{"id":97666,"date":"2026-04-12T03:37:09","date_gmt":"2026-04-12T03:37:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/97666\/"},"modified":"2026-04-12T03:37:09","modified_gmt":"2026-04-12T03:37:09","slug":"ghanas-deponie-agbogbloshie-als-ungewolltes-symbol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/97666\/","title":{"rendered":"Ghanas Deponie Agbogbloshie als ungewolltes Symbol"},"content":{"rendered":"<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Die Worte &#8222;Elektroschrott&#8220; und &#8222;Ghana&#8220; rufen gewisse Assoziationen von riesigen M\u00fcllbergen und giftigen D\u00e4mpfen hervor. Denn mit solchen Bildern ist die Deponie Agbogbloshie in der ghanaischen Hauptstadt Accra global bekannt geworden &#8211; und zum Symbol f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen. Die in einer informellen Siedlung gelegene Deponie, die vor allem von Menschen aus dem Norden des Landes oder Nachbarstaaten bewohnt wird, offenbart sozusagen das Ende der Lebenszyklen unserer Elektroger\u00e4te.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">\u00dcber die Deponie entstand zum Beispiel der \u00f6sterreichische Dokumentarfilm &#8222;Welcome to Sodom&#8220; (2018) und zahlreiche Pressefotos und Reportagen stellten das Gel\u00e4nde nah an der S\u00fcdk\u00fcste des Landes ins Zentrum. Und Elektroschrott wird immer mehr, wie der &#8222;Global E-Waste Monitor&#8220; (2024) der UNO erneut aufzeigte. 62 Millionen Tonnen an derartigem Abfall (englisch: E-Waste) fielen etwa im Jahr 2022 an &#8211; ein Anstieg um 82 Prozent im Vergleich zu 2010. In der Zusammensetzung bestand der Gro\u00dfteil des Abfalls 2022 dabei aus Metallen (31 Mio. Tonnen), gefolgt von Kunststoffen (17 Mio. Tonnen). Die verbleibenden 14 Mio. Tonnen setzen sich aus weiteren Materialien wie Mineralien, Glas, Verbundwerkstoffen zusammen. Geht diese Entwicklung weiter, ist laut UNO-Angaben 2030 mit 82 Millionen Tonnen E-Schrott zu rechnen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Gering ist jedoch die Recyclingquote. So betr\u00e4gt der Anteil an offiziell gesammeltem und recyceltem Elektronikschrott laut dem &#8222;E-Waste Monitor 2024&#8220; der UNO selbst in Europa nur knappe 43 Prozent. Das ist aber die h\u00f6chste Quote aller Kontinente, die in den beiden &#8222;schw\u00e4chsten&#8220;, Asien und Afrika, nur bei 11,8 bzw. bei 0,7 Prozent liegt. (Zahlen jeweils f\u00fcr 2022). Global betrug jener Anteil, der als ordnungsgem\u00e4\u00df gesammelt und recycelt dokumentiert wurde, nur 22,3 Prozent.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Zu den verbleibenden 77,7 Prozent, die au\u00dferhalb des formellen Systems ohne Einhaltung von Vorschriften entsorgt werden, hei\u00dft es in dem Bericht, dass so &#8222;j\u00e4hrlich 58.000 Kilogramm Quecksilber und 45 Millionen Kilogramm Kunststoffe, die bromierte Flammschutzmittel enthalten&#8220; in die Umwelt gelangen. Neben zum Teil schweren Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit der Menschen, die zu gro\u00dfen Teilen jene im globalen S\u00fcden betrifft, bedeutet es auch eine Verschwendung von knapper werdenden Ressourcen. Die geringe Recyclingquote bedeutet dabei, dass ein Gro\u00dfteil der alten TV-Ger\u00e4te, Smartphones oder PCs irgendwo verloren geht &#8211; sie bleiben etwa einfach im Haushalt liegen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">&#8222;Verloren gehen&#8220; kann dabei auch bedeuten, dass diese Ger\u00e4te als &#8222;untested devices&#8220; (ungepr\u00fcfte Ger\u00e4te, Anmerkung) etwa in einer Containerladung im Hafen von Accra wieder auftauchen. Das \u00f6sterreichische Unternehmen Refurbed stellt dazu fest, dass zwar seit J\u00e4nner 2025 eine Novelle der EU-Verordnung &#8222;Waste Shipments Regulation&#8220; das Exportieren von gef\u00e4hrlichem Elektronikschrott in Nicht-OECD-L\u00e4nder verbietet, jedoch Falschangaben in der Praxis weiterhin bestehen und die Vorgaben so umgangen werden.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Ghanas Regierungsverantwortliche sind sich dem Problem &#8222;Elektroschrott&#8220; zumindest bewusst. So wurde 2016 eine entsprechende Regulierungsrichtlinie verabschiedet. Es wird seither versucht mit Schulungen oder Anreizsystemen das Verbrennen von Elektro- und Elektronikger\u00e4ten zu reduzieren. 2021 griff die damalige Regierung zu einem radikaleren Ansatz, indem Agbogbloshie mehr oder weniger ger\u00e4umt werden sollte &#8211; nicht zuletzt, um dem eingangs erw\u00e4hnten schlechten Image etwas entgegenzusetzen. Wirklich ver\u00e4ndert hat das nichts, die Schrottberge wuchsen nach, der laufende Nachschub aus anderen Kontinenten sorgte daf\u00fcr.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Die NGO S\u00fcdwind zog zur R\u00e4umung jedenfalls eine vernichtende Bilanz, nachdem sie gemeinsam mit dem ghanaischen Umweltjournalisten und -aktivisten Mike Anane die Lage vor Ort beurteilte und zu dem Schluss kam, dass weiterhin containerweise E-Schrott im Hafen von Accra lande. Dieser w\u00fcrde &#8222;weiterhin unter gesundheitssch\u00e4dlichen Bedingungen nun auf kleineren Deponien im ganzen Land zerlegt&#8220;, wie Anane damals feststellte.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Im Gespr\u00e4ch mit der APA sah S\u00fcdwindsprecher Vincent Sufiyan die L\u00f6sung f\u00fcr die globale Elektroschrottproblematik darin, die Produzenten der Ger\u00e4te selbst in die Pflicht zu nehmen. Stichwort ist hier die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR &#8211; Extended Producer Responsibility), die f\u00fcr den gesamten Lebenszyklus der Produkte gelten soll, was auch Recycling und Entsorgung umfasst. Die Vergangenheit hat dabei gezeigt, dass die Realisierung h\u00f6herer Standards dann am besten funktionieren w\u00fcrde, wenn Unternehmen diese selbst setzen und so auch ihre Konkurrenten unter Zugzwang setzen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Elektroschrott ist jedenfalls ein Exportschlager. Laut UNO-Bericht wurden 2022 5,1 Milliarden Kilogramm davon grenz\u00fcberschreitend transportiert, &#8222;sch\u00e4tzungsweise 3,3 Milliarden Kilogramm im Rahmen unkontrollierter und undokumentierter grenz\u00fcberschreitender Verbringungen aus L\u00e4ndern mit hohem Einkommen in L\u00e4nder mit mittlerem und niedrigem Einkommen&#8220;. Das sind rund zwei Drittel der grenz\u00fcberschreitenden Verbringung von Elektroschrott weltweit.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Dass mit den &#8222;untested devices&#8220; nicht nur gebrauchte, aber funktionst\u00fcchtige Ger\u00e4te in Staaten wie Ghana geraten, ist eine Tatsache. Laut einer Interpol-Erhebung enth\u00e4lt fast jeder dritte kontrollierte Container aus der EU nicht funktionierende Elektroger\u00e4te, die f\u00e4lschlicherweise als &#8222;Gebrauchtware&#8220; eingestuft wurden. Das ist laut S\u00fcdwind unter anderem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass bereits in Europa mangelnde Kontrollen bei der Verschiffung herrschen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Am Hamburger Hafen, dem drittgr\u00f6\u00dften Hafen Europas, zeigte sich in der S\u00fcdwind-Erhebung 2021, dass alleine vom Personal her zu geringe Ressourcen vorhanden waren, um effektive Kontrollen zu erm\u00f6glichen. &#8222;Und die H\u00e4ndler kaufen solche Ladungen oft auf gut Gl\u00fcck&#8220;, so Sufiyan. Die NGO spricht sich jedenfalls grunds\u00e4tzlich gegen den Export von E-Waste in den globalen S\u00fcden aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Worte &#8222;Elektroschrott&#8220; und &#8222;Ghana&#8220; rufen gewisse Assoziationen von riesigen M\u00fcllbergen und giftigen D\u00e4mpfen hervor. 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