{"id":80353,"date":"2026-04-02T15:51:07","date_gmt":"2026-04-02T15:51:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/80353\/"},"modified":"2026-04-02T15:51:07","modified_gmt":"2026-04-02T15:51:07","slug":"alpha-a-ist-immer-noch-ein-makel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/80353\/","title":{"rendered":"\u201eAlpha\u201c \u2013 A ist immer noch ein Makel"},"content":{"rendered":"<p>Auf einer Party l\u00e4sst sich die 13j\u00e4hrige Alpha (M\u00e9lissa Boros) ein Tattoo stechen: Wie ein Blitz wirkt das A, das nun ihren Oberarm ziert. Dass ein so junges M\u00e4dchen auf Partys anzufinden ist, k\u00f6nnte f\u00fcr eine gewisse Verwahrlosung sprechen, doch das Gegenteil ist der Fall. Ihre Mutter (Golshifteh Farahani) liebt sie \u00fcber alles, zieht sie seit Jahren allein auf \u2013 vom Vater ist nie die Rede \u2013 und hat es bis zur Position einer \u00c4rztin geschafft.<\/p>\n<p>Anderen zu helfen scheint der Mutter, die namenlos bleibt, angeboren zu sein, denn auch ihren Bruder Amin (Tahar Rahim) pflegt sie, nimmt ihn auf, wenn die Sucht ihn wieder einmal obdachlos gemacht hat, rettet ihm das Leben, wenn er einer \u00dcberdosis nahe ist.<\/p>\n<p>Und als \u00c4rztin wei\u00df die Mutter, welche Gefahr das unbedachte Tattoo f\u00fcr ihre Tochter bedeutet: Ob die Nadel sauber war, will sie von Alpha wissen, ob sie vorher in einem anderen Arm steckte, mit fremdem Blut verschmutzt war. Denn mittels Blut wird das Virus \u00fcbertragen, das auch von Amin l\u00e4ngst Besitz ergriffen hat, das auch die Patienten in dem Krankenhaus qu\u00e4lt, in dem die Mutter arbeitet: Mehr Palliativstation als Krankenhaus, denn das Virus marmorisiert die K\u00f6rper der Infizierten, ergreift langsam aber unausweichlich vom ganzen K\u00f6rper Besitz und verwandelt ihn in eine Statue von unwirklicher Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p>Das A auf Alphas Arm bezieht sich einerseits auf ihren Namen, zitiert das A, das die Ehebrecherin Hester Prynne in Nathanial Hawthrones Roman \u201eDer scharlachrote Buchstabe\u201c als Zeichen ihrer Transgression tragen musste, und verweist schlie\u00dflich auf AIDS.<\/p>\n<p style=\"text-align:center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"481\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/alpha-2.jpg\" width=\"640\"\/><\/p>\n<p>Zwar wird in \u201eAlpha\u201c nie explizit von AIDS oder HIV gesprochen, aber die Bez\u00fcge sind mehr als deutlich. In einer Art Parallelwelt spielt die Geschichte, die so aussieht wie die Welt Anfang der 90er Jahre, in der AIDS seinen gr\u00f6\u00dften Schrecken hatte, die sich aber universeller und am Ende auch phantastischer entwickelt.<\/p>\n<p>Wirkt \u201eAlpha\u201c anfangs noch wie eine jener Geschichten, in denen eine Au\u00dfenseiterin, von ihren Mitsch\u00fclern ausgeschlossen und geh\u00e4nselt wird, entwickelt sich Julia Ducournaus Film bald zu etwas anderem, interessanteren. Zunehmend wird die Welt au\u00dferhalb der Wohnung der Mutter ausgeblendet, konzentriert sich die Geschichte auf Alpha, die Mutter und Amin. Gegenw\u00e4rtiges verschwimmt mit Erinnerungen, in manchen Szenen scheint Alphas 13j\u00e4hriges mit ihrem 5j\u00e4hrigen Ich zu verschmelzen, wie ein Fiebertraum oder den Wahnvorstellungen eines Heroinrausches.<\/p>\n<p>Ihren Darstellern verlangt Julia Ducournau dabei einiges ab, besonders M\u00e9lissa Boros, die hier in ihrer ersten Rolle zu sehen ist und neben Golshifteh Farahani und besonders Tahar Rahim besteht. Abgemagert, mit herausstehenden Rippen, verk\u00f6rpert Rahim seine Figur, zeigt auf ber\u00fchrende Weise sein Leid, seine Sucht, bald auch seinen Wunsch auf Erl\u00f6sung von seinen Qualen.<\/p>\n<p>In vielerlei Hinsicht mutet \u201eAlpha\u201c weniger radikal an als Ducournaus fr\u00fchere Filme \u201eRaw\u201c und \u201eTitane\u201c, die bisweilen ihre Lust an der Provokation ausstellten. \u201eAlpha\u201c dagegen wirkt reifer, bewusster, verliert sich nicht mehr in betont transgressiven Momenten, sondern beschreibt auf emotionale und besonders in der zweiten H\u00e4lfte mitrei\u00dfende Weise, wie drei Menschen herausfinden wollen, wann und ob es sich zu Leben lohnt. Ein \u00fcberraschendes, hartes, ber\u00fchrendes Drama \u00fcber die Folgen einer Epidemie auf eine Familie.<\/p>\n<p>Alpha \u2022 Frankreich, Belgien 2025 \u2022 Regie: Julia Ducournau \u2022 Darsteller: M\u00e9lissa Boros, Golshifteh Farahani, Tahar Rahim \u2022 im Kino \u2022 Abb. \u00a9 Plaion Pictures<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auf einer Party l\u00e4sst sich die 13j\u00e4hrige Alpha (M\u00e9lissa Boros) ein Tattoo stechen: Wie ein Blitz wirkt das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":80354,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[29133,46,42,3370,30795,30801,30800,30799,30798,30797,147,30794,30792,208,30793,30796,1576,1423,15966,2139,40,41,44,2016,97,1331,6990,101,148,6904,100,432],"class_list":{"0":"post-80353","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-kaufen","9":"tag-at","10":"tag-austria","11":"tag-buecher","12":"tag-comics","13":"tag-download","14":"tag-e-book","15":"tag-e-books","16":"tag-ebook","17":"tag-ebooks","18":"tag-entertainment","19":"tag-essay","20":"tag-fiction","21":"tag-film","22":"tag-future","23":"tag-gadget","24":"tag-games","25":"tag-interview","26":"tag-lesen","27":"tag-literatur","28":"tag-nachrichten","29":"tag-news","30":"tag-oesterreich","31":"tag-review","32":"tag-science","33":"tag-science-fiction","34":"tag-stories","35":"tag-technik","36":"tag-unterhaltung","37":"tag-vision","38":"tag-wissenschaft","39":"tag-zukunft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116335914751920126","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80353","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80353"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80353\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/80354"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80353"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80353"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80353"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}