{"id":92736,"date":"2026-04-09T11:53:11","date_gmt":"2026-04-09T11:53:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/92736\/"},"modified":"2026-04-09T11:53:11","modified_gmt":"2026-04-09T11:53:11","slug":"die-inszenierung-ist-genau-das-befreiende-daran-christian-fetish-im-mica-interview-mica","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/92736\/","title":{"rendered":"\u201eDie Inszenierung ist genau das Befreiende daran\u201c &#8211; CHRISTIAN FETISH im mica-Interview &#8211; mica"},"content":{"rendered":"<p>Ein umtriebiges Szene-Urgestein meldet sich lautstark zur\u00fcck: Christian Fuchs schl\u00fcpft f\u00fcr sein neues Album \u201eAura Nera\u201c in die Rolle des Christian Fetish. Im Gespr\u00e4ch mit Sebastian J. G\u00f6tzendorfer geht es um \u201edas B\u00f6se\u201c, Musik und Film und wie ein sch\u00f6pferischer musikalischer Prozess trotz dunklen Themen Spa\u00df machen kann. Ein gewaltiges Neo-Noir-Industrial-Album zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Pessimismus und Optimismus sowie Introspektion und Rausschreien \u2013 welches nur durch Freundschaften so entstehen konnte.<\/p>\n<p>Wenn man derzeit die Nachrichten verfolgt, scheint \u201edas B\u00f6se\u201c am Vormarsch zu sein im Vergleich zu den 1990ern, in denen Du auch musikalisch aktiv warst. War die Besch\u00e4ftigung mit dem B\u00f6sen damals interessanter \u2013 oder ist sie es jetzt?<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Ich kann f\u00fcr mich pers\u00f6nlich sagen: das war damals eine relativ entspannte \u00c4ra. Nat\u00fcrlich war nicht alles so idyllisch, wie man es im Nachhinein verkl\u00e4rt. Aber die Politik war irgendwie sehr weit weg. Jeder war in seinem eigenen kleinen Mini-Subkultur-Universum, und die gro\u00dfe Politik hat manchmal angeklopft, aber man war sehr gesch\u00fctzt. Aus dieser Sicherheit heraus, aus diesem Lebensgef\u00fchl heraus, konnte man sich mit besonders dunklen Dingen leichter besch\u00e4ftigen. Mein Vergleich ist immer: Die schlimmsten B\u00fccher meines Lebens habe ich am Strand gelesen. Wenn die Sonne rundherum scheint, kann man \u201eThe Road\u201c von Cormac McCarthy lesen und runterschlucken. \u00c4hnlich waren die 1990er. Ich habe mich damals mit extrem abgr\u00fcndigen, aus heutiger Perspektive teilweise ultra-desolaten Dingen in der Popkultur besch\u00e4ftigt \u2013 eben aus dieser Sicherheit heraus. Jetzt wirkt die ganze Welt wie eine Dauerbedrohung von allen Seiten. Die Besch\u00e4ftigung mit dem Abgr\u00fcndigen ist eine komplett andere Sache geworden.<\/p>\n<p>Du warst bereits in den 1990ern mit der Industrial-Rock-Band Fetish 69 aktiv. Damals musste man die Fantasie im Vergleich zu heute eben wom\u00f6glich mehr ankurbeln in Richtung B\u00f6se und Dunkelheit. Heute kriegt man sie pr\u00e4sentiert, sobald man irgendeinen Medienkanal aufmacht.<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Ja, und das war vor allem dieses Sicherheitsgef\u00fchl, welches einem das manchmal leichter gemacht hat. In den 1990ern schien es f\u00fcr einen kurzen Augenblick so \u2013 nach dem Fall der Berliner Mauer \u2013, als w\u00e4re die Welt an einem Stillstandspunkt angelangt, aber gleichzeitig etwas sicherer. Und genau, man konnte sich aus diesem Gef\u00fchl heraus mit besonders dunklen Dingen besch\u00e4ftigen, ohne dass es einem wirklich naheging. W\u00e4hrend einem jetzt, seit der Pandemie, in dieser ganzen Dekade, so vieles st\u00e4ndig nahegeht.<\/p>\n<p>\u201eMein j\u00fcngeres Ich war weniger optimistisch aus einer gewissen Koketterie heraus.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAura Nera\u201c ist \u2013 nomen est omen \u2013 sehr dunkel. Pessimismus scheint ein Thema zu sein. Wo w\u00fcrdest du dich selbst auf einer Skala von Optimismus zu Pessimismus verorten?<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Als die Musik des aktuellen Albums Gestalt annahm, machte ich mir sch\u00f6n langsam weiterf\u00fchrende Gedanken zu Texten. Und dann \u2013 sehr undramatisch, im Freibad liegend \u2013 ist mir letzten Sommer eingefallen, dass dieses Ding einen Namen braucht. Ich hatte zu Zeiten von Fetish 69 dieses Jugend-Pseudonym, von dem ich mich sp\u00e4ter distanzierte: Christian Fetish \u2013 oder in Wien hat man damals gesagt: der Fetisch Christian.<\/p>\n<p>Im ersten Moment kam mir der Schritt sehr gewagt vor, diesen Namen wieder aufzugreifen, denn es war schon damals eine persona \u2013 meine aggressivste und traumatisierteste Seite \u2013 und das alles sollte auch nicht aus einer billigen Nostalgie heraus passieren. In Summe bin ich ja nicht mehr dieser Typ. Deshalb trete ich mit dieser Person auf \u201eAura Nera\u201c in einen Dialog. Auf jedem Song handle ich neu aus, wo stehe ich jetzt \u2013 und wo bin ich damals gestanden?<\/p>\n<p>Daraus resultierend meine Antwort auf die urspr\u00fcngliche Frage: Mein j\u00fcngeres Ich war weniger optimistisch aus einer gewissen Koketterie heraus, weil es die echten Schl\u00e4ge des Lebens, wie etwa Todesf\u00e4lle, noch gar nicht erfahren hatte. Und jetzt habe ich einen Grundoptimismus, an dem ich sehr festhalte \u2013 der sich schon mit nihilistischen und pessimistischen Richtungen reibt, aber trotzdem in mir verankert ist.<\/p>\n<p>Also lie\u00dfe sich das so zusammenfassen: Das Album ist ein Dialog zwischen dem optimistischeren Christian von heute und dem pessimistischeren Christian von fr\u00fcher?<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Ja. Und ein weiterer zentraler Punkt ist: Ich war immer zerrissen zwischen Rationalit\u00e4t und Irrationalit\u00e4t. Meine Bibliothek ist voll mit B\u00fcchern, in denen das Irrationale regiert \u2013 abgehobene Philosophien, Metaphysik, Mystizismus. Und ich glaube, ich habe mich \u00fcber die Jahre ver\u00e4ndert. Der radikale Wendepunkt war die Pandemie, wo sehr viele Menschen bewusst in eine komplett irrationale Richtung marschiert sind \u2013 und ich die Gegenrichtung einschlug, viel mehr der Naturwissenschaft zuh\u00f6rte. Diese irrationalen Phasen, die sehr dominant waren in meinem Leben, habe ich danach auf eine neue Weise gesehen. Ich entdeckte die Psychologie neu, der ich fr\u00fcher skeptisch gegen\u00fcberstand, folgte der Hirnforschung. Das rationale Hinterfragen von Dingen ist heute zentral f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Das Hinterfragen und die Reflexion ist ja etwas zutiefst Psychologisches. Ist Musik f\u00fcr dich auch ein Ventil, durch das etwas los wirst \u2013 oder macht sie dich manchmal noch trauriger, noch existenzialistischer?<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Ganz sicher hat die Musik etwas Befreiendes, sowohl im Studio als auch auf der B\u00fchne. Ich bin ja fr\u00fcher tats\u00e4chlich nach schwierigen Trennungen sofort ins Studio gefahren, hab mein Geld in Plattenaufnahmen investiert statt in eine Therapie, letzteres hole ich erst jetzt nach. Die Musik ist ganz sicher kein Ersatz daf\u00fcr, aber da passieren schon Transformationsprozesse. Die Inszenierung ist genau das Befreiende daran. In dem Moment, wo man etwas sehr Negatives und Dunkles nimmt und es in etwas Leidenschaftliches, etwas Sch\u00f6nes, etwas Berauschendes verpackt \u2013 dann z\u00e4hmt man das auch irgendwie. Ich sage jetzt nicht Katharsis dazu, das ist ein zu gro\u00dfer Begriff. Aber Ventil? Definitiv.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns=\" http:=\"\" alt=\"Bild von Christian Fetish\" class=\"wp-image-174897\" data-lazy- data-lazy- data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Christian-Fetish-\u00a9-Markus-Kloiber-2-1024x683.jpg\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Christian-Fetish-\u00a9-Markus-Kloiber-2-1024x683.jpg\" alt=\"Bild von Christian Fetish\" class=\"wp-image-174897\"  \/>Christian Fetish \u00a9 Markus Kloiber<\/p>\n<p>Kommen wir wieder konkreter zur\u00fcck zum Album \u201eAura Nera\u201c \u2013 wie war hier der Prozess, wie ist das Album entstanden?<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Ich bin mal wieder zu meinem Stammproduzent Bernd Heinrauch in die Steiermark ins Studio gefahren. Es ging eigentlich um das geplante vierte Album des Black Palms Orchestra. Wir haben dann in bestimmten Konstellationen \u2013 mit Christoph Baumgartner von Fetish 69, Medina Rekic von White Miles \u2013 herumexperimentiert und irgendwie hatte ich eine Art Blockade. Ich fand keine Motivation mehr, den cinematischen, etwas country-esken, dunkelrockigen Black-Palms-Orchestra-Style weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Wir haben dann dieses Universum, das ich dort immer geschaffen hatte, verlassen. Wir sind h\u00e4rter und viel elektronischer geworden. Und das hat wahnsinnig Spa\u00df gemacht \u2013 wie eine Befreiung. Es war auch ein Gegensatz zu den Buben im Pelz, meiner anderen aktuellen Band, wo ich eine ganz erdige Rock\u2019n\u2019Roll-Seite ausleben darf. Pl\u00f6tzlich st\u00fcrzten Bernd und ich uns auf brachiale Electropunk-Sounds. Aus diesen Songs ist dann langsam die Frage entstanden: Was ist das jetzt? Ist das noch Black Palms Orchestra?<\/p>\n<p>\u201eAll das, was mich zerfleischt hat und viel mehr Raum eingenommen hat als der eigentliche k\u00fcnstlerische Akt \u2013 das wollte ich ausschlie\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Du bist als Black Palms Orchestra ins Studio gegangen und dann ist dieses Christian-Fetish-Album quasi \u00fcber dich hereingebrochen?<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Ja, genau. Es f\u00fchlte sich einfach in meiner Lebensphase, in der generellen gesellschaftlichen Phase richtig an. Was ich von Black Palms Orchestra \u00fcbernommen habe, ist die spezielle Arbeitsweise. Und die ist folgenderma\u00dfen entstanden: Nach Fetish 69, Toxic Lounge, Bunny Lake, der Neigungsgruppe Sex, Gewalt &amp; Gute Laune war bei mir der Punkt erreicht, wo ich all diese anstrengenden k\u00fcnstlerischen Diskussionen, die zu Bandstrukturen geh\u00f6ren, nicht mehr f\u00fchren wollte. Die sind ja sehr zerfleischend und hinterlassen menschliche Besch\u00e4digungen.<\/p>\n<p>Bei mir war das so um das Jahr 2012 herum \u2013 ich habe dann zwei Jahre pausiert und gedacht: nie wieder. So wie manche nach einer tragischen Trennung denken: Nie wieder lasse ich mich auf eine Beziehung ein. All das, was mich zerfleischt hat und viel mehr Raum eingenommen hat als der eigentliche k\u00fcnstlerische Akt \u2013 das wollte ich ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Mit dem Black Palms Orchestra, gegr\u00fcndet 2015, fand ich endlich einen Ausweg aus dem Dilemma. Ich dachte mir, ich nenne das Ganze jetzt einfach \u201cProjekt\u201d statt Band. Ich frage meinen riesigen Freundeskreis an Musikerinnen und Musikern, bei diesem Album etwa Wolfgang Schl\u00f6gl oder Wolfgang Frisch von den Sofa Surfers, ob sie mitarbeiten wollen. Mit einem ganz simplen Deal: Sie kriegen die Komposition, ich habe den Text. Und dann bastle ich im Studio, mit Bernd Heinrauch als k\u00fcnstlerischem Leiter, weiter an den Demos, die ich bekomme. Und pl\u00f6tzlich darf ich unkompliziert alle tollen Aspekte des Musikschaffens mit ganz unterschiedlichen Menschen ausleben. Es macht wirklich sehr viel Spa\u00df.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns=\" http:=\"\" alt=\"Bild von Christian Fetish und Band\" class=\"wp-image-174898\" data-lazy- data-lazy- data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Christian-Fetish-\u00a9-Markus-Kloiber-3-1024x683.jpg\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Christian-Fetish-\u00a9-Markus-Kloiber-3-1024x683.jpg\" alt=\"Bild von Christian Fetish und Band\" class=\"wp-image-174898\"  \/>Christian Fetish \u00a9 Markus Kloiber<\/p>\n<p>Du hast den Vergleich selbst angesprochen: Eine Band ist oft beinahe wie eine Ehe. Und was ich bei dem, was du beschreibst, heraush\u00f6re, ist, dass deine jetzigen Projekte von einer sehr klaren und guten Kommunikation leben.<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Ich w\u00e4re ja theoretisch auch wahnsinnig gern bei fr\u00fcheren Bands \u201efremdgegangen\u201c. Im Sinne von manchmal jemanden f\u00fcr einen Song dazuholen, f\u00fcr ein Duett, einen Remix. Das habe ich manchmal auch stur durchgesetzt, oft auch gegen den Willen meiner Mitmusikerinnen und Musiker. Dieser unb\u00e4ndige Drang zur Kollaboration hat wohl auch mit meiner sehr isolierten, einsamen Kindheit und Jugend zu tun. Ich habe viele Jahre mehr oder weniger allein in einem Spielzimmer verbracht, mit Monsterpuppen, d\u00fcsteren H\u00f6rspielplatten und Sci-Fi-Comics. Meine Eltern schenkten mir Liebe, hatten aber wenig Zeit. Wahrscheinlich giere ich deshalb so nach k\u00fcnstlerischer Kommunikation, andere Personen sind im Schaffensprozess f\u00fcr mich sehr wichtig. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Maler wochenlang in einem Zimmer zu sitzen und alleine etwas zu schaffen.<\/p>\n<p>Und ich habe durch die Kommunikation auch gelernt, von meinen sturen Vorstellungen abzuweichen. Wenn die andere Person pl\u00f6tzlich etwas liefert, was \u00fcberhaupt nicht ins Konzept passt, muss man das oft aufgreifen und dort weiterarbeiten. Und das hat bei diesem Album wirklich extrem gut funktioniert.<\/p>\n<p>Wie kann man sich die Gesangsaufnahmen von Christian Fuchs vorstellen?<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Die Gesangsaufnahmen sind ultra-entspannt. Und da hat Bernd Heinrauch bei mir auch Blockaden gel\u00f6st. Bei Fetish 69 seinerzeit habe ich oft beinahe meine Stimme verloren. Das hatte nicht nur mit mangelnder Gesangstechnik zu tun. Ich musste wie am Spie\u00df br\u00fcllen, der britische Producer stand neben mir und versuchte mich zu motivieren: \u201eScream!\u201c, \u201eSchrei dir die Seele raus!\u201c (lacht) Bernd hat mich sp\u00e4ter dann wirklich befreit: mit unglaublicher Ruhe, ich direkt neben ihm am Aufnahmepult, drau\u00dfen scheint die Sommersonne, man geht kurz in den Garten \u2013 und dann singt man halt den absolut d\u00fcstersten Song ein. Diese Mischung ist mir so wichtig. <\/p>\n<p>Das habe ich auch von David Lynch \u00fcbernommen, der meinte, man kann sich dem Grauen nur entspannt n\u00e4hern. Er ist wegen dem speziellen Licht nach L.A gezogen. Licht und Dunkelheit sind f\u00fcr mich beide essentiell.<\/p>\n<p>\u201eGespr\u00e4che mit Frauen \u00fcber die letzten zehn Jahre haben das ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt.\u201c<\/p>\n<p>Bleiben wir doch bei Vergleichen mit der Welt des Films. Welcher Regisseur deiner Wahl k\u00f6nnte aus den Lyrics und ein paar Soundschnipsel von \u201eAura Nera\u201c gut einen Film machen?<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Ein Filmemacher, der mich seit Fetish-69-Zeiten verfolgt und der jetzt wieder mehr in den Vordergrund ger\u00fcckt ist, w\u00e4re Paul Schrader. Der hat unter anderem das Drehbuch zu \u201eTaxi Driver\u201c geschrieben und selber als Regisseur mittlerweile drei Trilogien \u00fcber einsame M\u00e4nner gemacht. Typen, die er \u201cMan in a room\u201d oder \u201cGod\u2019s lonely men\u201d nennt, letzteres nach dem Autor Thomas Wolfe.<\/p>\n<p>Als Kind, das zwar isoliert, aber doch beh\u00fctet und b\u00fcrgerlich aufgewachsen ist, habe ich mich fr\u00fcher in diesen einsamen M\u00e4nnern total wiedergefunden. Ich projizierte meine pers\u00f6nlichen Krisen und Neurosen in diese Figuren, auf eine komisch heroische Weise. Irgendwann ist das gekippt \u2013 ich habe mich davon distanziert und viel mehr feministische Standpunkte einbezogen. Intensive Gespr\u00e4che mit Frauen \u00fcber die letzten zehn Jahre haben das ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt. Insofern habe ich mich von \u201cGod\u2019s lonely men\u201d sehr entfernt, aber das Bild wirkt trotzdem noch stark nach, diese wortkargen, durchs Nachtleben irrenden Gestalten.<\/p>\n<p>Paul Schrader k\u00f6nnte also einen guten Film \u00fcber den Fetish Christian aus Wien machen.<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Der Autorenfilmer Paul Schrader w\u00e4re eine extrem gute Wahl. Gleichzeitig flirtet dieses Album schon \u2013 und da kommt der Spa\u00dffaktor ins Spiel \u2013 ein bisschen mit Blockbuster-\u00c4sthetiken, auch durch meine Besch\u00e4ftigungen mit Filmmusik und Soundtracks. Ich mag beides, das Karge und den Bombast.<\/p>\n<p>Welcher Song ist der, wo du sagst: Da bin ich wirklich zufrieden?<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Ich bin wirklich \u2013 es klingt kitschig \u2013 sehr lange nicht mehr so stolz auf ein Album gewesen. Einen einzelnen Song hervorzuheben f\u00e4llt mir schwer.<\/p>\n<p>Was generell wichtig ist: Ich habe mich in dieser positiv aufgeladenen, euphorischen Atmosph\u00e4re des Arbeitens bewusst an ganz pers\u00f6nliche Texte rangetraut. Der vielleicht gewagteste Song, der dabei entstanden ist, hei\u00dft \u201eGhost In The Machine\u201c. Sowohl meine Mutter als auch mein Vater und sp\u00e4ter mein Bruder sind zwar auf ganz unterschiedliche Weisen verstorben. Die Gemeinsamkeit war aber, dass alle drei am Ende im Koma lagen. Ich habe immer wieder dasselbe Gespr\u00e4ch mit einem Arzt gef\u00fchrt, der mir sagte: Das Gehirn ist irreparabel besch\u00e4digt. Es gibt keine Hoffnung mehr. Wir k\u00f6nnen die Person nur mehr k\u00fcnstlich am Leben erhalten. Diesen Satz h\u00f6rte ich in drei verschiedenen Versionen \u00fcber lange Zeitabst\u00e4nde hinweg.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, irgendwo zu liegen \u2013 gefangen in deinem K\u00f6rper, nicht mehr raus zu k\u00f6nnen, in diesem Zwischenreich zu sein \u2013 schlimmeres kann ich mir kaum vorstellen. Und an dieses Thema habe ich mich in dem Lied gewagt. In dem Song liegt der Protagonist selbst in dieser Situation. Und um das auf die Spitze zu treiben, habe wir auch noch Krankenhausger\u00e4usche gesampelt.<\/p>\n<p>Im Studio gab es ersthafte Zweifel beim Einsingen. Ich habe das aber gemacht, weil ich wei\u00df, dass man durch diese konfrontative Auseinandersetzung mit Themen ein bisschen weniger Angst davor hat \u2013 ein therapeutischer Ansatz.<\/p>\n<p>Kommen wir zum Abschluss zur geplanten B\u00fchnenshow bei den kommenden Live-Auftritten. Wie schaut die Live-Umsetzung aus?<\/p>\n<p>Christian Fuchs: Das Deb\u00fctkonzert findet am 17. April im Chelsea statt. Wir werden uns als Mischung aus Elektronik und Rockband pr\u00e4sentieren. Live-Drummer Max Schachner interagiert mit der Elektronik, dazu kommen Medina Rekic und Mikala N\u00f8rgaard als Gitarristinnen, die beide singen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte diesem Feeling von Konzerten nachsp\u00fcren, die ich als sehr junger Mensch gesehen habe \u2013 Post-Punk-Konzerte, wo ich gestanden bin und dachte: Was geht da jetzt bitte ab? Haupts\u00e4chlich wei\u00dfes Licht auf der B\u00fchne, sehr viel Nebel und Stroboskop. Intensit\u00e4t. Interaktionen mit dem Publikum. Das sind die Richtungen, in die es gehen soll, das ist die Ambition.<\/p>\n<p>Eine Bandkollegin meinte bei der Probe: \u201ePass auf, dass du keine Ohrfeigen anf\u00e4ngst, wenn du mit dem Publikum zu nahe agierst\u201d (lacht). Aber ich will ja nicht den Hass oder Zorn vom Fetish 69 wiederbeleben, nur ein bisschen Konfrontation. Und wenn die Wut wieder ausgepackt wird, dann hoffentlich aus einer Entspanntheit heraus.<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Sebastian J. G\u00f6tzendorfer<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Tourdates<br \/>17.04. Chelsea, Wien<br \/>18.04. Styrian Sounds Festival PPC, Graz<br \/>07.05. PMK, Innsbruck<br \/>29.08. Un:Wucht Festival, Arnoldstein<br \/>21.11. Kapu, Linz<br \/>22.01. KlangFarben, Kufstein<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Links:<br \/><a href=\"https:\/\/christianfetish.at\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christian Fetish<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/christian_fuchs_vienna\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christian Fuchs (Instagram)<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/www.noiseappeal.com\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Noiseappeal Records<\/a><\/p>\n<p>\t\t<script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein umtriebiges Szene-Urgestein meldet sich lautstark zur\u00fcck: Christian Fuchs schl\u00fcpft f\u00fcr sein neues Album \u201eAura Nera\u201c in die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":92737,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[46,42,34753,34754,34755,147,34756,44,116,148,182],"class_list":{"0":"post-92736","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-black-palms-orchestra","11":"tag-bunny-lake","12":"tag-christian-fuchs","13":"tag-entertainment","14":"tag-neigungsgruppe-sex-gewalt-und-gute-laune","15":"tag-oesterreich","16":"tag-steiermark","17":"tag-unterhaltung","18":"tag-wien"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116374615063810808","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=92736"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92736\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/92737"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=92736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}