{"id":88983,"date":"2026-04-07T15:49:08","date_gmt":"2026-04-07T15:49:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/88983\/"},"modified":"2026-04-07T15:49:08","modified_gmt":"2026-04-07T15:49:08","slug":"polizistin-nach-unterlassener-hilfeleistung-zu-15-monaten-verurteilt-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/88983\/","title":{"rendered":"Polizistin nach unterlassener Hilfeleistung zu 15 Monaten verurteilt \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Die Beamtin soll w\u00e4hrend des Einsatzes an einer Tankstelle Kaffee getrunken und von einem Unfall nichts mitbekommen haben. Das Urteil ist nicht rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>Eine bekannte Wiener Polizistin ist am Dienstag am Straflandesgericht wegen Missbrauchs der Amtsgewalt und versuchter Anstiftung zur falschen Beweisaussage zu 15 Monaten bedingter Haft verurteilt worden, weil sie Kollegen, die einen Unfall bei einem Einsatz in D\u00f6bling hatten, nicht zu Hilfe gekommen sein soll. Die 60-J\u00e4hrige gab an, von dem Crash vor einer Tankstelle nichts mitbekommen zu haben, als sie dort ihren Kaffee trank. Das Urteil ist nicht rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>Die Polizistin war in der Nacht auf den 28. September 2025 gerade am Weg von einem Objektschutz in ihre Wiener Dienststelle, als sie dringend aufs Klo musste. Sie hielt bei der Tankstelle in der Heiligenst\u00e4dter Stra\u00dfe, eine Stra\u00dfe, die sich bei Roadrunnern gro\u00dfer Beliebtheit erfreut. Als sich die Beamtin in Uniform im Gesch\u00e4ftslokal von der Tankwartin gerade einen Kaffee geben lie\u00df, kam es vor der T\u00fcr zu einem spektakul\u00e4ren Unfall. Ein mit drei Polizisten besetzter Funkwagen, der einen Roadrunner verfolgte, krachte in einen aus der Tankstelle fahrenden Mercedes.<\/p>\n<p>Das Polizeiauto war auf der Seite v\u00f6llig demoliert, beim Mercedes wurde praktisch die Motorhaube komplett eingedr\u00fcckt. Der Beamte hinter dem Steuer konnte zwar noch aussteigen und am Funk Alarm schlagen, seine beiden Kolleginnen am Beifahrersitz bzw. hinter ihm waren durch den Crash stark benommen, eine sogar bewusstlos. Erschwerend kam hinzu, dass sich eine Meute von Schaulustigen, die sich auf der Tankstelle bzw. auf der Stra\u00dfe befand, rund um das Einsatzfahrzeug stellte und den jungen Polizisten bei seinen Hilfsma\u00dfnahmen behinderte \u201eDas war kein sch\u00f6nes Erlebnis\u201c, erz\u00e4hlte der Beamte nun dem Sch\u00f6ffengericht. \u201eIch war machtlos, einer gegen viele.\u201c Die Leute machten die T\u00fcren des Funkwagens auf, drangen in das Fahrzeug und filmten zum Teil die bewusstlose Polizistin.<\/p>\n<p>Diese berichtete im Zeugenstand, dass sie \u201eeine Menschenmasse wahrgenommen\u201c habe, als sie erwachte. Sie habe starke Schmerzen im Nacken und in der Schulter versp\u00fcrt und ihr sei \u00fcbel gewesen. Zum Teil h\u00e4tten die Schaulustigen abwertende Kommentare ge\u00e4u\u00dfert, wie: \u201eHast F\u00fchrerschein, Polizei?\u201c oder \u201eKannst Autofahren, Polizei?\u201c<\/p>\n<p>Ihr Kollege hatte alle H\u00e4nde voll zu tun gehabt, um mit der Menschentraube um den Einsatzwagen zurechtzukommen. \u201eH\u00e4tten Sie Hilfe brauchen k\u00f6nnen in den ersten f\u00fcnf Minuten?\u201c, fragte die Staatsanw\u00e4ltin den Beamten im Zeugenstand. \u201eAuf jeden Fall\u201c, meinte dieser.<\/p>\n<p>Die nun angeklagte Polizistin ging zun\u00e4chst nicht nachsehen und trank w\u00e4hrenddessen ihren Kaffee. Sie gab an, den Unfall nicht mitbekommen zu haben, da sie sich f\u00fcr kurze Zeit in einem hinteren Bereich der Tankstelle befand, was auf einem \u00dcberwachungsvideo auch zu sehen war. Aber auch als die Tankwartin zur Polizistin meinte, \u201eda war jetzt ein lauter Schepperer\u201c und sie solle doch mal rausschauen, ob da nichts Gr\u00f6beres passiert sei, ging die Beamtin nur kurz nachsehen. Das sei nur \u201eein kleiner Sachschaden, meine Kollegen kommen damit alleine zurecht\u201c, soll sie laut Tankwartin beim Zur\u00fcckkommen gesagt haben.<\/p>\n<p>\u201eWarum haben Sie die Augen verschlossen\u201c, fragte der Richter. \u201eIch habe nicht die Augen verschlossen.\u201c Die 60-j\u00e4hrige Beamtin h\u00e4tte aufgrund der Menschenmenge \u201ekeine Verletzten gesehen oder dass es ein schwerer Verkehrsunfall war\u201c, meinte sie bei dem Prozess. Als sie ein Einsatzfahrzeug kommen sah, empfand sie ihre Hilfe nicht mehr n\u00f6tig. \u201eIch bin eine, da k\u00f6nnen\u2018s alle Kollegen fragen, ich schau nicht weg\u201c, sagte sie immer wieder. Auch \u00fcber den Funk, den sie mitgeh\u00f6rt, aber teilweise leiser gedreht habe, habe sie den Einsatz nicht mitbekommen.<\/p>\n<p>Auf Aufnahmen aus dem \u00dcberwachungsvideo der Tankstelle ist zu sehen, wie die 60-J\u00e4hrige raus und zu ihrem Funkwagen geht. Danach geht sie wieder ins Gesch\u00e4ftslokal. Rund 25 Minuten nach dem Unfall f\u00e4hrt sie vom Gel\u00e4nde der Tankstelle, teilweise mit Blaulicht, weil die Ausfahrt versperrt war. Ihre Kollegen, die am Einsatzort waren, hatten gar nicht mitbekommen, dass sich die 60-J\u00e4hrige dort befand. Erst bei der Auswertung der Video\u00fcberwachung kam zutage, dass dort ein Polizeiauto gestanden war. Auf die Frage der Staatsanw\u00e4ltin an die bewusstlose Polizistin, ob sie weiter Hilfe gebraucht h\u00e4tte, meinte diese: \u201eIch h\u00e4tte mich \u00fcber Hilfe sehr gefreut.\u201c<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag wurde die 60-J\u00e4hrige von ihrem Vorgesetzten zu einem Gespr\u00e4ch geholt. \u00dcber Kollegen aus D\u00f6bling habe er von der Anwesenheit der Beamtin erfahren und sie gefragt, warum sie nicht geholfen habe. Als sie geh\u00f6rt habe, dass es insgesamt vier zum Teil Schwerverletzte &#8211; auch der Fahrer des zivilen Autos erlitt Blessuren &#8211; gegeben habe, \u201ehat\u2018s mir die Schuhe ausgezogen\u201c. Dass sie absichtlich nichts gemacht habe, das \u201elass&#8216; ich mir nicht nachsagen\u201c.<\/p>\n<p>Die Tankwartin gab jedoch sowohl vor der Polizei als auch nun vor Gericht an, dass die Beamtin sie mehrfach angerufen habe und wissen wollte, wie lange die Video\u00fcberwachung aufgehoben werde und ob diese mit Ton seien. Auch soll sie die Tankwartin gebeten haben, die Lautst\u00e4rke des Crashs im Verh\u00f6r zu relativieren. \u201eIch soll nicht sagen, dass der Schepperer so laut war\u201c, sagte die 46-J\u00e4hrige. Dass sie der Polizistin eins auswischen wolle, verneinte die Frau. \u201eIch hab\u201c ja nichts davon.\u201c Wenige Tage nach dem Vorfall wurde die Beamtin suspendiert.<\/p>\n<p>Das Urteil ist nicht rechtskr\u00e4ftig, die 60-J\u00e4hrige gab keine Erkl\u00e4rung ab. Obwohl die verh\u00e4ngte Strafe mehr als ein Jahr ausmacht, wurde der Amtsverlust bedingt ausgesprochen, weil sie aufgrund ihrer bisherigen Polizeilaufbahn nie etwas zuschulden habe kommen lassen. (APA)<\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Beamtin soll w\u00e4hrend des Einsatzes an einer Tankstelle Kaffee getrunken und von einem Unfall nichts mitbekommen haben.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":88984,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[46,42,44,43,45,1433],"class_list":{"0":"post-88983","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-oesterreich","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-oesterreich","11":"tag-republic-of-austria","12":"tag-republik-oesterreich","13":"tag-urteil"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116364218471201146","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88983","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88983"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88983\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/88984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88983"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88983"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88983"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}