{"id":92877,"date":"2026-04-09T13:37:08","date_gmt":"2026-04-09T13:37:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/92877\/"},"modified":"2026-04-09T13:37:08","modified_gmt":"2026-04-09T13:37:08","slug":"der-krieg-im-libanon-untergraebt-die-waffenruhe-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/92877\/","title":{"rendered":"Der Krieg im Libanon untergr\u00e4bt die Waffenruhe \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Alles nur ein Missverst\u00e4ndnis, sagt J.D. Vance: Der Iran habe offenbar gedacht, der israelische Feldzug gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon falle unter die vereinbarte Waffenruhe zwischen USA und Iran, erkl\u00e4rte der US-amerikanische Vizepr\u00e4sident. <\/p>\n<p>Das habe Washington nie zugesagt, so Vance, der f\u00fcr die USA ab diesem Samstag die Friedensverhandlungen mit dem Iran in Pakistan f\u00fchren soll. Der US-Vize wollte damit einen Streit entsch\u00e4rfen, der die Gespr\u00e4che torpedieren k\u00f6nnte. Der Vizepr\u00e4sident wei\u00df, dass es nicht um Missverst\u00e4ndnisse geht \u2013 es geht um gegens\u00e4tzliche Interessen von Iran und dem US-Partner Israel.<\/p>\n<p>Vermittler Pakistan hatte bei der Verk\u00fcndung der Waffenruhe in der Nacht zum Mittwoch erkl\u00e4rt, die Feuerpause gelte auch f\u00fcr den Libanon. US-Medienberichten zufolge war die pakistanische Erkl\u00e4rung mit dem Wei\u00dfen Haus abgesprochen, doch Israel will sich nicht daran halten und verst\u00e4rkt seine Offensive gegen die Hisbollah. Hunderte Menschen wurden bei israelischen Angriffen in den vergangenen Tagen get\u00f6tet, <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/20751650\/bombenwelle-auf-den-libanon-dieser-moment-hat-mich-fuer-immer\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">fast 200 allein am Mittwoch \u2013 dem Tag, an dem die Waffenruhe begann.<\/a><\/p>\n<p>Die iranische F\u00fchrung will die USA nun zwingen, Israel zur\u00fcckzupfeifen. Israels Feldzug best\u00e4tige, wie angebracht das tiefe Misstrauen seines Landes gegen\u00fcber Amerika sei, erkl\u00e4rte Parlamentspr\u00e4sident Mohammad Baker Kalibaf, der nach pakistanischen Angaben die Teheraner Delegation bei den Gespr\u00e4chen mit den USA leiten wird. <\/p>\n<p>Au\u00dfenminister Abbas Araghici, der ebenfalls in Islamabad erwartet wird, forderte die USA auf, sich zwischen einer Waffenruhe und der Fortsetzung des Krieges im Libanon zu entscheiden. \u201eSie k\u00f6nnen nicht beides haben\u201c, sagte er am Donnerstag.<\/p>\n<p>Die iranische F\u00fchrung hat ideologische und regionalpolitische Gr\u00fcnde, den Krieg im Libanon zum Thema zu machen. Teheran will zeigen, dass der Iran seinen Partner Hisbollah nicht im Stich l\u00e4sst, wie der Iran-Experte Hamidreza Azizi von der Berliner Stiftung Politik und Wissenschaft auf X schrieb. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem w\u00e4re eine weitere Schw\u00e4chung der Hisbollah ein R\u00fcckschlag f\u00fcr das Ziel der Iraner, ihren Einfluss im Nahen Osten nach dem Krieg wieder aufzubauen. <\/p>\n<p>Teheran setzt zwei Druckmittel ein, um die USA dazu zu bringen, Israels Angriffe aufzuhalten. Erstens droht der Iran mit dem Abbruch der Waffenruhe. <\/p>\n<p>Die iranische Regierung sei \u00fcberzeugt, dass US-Pr\u00e4sident Donald Trump den Krieg gegen die Islamische Republik beenden wolle, argumentiert Danny Citrinowicz, Iran-Experte und ehemaliger Mitarbeiter des israelischen Milit\u00e4rgeheimdienstes. Teheran kalkuliert demnach, dass Washington einen Zusammenbruch der Waffenruhe vermeiden will.<\/p>\n<p>Trump hat aus innenpolitischen Gr\u00fcnden kein Interesse daran, den Krieg wieder aufflammen zu lassen. Die \u00d6lpreise fielen mit dem Start der Feuerpause am Mittwoch und w\u00fcrden von einem Neubeginn des Konflikts wieder nach oben getrieben. <\/p>\n<p>Wegen der Ungewissheit dar\u00fcber, ob die Waffenruhe halten wird, stiegen die Preise am Donnerstag wieder. Trump hat seinen W\u00e4hlern sinkende Spritpreise versprochen.<\/p>\n<p>Hier setzt das zweite Druckmittel der Iraner an: ihre Kontrolle \u00fcber den Tankerverkehr durch die Stra\u00dfe von Hormus. Trump hatte angek\u00fcndigt, dass Teheran alle Hindernisse f\u00fcr den Schiffsverkehr beseitigen werde, doch die Meerenge blieb am Donnerstag f\u00fcr die meisten Tanker gesperrt.<\/p>\n<p>Bisher hat Trump den Partner Israel nicht zur Einhaltung der Waffenruhe verdonnert. Jerusalem will die pro-iranische Hisbollah aus dem israelisch-libanesischen Grenzgebiet zur\u00fcckzudr\u00e4ngen und sie an Angriffen auf den Norden Israels hindern. Doch Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu will nach Meinung von Kritikern mit dem Feldzug auch von der mageren Bilanz seiner Politik ablenken.<\/p>\n<p>Oppositionsf\u00fchrer Yair Lapid z\u00e4hlte Netanjahus Misserfolge auf: Trotz der Kriege der vergangenen Jahre regiere die Hamas den Gaza-Streifen und die Hisbollah den Libanon, erkl\u00e4rt er. Im Iran regiere statt des 86-j\u00e4hrigen Revolutionsf\u00fchrers Ali Khamenei, der am ersten Kriegstag get\u00f6tet wurde, nun dessen Sohn Modschtaba. <\/p>\n<p>Als sich Trump zur Waffenruhe mit dem Iran entschloss, habe er Netanjahu lediglich am Telefon dar\u00fcber informiert, was Israel zu tun habe.<\/p>\n<p>Das Festhalten an der Offensive im Libanon k\u00f6nnte Israel auch dazu dienen, die Iran-Waffenruhe zu torpedieren, sagte der Nahost-Experte Ali Alfoneh vom Arab Gulf States Institute in Washington der \u201ePresse\u201c. Netanjahu wolle das theokratische Regime st\u00fcrzen und einen B\u00fcrgerkrieg provozieren, um den Iran zu schw\u00e4chen. Diese Ziele seien in f\u00fcnf Wochen Krieg nicht erreicht worden. \u201eDeshalb wird er die Feuerpause wahrscheinlich eher fr\u00fcher als sp\u00e4ter sabotieren.\u201c<\/p>\n<p>Selbst wenn der Streit um den Krieg im Libanon rechtzeitig vor den Verhandlungen in Islamabad beigelegt werden kann, wird eine Verst\u00e4ndigung zwischen den USA und dem Iran schwierig. <\/p>\n<p>Trump akzeptierte einen Zehn-Punkte-Plan der Iraner als Verhandlungsgrundlage, doch die von Teheran ver\u00f6ffentlichte Version enth\u00e4lt Forderungen, die f\u00fcr die USA unannehmbar sein d\u00fcrften. <\/p>\n<p>So verlangt der Iran darin, auch k\u00fcnftig Uran anreichern zu d\u00fcrfen, was der Westen als m\u00f6gliche Vorbereitung auf den Bau einer Atombombe gesehen wird.<\/p>\n<p>Vance sagte, es gebe drei Versionen des Zehn-Punkte-Plans, von denen eine \u201esofort in den M\u00fcll gewandert\u201c sei, weil sie v\u00f6llig unakzeptabel war. Der US-Vizepr\u00e4sident wird am Samstag in Islamabad erfahren, ob die Iraner das genauso sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Alles nur ein Missverst\u00e4ndnis, sagt J.D. 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