{"id":90954,"date":"2026-04-08T14:37:09","date_gmt":"2026-04-08T14:37:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/90954\/"},"modified":"2026-04-08T14:37:09","modified_gmt":"2026-04-08T14:37:09","slug":"china-als-berechnender-friedensstifter-im-iran-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/90954\/","title":{"rendered":"China als berechnender Friedensstifter im Iran \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Dass der Iran einer Waffenruhe zugestimmt hat, ist auch Peking zu verdanken. Dabei ging es China wohl um handfeste wirtschaftliche Interessen. <\/p>\n<p>\u00a0<br \/>\n                    08.04.2026 um 16:02\n                <\/p>\n<p>\n            von<br \/>\n            unserem Korrespondenten<br \/>\nFabian Kretschmer\n        <\/p>\n<p>Seoul\/Peking. Als US-Pr\u00e4sident Donald Trump die vor\u00fcbergehende Waffenruhe mit dem Iran ank\u00fcndigte, zollte er \u00fcberraschenderweise auch China seinen Respekt: So soll ausgerechnet Peking die Iraner durch eine \u201eIntervention in letzter Minute\u201c an den Verhandlungstisch gebracht haben. So schildern es auch iranische Vertreter \u00fcbereinstimmend. Damit scheint sich eine Entwicklung zu best\u00e4tigen, die unter Staatschef Xi Jinping immer offensichtlicher wird: China, das zuvor \u00e4u\u00dferst vorsichtig auf dem au\u00dfenpolitischen Parkett agiert hat, m\u00f6chte nun verst\u00e4rkt seinen diplomatischen Einfluss geltend machen.<\/p>\n<p>Allzu viel Aufmerksamkeit will man aber offenbar vermeiden. Beim chinesischen Au\u00dfenministerium hielt man sich am Mittwoch auff\u00e4llig bedeckt. So sagte Sprecherin Mao Ning lediglich, die Volksrepublik habe die Vermittlungsbem\u00fchungen durch Pakistan und andere L\u00e4nder unterst\u00fctzt und sich stets f\u00fcr eine Feuerpause eingesetzt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich dringen nur wenig Informationen aus dem chinesischen Regierungsapparat \u00fcber dessen diplomatische Aktivit\u00e4ten in Nahost an die \u00d6ffentlichkeit. Aber es d\u00fcrfte au\u00dfer Frage stehen, dass das Intervenieren Chinas vor allem die eigenen nationalen Interessen absichern sollte.  Und diese sind h\u00f6chst komplex. Einerseits ist Peking keineswegs ein neutraler oder idealistischer Player. \u201eChina hilft dem Iran dabei, sein Raketenprogramm wieder aufzubauen\u201c, hie\u00df es etwa zuletzt in einem aktuellen Bericht des renommierten Washingtoner \u201eInstitute for the Study of War\u201c. <\/p>\n<p>Wie der britische \u201eDaily Telegraph\u201c berichtet, sollen zuletzt f\u00fcnf Schiffslieferungen mit mutma\u00dflich Natriumperchlorat \u2013 jener Chemikalie, die essenziell ist f\u00fcr die Produktion von Raketentreibstoff \u2013 aus China im Iran angekommen sein. Und bereits seit Jahren hat die Volksrepublik rund 90 Prozent des Roh\u00f6ls, das der Iran exportiert, zuverl\u00e4ssig abgekauft \u2013 und damit dem Mullah-Regime eine wirtschaftliche Absicherung geboten. Auch die Technologie, mit der Teheran das eigene Internet zensiert und seine Bev\u00f6lkerung \u00fcberwacht, d\u00fcrfte zu erheblichen Teilen aus China stammen.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend die Volksrepublik seinen strategischen Verb\u00fcndeten Iran offensichtlich unterst\u00fctzt, hat es gleichzeitig kein Interesse an einem au\u00dfer Kontrolle geratenen Krieg. W\u00fcrde n\u00e4mlich US-Pr\u00e4sident Donald Trump seine Drohung wahr machen, die Energieinfrastruktur des Irans niederzubomben, so bedrohte dies ein wichtiges Gesch\u00e4ftsmodell der Chinesen: Peking ist schlie\u00dflich der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Abnehmer iranischen Roh\u00f6ls, das bequemerweise auch in Renminbi bezahlt wird \u2013 und zwar zu massiven Rabatten. Zudem w\u00fcrde der Krieg langfristig auch den globalen Konsum schw\u00e4chen, insbesondere in Europa \u2013 dem wichtigsten Importeur chinesischer Waren.\u00a0<\/p>\n<p>Wie es nun in Nahost weitergeht, dar\u00fcber herrscht auch unter chinesischen Kommentatoren gro\u00dfe Skepsis. \u201eIch habe zwar nie daran gezweifelt, dass die USA und der Iran gen\u00fcgend Spielraum f\u00fcr Kompromisse haben. Doch Sorgen macht mir, dass Israel diesen Prozess blockiert\u201c, meint etwa Hongda Fan, f\u00fchrender Iran-Experte aus China. Das jetzige Friedensabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran habe nur dann eine nachhaltige Chance, wenn sich die Beziehungen zwischen dem Iran und Israel ebenfalls verbessern.  Doch auch Peking d\u00fcrfte in den kommenden Monaten verst\u00e4rkt gefordert werden. Der iranische Botschafter in Peking hat am Mittwoch bereits den Wunsch ausgedr\u00fcckt, dass \u201egro\u00dfe L\u00e4nder wie China und Russland\u201c als Sicherheitsgarant fungieren sollten, damit die USA den Krieg nicht wiederaufnehmen w\u00fcrden..<\/p>\n<p>Die meisten internationalen Experten halten dies aber f\u00fcr eine Wunschvorstellung. \u201eSchon vor dem Krieg war Chinas Ann\u00e4herung an eine regionale Sicherheitsrolle eher eine Frage der Au\u00dfendarstellung als der tats\u00e4chlichen F\u00e4higkeiten\u201c, sagt Tuvia Gering vom \u201eInstitute for National Security Studies\u201c mit Sitz in Tel Aviv. Es w\u00fcrde Peking sowohl der politische Wille als auch die milit\u00e4rischen Mittel fehlen, seine Rolle als Sicherheitsgarant glaubhaft zu untermauern. Schlussendlich hat die Volksrepublik dann doch zu sehr Angst, sich an regionalen Konflikten die Finger zu verbrennen.<\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dass der Iran einer Waffenruhe zugestimmt hat, ist auch Peking zu verdanken. 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