{"id":9163,"date":"2026-02-23T20:51:08","date_gmt":"2026-02-23T20:51:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/9163\/"},"modified":"2026-02-23T20:51:08","modified_gmt":"2026-02-23T20:51:08","slug":"zwischen-washington-und-peking-nvidia-meldet-sich-eindrucksvoll-zurueck-leadersnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/9163\/","title":{"rendered":"Zwischen Washington und Peking &#8211; Nvidia meldet sich eindrucksvoll zur\u00fcck \u00bb Leadersnet"},"content":{"rendered":"<p>\n\t\t\t|\u00a0Redaktion\u00a0\n\t\t<\/p>\n<p>\n\t\t|<br \/>\n\t\t\t\t\t23.02.2026\t\t\t<\/p>\n<p>Nvidia navigiert zwischen Washington und Peking \u2013 und zeigt, wie geopolitische Turbulenzen einen Konzern zugleich ersch\u00fcttern und st\u00e4hlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer in den vergangenen Monaten die Entwicklung des wertvollsten Unternehmens der Welt verfolgt hat, erlebte einen Wirtschaftsthriller in Echtzeit. Nvidia, der US-amerikanische Grafikkartenspezialist, der mit seinen KI-Chips zum zentralen Nervensystem der globalen Technologieindustrie avanciert ist, wurde 2025 zum Spielball einer geopolitischen Auseinandersetzung, deren Ausgang noch immer offen ist.<\/p>\n<p>Die Geschichte beginnt mit einem Paukenschlag im April 2025: Die Trump-Administration verh\u00e4ngte \u00fcberraschend ein Exportverbot f\u00fcr Nvidias H20-Chip \u2013 jenes speziell f\u00fcr den chinesischen Markt gedrosselte Modell, das bislang noch unter den US-Exportbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr Hochleistungsprozessoren durchgerutscht war. Die Konsequenz f\u00fcr Nvidia war unmittelbar und schmerzhaft: 2,5 Milliarden Dollar entgangene Einnahmen und weitere 4,5 Milliarden Dollar an Lagerbest\u00e4nden, die pl\u00f6tzlich wertlos waren. Insgesamt buchte das Unternehmen im ersten Quartal Abschreibungen von rund 5,5 Milliarden Dollar.<\/p>\n<p>F\u00fcr europ\u00e4ische und \u00f6sterreichische Anleger:innen, die Nvidia im Depot halten \u2013 die Aktie ist \u00fcber zahlreiche ETFs und Technologiefonds auch in Wien weitverbreitet \u2013 waren dies alarmierende Nachrichten. Die Nvidia-Aktie, die seit Jahresbeginn bereits von Januar bis April um rund 30 Prozent gefallen war, fand vorerst keinen Halt.<\/p>\n<p>Das Comeback \u2013 mit Preisschild<\/p>\n<p>Im Juli folgte die Kehrtwende. Die US-Regierung signalisierte, Exportlizenzen f\u00fcr den H20 zu erteilen \u2013 allerdings zu einem ungew\u00f6hnlichen Preis: Nvidia soll 15 Prozent seines China-Umsatzes aus H20-Verk\u00e4ufen an das US-Handelsministerium abf\u00fchren. Ein Novum in der Geschichte der amerikanischen Technologiepolitik, das Jurist:innen und \u00d6konom:innen gleicherma\u00dfen besch\u00e4ftigt, da seine rechtliche Grundlage noch ungekl\u00e4rt ist. Wie Nvidias Finanzchefin Colette Kress in einer Analystenkonferenz Ende August klarstellte, wurde diese Vereinbarung bis dato noch nicht in einer Regulation festgeschrieben \u2013 sie schwebe gewisserma\u00dfen als informelle Abmachung im Raum.<\/p>\n<p>Die praktischen Auswirkungen sind bereits sp\u00fcrbar: Im zweiten Quartal verzeichnete Nvidia keinerlei H20-Ums\u00e4tze in China. Der China-Erl\u00f6s kollabierte auf 2,8 Milliarden Dollar \u2013 nach noch 5,5 Milliarden im Vorquartal. Dabei gilt China als einer von Nvidias wichtigsten M\u00e4rkten \u00fcberhaupt; inoffiziell sch\u00e4tzen Analyst:innen, dass bis zu 40 Prozent des Gesamtumsatzes mittelbar auf chinesische K\u00e4ufer:innen zur\u00fcckgehen, die Chips \u00fcber Zwischenh\u00e4ndler:innen in Drittl\u00e4ndern beziehen.<\/p>\n<p>Peking schl\u00e4gt zur\u00fcck<\/p>\n<p>Doch selbst wenn die Lizenzen nun schrittweise erteilt werden, ist Nvidias R\u00fcckkehr nach China kein Selbstl\u00e4ufer. Die chinesische Regierung reagierte auf die US-Exportpolitik mit einer bemerkenswerten Gegenstrategie: Peking fordert von Nvidia Einblick in m\u00f6gliche Sicherheitsl\u00fccken und &#8222;Hintert\u00fcren&#8220; im H20 \u2013 eine Forderung, die Nvidia zur\u00fcckwies. Gleichzeitig dr\u00e4ngen chinesische Beh\u00f6rden heimische Technologiekonzerne aktiv dazu, keine Nvidia-Chips mehr zu bestellen und stattdessen auf inl\u00e4ndische Anbieter:innen zu setzen.<\/p>\n<p>Das zeigt Wirkung. Hatte Nvidia 2022 \u2013 also vor dem Beginn der US-Exportbeschr\u00e4nkungen \u2013 noch einen Marktanteil von rund 95 Prozent im chinesischen KI-Chipsegment, so sind es heute nur noch etwa 50 Prozent. Und der Abstand schrumpft weiter: Der chinesische Chip-Hersteller Cambricon \u2013 teilweise staatlich finanziert \u2013 verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 einen Umsatzsprung von rund 4.300 Prozent und belegt damit, mit welcher Dynamik die chinesische Halbleiterindustrie aufholt. Die absolute Gr\u00f6\u00dfenordnung bleibt zwar mit umgerechnet rund 400 Millionen Euro weit hinter Nvidias Quartalsums\u00e4tzen von 46,7 Milliarden Dollar zur\u00fcck \u2013 doch die Wachstumskurve l\u00e4sst aufhorchen.<\/p>\n<p>DeepSeek, das Jevons-Paradoxon und die Frage nach dem Schnitzel<\/p>\n<p>Parallel zur geopolitischen Achterbahn ersch\u00fctterte Anfang 2025 das chinesische KI-Modell DeepSeek die M\u00e4rkte. Das Start-up behauptete, ein KI-Modell entwickelt zu haben, das mit einem Bruchteil der Rechenleistung und Energie \u00e4hnliche Ergebnisse wie US-Konkurrenten erziele. Die Logik schien klar: Wenn weniger Chips reichen, bricht Nvidias Gesch\u00e4ftsmodell ein. Der Aktienkurs reagierte entsprechend.<\/p>\n<p>Doch die Angst erwies sich als \u00fcbertrieben \u2013 aus zwei Gr\u00fcnden. Erstens stellte sich heraus, dass DeepSeek seine Effizienzgewinne etwas \u00fcberzeichnet hatte. Zweitens griff ein volkswirtschaftliches Ph\u00e4nomen, das seit dem 19. Jahrhundert bekannt ist: das Jevons-Paradoxon. Der britische \u00d6konom William Stanley Jevons beobachtete einst, dass effizientere Dampfmaschinen nicht zu weniger Kohlenverbrauch f\u00fchrten, sondern zu mehr \u2013 weil die niedrigeren Betriebskosten neue Anwendungen und mehr Produktion erm\u00f6glichten. Genau das geschieht gerade mit KI: G\u00fcnstigere Inferenz bedeutet mehr KI-Anwendungen, was wiederum mehr Rechenzentren, mehr GPUs und letztlich mehr Bedarf an Nvidias Hardware erzeugt.<\/p>\n<p>Zahlen, die \u00fcberzeugen<\/p>\n<p>Das spiegeln auch die Quartalszahlen wider. Im ersten Quartal 2025 steigerte Nvidia seinen Umsatz im Jahresvergleich um 69 Prozent auf 44 Milliarden Dollar, der Gewinn kletterte um 26 Prozent auf 19 Milliarden Dollar. F\u00fcr das dritte Quartal gibt Nvidia eine Prognose von 54 Milliarden Dollar aus \u2013 selbst ohne jegliche H20-Einnahmen aus China. Sollten die geopolitischen Spannungen nachlassen und die Lizenzen tats\u00e4chlich greifen, rechnet Finanzchefin Kress mit zus\u00e4tzlichen zwei bis f\u00fcnf Milliarden Dollar allein aus chinesischen H20-Verk\u00e4ufen.<\/p>\n<p>Nvidia bleibt damit unangefochtener Weltmarktf\u00fchrer bei KI-Chips mit einem globalen Marktanteil von rund 80 Prozent \u2013 weit vor AMD und Intel. Die neue Blackwell-Prozessorgeneration, f\u00fcr die die Nachfrage laut Unternehmensangaben die Produktionskapazit\u00e4ten \u00fcbersteigt, soll diesen Vorsprung weiter ausbauen. Erg\u00e4nzt wird die Strategie durch ein dichtes Netz strategischer Partnerschaften mit Cloud-Anbietern wie Amazon AWS, Microsoft Azure und Google sowie die Beteiligung am staatlich gef\u00f6rderten US-KI-Projekt Stargate.<\/p>\n<p>Zehn Jahre, dreihundertfach<\/p>\n<p>Wer die Nvidia-Aktie vor zehn Jahren kaufte und hielt, konnte den Kurs mehr als verdreihundertfachen \u2013 eine der au\u00dfergew\u00f6hnlichsten B\u00f6rsengeschichten der j\u00fcngeren Wirtschaftsgeschichte. Der Weg dorthin verlief freilich alles andere als gerade: Ende 2018 brach die Aktie um fast die H\u00e4lfte ein, 2022 \u2013 im Zinserh\u00f6hungsjahr mit Ukrainekrieg \u2013 verlor sie in der Spitze zwei Drittel ihres Werts. Heute ist Nvidia das einzige Unternehmen weltweit mit einer Marktkapitalisierung von mehr als vier Billionen Dollar.<\/p>\n<p>Was aus dem H20-Kapitel wird, ist noch nicht ausgeschrieben. Nvidia entwickelt bereits einen Nachfolger f\u00fcr den chinesischen Markt \u2013 intern als B30A bekannt \u2013 der leistungsf\u00e4higer als der H20, aber schw\u00e4cher als Nvidias Top-Chips sein soll. Ob Washington das genehmigt, ob Peking chinesische Firmen weiter vom Kauf abhalten kann und ob die 15-Prozent-Abgabe an den US-Fiskus Bestand hat, bleibt offen. Nvidia befindet sich im Zentrum eines Handels- und Technologiekonflikts, dessen Regeln t\u00e4glich neu geschrieben werden \u2013 und navigiert ihn bisher mit bemerkenswerter Resilienz.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/strategy-plan.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">www.strategy-plan.at<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tkafunds.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">www.tkafunds.com<\/a><\/p>\n<p>Disclaimer: Diese Inhalte dienen ausschlie\u00dflich allgemeinen Informationszwecken und richten sich an bestehende und potenzielle Kund:innen. Sie stellen weder Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung oder Finanzanalyse im Sinne des Wertpapieraufsichtsgesetzes (WAG 2018) dar und ersetzen keine individuelle Beratung. Es erfolgt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Kapitalmarktanlagen sind mit Risiken (bis hin zum Totalverlust) verbunden. Die Informationen wurden sorgf\u00e4ltig erstellt; Gew\u00e4hr f\u00fcr Richtigkeit, Vollst\u00e4ndigkeit und Aktualit\u00e4t wird nicht \u00fcbernommen. Externe Links dienen nur Informationszwecken; f\u00fcr deren Inhalte wird keine Haftung \u00fcbernommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"|\u00a0Redaktion\u00a0 | 23.02.2026 Nvidia navigiert zwischen Washington und Peking \u2013 und zeigt, wie geopolitische Turbulenzen einen Konzern zugleich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9164,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[46,42,95,90,89,91,94,5068,44,93,92],"class_list":{"0":"post-9163","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-business","11":"tag-companies","12":"tag-companies-markets","13":"tag-markets","14":"tag-maerkte","15":"tag-nvidia","16":"tag-oesterreich","17":"tag-unternehmen","18":"tag-unternehmen-maerkte"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9163"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9163\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9164"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}