{"id":85958,"date":"2026-04-05T21:08:33","date_gmt":"2026-04-05T21:08:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/85958\/"},"modified":"2026-04-05T21:08:33","modified_gmt":"2026-04-05T21:08:33","slug":"feiertage-in-europa-was-kostet-ein-freier-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/85958\/","title":{"rendered":"Feiertage in Europa: Was kostet ein freier Tag?"},"content":{"rendered":"<p>Jeden Fr\u00fchling kommt Europa wegen einer ganzen Reihe von Feiertagen fast zum Stillstand.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag \u2013 gesetzliche Feiertage, die sich von M\u00e4rz bis Mai aneinanderreihen.<\/p>\n<p>Doch \u00d6konominnen und \u00d6konomen (und vielleicht die eine oder andere kostenbewusste Arbeitgeberin) stellen seit Langem eine unangenehme Frage: Was kostet es eine Volkswirtschaft, Besch\u00e4ftigten bezahlte freie Tage zu gew\u00e4hren?<\/p>\n<p>D\u00e4nemark lieferte 2024 eine n\u00fcchterne Antwort. Die Regierung schaffte den Gro\u00dfen Gebetstag \u2013 \u201eStore Bededag\u201c, einen fast 340 Jahre alten lutherischen Feiertag am vierten Freitag nach Ostern \u2013 ab. Nicht aus theologischen Gr\u00fcnden, sondern um Waffen zu finanzieren.<\/p>\n<p>Die Regierung in Kopenhagen rechnete vor, dass die Streichung pro Jahr rund drei Milliarden d\u00e4nische Kronen (400 Mio. Euro) an zus\u00e4tzlichen Steuereinnahmen bringt. Das Geld brauche man, um die Verteidigungsausgaben in Richtung des NATO-Ziels von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Das Parlament stimmte im Februar 2023 zu, in Kraft trat die Regelung ein Jahr sp\u00e4ter. Das l\u00f6ste Stra\u00dfenproteste aus und eine Welle inoffizieller Krankmeldungen an dem Tag, der der erste gestrichene Feiertag gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Bis heute ist dies das deutlichste j\u00fcngere Beispiel daf\u00fcr, dass eine Regierung einem freien Tag einen Preis gibt.<\/p>\n<p>D\u00e4nemark steht damit jedoch nicht allein.<\/p>\n<p>Portugal strich 2012 vier Feiertage \u2013 zwei staatliche Gedenktage, den Tag der Republik und den Tag der Wiederherstellung der Unabh\u00e4ngigkeit, sowie Fronleichnam und Allerheiligen. Das war Teil des Sparprogramms nach der Schuldenkrise. 2016, als der h\u00e4rteste Sparkurs vorbei war, f\u00fchrte die Regierung alle vier Feiertage wieder ein.<\/p>\n<p>\u00d6konominnen und \u00d6konomen, die den portugiesischen Fall untersuchten, taten sich schwer, den Effekt sauber herauszufiltern, da die \u00c4nderungen tief in ein ganzes B\u00fcndel weiterer Reformen eingebettet waren. Politisch stand dahinter jedoch dieselbe Logik wie in D\u00e4nemark: In einer angespannten Haushaltslage erscheint ein Feiertag weniger als etwas, das Regierungen gerne zus\u00e4tzlich \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Was Studien zu Feiertagen zeigen<\/p>\n<p>Die klarsten l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Daten liefern die \u00d6konomen Lucas Rosso und Rodrigo Wagner. Ihr Arbeitspapier, auf das sich auch der IWF in seiner Analyse zur Abschaffung des d\u00e4nischen Feiertags 2023 st\u00fctzt, nutzt ein nat\u00fcrliches Experiment mit rund 200 L\u00e4ndern im Zeitraum von 2000 bis 2019.<\/p>\n<p>F\u00e4llt ein gesetzlicher Feiertag auf ein Wochenende und wird nicht durch einen Ersatzruhetag kompensiert, gewinnt ein Land in diesem Jahr stillschweigend einen zus\u00e4tzlichen Arbeitstag. Diese quasi zuf\u00e4llige Variation nutzten die Forscher, um den kausalen Effekt zu bestimmen.<\/p>\n<p>Sie kamen auf eine Elastizit\u00e4t des BIP gegen\u00fcber Arbeitstagen von rund 0,2. Vereinfacht hei\u00dft das: Ein zus\u00e4tzlicher Feiertag kostet im Schnitt etwa 0,08 Prozent der Jahresproduktion. Das ist nur etwa die H\u00e4lfte dessen, was eine einfache Arbeitsstundenrechnung erwarten lie\u00dfe, weil Gastronomie und Tourismus einen Teil der Ausf\u00e4lle auffangen.<\/p>\n<p>Am st\u00e4rksten zeigt sich der Effekt in der Industrieproduktion. In Branchen wie Bergbau oder Landwirtschaft, die ohnehin weitgehend durchlaufen, ist er kaum messbar.<\/p>\n<p>Die Summen sind betr\u00e4chtlich. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt lag 2024 bei \u00fcber 4,3 Billionen Euro. Ein einziger entfallener Arbeitstag entspricht damit rechnerisch rund 3,4 Milliarden Euro an nicht erzeugter Wertsch\u00f6pfung \u2013 bevor gegenl\u00e4ufige Effekte ber\u00fccksichtigt sind.<\/p>\n<p>Kleinere Volkswirtschaften verlieren absolut betrachtet weniger, im Verh\u00e4ltnis zur Wirtschaftsleistung aber genauso viel \u2013 und sie g\u00f6nnen sich oft mehr Feiertage.<\/p>\n<p>Feiertagsgef\u00e4lle in Europa<\/p>\n<p>Die Unterschiede zwischen den EU-Staaten sind gro\u00df.<\/p>\n<p>Laut EURES, dem von der Europ\u00e4ischen Arbeitsbeh\u00f6rde betriebenen Portal f\u00fcr Arbeitsmobilit\u00e4t, hat Litauen in diesem Jahr f\u00fcnfzehn gesetzliche Feiertage, ebenso wie Zypern.<\/p>\n<p>Am anderen Ende der Skala steht Deutschland mit neun bundesweiten Feiertagen \u2013 einzelne Bundesl\u00e4nder legen noch eigene obendrauf.<\/p>\n<p>D\u00e4nemark kommt nach dem Wegfall von Store Bededag auf zehn Feiertage. Das ist einer weniger als vor 2024 und liegt unter dem europaweiten Durchschnitt von 11,7 Tagen, den Eurostat ausweist.<\/p>\n<p>Diese L\u00fccke hat sp\u00fcrbare finanzielle Folgen.<\/p>\n<p>Ein Land mit f\u00fcnfzehn statt neun Feiertagen verzichtet nach dem Modell von Rosso und Wagner im Jahr auf rund 0,48 Prozent zus\u00e4tzlicher Wirtschaftsleistung \u2013 noch bevor man gegenrechnet, was zus\u00e4tzliche Konsumausgaben ausgleichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Litauen mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 79 Milliarden Euro im Jahr 2024 entspricht das im Vergleich zu Deutschland einem rein rechnerischen Produktionsunterschied von etwa 360 Millionen Euro pro Jahr.<\/p>\n<p>Gegenargument Produktivit\u00e4t<\/p>\n<p>\u00d6konominnen und \u00d6konomen warnen allerdings davor, freie Tage als reine Verschwendung abzutun.<\/p>\n<p>Dasselbe IWF-Papier zu D\u00e4nemark betont, dass der Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und Produktion nicht linear ist. Je l\u00e4nger Menschen arbeiten, desto geringer wird der zus\u00e4tzliche Ertrag jeder weiteren Stunde. Eine ausgeruhte Belegschaft kann \u00fcber die Woche hinweg pro Stunde mehr leisten.<\/p>\n<p>Die Studie von Rosso und Wagner zeigt au\u00dferdem: In Jahren mit mehr vor\u00fcbergehenden Feiertagen sinkt die Zahl der Arbeitsunf\u00e4lle. Kurzfristige Umfragen melden zudem messbar bessere Laune. Solche Effekte tauchen im BIP nicht auf, sind f\u00fcr das Wohlbefinden einer Gesellschaft aber relevant.<\/p>\n<p>Keine europ\u00e4ische Regierung denkt ernsthaft daran, Feiertage komplett abzuschaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Jeden Fr\u00fchling kommt Europa wegen einer ganzen Reihe von Feiertagen fast zum Stillstand. 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