{"id":88349,"date":"2026-04-07T09:38:08","date_gmt":"2026-04-07T09:38:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/88349\/"},"modified":"2026-04-07T09:38:08","modified_gmt":"2026-04-07T09:38:08","slug":"funktionelle-bewegungsstoerungen-neue-leitlinie-gelbe-liste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/88349\/","title":{"rendered":"Funktionelle Bewegungsst\u00f6rungen: Neue Leitlinie | Gelbe Liste"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" class=\"articleimage lazy-load\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/s2k-leilinie-funktionelle-bewegungsstoerungen.webp.webp\" alt=\"S2k-Leilinie Funktionelle Bewegungsst\u00f6rungen\" title=\"S2k-Leilinie Funktionelle Bewegungsst\u00f6rungen\"\/> <\/p>\n<p>Einordnung funktioneller Bewegungsst\u00f6rungen im klinischen Kontext<\/p>\n<p>Funktionelle Bewegungsst\u00f6rungen (FBS) stellen eine h\u00e4ufige und klinisch relevante Gruppe <a href=\"https:\/\/www.gelbe-liste.de\/neurologie\/neurologische-erkrankungen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">neurologischer Erkrankungen<\/a> dar. Sie gehen mit erheblichen Einschr\u00e4nkungen der Lebensqualit\u00e4t und der Arbeitsf\u00e4higkeit einher und sind mit relevanten sozio\u00f6konomischen Belastungen verbunden. Viele Betroffene entwickeln chronische Verl\u00e4ufe, was die Versorgung zus\u00e4tzlich erschwert.<\/p>\n<p>Die verf\u00fcgbaren epidemiologische Daten variieren stark. F\u00fcr funktionelle neurologische St\u00f6rungen (FBS und weitere St\u00f6rungen wie funktionelle Sensibilit\u00e4tsst\u00f6rungen, funktionelle\/dissoziative Anf\u00e4lle, funktioneller Schwindel) insgesamt werden Pr\u00e4valenzen zwischen 48 und 1.571 pro 100.000 Einwohner berichtet. Einzelne Subtypen wie funktionelle Dystonie (ca. 2,8\/100.000) oder funktionelle Schw\u00e4che zeigen ebenfalls gro\u00dfe Spannbreiten. Frauen sind mit etwa 70 % h\u00e4ufiger betroffen, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 40 Jahren. Die Versorgung ist durch diagnostische Unsicherheiten, mangelnde strukturelle Angebote und Stigmatisierung gepr\u00e4gt. Dies f\u00fchrt h\u00e4ufig zu verz\u00f6gerter Diagnosestellung und inad\u00e4quater Therapie.<\/p>\n<p>Leitlinie funktionelle Bewegungsst\u00f6rungen: Ziele und beteiligte Fachgesellschaften<\/p>\n<p>Die S2k-Leitlinie wurde von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Neurologie (DGN) unter Federf\u00fchrung von Prof. Dr. Anne Wei\u00dfbach herausgegeben. Beteiligt waren unter anderem die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Psychosomatische Medizin (DGPM), die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) sowie weitere nationale und internationale Fachgesellschaften.<\/p>\n<p>Zentrale Ziele der Leitlinie sind:<\/p>\n<p>Verbesserung der diagnostischen Sicherheit,F\u00f6rderung einer fr\u00fchzeitigen, positiven Diagnosestellung,Optimierung der interdisziplin\u00e4ren Therapie,St\u00e4rkung der Arzt-Patient-Kommunikation.<\/p>\n<p>Ein wesentliches Paradigma ist die Abkehr von der Ausschlussdiagnose hin zu einer aktiv gestellten klinischen Diagnose.<\/p>\n<p>Diagnostik funktioneller Bewegungsst\u00f6rungen: Positive klinische Zeichen<\/p>\n<p>Die Leitlinie betont, dass die Diagnose auf positiven klinischen Befunden basieren soll. W\u00f6rtlich hei\u00dft es: \u201eZur Diagnose einer funktionellen Bewegungsst\u00f6rung sollen positive klinische Zeichen in der Untersuchung herangezogen werden.\u201c<\/p>\n<p>Typisch sind Inkonsistenz und Variabilit\u00e4t der Symptome, etwa eine Abnahme der Beschwerden bei Ablenkung oder im Dual-Tasking. Spezifische klinische Tests, wie Entrainment beim Tremor oder der Hoover-Test bei funktioneller Schw\u00e4che, unterst\u00fctzen die Diagnosestellung.<\/p>\n<p>Wichtig ist zudem:<\/p>\n<p>Fr\u00fche Ber\u00fccksichtigung funktioneller Ursachen bei Bewegungsst\u00f6rungen,Verzicht auf rein ausschlussbasierte Diagnostik,Integration psychiatrisch-psychosomatischer Diagnostik.Pathophysiologie funktioneller Bewegungsst\u00f6rungen im biopsychosozialen Modell<\/p>\n<p>FBS sind multifaktoriell bedingt. Die Leitlinie beschreibt ein biopsychosoziales Modell mit pr\u00e4disponierenden, ausl\u00f6senden und aufrechterhaltenden Faktoren.<\/p>\n<p>Zentrale Mechanismen umfassen:<\/p>\n<p>gest\u00f6rte pr\u00e4diktive Verarbeitung,ver\u00e4nderte sensomotorische Integration,beeintr\u00e4chtigtes Handlungsbewusstsein (\u201esense of agency\u201c),Aufmerksamkeitsdysregulation,St\u00f6rungen der Emotions- und Stressverarbeitung.<\/p>\n<p>Diese Prozesse f\u00fchren zu einer Fehlgewichtung von Erwartungen gegen\u00fcber sensorischem Feedback und tragen zur Persistenz der Symptome bei.<\/p>\n<p>Therapie funktionelle Bewegungsst\u00f6rungen: Interdisziplin\u00e4re Strategien<\/p>\n<p>Die Behandlung soll laut Leitlinie multimodal und transdisziplin\u00e4r erfolgen. K\u00f6rperliche und psychotherapeutische Ans\u00e4tze sind eng zu verzahnen.<\/p>\n<p>Zentrale Empfehlungen umfassen:<\/p>\n<p>Individuelle Therapieplanung unter Ber\u00fccksichtigung von Komorbidit\u00e4ten,Stufenweise Diagnostik und Behandlung unter Koordination spezialisierter Fach\u00e4rzte,Ausf\u00fchrliche Diagnosevermittlung zur F\u00f6rderung der Akzeptanz.<\/p>\n<p>Psychotherapie wird insbesondere bei persistierenden Symptomen empfohlen. Physiotherapie soll prim\u00e4r aktiv ausgerichtet sein, w\u00e4hrend passive Ma\u00dfnahmen kritisch zu hinterfragen sind.<\/p>\n<p>Eine spezifische Pharmakotherapie zur Behandlung von FBS wird aufgrund fehlender Evidenz nicht empfohlen.<\/p>\n<p>Bedeutung der empathischen Diagnosevermittlung f\u00fcr Therapieerfolg<\/p>\n<p>Ein zentraler Bestandteil der Leitlinie ist die strukturierte und empathische Kommunikation der Diagnose. Ziel ist ein verbessertes Krankheitsverst\u00e4ndnis und damit eine h\u00f6here Therapieadh\u00e4renz.<\/p>\n<p>Die Leitlinie fordert ausdr\u00fccklich eine wertfreie Terminologie: Der Begriff \u201efunktionell\u201c soll verwendet werden, w\u00e4hrend stigmatisierende Begriffe wie \u201epsychogen\u201c vermieden werden. Die Diagnosevermittlung wird als therapeutischer Prozess verstanden, der den Einstieg in eine erfolgreiche Behandlung erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Fazit: Funktionelle Bewegungsst\u00f6rungen als behandelbare neurologische Erkrankung<\/p>\n<p>Die neue S2k-Leitlinie etabliert FBS als klar definierte, eigenst\u00e4ndige neurologische Erkrankung mit spezifischer Pathophysiologie.<\/p>\n<p>Die Abkehr von der Ausschlussdiagnose, die Betonung positiver klinischer Zeichen und die konsequent interdisziplin\u00e4re Therapie stellen wesentliche Fortschritte dar. Entscheidend f\u00fcr den Behandlungserfolg sind eine fr\u00fchzeitige Diagnose, eine strukturierte Kommunikation und ein individualisiertes Therapiekonzept.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Einordnung funktioneller Bewegungsst\u00f6rungen im klinischen Kontext Funktionelle Bewegungsst\u00f6rungen (FBS) stellen eine h\u00e4ufige und klinisch relevante Gruppe neurologischer Erkrankungen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":88350,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[46,42,6047,33569,124,123,33570,9607,44,7551],"class_list":{"0":"post-88349","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-diagnostik","11":"tag-funktionelle-bewegungsstoerungen","12":"tag-gesundheit","13":"tag-health","14":"tag-leitlinie","15":"tag-neurologie","16":"tag-oesterreich","17":"tag-therapie"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116362759696347952","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88349","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88349"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88349\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/88350"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88349"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88349"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88349"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}