{"id":9157,"date":"2026-02-23T20:48:09","date_gmt":"2026-02-23T20:48:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/9157\/"},"modified":"2026-02-23T20:48:09","modified_gmt":"2026-02-23T20:48:09","slug":"auch-viren-koennen-darmkrebs-verursachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/9157\/","title":{"rendered":"Auch Viren k\u00f6nnen Darmkrebs verursachen"},"content":{"rendered":"<p>Wer bei einem ganz normalen Arztbesuch mit der Diagnose Krebs konfrontiert wird, ist schockiert. Warum gerade ich? Habe ich zu viel geraucht, mich ungesund ern\u00e4hrt, zu wenig bewegt, zu viel Stress gehabt? Allgemeiner gefragt: Welchen Einfluss haben Lebensstil, Umwelteinfl\u00fcsse, Stress und Gene auf die Entstehung b\u00f6sartiger Tumore?<\/p>\n<p>H\u00e4lfte der Erkrankten stirbt <\/p>\n<p>Jedes Jahr erleben rund 500.000 Menschen in Deutschland einen solchen Schockmoment. W\u00e4hrend bei den einen Operationen, Behandlungen und Therapien das Leben verl\u00e4ngern oder den Krebs sogar besiegen k\u00f6nnen, sterben andere an der Tumorerkrankung.<\/p>\n<p>Allein an Darmkrebs erkranken rund 55.000 Menschen jedes Jahr in Deutschland, mehr als 20.000 sterben daran. Dabei ist Dickdarmkrebs die weltweit dritth\u00e4ufigste Krebsart. F\u00fcr rund die H\u00e4lfte der Betroffenen endet die Erkrankung t\u00f6dlich. Immer mehr Menschen sind von dieser Tumorart betroffen, vor allem bei jungen Menschen und in westlichen L\u00e4ndern nehmen die Fallzahlen zu.<\/p>\n<p> Immer mehr Menschen von Dickdarmkrebs betroffen <\/p>\n<p>Immer mehr j\u00fcngere Menschen erkranken an Darmkrebs. Die Ursachen sind mannigfaltig: Zu rund 80 Prozent gelten jedoch vermeidbare Faktoren wie Lebensstil, \u00dcbergewicht und Ern\u00e4hrung als m\u00f6gliche Ausl\u00f6ser. In j\u00fcngster Zeit r\u00fcckt dabei vor allem die Darmflora in den Fokus. Sie weist bei Darmkrebspatienten auff\u00e4llige Ver\u00e4nderungen auf.<\/p>\n<p>\u201eWegen der schieren Gr\u00f6\u00dfe und Komplexit\u00e4t des Darm-Mikrobioms ist es jedoch sehr schwer, die genauen Unterschiede zwischen Darmkrebspatienten und Gesunden zu bestimmen\u201c, erkl\u00e4rt Flemming Damgaard von der Universit\u00e4t University of Southern Denmark in S\u00f8nderborgim im Fachjournal <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s43856-026-01403-1\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u201eCommunications Medicine\u201c<\/a>.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/media.media.82c6d337-8857-4134-8ae8-5026562dc7d9.original1024.media.jpeg\"\/>     Mikroflora der menschlichen Verdauungsorgane.    Foto: Imago\/Depositphotos    Manche Escherichia-coli-<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Bakterien\" title=\"Bakterien\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bakterien<\/a> produzieren Giftstoffe <\/p>\n<p>Einige der mutma\u00dflich krebsf\u00f6rdernden Darmbakterien sind pks+ E. coli-St\u00e4mme, die bei Patienten mit Darmkrebs auff\u00e4llig h\u00e4ufig vorhanden sind, aber auch bei einigen gesunden Menschen vorkommen. Diese Bakterien produzieren nachweislich einen Giftstoff namens Colibactin, der an die menschliche DNA binden und diese besch\u00e4digen kann. Dadurch entstehen Mutationen, die das Krebsrisiko erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Bereits eine <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-020-2080-8\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Studie aus dem Jahr 2020<\/a> hat gezeigt, dass Escherichia coli-Bakterien, die die DNA-sch\u00e4digende Substanz Colibaktin produzieren (pks+ E. coli), die Entstehung von Darmkrebs beg\u00fcnstigen. Dieser Analyse zufolge hinterl\u00e4sst das Toxin ein spezifisches Mutationsmuster im Erbgut von Darmzellen, das sich direkt auf eine Infektion mit pks+ E. coli zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/media.media.767fa1f8-6e43-41cb-9c27-1cbed7a996dc.original1024.media.jpeg\"\/>     Zellkultur von Escherichia coli imn einer Petrischale.    Foto: Imago\/Pond5 Images      Bestandteil des menschlichen Darmmikrobioms <\/p>\n<p>Escherichia coli-Bakterien sind laut Max-Planck-Gesellschaft ein integraler Bestandteil des menschlichen Darmmikrobioms. Einige St\u00e4mme produzierten demnach das Erbgut-sch\u00e4digende Genotoxin Colibactin, welches im Verdacht steht, Darmkrebs zu verursachen.<\/p>\n<p>Inzwischen wei\u00df man, dass Colibactin zu hochspezifischen Ver\u00e4nderungen im Erbgut der Wirtszellen f\u00fchrt, die sich auch in Darmkrebszellen finden, jedoch vergehen bis zur Krebsentstehung viele Jahre.<\/p>\n<p>   Darmbakterium Bacteroides fragilis <\/p>\n<p>\u201eBislang glich die Suche nach Krebsausl\u00f6sern daher der sprichw\u00f6rtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen\u201c, erkl\u00e4rt Damgaard. So k\u00f6nnte neben bestimmten St\u00e4mmen des Darmkeims Escherichia coli auch das Darmbakterium Bacteroides fragilis eine Rolle spielen.<\/p>\n<p>Dieses Darmbakterium kommt auch bei den meisten gesunden Menschen vor, ohne dass es dort Schaden anrichtet. \u201eEs ist ein Paradox, dass wir immer wieder das gleiche Bakterium bei Darmkrebs finden, obwohl es zugleich ein v\u00f6llig normaler Bestandteil des Darms gesunder Menschen ist\u201c, konstatiert Damgaard. \u201eDeswegen haben wir untersucht, ob etwas innerhalb der Bakterien \u2013 n\u00e4mlich Viren \u2013 helfen k\u00f6nnte, den Unterschied zu erkl\u00e4ren.\u201c<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/media.media.e63e5478-3677-4d76-908d-3aa06f588f5b.original1024.media.jpeg\"\/>     3D-Darstellung des Darmbakteriums Bacteroides fragilis.    Foto: Imago\/Dreamstime      Welche Rolle Bakteriophagen spielen <\/p>\n<p>Unsere Darmflora umfasst neben Bakterien auch Milliarden Viren. Diese sind auf Bakterien als Wirte spezialisiert. Ein solcher Bakteriophagen-Befall kann Verhalten und Physiologie eines Darmkeims ver\u00e4ndern \u2013 und k\u00f6nnte ihn so zu einem potenziellen Darmkrebs-Ausl\u00f6ser machen.<\/p>\n<p>   Zur Info: Als Bakteriophagen oder kurz Phagen (von altgriechisch bakt\u00e9rion = St\u00e4bchen und phage\u00edn = fressen) bezeichnet man herk\u00f6mmlicherweise verschiedene Gruppen von Viren, die auf Bakterien als Wirtszellen spezialisiert sind \u2013 also Bakterienviren.  <\/p>\n<p>Ob das auch bei Bacteroides fragilis der Fall ist, haben Damgaard und sein Team bei 583 Patienten untersucht, die eine schwere Infektion mit diesem Bakterium durchlebt hatten. Ein Teil dieser Patienten entwickelte wenige Wochen sp\u00e4ter Darmkrebs. Die Forscher analysierten Bakterienproben, die den Testpersonen w\u00e4hrend ihrer Infektion entnommen worden waren.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/media.media.2bbda752-7c4b-493e-bf41-ed22a3514b1f.original1024.media.jpeg\"\/>     Allein an Darmkrebs erkranken rund 55.000 Menschen jedes Jahr in Deutschland, mehr als 20.000 sterben daran.    Foto: Imago\/Panthermedia      Befall mit unbekannten Bakteriophagen <\/p>\n<p>Bei den Patienten, die nach ihrer Infektion Darmkrebs entwickelten, zeigten sich genetische Spuren von zwei unbekannten Bakteriophagen,welche die Forscher FU und ODE nannten. \u201eDiese geh\u00f6ren zu zwei verschiedenen, bisher unbekannten Familien der Virenklasse der Caudoviriceten.\u201c Beide Bakteriophagen kamen in den Bacteroides-fragilis-Proben signifikant h\u00e4ufiger vor als bei den nicht an Krebs erkrankten Testpersonen.<\/p>\n<p>\u201eDies lieferte uns einen konkreten Ansatzpunkt, den wir anschlie\u00dfend in gr\u00f6\u00dferen Datens\u00e4tzen pr\u00fcfen konnten\u201c, erl\u00e4utert Damgaard. \u201eEs war uns wichtig zu pr\u00fcfen, ob sich der Zusammenhang auch in v\u00f6llig unabh\u00e4ngigen Daten reproduzieren l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>   Darmkrebs-spezifische Wechselwirkung eines Bakteriums mit Viren <\/p>\n<p>Daf\u00fcr analysierten er und sein Team Genomdaten aus Stuhlproben von 877 Personen mit und ohne Darmkrebs aus Deutschland, Frankreich, \u00d6sterreich, Japan, China und den USA. Auch in diesen Proben fanden sich die beiden unbekannten Viren \u2013 wieder vor allem bei den Darmkrebspatienten.<\/p>\n<p>\u201ePatienten mit Darmkrebs hatten doppelt so h\u00e4ufig detektierbare Mengen des Bakteriophagen FU oder beider Bakteriophagen. Sie hatten zudem 1,7-mal h\u00e4ufiger den Bakteriophagen ODE als die Kontrollgruppe\u201c, schreiben die Wissenschaftler in ihrer <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Studie\" title=\"Studie\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Studie<\/a>. \u201eUnsere Studie ist damit die erste, die eine Darmkrebs-spezifische Wechselwirkung eines Bakteriums mit Viren identifiziert.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer bei einem ganz normalen Arztbesuch mit der Diagnose Krebs konfrontiert wird, ist schockiert. Warum gerade ich? 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