{"id":9354,"date":"2026-02-23T23:08:10","date_gmt":"2026-02-23T23:08:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/9354\/"},"modified":"2026-02-23T23:08:10","modified_gmt":"2026-02-23T23:08:10","slug":"europa-entwickelt-brennstoffzelle-fuer-80-000-betrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/9354\/","title":{"rendered":"Europa entwickelt Brennstoffzelle f\u00fcr 80.000 Betrie&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Neun Partner wollen eine maritime Brennstoffzelle bauen, die 80.000 h h\u00e4lt. Als w\u00e4re das nicht genug, soll sie auch noch einen Rekord brechen.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/stock-image-441919898-XL-scaled-e1771866686748-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Gro\u00dfes Frachtschiff auf hoher See\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Gro\u00dfe Frachtschiffe lassen sich kaum mit Batterien elektrifizieren. Brennstoffzellen k\u00f6nnten eine Alternative sein.<\/p>\n<p>Foto: Smarterpix\/Alex.Stemmer<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4f94ad1b9ee6460da00312deb40fee84.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"\" class=\"vg-wort-pixel\" style=\"position: absolute;\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\"\/><\/p>\n<p>Reiner Wasserstoff wird nach wie vor als alternativer Treibstoff f\u00fcr alle Arten von Fahrzeugen diskutiert: Pkw und Lkw, Z\u00fcge, Flugzeuge\u2026 und nat\u00fcrlich Schiffe.<\/p>\n<p>Um den maritimen Verkehr war es j\u00fcngst etwas stiller geworden, da eher Wasserstoffderivate wie Methanol als Treibstoffalternative gehandelt wurden. Ein Konsortium aus neun Industrie- und Forschungspartnern will nun den reinen Wasserstoff wieder ins Spiel bringen und entwickelt die erste PEM-Brennstoffzelle im zweistelligen Megawatt-Bereich f\u00fcr die Schifffahrt. Die anvisierte Lebensdauer liegt bei mehr als 80.000 Betriebsstunden. Etwas Vergleichbares gibt es in Europa bisher nicht.<\/p>\n<p>Das Kick-off des Projekts fand Mitte Februar im finnischen Espoo statt. Was steckt hinter dem \u00fcberraschenden Vorhaben, und wie realistisch ist es?<\/p>\n<p>Warum die Schifffahrt dekarbonisieren muss<\/p>\n<p>Der maritime Verkehr verursacht laut der International Maritime Organization (IMO) knapp 3 % der weltweiten Treibhausgasemissionen \u2013 Tendenz steigend. Das ist mehr als der Flugverkehr, dessen Aussto\u00df laut IEA im Jahr 2023 bei rund 2,5 % lag. Gro\u00dfe Schiffe lassen sich genausowenig mit Batterien elektrifizieren wie Flugzeuge: Die Energiedichte reicht nicht f\u00fcr lange Strecken, und die Ladezeiten sind f\u00fcr den kommerziellen Betrieb zu lang.<\/p>\n<p>Wasserstoff-Brennstoffzellen k\u00f6nnten daher auch in diesem \u201ahard-to-abate\u2018-Sektor eine Alternative sein. Sie erzeugen Strom aus Wasserstoff und Sauerstoff, sto\u00dfen dabei nur Wasser aus und bieten eine hohe Energiedichte im Verh\u00e4ltnis zum Gewicht. Das macht Wasserstoff gerade f\u00fcr die Schifffahrt interessant: Gro\u00dfe Mengen lassen sich an Bord mitf\u00fchren, was lange Fahrten auf See erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Die Idee hinter \u201eMiNaMi\u201c<\/p>\n<p>Hier setzt das Projekt MiNaMi an, kurz f\u00fcr \u201eMillion Nautical Mile Fuel Cell System\u201e. Wie der Name schon sagt, soll das System \u00fcber eine Mio. Seemeilen bei 12,5 Knoten zuverl\u00e4ssig funktionieren.<\/p>\n<p>Die Laufzeit des Projekts betr\u00e4gt vier Jahre bis Ende 2029. Gef\u00f6rdert wird es \u00fcber das Clean Hydrogen Joint Undertaking im Rahmen von Horizont 2020. Im EU-Auswahlverfahren setzte es sich nach Angaben der Verantwortlichen gegen sieben weitere Bewerbergruppen durch.<\/p>\n<p>\u00dcber 10 MW stapelbare Leistung<\/p>\n<p>Das MiNaMi-System soll nach Angaben dem Konsortium eine Leistung von \u00fcber 10 MW erreichen. Dabei setzen die Partner auf ein modulares Konzept: Einzelne Brennstoffzellen-Stacks lassen sich kombinieren, um die Leistung je nach Bedarf zu skalieren.<\/p>\n<p>Die bislang leistungsst\u00e4rksten Wasserstoff-Brennstoffzellen auf Schiffen liegen bei rund 3 MW. Der schwedische Hersteller PowerCell, selbst einer der MiNaMi-Partner, lieferte ein solches System f\u00fcr eine europ\u00e4ische Superjacht. Auf zwei Containerschiffen der d\u00e4nischen Reederei Samskip kommen 3,2-MW-Module von Ballard Power Systems als Prim\u00e4rantrieb zum Einsatz.<\/p>\n<p>Der Sprung auf \u00fcber 10 MW w\u00e4re also mehr als eine Verdreifachung des aktuellen Stands.<\/p>\n<p>Das Konsortium: Wer was beitr\u00e4gt<\/p>\n<p>Koordinator des Projekts ist das Forschungszentrum VTT. Die neun Partner decken mehrere Stationen der Wertsch\u00f6pfungskette einer Brennstoffzelle ab:<\/p>\n<p>PowerCell Sweden liefert die Brennstoffzellen-Stacks.<br \/>\nDFDS, eine der gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen F\u00e4hrreedereien, bringt den konkreten Anwendungsfall aus dem kommerziellen Schiffsbetrieb ein.<br \/>\nABB Marine &amp; Ports \u00fcbernimmt die Systemintegration.<br \/>\nVaisala steuert Umweltsensorik bei.<br \/>\nDie Forschungsinstitute SINTEF (Norwegen), CERTH (Griechenland) und Fondazione Bruno Kessler (Italien) erg\u00e4nzen das Konsortium auf wissenschaftlicher Seite.<\/p>\n<p>Deutsches Unternehmen liefert Sensorik<\/p>\n<p>Die Allengra GmbH aus Ravenstein bringt Ultraschall-Durchflusssensorik in das Projekt ein. Ihre Hauptaufgabe besteht in der L\u00f6sung eines Problems, das charakteristisch f\u00fcr PEM-Brennstoffzellen ist: In den Mini-Kraftwerken wird nie der gesamte Wasserstoff verbraucht. Ein Teil verl\u00e4sst das System ungenutzt, vermischt mit Stickstoff und Feuchtigkeit.<\/p>\n<p>An dieser Stelle gibt es zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder wird der \u00fcbersch\u00fcssige Wasserstoff abgeblasen, was teuer ist und Ressourcen verschwendet. Oder er wird rezirkuliert und erneut der Brennstoffzelle zugef\u00fchrt. Daf\u00fcr muss das System aber in Echtzeit wissen, wie viel Wasserstoff noch im Gasgemisch enthalten ist. Genau das messen die Allengra-Sensoren: Sie bestimmen per Ultraschall den Durchfluss und die Gaszusammensetzung gleichzeitig. Damit erm\u00f6glichen sie laut Hersteller eine gezielte R\u00fcckf\u00fchrung des Wasserstoffs.<\/p>\n<p>Dieser Ansatz kann die Effizienz des Gesamtsystems nach Angaben aus dem Projekt erheblich steigern. Je gr\u00f6\u00dfer die Brennstoffzelle, desto relevanter wird die Rezirkulation, weil auch die Menge an ungenutztem Wasserstoff w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Warum Ultraschall in Wasserstoff so schwierig ist<\/p>\n<p>Die Messung selbst ist nicht trivial. Wasserstoff hat eine sehr geringe Dichte, was die akustischen Signale der Ultraschallwandler abschw\u00e4cht. Das ist besonders im niedrigen Druckbereich zwischen 4 und 60 bar, wie er in Brennstoffzellen \u00fcblich ist.<\/p>\n<p>Hinzu kommen Anforderungen an die Materialvertr\u00e4glichkeit: Alle Bauteile, die mit Wasserstoff in Kontakt kommen, m\u00fcssen aus speziell geeignetem Edelstahl gefertigt sein. Feuchtigkeit und Wassertropfen im Gasstrom d\u00fcrfen die Messung nicht verf\u00e4lschen. Nach Angaben der Allengra GmbH ist Wasserstoff unter allen Medien, die das Unternehmen bisher gemessen hat, das anspruchsvollste.<\/p>\n<p>Wo die Brennstoffzelle noch zum Einsatz kommen k\u00f6nnte<\/p>\n<p>Das MiNaMi-System ist prim\u00e4r f\u00fcr den maritimen Einsatz konzipiert. Die Partner sehen aber auch Anwendungspotenzial im Schienenverkehr, bei der station\u00e4ren Stromerzeugung und bei schweren Arbeitsmaschinen wie Muldenkippern im Bergbau.<\/p>\n<p>Ein konkretes Testschiff oder eine Route stehen noch nicht fest. Die Beteiligung von DFDS als F\u00e4hrbetreiber legt aber nahe, dass das System perspektivisch auf europ\u00e4ischen F\u00e4hrrouten erprobt werden k\u00f6nnte. Ein erster Prototyp wird fr\u00fchestens gegen Ende der Projektlaufzeit erwartet, also voraussichtlich 2028 oder 2029.<\/p>\n<p>Ob Wasserstoff in der Schifffahrt eine Chance hat, ist noch \u00e4hnlich unklar wie im Luft- oder Stra\u00dfenverkehr. Dieses Projekt d\u00fcrfte einen Teil dazu beitragen, es herauszufinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Neun Partner wollen eine maritime Brennstoffzelle bauen, die 80.000 h h\u00e4lt. 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