{"id":8097,"date":"2026-02-23T10:05:07","date_gmt":"2026-02-23T10:05:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/8097\/"},"modified":"2026-02-23T10:05:07","modified_gmt":"2026-02-23T10:05:07","slug":"risiken-fuer-maenner-im-alter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/8097\/","title":{"rendered":"Risiken f\u00fcr M\u00e4nner im Alter"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e4nner werden im Durchschnitt nicht so alt wie Frauen. Sie erleiden h\u00e4ufiger Herzinfarkte, entwickeln \u00f6fter eine Herzschw\u00e4che und sind st\u00e4rker von bestimmten Krebsarten betroffen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen z\u00e4hlen bei ihnen zu den h\u00e4ufigsten Todesursachen. Seit Jahren suchen Mediziner nach biologischen Faktoren, die diese Unterschiede erkl\u00e4ren k\u00f6nnten \u2013 neben Lebensstil und Umwelt spielt offenbar auch die Genetik eine Rolle.<\/p>\n<p>Eine Spur f\u00fchrt ins Blut. Mit zunehmendem Alter kommt es bei vielen M\u00e4nnern in einem Teil ihrer K\u00f6rperzellen zum Verlust des Y-Chromosoms. Das geschieht nicht im ganzen K\u00f6rper, sondern vor allem in bestimmten Blutzellen. Zur\u00fcck bleibt ein Mosaik: Manche Zellen tragen weiterhin ein Y, andere nicht mehr \u2013 laut <a href=\"https:\/\/theconversation.com\/men-lose-their-y-chromosome-as-they-age-scientists-thought-it-didnt-matter-but-now-were-learning-more-275823\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">The Conversation<\/a>. Dort wird auch beschrieben, welche gesundheitlichen Folgen das haben kann, von Herzschw\u00e4che bis Krebs.<\/p>\n<p>Verlust des Y-Chromosoms nimmt mit dem Alter deutlich zu<\/p>\n<p>Dieses Mosaik im Blut ist keine Ausnahme. Untersuchungen zeigen: Rund 40 Prozent der 60-j\u00e4hrigen M\u00e4nner haben messbare Anteile von Blutzellen ohne Y. Bei 90-J\u00e4hrigen sind es 57 Prozent. Fachleute sprechen von der h\u00e4ufigsten erworbenen Chromosomenver\u00e4nderung beim Menschen.<\/p>\n<p>Mit jeder Zellteilung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das kleine Chromosom verloren geht. Alter ist der wichtigste Treiber. <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/rauchen-belastet-die-psyche-jede-zigarette-verstaerkt-depression\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Rauchen <\/a>erh\u00f6ht das Risiko zus\u00e4tzlich. Auch genetische Faktoren wirken mit: Rund 150 bekannte Genvarianten beeinflussen Zellzyklus und Krebsanf\u00e4lligkeit. Etwa ein Drittel der H\u00e4ufigkeit l\u00e4sst sich darauf zur\u00fcckf\u00fchren.<\/p>\n<p>Deutsche Herzstudie beziffert das Sterberisiko<\/p>\n<p>Wie stark sich das im Alltag auswirken kann, zeigte bereits eine im Februar 2025 ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/eurheartj\/article\/46\/17\/1603\/8009275\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Untersuchung<\/a> aus Deutschland. Ein Team um <a href=\"https:\/\/historischesarchiv.dgk.org\/files\/2020\/12\/cv_zeiher.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Andreas Zeiher<\/a> von der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt analysierte Blutproben von fast 1.700 M\u00e4nnern aus der <a href=\"https:\/\/www.luric.online\/luric2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">LURIC-Studie<\/a>. Die Teilnehmer hatten sich zwischen 1997 und 2000 einer Herzkatheteruntersuchung unterzogen. Danach wurden sie \u00fcber Jahre weiterbeobachtet.<\/p>\n<p>M\u00e4nner mit einem hohen Anteil Y-loser Blutzellen hatten eine um 50 Prozent erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit, an den Folgen eines Herzinfarkts zu sterben. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt traten h\u00e4ufiger auf.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Ergebnisse zeigen, dass Chromosomen-Ver\u00e4nderungen, die mit dem Alter auftreten, m\u00f6glicherweise eine gr\u00f6\u00dfere Rolle f\u00fcr die Herzgesundheit spielen, als wir bisher dachten\u201c, sagte Zeiher laut dem Deutschen Zentrum f\u00fcr Herz-Kreislauf-Forschung (<a href=\"https:\/\/dzhk.de\/newsroom\/aktuelles\/news\/artikel\/verlust-des-y-chromosoms-als-neuer-risikofaktor-fuer-herzerkrankungen-entdeckt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">DZHK<\/a>).<\/p>\n<p>Im Labor fiel noch etwas auf: <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/mit-50-beginnt-stiller-umbau-blutalterung-laeuft-wie-ein-uhrwerk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Blutzellen<\/a> ohne Y setzen vermehrt entz\u00fcndliche Botenstoffe frei. Das beg\u00fcnstigt Narben im Herzmuskel. Vernarbtes Gewebe verliert Elastizit\u00e4t. Die Pumpleistung sinkt. So entsteht Herzinsuffizienz.<\/p>\n<p>Tiermodell st\u00fctzt Zusammenhang mit Herzschw\u00e4che<\/p>\n<p>Ob dahinter mehr steckt als eine statistische Begleiterscheinung, pr\u00fcfte 2022 ein Team um <a href=\"https:\/\/www.ncvc.go.jp\/english\/res\/cvm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Soichi Sano<\/a>. Die in Science ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.abn3100\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Studie<\/a> ersetzte bei M\u00e4usen das Knochenmark durch Zellen ohne Y-Chromosom. Damit simulierten die Forscher gezielt den Verlust im blutbildenden System.<\/p>\n<p>Die Tiere entwickelten h\u00e4ufiger Herzfibrose und eine eingeschr\u00e4nkte Herzleistung. Auch ihre Sterblichkeit stieg. Bestimmte Immunzellen f\u00f6rderten verst\u00e4rkt Bindegewebe. Blockierte das Team den Entz\u00fcndungsfaktor TGF-\u03b21 mit einem Antik\u00f6rper, besserte sich die Herzfunktion im Mausmodell.<\/p>\n<p>Auch in begleitenden Analysen beim Menschen zeigte sich: Je h\u00f6her der Anteil an Zellen ohne Y im Blut, desto gr\u00f6\u00dfer das Risiko f\u00fcr Herzkrankheiten.<\/p>\n<p>Hinweise auf Zusammenhang mit Krebs und Demenz<\/p>\n<p>Das Herz ist nicht das einzige Organ im Blick. In Blutproben von Alzheimer-Patienten fanden Forscher eine bis zu zehnfach h\u00f6here H\u00e4ufigkeit des Y-Chromosom-Verlusts. Mehrere Studien berichten \u00fcber Zusammenh\u00e4nge mit verschiedenen Krebsarten und einer verk\u00fcrzten Lebenszeit.<\/p>\n<p>Das Y-Chromosom enth\u00e4lt 51 protein-kodierende Gene. Lange hielt man es au\u00dferhalb der Geschlechtsentwicklung f\u00fcr wenig relevant. Einige dieser Gene wirken jedoch als Tumorunterdr\u00fccker oder steuern Immunreaktionen. Fehlt das Chromosom in einer Zelle, ver\u00e4ndern sich Regulationsprozesse. Im Labor vermehren sich solche Zellen teils schneller. Das kann ihnen im Tumorgewebe Vorteile verschaffen.<\/p>\n<p>Bluttest k\u00f6nnte Risikogruppen sichtbar machen<\/p>\n<p>Heute l\u00e4sst sich der Verlust mit molekularen Methoden im Blut bestimmen. In der Kardiologie wird deshalb diskutiert, ob er sich als zus\u00e4tzlicher Risikomarker eignet.<\/p>\n<p>\u201eLangfristig k\u00f6nnte die Messung des Y-Chromosom-Verlusts dabei helfen, M\u00e4nner mit einem besonders hohen Risiko fr\u00fchzeitig zu identifizieren und gezielt zu behandeln\u201c, so Zeiher.<\/p>\n<p>Ob das fehlende Chromosom selbst Krankheiten antreibt oder eher ein Zeichen f\u00fcr eine generelle Instabilit\u00e4t des Erbguts ist, bleibt offen. Klar ist: Das kleine Y beeinflusst im alternden K\u00f6rper mehr Prozesse, als lange angenommen, vor allem im Immunsystem und im Herzgewebe.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>Viele M\u00e4nner verlieren mit dem Alter in einem Teil ihrer Blutzellen das Y-Chromosom \u2013 bereits 40 Prozent der 60-J\u00e4hrigen und mehr als die H\u00e4lfte der 90-J\u00e4hrigen sind betroffen.<\/p>\n<p>Je gr\u00f6\u00dfer dieser Anteil, desto h\u00f6her das Risiko: Eine deutsche Langzeitstudie fand ein um 50 Prozent erh\u00f6htes Sterberisiko nach Herzinfarkt; weitere Untersuchungen zeigen Verbindungen zu Krebs und Alzheimer.<\/p>\n<p>Forscher vermuten, dass Y-lose Immunzellen Entz\u00fcndungen und Vernarbung f\u00f6rdern \u2013 deshalb gilt der im Blut messbare Verlust heute als m\u00f6glicher Marker f\u00fcr altersbedingte Risiken bei M\u00e4nnern.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: W\u00e4hrend M\u00e4nner im Alter wom\u00f6glich ein sch\u00fctzendes Y verlieren, wird bei Frauen offenbar ein \u201eschlafendes\u201c X wieder aktiv \u2013 und st\u00e4rkt laut Forschern das Ged\u00e4chtnis bis ins hohe Alter. Welche Rolle ein bestimmtes Gen dabei spielt und was das f\u00fcr neue Therapien gegen Demenz bedeuten k\u00f6nnte, mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/zusaetzliches-x-chromosom-haelt-frauen-auch-im-alter-mental-fit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p>Bild: \u00a9 <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/ein-mann-posiert-vor-einem-gebaude-H1WTP0EPGjg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Unsplash<\/a><\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00e4nner werden im Durchschnitt nicht so alt wie Frauen. 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