{"id":93274,"date":"2026-04-09T17:32:11","date_gmt":"2026-04-09T17:32:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/93274\/"},"modified":"2026-04-09T17:32:11","modified_gmt":"2026-04-09T17:32:11","slug":"kirche-schliessen-warum-nicht-oeffnen-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/93274\/","title":{"rendered":"Kirche schlie\u00dfen? Warum nicht \u00f6ffnen! \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Wien. Es ist eine Frage, die sich f\u00fcr die katholische Kirche mehr und mehr stellt. Was tun mit den vielen Kirchengeb\u00e4uden, wenn die Kirchg\u00e4nger immer weniger werden? Eine Bibliothek daraus machen, ein Museum? Ein Hotel oder ein Restaurant? Eine Kletterhalle \u2013 oder gar eine Diskothek, wie das anderswo passiert ist? <\/p>\n<p>In \u00d6sterreich ist man hier zur\u00fcckhaltender als in manchen anderen L\u00e4ndern, aber auch hierzulande bekommen Kirchen andere, profane Funktionen: Erst k\u00fcrzlich hat die Erzdi\u00f6zese Wien eine Kirche in Hirschwang an der Rax an eine GmbH verkauft, die sie als Kulturschauplatz mit Kapelle nutzen wird, im Vorjahr \u00fcbernahm ein K\u00fcnstler die Kirche Dreimal Wunderbare Muttergottes im zehnten Bezirk als Atelier \u2013 und in Steyr-Ennsleite steht aktuell die Pfarrkirche Heiliger Josef zum Verkauf. <\/p>\n<p>Auch die Kirche Auferstehung Christi in Wien-Margareten \u2013 ein ab 1969 erbauter Stahlbetonbau in der Siebenbrunnenfeldgasse, der architektonisch ein bisschen auf die Mondlandung im selben Jahr referenziert, mit einem Tabernakel, der an eine Raumkapsel erinnert, wohl das bestimmende Thema jener Zeit \u2013 stand kurz vor dem Aus. \u201eRund f\u00fcnf Jahre lang wurde in der Erzdi\u00f6zese diskutiert und \u00fcberlegt, was mit dieser Kirche passieren soll\u201c, sagte Erzbischof Josef Gr\u00fcnwidl am Donnerstag: \u201eZusperren, verkaufen, umwidmen?\u201c <\/p>\n<p>Letztlich geschah weder das eine noch das andere, die Kirche wurde nicht profanisiert, sondern bleibt weiter Pfarrkirche im Pfarrverband Margareten, auch mit kirchlichem Angebot wie Messen am Samstag und Sonntag wie bisher \u2013 daf\u00fcr allerdings mit einem erweiterten Auftrag: Am Donnerstag wurde ein Pilotprojekt vorgestellt, mit dem die Kirche ein Sakralort bleibt \u2013 aber gleichzeitig auch zu einem Sozial- und Begegnungszentrum wird. Unter dem Titel Kirchenschiff wird die Caritas k\u00fcnftig verschiedenste Angebote machen.<\/p>\n<p>So gibt es hier nun etwa eine neue Kleider- und Lebensmittelausgabe. Im Winter wird es in einem Nebengeb\u00e4ude eine W\u00e4rmestube geben, au\u00dferdem wird Sozialberatung angeboten, ein Lernzimmer mit Nachhilfe. Zwei Seelsorgende begleiten Menschen vor Ort, auch kirchliche Angebote wird es geben. Und es gibt explizit Raum f\u00fcr weitere Vereine oder (Kultur-)Initiativen, die etwa aus der Nachbarschaft heraus entstehen, wie Co-Projektleiter Klemens Lesigang sagt. <\/p>\n<p>\u201eHier zeigen wir, es ist m\u00f6glich, eine Kirche weiterhin als Kirche zu nutzen, f\u00fcr Gottesdienste, aber dass es auch m\u00f6glich ist, den Raum noch vermehrt zu nutzen\u201c, sagte Caritas-Direktor Klaus Schwertner bei der Er\u00f6ffnung mit unter anderem B\u00fcrgermeister Michael Ludwig (SP\u00d6), Pr\u00e4sidentengattin Doris Schmidauer und dem Klosterneuburger Propst Anton H\u00f6slinger, der das Projekt finanziell unterst\u00fctzt hat. \u201eEs ist ein innovatives, neues, vielleicht bahnbrechendes Projekt.\u201c<\/p>\n<p>Erzbischof Gr\u00fcnwidl bezeichnet das Projekt gar als Flaggschiff: \u201eMan kann eine Barockkirche oder eine gotische Kirche nicht so umwidmen\u201c, sagt er. \u201eAber ich bin \u00fcberzeugt, dass das ein Projekt wird, das in der Erzdi\u00f6zese Wien Schule macht \u2013 in der Hinsicht, dass hoffentlich viele Pfarren sich \u00fcberlegen: Wie k\u00f6nnen wir unsere R\u00e4ume zur Verf\u00fcgung stellen und sie \u00f6ffnen f\u00fcr Menschen? Ich hoffe sehr, dass die Grundidee Schule macht.\u201c <\/p>\n<p>Bei der einen oder anderen Kirche wird es aber auch in Zukunft nicht nur um zus\u00e4tzliche Funktionen gehen, sondern um ihr Bestehen insgesamt. Dass f\u00fcnf bis zehn Kirchen pro Jahrzehnt geschlossen werden \u2013 wie die Erzdi\u00f6zese vor einiger Zeit bereits in den Raum gestellt hat \u2013 h\u00e4lt Gr\u00fcnwidl im \u201ePresse\u201c-Gespr\u00e4ch f\u00fcr realistisch. Konkretere Zahlen nennt er nicht. <\/p>\n<p>\u201eWir sind gerade dabei, ein pastorales Geb\u00e4udekonzept zu erstellen, bei dem wir uns alle Pfarren anschauen: Wie viele Geb\u00e4ude haben wir \u2013 es geht ja nicht nur um die Kirchen, es geht um Pfarrh\u00f6fe, Pfarrs\u00e4le, um Seelsorger\u00e4ume \u2013 und wie viele brauchen wir, was k\u00f6nnen wir uns leisten?\u201c Rund 1000 Kirchen besitzt die Erzdi\u00f6zese in Wien und Nieder\u00f6sterreich, rund 1700 weitere Geb\u00e4ude. <\/p>\n<p>Priorit\u00e4t habe \u2013 wie schon bisher \u2013 der Weg, Kirchen an christliche Schwesterkirchen abzugeben. 2024 wurde etwa St. Michael in M\u00f6dling an die rum\u00e4nisch-orthodoxe Gemeinde \u00fcbergeben, sieben weitere gingen in den vergangenen Jahren an andere christliche Gemeinschaften (etwa Maria vom Siege, die Pfarrkirche am Sch\u00f6pfwerk oder die Neulerchenfelder Kirche). \u201eGerade in l\u00e4ndlichen Regionen ist das nicht so einfach, da m\u00fcssen wir noch innovativ werden\u201c, sagt Gr\u00fcnwidl. \u201eAber das heutige Projekt macht mir Hoffnung.\u201c <\/p>\n<p>Auch die Pfarren werden in Wien (weiterhin) weniger werden: Rund 600 gibt es derzeit. Man werde all diese Gemeinschaften am Leben erhalten, sagte Erzbischof Gr\u00fcnwidl \u2013 aber nicht mehr alle in einer eigenst\u00e4ndigen Pfarre. <\/p>\n<p>        Abgegebene Kirchen<\/p>\n<p>Die Erzdi\u00f6zese Wien hat in der j\u00fcngeren Vergangenheit zun\u00e4chst Behelfskirchen wie die 1915 in einem Lazarett in der Hasenleitengasse errichtete \u201eRussenkirche\u201c aufgegeben, aber etwa auch die \u201eVoestkirche\u201c in Stadtau, die durch veraltete Stahlbauweise unben\u00fctzbar geworden war. Dazu kamen in den letzten 15 Jahren zehn regul\u00e4re Kirchen, die meisten gingen an koptisch-, serbisch-, syrisch- und rum\u00e4nisch-orthodoxe Gemeinschaften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wien. Es ist eine Frage, die sich f\u00fcr die katholische Kirche mehr und mehr stellt. 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