von-fuenf-sternen-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/79060\/","title":{"rendered":"&#8222;Sternstunde der M\u00f6rder&#8220; in der ARD: Drei von f\u00fcnf Sternen &#8211; Medien"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Friedhof ist in dieser Serie ein wichtiger Schauplatz, nicht nur wegen der vielen Toten und weil sich die Grabm\u00e4ler so malerisch-morbide filmen lassen. Sondern weil der M\u00f6rder hier seine Opfer findet: trauernde Witwen, denen er vom Grab ihres Liebsten bis vor die Wohnungst\u00fcr folgt \u2013 und wehe, er klopft, und sie \u00f6ffnen ihm. Seelenruhig und pr\u00e4zise geht dieser Killer vor, wenn er seinen Opfern bei lebendigem Leib das Herz herausschneidet und sie ausbluten l\u00e4sst. Er ist ein bigotter, gest\u00f6rter Charakter, der, wie M\u00e4nnerfiguren in Filmen\u00a0das gerne tun, seinen Mutterhass auslebt. Sein Name:\u00a0Antonin Rypl. Ein Tscheche. Gerhard Liebmann spielt ihn mit kalten, unger\u00fchrten Augen, creepy wie <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/kevin-spacey-interview-piers-morgan-pleite-lux.Nwb6rC5NwDNk2Vo6misg4X\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kevin Spacey<\/a> in seinen fiesesten Rollen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/0bbdce6f-7aa2-41be-a087-ac3bb8cd6338.jpg\"   alt=\"Wehe, er klopft, und man \u00f6ffnet ihm: Gerhard Liebmann als Witwenm\u00f6rder in \u201eSternstunde der M\u00f6rder\u201c.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Wehe, er klopft, und man \u00f6ffnet ihm: Gerhard Liebmann als Witwenm\u00f6rder in \u201eSternstunde der M\u00f6rder\u201c. ARD Degeto Film\/NDR\/Servus TV<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das darf hier alles verraten werden, denn der Zuschauer bekommt diesen Rypl als einen der Titelhelden in dem ARD-Mehrteiler \u201eSternstunde der M\u00f6rder\u201c von Anfang an zu Gesicht und ist somit der Polizei um einiges voraus. Aber die Ermittler kommen in dieser Mordserie ohnehin schnell voran, zumindest mit ihren Erkenntnissen. Gefasst werden kann der T\u00e4ter jedoch erst ganz am Schluss, da ist er l\u00e4ngst vom ritualhaften Serienkiller zum haltlosen Menschenschl\u00e4chter geworden und vom Frauen- zum Deutschenhasser. So wie die Handlung mehr und mehr vom\u00a0 \u2013 ohnehin nicht so spannenden \u2013 Krimiplot abkommt und daf\u00fcr verst\u00e4rkt das zeithistorische Drama bedient. Dieses Drama spielt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in Prag und erz\u00e4hlt vom Ende der deutschen Besatzung, von Nazis und Tschechen, die sich gegenseitig hauen und stechen. Einer Zeit \u00fcbelster Verbrechen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Titel \u201eSternstunde der M\u00f6rder\u201c ist ein Paradoxon, bringt er doch zwei zutiefst gegens\u00e4tzliche Begriffe zusammen. Der tschechische Schriftsteller und Theaterautor Pavel Kohout, inzwischen 97 Jahre alt, \u00fcberschrieb damit seinen 1995 erschienenen Roman \u00fcber Gewalt und Moral in einem politisch-historischen Ausnahmezustand. Kohout, einem der Wortf\u00fchrer des Prager Fr\u00fchlings, der gemeinsam mit V\u00e1clav Havel die \u201eCharta 77\u201c verfasst hat, geht es darin \u00fcber den Thriller hinaus um grundlegende Fragen von Schuld und S\u00fchne, Vergeltung und Verantwortung. Wie Mensch bleiben in unmenschlicher Zeit?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In der kompakten Verfilmung durch Christoph Schier (Grimme-Preis 2022 f\u00fcr \u201eDie Ibiza Aff\u00e4re\u201c) kommt die Handlung als d\u00fcsterer Krimi Noir daher. Triste Gassen, schwere Karossen, das Spiel von Nebel, Licht und Schatten. Sepiat\u00f6ne, kaltes Blau, die Herren mit Hut und Anzug. Man denkt an die Romane von Volker Kutscher, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/serien-dreharbeiten-zu-letzter-babylon-berlin-staffel-beendet-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-251202-930-371589\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">denkt an \u201eBabylon Berlin\u201c,<\/a> zumal Jonas Nay in der Rolle des tschechischen Kriminaladjunkten Jan Morava frappierend an den Ermittler Gereon Rath im Berlin der Weimarer Republik erinnert. Wie das Klischee es verlangt, hat er auch eine h\u00fcbsche Assistentin als Love Interest.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/154ab243-b2e4-4ca2-90a7-2c561af9202d.jpg\"   alt=\"Nein, das ist nicht Gereon Rath in \u201cBabylon Berlin\u201c, sondern Jan Morava (Jonas Nay) in \u201eSternstunden der M\u00f6rder\u201c. Er ermittelt 1945 im besetzten Prag.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Nein, das ist nicht Gereon Rath in \u201cBabylon Berlin\u201c, sondern Jan Morava (Jonas Nay) in \u201eSternstunden der M\u00f6rder\u201c. Er ermittelt 1945 im besetzten Prag. ARD Degeto Film<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aber wir sind hier nicht in Berlin, sondern in Prag (und das nicht einmal wirklich, denn gedreht wurde seltsamerweise in Wien und Nieder\u00f6sterreich). Die Nazis sind nicht im Kommen, sondern am Untergehen, auch wenn manche noch auf Hitlers \u201eWunderwaffe\u201c hoffen. Im Osten r\u00fccken die Russen, im Westen die Amerikaner heran. Kein Wunder, dass SS-Standartenf\u00fchrer Meckerle hochnerv\u00f6s ist. Aber muss er deshalb immer so schreien, als w\u00fcrde er gleich aus der Uniform platzen? Schade, dass Devid Striesow diesen rotwangigen Despoten, der \u201everbrannte Erde\u201c hinterlassen will, als Nazi-Charge \u00fcberzeichnet.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Als eine deutsche Generalswitwe ermordet wird, deutet Meckerle dies als Anzeichen f\u00fcr einen Aufstand in der Stadt, wie er ihn schon l\u00e4nger wittert. Geh\u00f6rt die tschechische Protektoratspolizei unter Leitung von Hauptkommissar Beran (Karel Dobr\u00fd) zum Widerstand? Meckerle will die Namen potenzieller \u201eVerschw\u00f6rer\u201c, deshalb soll ein Gestapo-Beamter seines Vertrauens die Mordermittlungen kontrollieren: Erwin Buback, mit massiver Eindr\u00fccklichkeit gespielt von <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/nicholas-ofczarek-amazon-prime-serie-drunter-und-drueber-julia-jentsch-li.3235340\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nicholas Ofczarek<\/a>, der hier mal kein Testosteron-Mannsbild ist, sondern ein stiller, br\u00fcchiger Charakter, gezeichnet von einem inneren Schmerz.<\/p>\n<p>Da kommen etliche Stereotype zusammen, und den Figuren werden viel zu gro\u00dfe S\u00e4tze in den Mund gelegt<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Anfangs noch undurchsichtig, gewinnt dieser Buback zunehmend an Protagonistenkraft. Die Schlaffheit, mit der er den Hitlergru\u00df abspult, verr\u00e4t ihn als einen NS-Abtr\u00fcnnigen, noch lange bevor er als solcher aktiv wird; und dass er am Stock geht, nimmt ihm ohnehin jeden Nazi-Schneid. Zwischen Buback und dem erfrischend aufrechten Jungkommissar Morava (Jonas Nay hat f\u00fcr die Rolle extra Tschechisch gelernt) entsteht w\u00e4hrend der Ermittlungsarbeit ein Vertrauensverh\u00e4ltnis, und zwischen Buback und der deutschen Schauspielerin Marleen Baumann (Jeannette Hain als Marlene-Dietrich-Verschnitt) sogar eine Liebe. Diese Liebe muss heimlich bleiben, denn eigentlich ist Marleen die (Zwangs-)Geliebte von Meckerle.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Da kommen etliche Stereotype zusammen, und den Figuren werden neben wahlweise tschechischem oder deutschem Akzent oft viel zu gro\u00dfe S\u00e4tze in den Mund gelegt. Das tr\u00e4gt ebenso zur Sterilit\u00e4t der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Geschichte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Geschichte<\/a> bei wie die Kulissenhaftigkeit der auf Hochglanz polierten Inszenierung: authentische Dekors, aber nicht wirklich belebt. Als Drehbuchautor wird Klaus Burck angegeben, das ist das Pseudonym des mehrfachen Grimme-Preistr\u00e4gers Holger Karsten Schmidt (\u201eDas wei\u00dfe Kaninchen\u201c). F\u00fcr \u201eSternstunde der M\u00f6rder\u201c muss er sich nicht verstecken. Da ist viel guter Wille drin. Aber eine Sternstunde des Fernsehens ist diese Miniserie nicht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Sternstunde der M\u00f6rder, Das Erste, Karfreitag, 20.15 Uhr, vier Folgen hintereinander, sowie in der ARD-Mediathek.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Friedhof ist in dieser Serie ein wichtiger Schauplatz, nicht nur wegen der vielen Toten und weil sich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":79061,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[46,42,147,1141,5861,1572,7206,44,3531,156,155,1076,8983,148,4752],"class_list":{"0":"post-79060","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-serien","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-entertainment","11":"tag-fernsehen","12":"tag-geschichte","13":"tag-medien","14":"tag-nationalsozialismus","15":"tag-oesterreich","16":"tag-prag","17":"tag-serien","18":"tag-series","19":"tag-sueddeutsche-zeitung","20":"tag-tschechien","21":"tag-unterhaltung","22":"tag-zweiter-weltkrieg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116332324714561214","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79060","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79060"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79060\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/79061"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79060"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79060"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79060"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}