{"id":92998,"date":"2026-04-09T14:43:14","date_gmt":"2026-04-09T14:43:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/92998\/"},"modified":"2026-04-09T14:43:14","modified_gmt":"2026-04-09T14:43:14","slug":"sammlung-fotografie-zweimal-deutschland-um-1980","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/92998\/","title":{"rendered":"Sammlung Fotografie: Zweimal Deutschland um 1980"},"content":{"rendered":"<p class=\"u-text-justify\">Fotograf*innen: Derek Bennett (1944\u20131990), Christiane Eisler (geb. 1958), Karl Kugel (geb. 1957), Ute Mahler (geb. 1949), Henry Maitek (1922\u20132007), Evelyn Richter (1930\u20132021) und Erasmus Schr\u00f6ter (1956\u20132021)<\/p>\n<p class=\"u-text-justify\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"u-text-justify\">Die Sammlung Fotografie des Museum Ludwig umfasst rund 70.000 Werke von den Anf\u00e4ngen der Fotografie im fr\u00fchen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. In unseren Fotor\u00e4umen stellen wir regelm\u00e4\u00dfig Werke zu ausgesuchten Themen und Fotograf*innen zusammen.<\/p>\n<p class=\"u-text-justify\">Die Pr\u00e4sentation zeigt eine Auswahl von Fotografien aus Ost- und Westdeutschland, die um das Jahr 1980 entstanden sind. Die Arbeiten von sieben Fotograf*innen geben Einblicke in gesellschaftliche und allt\u00e4gliche Lebenswelten beider deutscher Staaten, die von unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen gepr\u00e4gt waren.\u00a0<\/p>\n<p class=\"u-text-justify\">Portr\u00e4tfotografien von Derek Bennett, Christiane Eisler und Ute Mahler treffen auf Aufnahmen von Henry Maitek und Evelyn Richter, die Alltagsszenen festhalten. Karl Kugel dokumentierte seine Reise vom Rheinland nach West-Berlin und montierte die Abz\u00fcge zu einem Fotoessay. Erasmus Schr\u00f6ter fotografierte mit einer Infrarotkamera n\u00e4chtliche Stra\u00dfenszenen in Leipzig und verfremdete damit den vertrauten Blick auf das Allt\u00e4gliche. In vielen F\u00e4llen geben erst die Bildtitel Aufschluss dar\u00fcber, ob die Fotografien in der Bundesrepublik oder in der DDR entstanden sind.<\/p>\n<p class=\"u-text-justify\">Die ausgew\u00e4hlten Arbeiten zeigen keine historischen Ereignisse. Stattdessen richten sie den Blick auf scheinbar beil\u00e4ufige Situationen und Menschen. Viele der Bilder entziehen sich einer eindeutigen Lesart, da sie bewusst auf typisierende Darstellungen verzichten. Gerade diese Offenheit unterl\u00e4uft Erwartungen an sichtbar unterschiedliche Lebensrealit\u00e4ten in zwei politischen Systemen. Erg\u00e4nzende Informationen zum historischen Kontext helfen dabei, das Abgebildete einzuordnen.<\/p>\n<p class=\"u-text-justify\">In der Bundesrepublik ver\u00e4nderte sich die Gesellschaft um 1980 durch Arbeitsmigration sowie durch das Aufkommen der neuen sozialen Bewegungen. Politische Debatten und Demonstrationen \u2013 etwa zum NATO-Doppelbeschluss, zu Umweltfragen oder zu Hausbesetzungen \u2013 pr\u00e4gten die \u00f6ffentliche Diskussion. Diese Entwicklungen gingen mit einem politischen Wandel einher, der schlie\u00dflich zur konservativ-liberalen Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl f\u00fchrte.<\/p>\n<p class=\"u-text-justify\">In der DDR waren die Unterzeichnung der Schlussakte der \u201eKonferenz f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa\u201c 1975 in Helsinki mit Hoffnungen auf gr\u00f6\u00dfere Freiheiten verbunden, die jedoch entt\u00e4uscht wurden. Gleichzeitig versch\u00e4rften sich die wirtschaftlichen Probleme, und die Versorgungslage der Bev\u00f6lkerung verschlechterte sich sp\u00fcrbar. In weiten Kreisen wurden daher die 1980er Jahre als eine Phase bleierner Stagnation erlebt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"u-text-justify\">Das Leben in der Bundesrepublik wird in der Pr\u00e4sentation von drei Fotografen portr\u00e4tiert, die in Polen, den USA und Frankreich geboren wurden und somit einen Blick von au\u00dfen auf die deutsche Gesellschaft werfen. Bereits die Titel ihrer Arbeiten \u2013 Deutschland ins Gesicht geschaut von Henry Maitek (1969), Stille Zwiesprache. Bildnisse von Deutschen von Derek Bennett (1978\u20131981) und Deutsche Reise von Karl Kugel (1983\/1987) \u2013 verweisen auf ihre Auseinandersetzung mit dem Bild der Deutschen nach 1945.<\/p>\n<p class=\"u-text-justify\">Die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in der DDR sind in den Arbeiten von vier Fotograf*innen eingefangen, die mit der Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig verbunden sind. Ute Mahler, Christiane Eisler und Erasmus Schr\u00f6ter studierten dort; Evelyn Richter lehrte von 1981 bis 2001 an der Hochschule. In der DDR kam der Fotografie eine besondere gesellschaftliche Funktion zu: Sie sollte die Staatsdoktrin des \u201ereal existierenden Sozialismus\u201c vermitteln. Entsprechend streng waren die staatlichen Vorgaben bis Mitte der 1970er Jahre. Erst danach wurden gr\u00f6\u00dfere Freiheiten bei der Wahl der k\u00fcnstlerischen Ausdrucksmittel einger\u00e4umt, und lebensweltliche Themen hielten Einzug in die Fotografie. W\u00e4hrend des Rektorats von Bernhard Heisig (1976\u20131987) bot die HGB ihren Studierenden vergleichsweise gro\u00dfe Freir\u00e4ume. Evelyn Richter steht exemplarisch f\u00fcr eine Lehre, die das selbstbewusste, eigenst\u00e4ndige Entscheiden \u00fcber Themen und Motive f\u00f6rderte.<\/p>\n<p>Der Schwerpunkt der Pr\u00e4sentation liegt auf Fotografien aus der Zeit um 1980. Erg\u00e4nzend werden einzelne Arbeiten von Henry Maitek und Evelyn Richter aus den 1960er Jahren gezeigt, die den zeitlichen Rahmen erweitern und zus\u00e4tzliche Perspektiven er\u00f6ffnen.\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Kuratorin: Barbara Engelbach<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fotograf*innen: Derek Bennett (1944\u20131990), Christiane Eisler (geb. 1958), Karl Kugel (geb. 1957), Ute Mahler (geb. 1949), Henry Maitek&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":92999,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[158,157,46,42,159,147,34820,34818,180,161,160,34819,164,44,148,11776],"class_list":{"0":"post-92998","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art","9":"tag-art-and-design","10":"tag-at","11":"tag-austria","12":"tag-design","13":"tag-entertainment","14":"tag-fotographie","15":"tag-gegenwartskunst","16":"tag-koeln","17":"tag-kunst","18":"tag-kunst-und-design","19":"tag-moderne-kunst","20":"tag-museum","21":"tag-oesterreich","22":"tag-unterhaltung","23":"tag-zeitgenoessische-kunst"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116375283663429310","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92998","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=92998"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92998\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/92999"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92998"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=92998"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92998"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}