{"id":91373,"date":"2026-04-08T18:56:07","date_gmt":"2026-04-08T18:56:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/91373\/"},"modified":"2026-04-08T18:56:07","modified_gmt":"2026-04-08T18:56:07","slug":"genetik-beeinflusst-wirkung-der-abnehmspritzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/91373\/","title":{"rendered":"Genetik beeinflusst Wirkung der Abnehmspritzen"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie gut Abnehmspritzen wirken und wie viele Nebenwirkungen auftreten, ist individuell unterschiedlich. Eine genomweite Assoziationsstudie hat nun zwei Genvarianten aufgedeckt, die die Wirkung und Nebenwirkungen der Wirkstoffe Semaglutid und Tirzepatid beeinflussen. Demnach kann eine Variation im GLP-1-Rezeptor dabei helfen, effektiv Gewicht zu verlieren, gleichzeitig aber auch das Risiko f\u00fcr \u00dcbelkeit und Erbrechen erh\u00f6hen. Sollten sich die Ergebnisse in weiteren Studien best\u00e4tigen, k\u00f6nnen sie dazu beitragen, Adipositas-Therapien individuell anzupassen.<\/p>\n<p>GLP-1-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid binden an den gleichen Rezeptor wie das k\u00f6rpereigene S\u00e4ttigungshormon GLP1. Da sie den Blutzucker regulieren, kamen sie urspr\u00fcnglich als Diabetesmedikamente auf den Markt, finden inzwischen aber auch zunehmend Anwendung als Abnehmhelfer. Doch ihre Wirkung f\u00e4llt sehr unterschiedlich aus: W\u00e4hrend in Studien manche Testpersonen mehr als ein Viertel ihres K\u00f6rpergewichts verloren, profitierten andere kaum von den vermeintlichen Wundermitteln. Auch bei den Nebenwirkungen zeigen sich gro\u00dfe Unterschiede: Manche Menschen vertragen die Spritzen problemlos, andere dagegen leiden unter \u00dcbelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung.<\/p>\n<p>\u201eUm die genetischen Grundlagen dieser Variabilit\u00e4t zu untersuchen, haben wir eine genomweite Assoziationsstudie zu Gewichtsabnahme und Nebenwirkungen bei 27.885 Personen durchgef\u00fchrt, die GLP1-Rezeptoragonisten zum Abnehmen genutzt haben\u201c, berichtet ein Team um Qiaojuan Su vom 23andMe Research Institute in Kalifornien. Dazu werteten die Forschenden die genetischen Informationen der Freiwilligen aus und glichen diese mit Angaben der Testpersonen zu ihrer Gewichtsreduktion und aufgetretenen Nebenwirkungen ab.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/wp-content\/uploads\/2\/6\/26-04-08-GLP12.jpg\" rel=\"attachment wp-att-342905 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-342905\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/26-04-08-GLP12-227x300.jpg\" alt=\"Wirkungen\" width=\"300\" height=\"397\"  \/><\/a>Genvarianten und biologische Wirkmechanismen bei GLP-1-Agonisten. \u00a9 23andMe Research InstituteMehr Wirkung, mehr Nebenwirkungen<\/p>\n<p>Dabei stie\u00dfen Su und ihre Kollegen auf zwei Genvarianten, die mit dem Abnehmerfolg und den Nebenwirkungen assoziiert waren. Die erste Variante betrifft den GLP-1-Rezeptor. Menschen, die in dem verantwortlichen Gen aufgrund einer Mutation an einer Stelle eine Thymin-Base statt einer Cytosin-Base haben, nahmen bei einer Semaglutid-Therapie im Schnitt etwas mehr ab als Menschen ohne diese Mutation. Den Forschenden zufolge sorgt die Variante wahrscheinlich f\u00fcr mehr GLP-1-Rezeptoren auf der Zelloberfl\u00e4che und damit zu einer verst\u00e4rkten Wirkung der Abnehmspritzen. Betraf die Mutation nur eine Kopie des Gens, verloren die Personen durchschnittlich 0,76 Kilogramm mehr, waren beide Genkopien betroffen, reduzierte sich das Gewicht durchschnittlich um zus\u00e4tzliche 1,52 Kilogramm. Allerdings litten die Personen mit dieser Abnehm-Genvariante auch h\u00e4ufiger unter Nebenwirkungen wie \u00dcbelkeit und Erbrechen.<\/p>\n<p>Die zweite identifizierte Genvariante betrifft das Gen f\u00fcr den Gastrischen Inhibitor-Polypeptid-Rezeptor, kurz GIPR. \u00c4hnlich wie der GLP-1-Rezeptor spielt GIPR eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutzuckerspiegels und des K\u00f6rpergewichts. W\u00e4hrend Semaglutid nur an den GLP-1-Rezeptor bindet, aktiviert Tirzepatid zus\u00e4tzlich auch den GIP-Rezeptor. Bereits fr\u00fcher hatten Studien darauf hingedeutet, dass eine Aktivierung des Rezeptors Nebenwirkungen der GLP-1-Agonisten abmildern kann. Tats\u00e4chlich stellten Su und ihr Team fest, dass eine Mutation, die die Funktion des GIP-Rezeptors potenziell beeintr\u00e4chtigt, mit einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr \u00dcbelkeit bei Anwendung von Tirzepatid assoziiert war. Auf den Gewichtsverlust hatte diese Variante keinen Einfluss.<\/p>\n<p>Individualisierte Medizin<\/p>\n<p>Weitere Analysen ergaben im Einklang mit fr\u00fcheren Studien, dass auch zahlreiche nicht-genetische Faktoren den Abnehmerfolg und das Ausma\u00df der Nebenwirkungen bestimmen. So nahmen Frauen, j\u00fcngere Menschen sowie Personen ohne Typ-2-Diabetes im Schnitt st\u00e4rker ab, litten aber auch h\u00e4ufiger unter \u00dcbelkeit und Erbrechen. Zusammen mit den genetischen Variationen k\u00f6nnen diese Faktoren 25 Prozent der Unterschiede in Wirkung und Nebenwirkungen erkl\u00e4ren. \u201eWeitere Untersuchungen sind erforderlich, um die Faktoren aufzudecken, die f\u00fcr die verbleibenden 75 Prozent verantwortlich sind\u201c, schreibt Ruth Loos von der Universit\u00e4t Kopenhagen, die nicht an der Studie beteiligt war, in einem begleitenden Kommentar.<\/p>\n<p>Unklar ist bislang, ob die aufgedeckten Genvarianten die Wirkung von Semaglutid und Tirzepatid direkt oder indirekt beeinflussen. Denn aus fr\u00fcheren Studien ist bereits bekannt, dass diese Mutationen auch die Nahrungsmittelvorlieben und Essgewohnheiten pr\u00e4gen und sich auch damit auf das Gewicht auswirken k\u00f6nnten. Auch die Replizierbarkeit der Ergebnisse ist noch fraglich. Doch auch wenn noch weiterer Forschungsbedarf besteht, er\u00f6ffnet die Studie laut Loos die Perspektive, dass eines Tages genetische Informationen zusammen mit nicht-genetischen Informationen in die Therapieentscheidung zu GLP-1-Agonisten einflie\u00dfen k\u00f6nnen. \u201eDas w\u00fcrde dazu beitragen, dass Patienten die Medikamente erhalten, von denen sie am ehesten profitieren und die sie am besten vertragen\u201c, so Loos. \u201eEin tieferes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, warum manche Personen erheblich an Gewicht verlieren, w\u00e4hrend andere deutlich weniger abnehmen, wird entscheidend sein, um die Therapie individuell anzupassen und die Pr\u00e4zisionsmedizin voranzubringen.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: Qiaojuan Su (23andMe Research Institute, Palo Alto, Kalifornien, USA) et al., Nature,<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-026-10330-z\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"> doi: 10.1038\/s41586-026-10330-z<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Elena Bernard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie gut Abnehmspritzen wirken und wie viele Nebenwirkungen auftreten, ist individuell unterschiedlich. 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