{"id":85834,"date":"2026-04-05T19:33:15","date_gmt":"2026-04-05T19:33:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/85834\/"},"modified":"2026-04-05T19:33:15","modified_gmt":"2026-04-05T19:33:15","slug":"niederlande-deep-canvassing-soll-gesellschaftliche-bruecken-bauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/85834\/","title":{"rendered":"Niederlande: Deep Canvassing soll gesellschaftliche Br\u00fccken bauen"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/menschen-haustuere-100.jpg\" alt=\"Menschen unterhalten sich an einem Hauseingang.\" title=\"Menschen unterhalten sich an einem Hauseingang. | Hanna Rudner\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 05.04.2026 \u2022 15:42 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Freiwillige in den Niederlanden klingeln an fremden T\u00fcren und suchen das Gespr\u00e4ch. Nicht, um zu \u00fcberzeugen, sondern um zuzuh\u00f6ren. Kann das sogenannte Deep Canvassing Br\u00fccken bauen? Nicht immer.\n    <\/p>\n<p>Von Eva M\u00fcnch, ARD Br\u00fcssel\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Alltag w\u00e4ren sich Bas van Veen und die junge Frau an der Haust\u00fcr in Den Haag wohl nie begegnet &#8211; zu unterschiedlich sind ihr Alter und Lebensumfeld. Doch genau das sucht der 32-j\u00e4hrige Bas van Veen. Daf\u00fcr klingelt er zusammen mit anderen Freiwilligen f\u00fcr &#8222;Deep Canvassing&#8220; an fremden T\u00fcren. Das Ziel, mit fremden Menschen sprechen, mit denen man sonst nicht in Kontakt gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Prinzip ist einfach: An den Anfang stellt van Veen eine Aussage zum Thema Migration. Sein Gegen\u00fcber an der Haust\u00fcr bewertet sie auf einer Skala von eins bis zehn, von &#8222;stimme nicht zu&#8220; bis &#8222;stimme voll zu&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In diesem Fall beginnt Bas mit: &#8222;Jeder in den Niederlanden hat ein Recht auf Wohnung, Arbeit, Gesundheitsversorgung und Bildung &#8211; auch Migranten&#8220;. Die junge Frau z\u00f6gert nicht lange: eine zehn. Die beiden sind sich schnell einig. Erst dann beginnt das eigentliche Gespr\u00e4ch. Van Veen fragt nach, will verstehen, welche Erfahrungen sie gepr\u00e4gt haben und wie sie zu ihrer Haltung gekommen ist.<\/p>\n<p>    Empathie als Methode<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zuh\u00f6ren und empathisch sein, das ist der Kern von Deep Canvassing &#8211; auch dann, wenn die Meinungen auseinandergehen. Wir wollen miteinander reden, erkl\u00e4rt van Veen. Es gehe nicht darum, jemanden zu \u00fcberzeugen, sondern darum, pers\u00f6nliche Geschichten zu teilen und einander zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Gruppe ist nicht zum ersten Mal in diesem Viertel unterwegs. Sie sucht gezielt Gegenden auf, in denen besonders viele Menschen rechtspopulistische Parteien w\u00e4hlen, die sich mit scharfer Rhetorik gegen Migration wenden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">An 200 T\u00fcren haben sie hier schon geklingelt, manche \u00f6ffnen sich, andere bleiben verschlossen.<\/p>\n<p>    Ursprung in den USA<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Methode des Deep Canvassing &#8211; auf Deutsch etwa, tiefgehendes Werben &#8211; stammt aus den USA. Dort wurde sie erstmals 2008 im Zusammenhang mit einer Volksabstimmung zur gleichgeschlechtlichen Ehe eingesetzt, sp\u00e4ter dann auch im Wahlkampf der Demokraten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Studien aus den USA zeigen, dass Deep Canvassing dort wirksam ist, so Mariken van der Velden, Professorin f\u00fcr Politik und Medien an der Vrije Universiteit in Amsterdam: Durch Deep Canvassing w\u00fcrden Menschen dabei mit Personen in Kontakt kommen, die sie sonst als grundlegend verschieden wahrnehmen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nicht nur in ihren politischen Ansichten, sondern auch emotional: &#8222;Negative Gef\u00fchle gegen\u00fcber diesen Gruppen &#8211; von Ablehnung bis hin zum Hass &#8211; k\u00f6nnen dadurch abnehmen&#8220;, so van der Velden.<\/p>\n<p>\n                    Ein agree to disagree: Man einigt sich darauf, unterschiedlicher Meinung zu sein: Ich bin nicht damit einverstanden, dass du diese Position vertrittst, aber ich lasse zu, dass du diese Position vertrittst.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ob das in Europa genauso ist, ist bislang noch nicht erforscht. Die niederl\u00e4ndische Initiative Deep Canvassing versteht sich als parteienunabh\u00e4ngig &#8211; auch, wenn bislang mehr Menschen aus dem linken Spektrum teilnehmen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Bewegung wird von Spenden finanziert und zieht in den letzten Jahren immer mehr Menschen an. Was vor drei Jahren klein begann, ist mittlerweile zu einem Netzwerk mit 250 Freiwilligen in mehreren St\u00e4dten geworden.<\/p>\n<p>    Unterwegs in politisch gespaltenen Vierteln<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die junge Frau an der Haust\u00fcr jedenfalls zeigt sich offen. Gut finde sie es, was van Veen mache. Er ist optimistisch, als er zur\u00fcck auf die Stra\u00dfe geht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch dort begegnet ihm auch das Gegenteil: Ein Mann auf einem Roller taucht hinter ihm auf, er ist in einem Videoanruf und richtet die Kamera auf van Veen. Die Stimmung wird angespannt, ein zweiter Mann kommt angefahren, wird laut und droht. Sie sollten verschwinden, und zwar schnell.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als sie das Viertel verlassen, hat Bas van Veen Tr\u00e4nen in den Augen. Die Situation gehe ihm nahe, so was h\u00e4tten sie noch nie erlebt, sagt die Gruppe. In den vergangenen Wochen h\u00e4tten sie mit Hunderten Menschen gesprochen &#8211; viele Begegnungen seien offen und bereichernd gewesen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Trotz der angespannten Situation wollen die Teilnehmenden weitermachen. Der Vorfall habe gezeigt, dass Polarisierung stattfinde, so Teilnehmer Thomas: &#8222;Und genau das ist der Punkt &#8211; zumindest was meine pers\u00f6nliche Motivation betrifft, mich zu engagieren und mehr Menschen dazu zu bewegen, etwas gegen die Polarisierung und die S\u00fcndenbock-Rhetorik zu unternehmen. Ich bin motiviert, weiterzumachen.&#8220; Auch, wenn manche Viertel ihnen verschlossen bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 05.04.2026 \u2022 15:42 Uhr Freiwillige in den Niederlanden klingeln an fremden T\u00fcren und suchen das Gespr\u00e4ch. 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