{"id":83461,"date":"2026-04-04T08:56:07","date_gmt":"2026-04-04T08:56:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/83461\/"},"modified":"2026-04-04T08:56:07","modified_gmt":"2026-04-04T08:56:07","slug":"was-mel-gibsons-passion-christi-schon-vor-20-jahren-wusste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/83461\/","title":{"rendered":"Was Mel Gibsons \u201ePassion Christi\u201c schon vor 20 Jahren wusste"},"content":{"rendered":"<p>Mit \u201eDie Passion Christi\u201c inszenierte Mel Gibson einen Film \u00fcber die Krise des Glaubens. Warum diese \u00c4sthetik des Kampfes erstaunlich anschlussf\u00e4hig an die Gegenwart ist und was Supermodels mit dem Christentum verbindet.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Gemessen an der Ewigkeit sind 20 Jahre nur ein Wimpernschlag. Doch nach der Logik irdischer Kulturrezeption stellen zwei Jahrzehnte in etwa die Grenze dar, ab der ein k\u00fcnstlerisches Werk unter dem Namen \u201eKlassiker\u201c firmieren darf. Ein Klassiker, das ist etwas, das die Zeit \u00fcberstanden hat. Mel Gibsons Film \u201eDie Passion Christi\u201c von 2004 ist ein solcher Fall. Wer sich zu Ostern, dem Fest der Auferstehung, diesen verfilmten Exzess der Zerst\u00f6rung ansieht, merkt: Der Film hat die Zeit nicht nur \u00fcberdauert, er hat zugleich auf eine Gegenwart vorausgedeutet, in der Pathos, Opfermythen und identit\u00e4re Narrative wieder verst\u00e4rkt Konjunktur haben.<\/p>\n<p>Seine Radikalit\u00e4t machte den Film damals zum Skandal und Erfolg gleicherma\u00dfen. Geistliche rieten vom Kinobesuch ab, die damalige Vizepr\u00e4sidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch empfand nur \u201eAbscheu\u201c und beklagte den Verbrauch von \u201eUnmengen Ketchup der Visagisten\u201c.<\/p>\n<p>Blut, Staub, Haut \u2013 eine \u00c4sthetik des Kampfs durchbohrt den ganzen Film wie ein rostiger Nagel das Holzkreuz. Erz\u00e4hlt werden die letzten zw\u00f6lf Stunden im Leben Jesu von Nazareth. Doch \u201eDie Passion Christi\u201c ist kein Film \u00fcber den Glauben, sondern \u00fcber dessen Krise. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/mel-gibson\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/mel-gibson\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gibson<\/a> stellt seinen Jesus als Ikone der Standhaftigkeit im Schmerz dar, f\u00fcr einen zweifelnden oder ambivalenten Erl\u00f6ser ist kein Raum. Damit nimmt der Film eine Form der Bildpolitik vorweg, die sich erstaunlich nahtlos in die visuelle Kultur des zeitgen\u00f6ssischen MAGA-Kults einf\u00fcgt: grell, eindeutig und emotional \u00fcbercodiert.<\/p>\n<p>Trump selbst inszeniert sich seit Jahren genauso: als M\u00e4rtyrer, als verfolgter Gerechter und Leidender, der im Zentrum eines permanenten Kreuzwegs aus juristischen Anklagen und Medienattacken steht. Auch das ber\u00fchmt gewordene Foto des Attentats auf ihn folgt dieser Ikonografie: ein von unten abgelichteter Trump mit blutverschmierter Wange, die Faust nach oben gereckt, der Mund k\u00e4mpferisch zum Ruf geformt, hinter ihm nur die US-Flagge und der gro\u00dfe weite Himmel. <\/p>\n<p>Auf die nur knapp entgangene Kreuzigung folgt die unmittelbare Auferstehung. Und w\u00e4hrend es in der \u201ePassion Christi\u201c das ehemalige Supermodell <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/monica-bellucci\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/monica-bellucci\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Monica Bellucci<\/a> in der Rolle der Maria Magdalena ist, die das Blut Jesu mit T\u00fcchern wegwischt, steht in der politischen Gegenwart das Ex-Fotomodell <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/melania-trump\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/melania-trump\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Melania Trump<\/a> in ostentativer Ruhe an der Seite ihres Mannes. Sch\u00f6nheit und das Leiden gingen im Christentum immer schon Hand in Hand.<\/p>\n<p>Angesichts dieses Kults des Kampfes war es nur folgerichtig, dass der Kulturk\u00e4mpfer Trump nach seinem zweiten Amtsantritt den Regisseur der \u201ePassion Christi\u201c zum \u201eSonderbotschafter Hollywoods\u201c ernannte. Gibson als Stellvertreter Donalds in Los Angeles \u2013 der \u201eStadt der Engel\u201c. Nebenbei werkelt der 70-j\u00e4hrige Gibson, mittlerweile mit alttestamentarischem Rauschebart, am Ewigkeits-Epos weiter: F\u00fcr das Fr\u00fchjahr 2027 ist der erste Teil der zweiteiligen Nachfolger-Saga \u201eDie Passion Christi: Auferstehung\u201c angek\u00fcndigt, die Dreharbeiten begannen vergangenen Oktober \u2013 in Rom.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit \u201eDie Passion Christi\u201c inszenierte Mel Gibson einen Film \u00fcber die Krise des Glaubens. 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