{"id":84501,"date":"2026-04-04T23:35:25","date_gmt":"2026-04-04T23:35:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/84501\/"},"modified":"2026-04-04T23:35:25","modified_gmt":"2026-04-04T23:35:25","slug":"vorwuerfe-gegen-den-chef-wer-soll-sie-untersuchen-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/84501\/","title":{"rendered":"Vorw\u00fcrfe gegen den Chef \u2013 wer soll sie untersuchen? \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Wenn in einem Unternehmen Vorw\u00fcrfe gegen F\u00fchrungskr\u00e4fte auftauchen, wom\u00f6glich gar gegen ein Mitglied der obersten Hierarchieebene: Wie geht man damit um? Durch die Ereignisse beim <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/orf\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" orf:=\"\" wenn=\"\" vorw=\"\" gegen=\"\" den=\"\" chef=\"\" auftauchen=\"\" wer=\"\" soll=\"\" sie=\"\" untersuchen=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ORF<\/a> ist dieses Thema in den Blickpunkt ger\u00fcckt. Und, so viel vorweg: Wenn die betroffene Organisation dann nicht wegschaut, sondern sich der Sache annimmt, hat sie damit bereits einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gesetzt.<\/p>\n<p>Aber wie sollte in solchen F\u00e4llen vorgegangen werden? Sich damit auseinanderzusetzen, auch ohne aktuellen Anlass, ist f\u00fcr jedes Unternehmen wichtig, denn jedes kann irgendwann betroffen sein. \u201eDie Presse\u201c hat dar\u00fcber mit Rechtsanwalt Alexander Petsche gesprochen. Er ist Partner bei Baker McKenzie und unter anderem auf Compliance-Systeme und Internal Investigations spezialisiert. Was den Rechtsrahmen f\u00fcr Letzteres betrifft, verweist er auf das HinweisgeberInnenschutzgesetz, das am 25. Februar 2023 in Kraft trat. Dieses enth\u00e4lt n\u00e4mlich nicht nur jene Schutzvorschriften, auf die sich der Titel bezieht. Sondern auch Vorgaben daf\u00fcr, wie Unternehmen mit Informationen \u00fcber m\u00f6gliche Missst\u00e4nde umgehen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Jeder Hinweis muss demnach behandelt werden. \u201eUnd zwar objektiv und weisungsfrei durch eine neutrale Person.\u201c In vielen (gr\u00f6\u00dferen) Unternehmen liegt die Zust\u00e4ndigkeit daf\u00fcr beim Compliance Officer oder der Internen Revision. Was grunds\u00e4tzlich auch rechtskonform ist, wenn sie in solchen Angelegenheiten weisungsfrei sind und sichergestellt ist, dass im konkreten Einzelfall keine Befangenheit vorliegt. <\/p>\n<p>Sobald aber eine Untersuchung die Gesch\u00e4ftsleitung betrifft, und sei es auch ein ehemaliges Mitglied, sto\u00dfen unternehmensinterne Stel\u00adlen, die selbst an Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung bzw. Vorstand berichten, an ihre Grenzen. \u201eMan sollte sie gar nicht damit belasten\u201c, sagt Petsche. Es darf n\u00e4mlich nicht einmal der Anschein entstehen, sie h\u00e4tten ein bestimmtes Ergebnis \u201eliefern m\u00fcssen\u201c. Egal in welche Richtung.<\/p>\n<p>Aber was folgt daraus? M\u00fcssen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung bzw. Vorstand die Causa dann zur Chefsache machen? Selbst das l\u00f6st das Dilemma nicht. Denn eine \u201eneutrale Stelle\u201c im Sinne des Gesetzes ist auch die Gesch\u00e4ftsleitung nicht, wenn eines ihrer Mitglieder von Vorw\u00fcrfen betroffen ist. \u201eDer Vorstand kann sich nicht selbst untersuchen\u201c, bringt es Petsche auf den Punkt. Selbst wenn die direkt betroffene Person f\u00fcr die Dauer der Untersuchung freigestellt wurde oder sogar ihr Amt endg\u00fcltig zur\u00fcckgelegt hat, w\u00fcrde das nichts daran \u00e4ndern, dass bei den (ehemaligen) Vorstandskollegen zumindest der Anschein einer Befangenheit besteht.<\/p>\n<p>Welche M\u00f6glichkeiten bleiben dann noch? Gibt es einen Aufsichtsrat, kann dieser die Untersuchung koordinieren, vorausgesetzt, die Mitglieder sind im konkreten Fall tats\u00e4chlich neutral und unbefangen. Oder aber man lagert diese Aufgabe komplett an eine externe Stelle aus. Was auch in anderen, nicht ganz so brisanten F\u00e4llen eine \u00fcberlegenswerte Alternative sein kann. <\/p>\n<p>Meist sind es dann Anwalts- oder Wirtschaftspr\u00fcfungskanzleien, die solche Pr\u00fcfungen \u00fcbernehmen. \u201eDie eigenen Anw\u00e4lte sollten es aber wom\u00f6glich nicht sein\u201c, relativiert Petsche. Denn bei Rechtsberatern oder Pr\u00fcfern, die f\u00fcr das Unternehmen t\u00e4tig sind oder waren, w\u00fcrde es ebenfalls an der gebotenen Unbefangenheit mangeln, insbesondere, wenn sie mit dem betroffenen Vorstandsmitglied zu tun hatten. Sinnvoll sei es vielmehr, eine Auftragsvergabe nach objektiven Kriterien durchzuf\u00fchren und daf\u00fcr mehrere Angebote von Kanzleien einzuholen, mit denen das Unternehmen j\u00fcngst in keinerlei gesch\u00e4ftlicher Verbindung stand. <\/p>\n<p>Und wie sollte die Untersuchung ablaufen? \u201eWichtig ist zun\u00e4chst eine klare Definition der Ziele\u201c, sagt Petsche. Davon d\u00fcrfe dann auch nicht abgewichen werden. Weder darf die Untersuchung auf halbem Weg abgebrochen werden, bevor ein eindeutiges Ergebnis vorliegt und erforderlichenfalls Ma\u00dfnahmen gesetzt wurden, noch darf die beauftragte Stelle von einem Thema zum n\u00e4chsten springen, falls der urspr\u00fcngliche Vorwurf sich nicht best\u00e4tigt. Sollte man auf schwerwiegende andere Verdachtsmomente sto\u00dfen, \u201emuss man sich daf\u00fcr einen neuen Auftrag holen\u201c, sagt Petsche.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt zu einem weiteren wichtigen Punkt, der in der Praxis nicht immer hinreichend ber\u00fccksichtigt wird und der jede interne Untersuchung betrifft, egal auf welcher Hierarchieebene sie erfolgt und von wem sie durchgef\u00fchrt wird: Nicht nur Hinweisgeber sind zu sch\u00fctzen. Sondern auch jene Person, die von einer Untersuchung betroffen ist. Auch das ist gesetzlich verankert. <\/p>\n<p>Vertraulichkeit bis zum Abschluss der Untersuchung ist daher geboten. Und ebenso, dass diese \u201erein faktenbasiert und ohne Bias abl\u00e4uft\u201c, sagt Petsche. Das beginnt damit, dass keine befangenen Personen mitmischen, und reicht bis zur Art und Weise, wie am Ende der Bericht formuliert wird. Angenommen, ein Vorwurf hat sich nicht best\u00e4tigt: Dann sollte beispielsweise im Abschlussbericht nicht mitschwingen, es sei blo\u00df der Nachweis nicht gelungen.  <\/p>\n<p>Und noch etwas betont der Anwalt: Damit Compliance Teil der Unternehmenskultur wird und Besch\u00e4ftigte sich trauen, m\u00f6gliche Missst\u00e4n\u00adde anzusprechen, brauche es nicht blo\u00df Guidelines auf dem Papier. Sondern den entsprechenden \u201etone from the top\u201c. \u201eDie oberste F\u00fchrungsebene muss das Thema ziehen. Dass das gewollt ist, muss klar sein.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn in einem Unternehmen Vorw\u00fcrfe gegen F\u00fchrungskr\u00e4fte auftauchen, wom\u00f6glich gar gegen ein Mitglied der obersten Hierarchieebene: Wie geht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":84502,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[46,42,4472,147,44,156,155,148],"class_list":{"0":"post-84501","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-serien","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-compliance","11":"tag-entertainment","12":"tag-oesterreich","13":"tag-serien","14":"tag-series","15":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116349063820502366","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84501","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=84501"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/84501\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/84502"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=84501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=84501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=84501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}