{"id":86444,"date":"2026-04-06T06:40:07","date_gmt":"2026-04-06T06:40:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/86444\/"},"modified":"2026-04-06T06:40:07","modified_gmt":"2026-04-06T06:40:07","slug":"popsongs-fuer-und-ueber-den-april-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/86444\/","title":{"rendered":"Popsongs f\u00fcr und \u00fcber den April \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Vier unserer Monate hei\u00dfen nach G\u00f6ttern (Janus, Mars, Maia, Juno), zwei nach Herrschern (Julius Caesar, Augustus), einer nach einem Fest (dem S\u00fchne- und Reinigungsfest Februa), vier fantasielos nach ihnen einst zugeordneten Zahlen: sieben, acht, neun, zehn. Bleibt der April: Wonach ist er benannt? Nach der Liebesg\u00f6ttin Aphrodite, sagen manche, andere leiten das Wort vom Sonnenschein (\u201eapricum\u201c) ab, wieder andere von den Knospen oder Erdschollen, die sich im Fr\u00fchling \u00f6ffnen (\u201eaperire\u201c).<\/p>\n<p>Das Sonnenlicht, und zwar im M\u00fcnchner Hofgarten, kommt auch bald in dem Gedicht vor, das nicht nur allen Englischlehrern einf\u00e4llt, wenn der April hereinbricht. \u201eThe Waste Land\u201c von T. S. Eliot f\u00e4ngt mit den Zeilen an: \u201eApril is the cruellest month, breeding lilacs out of the dead land.\u201c <\/p>\n<p>Der grausamste Monat. Weil er den Winter abl\u00f6st, der uns warm gehalten hat, wie es paradox bei Eliot hei\u00dft? Auch der damals sehr jungen Rockband Deep Purple fiel 1969 f\u00fcr ihre h\u00fcbsche Klassik-Rock-Suite \u201eApril\u201c das Gedicht Eliots ein: \u201eApril is a cruel time\u201c, singt Rod Evans zu Beginn des dritten Teils, \u201eeven though the sun may shine, and world looks in the shade as it slowly comes away.\u201c Und dann f\u00e4llt er gleich, der Aprilregen, und dem S\u00e4nger graut vor einem \u201eApril without end\u201c \u2026<\/p>\n<p>Was kann just am ersten vollst\u00e4ndigen Fr\u00fchlingsmonat so grausam sein? Wom\u00f6glich dass er \u00fcberall den Flieder aus dem toten Land br\u00fctet, w\u00e4hrend man sich selbst noch gar nicht so lebendig f\u00fchlt, im Sinn der Fr\u00fchjahrsm\u00fcdigkeit? Oder das Gef\u00fchl, dem sprichw\u00f6rtlich wechselhaften Wetter ausgeliefert zu sein wie, Verzeihung, in Rainhard Fendrichs \u201eI Am From Austria\u201c ein Gletscher im April?<\/p>\n<p>\u201eApril, April, der macht, was er will\u201c, hei\u00dft es im Kinderreim. Das Folk-Pop-Duo Simon &amp; Garfunkel variierte das Motiv 1966 im so lieblichen wie nachdenklichen Song \u201eApril Come She Will\u201c, der die Reihe der Monate reimend bis in den August (\u201edie she must\u201c) zieht und dann den Bogen schlie\u00dft: \u201eSeptember, I remember, a love once new has now grown old.\u201c <\/p>\n<p>Gleich im April blieb Prince in \u201eSometimes It Snows In April\u201d, dem Nachruf auf einen (fiktiven) Freund. Auch hier regiert der Kontrast: Der Fr\u00fchling sei immer seine liebste Jahreszeit gewesen, seufzt Prince, \u201ea time for lovers holding hands in the rain\u201c. Offenbar verf\u00fchrt dieser Monat zu Gedanken an die Verg\u00e4nglichkeit.<\/p>\n<p>Solche Gedanken, bis hin zur bleiernen Depression, paradoxerweise gemildert durch das Gef\u00fchl, das sich nichts jemals \u00e4ndert, jemals \u00e4ndern kann, pr\u00e4gen das Werk der schottischen Rockband The Jesus And Mary Chain. Sie ver\u00f6ffentlichte 1987 ihr zweites Album \u201eDarklands\u201c, dessen zweite Seite mit dem Song \u201eApril Skies\u201c beginnt. Er basiert auf nur zwei Akkorden, erst sp\u00e4t steigt die Melodie auf einen dritten und f\u00e4llt wieder herab, w\u00e4hrend Jim Reid mit pl\u00f6tzlichem Gef\u00fchlsausdruck \u201eAnd I can\u2019t help it\u201c singt. Sonst passiert nichts, nur der Rhythmus der Uhr und gleichf\u00f6rmiges Gitarrenl\u00e4rmen. Gro\u00dfes stoisches Mikro-Drama.<\/p>\n<p>Auf andere Art dramatisch ist der Song \u201eApril\u201c der Postpunk-Trag\u00f6din PJ Harvey: Zu ungeschickten Beats und Heimorgelkl\u00e4ngen reproduziert sie (ironisch?) April-Klischees (\u201eApril, how could I\u2018ve worn inappropriate clothing?\u201c), bis das Unheimliche klar wird: Sie spricht den Monat wie eine abweisende Person an, heult ihn an. Am Ende bleiben nur der Regen und die Orgel. <\/p>\n<p>Eine Songliste, egal zu welchem Thema, w\u00e4re unvollst\u00e4ndig, wenn Bob Dylan nicht darin vork\u00e4me. In diesem Fall mit seinem zweitl\u00e4ngsten Song, \u201eTempest\u201c (2012), dessen Zeile \u201e\u2019t was the fourteenth day of April\u201c sich ganz prosaisch daraus erkl\u00e4rt, dass er den Untergang der Titanic behandelt, der 1912 stattfand, am 14. April. <\/p>\n<p>Dieses Ungl\u00fcck meinte vielleicht auch der Elektronikmusiker Aphex Twin mit dem verst\u00f6rend mechanisch klingenden Instrumentaltitel \u201eAvril 14th\u201c. Und Dylan spielte wohl auch darauf an, als er den Song \u201eCrossing The Rubicon\u201c c\u00e4sarisch, aber unhistorisch begann: \u201eI crossed the Rubicon on the fourteenth day of the most dangerous month of the year, at the worst time, at the worst place.\u201c <\/p>\n<p>Also auch der gef\u00e4hrlichste Monat. Pr\u00e4destiniert, um die ber\u00fchmteste Dystopie zu datieren. George Orwells \u201e1984\u201c beginnt so: \u201eIt was a bright cold day in April, and the clocks were striking thirteen.\u201d Was soll da noch kommen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vier unserer Monate hei\u00dfen nach G\u00f6ttern (Janus, Mars, Maia, Juno), zwei nach Herrschern (Julius Caesar, Augustus), einer nach&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":86445,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[46,42,147,44,8559,148],"class_list":{"0":"post-86444","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-entertainment","11":"tag-oesterreich","12":"tag-playlist","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116356397477292309","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86444","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86444"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86444\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/86445"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86444"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=86444"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}