{"id":94011,"date":"2026-04-10T04:16:06","date_gmt":"2026-04-10T04:16:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/94011\/"},"modified":"2026-04-10T04:16:06","modified_gmt":"2026-04-10T04:16:06","slug":"es-tobt-ein-buergerkrieg-der-affen-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/94011\/","title":{"rendered":"Es tobt ein B\u00fcrgerkrieg der Affen \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Die gr\u00f6\u00dfte Schimpansengruppe der Welt hat sich auf Dauer geteilt und bek\u00e4mpft sich nun blutig. Was k\u00f6nnen wir Menschen daraus lernen?<\/p>\n<p>So lange ging alles gut: \u00dcber Jahrzehnte lebten die Ngogo-Schimpansen im Kibale-Nationalpark in Uganda harmonisch zusammen. Sie pflegten sich gegenseitig das Fell, suchten gemeinsam nach Futter, bildeten Paare und pflanzten sich fort. In den Nullerjahren nahm das Nahrungsangebot zu, die Population wuchs an, zur weltweit gr\u00f6\u00dften mit rund 200 Mitgliedern. Die Forscher, die sie schon seit 1995 aus der Ferne beobachten, stellten zwar zwei r\u00e4umliche \u201eCluster\u201c fest, den \u201ewestlichen\u201c und den \u201ezentralen\u201c, aber viele Tiere wechselten zwischen diesen und alle trafen oft aufeinander. Sie waren ein Genpool, eine gro\u00dfe Gemeinschaft \u2013 bis es Mitte 2015 zu einer seltsamen Szene kam.<\/p>\n<p>Einige Westaffen liefen vor solchen aus dem Zentrum davon, die ihnen nachsetzten. In der Folge ging man sich l\u00e4nger konsequent aus dem Weg. Im Jahr darauf starteten m\u00e4nnliche \u201eWestler\u201c eine erste Patrouille gen Zentrum, still und dicht gedr\u00e4ngt im G\u00e4nsemarsch, als ziehe man in Feindesland. 2017 gab es die erste Streife in die Gegenrichtung. Bei einem Zusammensto\u00df wurde der Alpha des Zentrums, der fr\u00fcher selbst im Westen lebte, schwer verwundet. <\/p>\n<p>Das \u00e4lteste M\u00e4nnchen der Ngogos, der Letzte, der noch als Vermittler hin und her wechselte, schloss sich dem Zentrum an. Die Trennung war vollzogen, auch f\u00fcr die Weibchen gab es nur noch Partner der eigenen Gruppe. Die Mitte des Territoriums wurde zur gemiedenen Grenze. Seitdem t\u00f6teten Westler bei brutalen Angriffen mindestens sieben gegnerische M\u00e4nnchen und 14 Junge, wahrscheinlich deutlich mehr. Es herrscht \u201eB\u00fcrgerkrieg\u201c.<\/p>\n<p>Sicher ein unpassendes Wort, aber \u201eKrieg\u201c w\u00e4re zu wenig. Gebietskonflikte mit Nachbarn sind unter Schimpansen wohl dokumentiert. Dass die Ngogo-Population so stark anwuchs, hat auch mit einem Eroberungsfeldzug von 2009 zu tun. So schlimm es klingt: Solche Attacken auf Fremde der eigenen Spezies k\u00f6nnen sich evolution\u00e4r bew\u00e4hren, ein gr\u00f6\u00dferes Territorium verbessert das Reproduktionsergebnis. Auch bei Zebramangusten, die \u00e4hnlich wie Erdm\u00e4nnchen aussehen, bei ihnen mit einer skurrilen Pointe: Es sind oft weibliche Anf\u00fchrer, die die M\u00e4nnchen tief in Feindesland f\u00fchren \u2013 und sich dann am Rande des Schlachtfelds schamlos mit den Fremden paaren.<\/p>\n<p>Bei den Ngogo-Schimpansen aber t\u00f6ten sich Tiere, die sich kennen, zum Teil zusammen aufgewachsen sind. Das ist ein Novum, nun analysiert unter der Leitung von Aaron Sandel von der University of Texas in Austin (Science, 9.4.).  <\/p>\n<p>Zwar berichtete schon die ber\u00fchmte Primatenforscherin Jane Goodall von einem \u201eGuerillakrieg\u201c einer Schimpansengruppe, die sich in Tansania aufgesplittet hatte, aber diese Tiere wurden von Menschen gef\u00fcttert, waren also nicht ganz wild und \u201eunverf\u00e4lscht\u201c. Jedenfalls ist schon die Aufsplittung einer Gruppe extrem selten, nach den genetischen Daten kommt sie im Schnitt nur alle 500 Jahre vor.<\/p>\n<p>Faszinierend ist auch: Die anderen n\u00e4chsten Verwandten der Menschen, die Bonobos, f\u00fchren nie Kriege. Dass sie so friedliebend sind, k\u00f6nnte damit zu tun haben, dass sie fast immer in futterreicher Umgebung lebten und  es kaum Ressourcenkonflikte gab. Bei den Ngogo-Schimpansen hingegen f\u00fchrte das tempor\u00e4re \u00dcberangebot an Nahrung zu einer ungew\u00f6hnlich gro\u00dfen Gruppe, was m\u00f6glicherweise den Zusammenhalt schw\u00e4chte und so zum Bruch f\u00fchrte. <\/p>\n<p>L\u00e4sst sich daraus etwas f\u00fcr uns lernen? Der Lead-Autor der Studie ist nicht zuf\u00e4llig Anthropologe, und sein Befund k\u00f6nnte eine alte Streitfrage der Konfliktforschung kl\u00e4ren: F\u00fchren Menschen Krieg, weil sie sich kulturell unterscheiden, durch Sprache, Religion, Ideologie oder ethnische Zugeh\u00f6rigkeit? Oder gen\u00fcgen lokale Rivalit\u00e4ten? B\u00fcrgerkriege sprechen f\u00fcr Letzteres. Nur: Zwei Gruppen, die sich bek\u00e4mpfen, sind unter Menschen kulturell nie ganz homogen \u2013 sehr wohl aber bei Affen.<\/p>\n<p>Wenn auch der Ursprung menschlicher Kriege individuelle Spannungen sind, kann das Hoffnung machen und als Auftrag gesehen werden. Denn dann wurzeln auch Frieden und Vers\u00f6hnung im Alltag aller. <\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die gr\u00f6\u00dfte Schimpansengruppe der Welt hat sich auf Dauer geteilt und bek\u00e4mpft sich nun blutig. 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