{"id":96494,"date":"2026-04-11T10:29:16","date_gmt":"2026-04-11T10:29:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/96494\/"},"modified":"2026-04-11T10:29:16","modified_gmt":"2026-04-11T10:29:16","slug":"loungen-in-der-kraterlandschaft-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/96494\/","title":{"rendered":"Loungen in der Kraterlandschaft \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Als sie sich nach 40 Minuten mondbedingter Funkstille aus der \u201eOrion\u201c-Raumkapsel wieder zu Wort melden konnte, sprach die Astronautin Christina Koch vergangene Woche die f\u00fcr Menschen ohne Raumfahrtambitionen tr\u00f6stlichen Worte: \u201eUltimately, we will always choose earth. We will always choose each other.\u201c Sch\u00f6n, dass unser Mutter\u00adplanet noch nicht ganz abgeschrieben ist, wenngleich nun wieder das Fieber der bemannten Raumfahrt ausbrechen mag. In zwei Jahren sollen wieder Menschen \u00fcber den Mond hoppeln, und vielleicht bricht jetzt gestalterisch die n\u00e4chste \u201eSpace Age\u201c-Verve aus. Ganz neu w\u00e4re so ein futuristischer Elan nicht, denn schon als Pr\u00e4sident Kennedy der Nasa ihre lunare Sto\u00dfrichtung vorgab und diese mit dem Apollo-Programm erfolgreich eingeschlagen wurde, gerieten die Gestalter ins Tr\u00e4umen. <\/p>\n<p>Ihre Visionen unterschieden sich deutlich von der Art-d\u00e9co-Zukunft in Fritz Langs \u201eMetropolis\u201c. Als in den Sixties der Mond erstmals tats\u00e4chlich zum Greifen nah schien, entstand in Mode und M\u00f6bel\u00addesign eine \u00c4sthetik, die bis heute ihre (retro-)futuristische G\u00fcltigkeit hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2018-01-24T145741Z_333675641_RC17FDF50770_RTRMADP_3_FASHION-PARIS-HAUTECOUTURE.JPG\" alt=\"Space Age und Op-Art: eine Mode-Hommage von Jean Paul Gaultier an Pierre Cardin. \" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>Space Age und Op-Art: eine Mode-Hommage von Jean Paul Gaultier an Pierre Cardin. \u2003GONZALO FUENTES\/Reuters<\/p>\n<p>Nicht die US-amerikanische Raumfahrtverve brachte den Pariser Modekonstrukteur Pierre Cardin im Jahr 1963 auf den Geschmack, sondern ein Treffen mit der Kosmonautin Walentina Tereschkowa, der ersten Frau im Weltraum. Sie inspirierte Cardin, der zuvor die f\u00fcr das Auftreten der Beatles ma\u00dfgebliche Fa\u00e7on kragenloser \u00adJacketts erfunden hatte, zu seiner 1964 pr\u00e4sentierten \u201eCosmocorps\u201c-Kollektion. Cardin gelangte in sp\u00e4teren Jahren bekanntlich als etwas zu gener\u00f6ser Lizenzgeber seiner Markenrechte in Modekreisen zu zweifelhaftem Ruhm. <\/p>\n<p>Mit seinen Entw\u00fcrfen blieb er der \u201eCosmocorps\u201c-Linie \u00fcber die Jahrzehnte treu. Um die konstruierten, k\u00f6rperformenden Kleidungsst\u00fccke herstellen zu k\u00f6nnen, experimentierte Cardin mit plastomeren Materialien: Das in W\u00e4rme formbare Dynel vermarktete er sogar als \u201eCardine\u201c-Textil. Die Kollektionen, die heute Pierre Cardins Neffe Rodrigo entwirft, muten wie aus der Zeit gefallen an \u2013 ein Besuch im markeneigenen Museum im Pariser Marais f\u00fchlt sich an, als w\u00fcrde man in eine textile Vergangenheit abtauchen.  <\/p>\n<p>            <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Pierre Cardin F26 057.jpg\" alt=\"Ein Herrenlook aus der Herbstkollektion 2026\/27 der Marke Pierre Cardin, entworfen von Ronaldo Cardin. \" onclick=\"window.emitter.emit('gallery-inline\/openOverlay', '69da21b362604')\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                Ein Herrenlook aus der Herbstkollektion 2026\/27 der Marke Pierre Cardin, entworfen von Ronaldo Cardin.<br \/>\n                Carlo Scarpato \/ Gorunway.com<\/p>\n<p>            <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Pierre Cardin F26 042.jpg\" alt=\"Die von Rodrigo Cardin entworfene Mode, aus den Sixties ins Jetzt gebeamt. \" onclick=\"window.emitter.emit('gallery-inline\/openOverlay', '69da21b362604')\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                Die von Rodrigo Cardin entworfene Mode, aus den Sixties ins Jetzt gebeamt.<br \/>\n                Carlo Scarpato, Gorunway<\/p>\n<p>                        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1775903354_339_Pierre Cardin F26 057.jpg\" alt=\"Ein Herrenlook aus der Herbstkollektion 2026\/27 der Marke Pierre Cardin, entworfen von Ronaldo Cardin. \" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1775903355_881_Pierre Cardin F26 042.jpg\" alt=\"Die von Rodrigo Cardin entworfene Mode, aus den Sixties ins Jetzt gebeamt. \" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Eventuell noch pr\u00e4gender als Cardins Einfluss ist seit den  Sechzigerjahren jener von Andr\u00e9 Courr\u00e8ges, der \u2013 ebenfalls 1964 \u2013 mit der A-Linie seiner \u201eMoon Girl\u201c-Kollektion eine innovative Silhouette f\u00fcr die Space-Age-Begeisterung fand. Der Dynamik der neuen Zeit entsprach dies, die britische \u201eVogue\u201c jubelte und erkl\u00e4rte 1964 zum \u201eYear of Courr\u00e8ges\u201c (Pierre Cardin jubelte wohl deutlich weniger). Gabrielle Chanel war \u00fcbrigens kein Fan dieser neuen Mondmode, sie soll n\u00e4mlich \u00fcber Courr\u00e8ges gesagt haben: \u201eDieser Mann hasst Frauen, er macht sie zu kleinen M\u00e4dchen!\u201c<\/p>\n<p>Die Jahre vor der ersten Mondlandung hinterlie\u00dfen nicht nur im Mode-Imagin\u00e4ren ihre Spuren, sondern ebenso in der Vorstellung davon, wie man (nicht nur in einer Raumstation) wohnen wollte. Zu den M\u00f6beldesignern, die die \u00c4ra pr\u00e4gend begleiteten, z\u00e4hlte etwa der Finne Eero Aarnio. Entw\u00fcrfe wie sein \u201eGlobe Chair\u201c oder der von der Decke h\u00e4ngende \u201eBubble Chair\u201c sind bis heute beliebt unter Retro-Sci-Fi-Fans und \u2013 ob als Originale oder Replica \u2013 auch in Science-Fiction-Produktionen jener Jahre anzutreffen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/19_VDM_Science-Fiction-Design_Verner-Panton_Visiona-II_Fantasy-Landscape.jpg\" alt=\"Auch Verner Pantons psychedelische Wohn-Welten entsprangen dem Space Age. \" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>Auch Verner Pantons psychedelische Wohn-Welten entsprangen dem Space Age. \u2003Verner Panton Design AG<\/p>\n<p>Als 1968 Stanley Kubricks \u201e2001: A Space Odyssey\u201c in die Kinos kam, wurde der 1964 von Olivier Mourgue entworfene \u201eDjinn Chair\u201c, der im Film in einer Hotellobby Teil der Ausstattung war, ber\u00fchmt und nicht nur unter Cineasten als \u201e2001 Chair\u201c zum Begriff. <\/p>\n<p>Das von dem Finnen Eero Saarinen (er entwarf auch den ber\u00fchmten \u201eTulip Chair\u201c, allerdings bereits in den F\u00fcnfzigerjahren) geplante Terminal der Trans World Airlines, 1962 er\u00f6ffnet und heute als TWA Hotel in Betrieb, f\u00fchrte vor, wie ein passendes Environment f\u00fcr \u201eMoon Girls\u201c und \u201eKosmok\u00f6rper\u201c in ihren Loungesesseln aussehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Einblick in die Entwicklung der Sci-Fi-\u00c4sthetik in den vergangenen Jahrzehnten m\u00f6chte das Vitra Design Museum derzeit mit einer gro\u00dfen Themenausstellung geben. Dabei ist interessant, dass sich \u2013 abgesehen von auch in diesem Bereich wechselnden Moden \u2013 eine gewisse Grund\u00e4sthetik seit den Sechzigerjahren halten konnte. Das zeigen etwa die im Metaverse entstandenen Entw\u00fcrfe des Argentiniers Andr\u00e9s Reininger, der im Vitra-Stammsitz in Weil am Rhein auch die Ausstellungsarchitektur verantwortete. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/10_VDM_Science-Fiction-Design_Joe-Colombo_Sella.jpg\" alt=\"Ebenfalls im Vitra Design Museum zu sehen: der Schalensessel von Joe Colombo aus dem Jahr 1964. \" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>Ebenfalls im Vitra Design Museum zu sehen: der Schalensessel von Joe Colombo aus dem Jahr 1964. \u2003Vitra Design Museum\/J\u00fcrgen Hans<\/p>\n<p>Sein Zugang ist zugleich charakteristisch daf\u00fcr, dass heute das Vorw\u00e4rtsgewandte und die Innovation von vielen Gestaltern prim\u00e4r in der Art und Natur der verwendeten (Nicht-)Materialien gesucht werden. Das zeigt sich im Modebereich sehr deutlich in den Abschlussarbeiten des innovationsbasierten, in Linz ans\u00e4ssigen \u201eFashion &amp; Technology\u201c-Studiengangs; die Studierenden experimentieren dort mit vielerlei Ingredienzien, um ihre Kleidungsst\u00fccke herstellen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Und wer es doch klassischer m\u00f6chte: Marken wie Pierre Cardin (nat\u00fcrlich) und Prada haben mittlerweile Raumanz\u00fcge entwickelt. Aktuell nicht unbedingt in jeder Boutique erh\u00e4ltlich, aber das kann in den n\u00e4chsten Jahr(hundert)en ja noch werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als sie sich nach 40 Minuten mondbedingter Funkstille aus der \u201eOrion\u201c-Raumkapsel wieder zu Wort melden konnte, sprach die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":96495,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[46,42,147,44,148,35771],"class_list":{"0":"post-96494","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-entertainment","11":"tag-oesterreich","12":"tag-unterhaltung","13":"tag-zukunftsmusik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116385609355744493","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96494","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=96494"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96494\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/96495"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=96494"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=96494"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=96494"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}